Schock an der Tankstelle: E10 erstmals über 2,20 Euro pro Liter
ADAC warnt: Bis Pfingsten könnte der Preis weiter steigen. OPEC+ drosselt Förderung.
2,23 Euro pro Liter E10. 2,31 Euro für Super E5. Wer in dieser Woche tankt, zahlt so viel wie nie zuvor in Deutschland. Und laut ADAC ist das erst der Anfang.
Warum sind die Preise so hoch?
Der OPEC+-Faktor
Anfang April traf sich das Öl-Kartell OPEC+ und beschloss, die tägliche Fördermenge um 500.000 Barrel zu senken — das entspricht einer Reduktion von knapp 10%. Die Begründung: man wolle den Ölpreis stabilisieren.
Das Ergebnis: Rohöl der Sorte Brent kletterte von 78 Dollar auf 94 Dollar pro Barrel innerhalb von drei Wochen. Direkte Folge an der deutschen Zapfsäule: plus 18 Cent pro Liter.
Der Euro-Dollar-Effekt
Öl wird weltweit in US-Dollar gehandelt. Der Euro hat in den letzten Monaten gegenüber dem Dollar nachgegeben — von 1,12 auf 1,04 Dollar. Das verteuert jeden Import weiter.
Steuern und Abgaben
- Energiesteuer: 65,45 Cent pro Liter E10
- CO2-Preis (aktuell 65 Euro/Tonne): rund 18 Cent pro Liter
- Mehrwertsteuer: 19% auf den Gesamtpreis
- Mineralölgesellschaft + Tankstellenbetreiber: ca. 15-20 Cent Marge
Wer leidet am meisten?
Eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt: Die Belastung trifft vor allem Pendler im ländlichen Raum, die auf das Auto angewiesen sind.
- Ein Pendler mit 30 km Weg einfach, 220 Arbeitstage, 7 Liter/100km verbraucht 924 Liter pro Jahr — das sind aktuell über 2.000 Euro jährlich nur für den Arbeitsweg
- Familien mit zwei Autos zahlen im Schnitt 400 Euro mehr pro Monat als vor zwei Jahren
- Selbstständige, die auf Lieferfahrten angewiesen sind, geben bis zu 15% ihres Umsatzes für Kraftstoff aus
Was sagen Experten?
ADAC-Sprecherin Marion Jungbluth: "Wir rechnen bis Pfingsten mit einem weiteren Anstieg auf bis zu 2,40 Euro. Autofahrer sollten preiswerte Tankzeiten nutzen — in der Regel Dienstag- und Mittwochabend."
Energieexperte Prof. Klaus Müller vom DIW empfiehlt stattdessen: "Langfristig ist der Wechsel auf ein E-Auto oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel die einzige Strategie, um sich von den Ölpreisschwankungen zu entkoppeln."
Günstig tanken: 7 konkrete Tipps
- Preis-Apps wie Tankerkönig oder ADAC nutzen — Preisunterschiede von 20 Cent pro Liter sind normal
- Dienstag und Mittwoch nach 18 Uhr tanken: statistisch günstigste Zeiten
- Autobahn-Tankstellen meiden — dort zahlt man im Schnitt 25 Cent mehr
- Reifendruck regelmäßig prüfen: falsche Werte kosten bis zu 10% mehr Kraftstoff
- Motor-Stopp bei Standzeiten über 60 Sekunden
- Tempo 100 auf der Autobahn statt 130: spart bis zu 20% Kraftstoff
- Mitfahrgelegenheiten nutzen: Blablacar, Pendlernetz oder Betriebsfahrgemeinschaft
Preisentwicklung: Wo geht die Reise hin?
Analysten der Investmentbank Goldman Sachs prognostizieren: Sollte die OPEC+ ihre Produktionskürzung bis in den Sommer verlängern, könnten die Preise in Deutschland auf 2,50 Euro steigen. Erst ein Rückgang des Rohölpreises unter 80 Dollar würde Entlastung bringen.