Gesundheit

Burnout steigt: Diese Gruppen sind am stärksten betroffen

DAK-Gesundheitsreport: Krankheitstage wegen psychischer Erkrankungen auf Rekordhoch

Von Julia Schneider 6 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026
Burnout steigt: Diese Gruppen sind am stärksten betroffen
Das Wichtigste in Kürze
  • Burnout-Diagnosen steigen um 18 Prozent
  • Besonders betroffen: Pflegekräfte, Lehrer und junge Menschen unter 30
  • DAK fordert mehr betriebliche Prävention

Psychische Erkrankungen und Burnout-Syndrome verursachen in Deutschland eine wachsende Zahl von Krankheitstagen. Der aktuelle DAK-Gesundheitsreport dokumentiert einen deutlichen Anstieg bei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen wegen psychischer Belastungen. Beschäftigte aus unterschiedlichsten Branchen sind betroffen — von Lehrkräften über Pflegepersonal bis hin zu Büroarbeiterinnen und Büroarbeitern. Welche Faktoren hinter dieser Entwicklung stecken, welche Symptome auf ein drohendes Burnout hinweisen und wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegensteuern können, beleuchtet dieser Artikel.

Das Wichtigste in Kürze
  • Das Phänomen Burnout: Mehr als nur Erschöpfung
  • Wer ist besonders gefährdet?
  • Symptome erkennen: Die wichtigsten Warnsignale
  • Prävention und Selbstschutz: Was Beschäftigte tun können

Studienlage: Der DAK-Gesundheitsreport 2023 dokumentiert, dass die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren um rund 48 Prozent gestiegen sind. Im Durchschnitt entfielen auf 100 erwerbstätige DAK-Versicherte etwa 276 Fehltage pro Jahr wegen psychischer Störungen — ein Wert, der seit Jahren kontinuierlich zunimmt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass Depressionen und Angststörungen der Weltwirtschaft jährlich rund eine Billion US-Dollar an Produktivitätsverlusten kosten. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) leidet etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland im Laufe eines Jahres unter einer diagnostizierbaren psychischen Störung. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) warnt in ihrem Bericht zur psychiatrischen Versorgung vor erheblichen Wartezeiten auf einen Therapieplatz — im bundesweiten Durchschnitt vergehen nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bis zu fünf Monate zwischen Erstkontakt und Therapiebeginn. Dies erschwert die rechtzeitige Behandlung von Burnout-Erkrankungen erheblich.

Das Phänomen Burnout: Mehr als nur Erschöpfung

Studienlage: Der DAK-Gesundheitsreport 2023 dokumentiert, dass die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren um rund 48 Prozent gestiegen sind.
Burnout und Stress im Beruf
Burnout und Stress im Beruf

Burnout tritt nicht plötzlich auf. Es handelt sich um einen schleichenden Prozess körperlicher, emotionaler und mentaler Erschöpfung, der durch chronischen beruflichen Stress entsteht. Die WHO hat Burnout in der aktuellen elften Revision der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) als Syndrom verankert und beschreibt es über drei Kerndimensionen: emotionale Erschöpfung, zunehmende Distanziertheit oder Zynismus gegenüber der eigenen Arbeit sowie eine spürbar reduzierte Leistungsfähigkeit im Berufsalltag. Wichtig: Die WHO klassifiziert Burnout ausdrücklich als arbeitsplatzbezogenes Phänomen, nicht als eigenständige Krankheit — eine Unterscheidung, die für Diagnose und Behandlung relevant ist.

Die Ursachen sind meist vielschichtig. Häufig wirken mehrere Belastungsfaktoren zusammen: hohe Arbeitsvolumina, fehlende Entscheidungsautonomie, mangelnde Anerkennung, unzureichende Führungsunterstützung sowie eine gestörte Work-Life-Balance. Seit der Verbreitung von Homeoffice-Modellen hat sich die Lage in bestimmten Berufsgruppen zusätzlich verschärft. Die ständige digitale Erreichbarkeit und die räumliche Vermischung von Berufs- und Privatleben erschweren es vielen Beschäftigten, nach der Arbeit wirklich abzuschalten — ein Effekt, den Forschende der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in mehreren Studien belegt haben.

Wer ist besonders gefährdet?

Psychische Gesundheit
Psychische Gesundheit

Der DAK-Gesundheitsreport zeigt, dass bestimmte Berufsgruppen überdurchschnittlich stark betroffen sind. An erster Stelle stehen Beschäftigte im Gesundheitswesen — insbesondere Pflegefachkräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Auch Lehrkräfte, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung melden überdurchschnittlich hohe Belastungsraten. Diese Berufe sind häufig durch hohe emotionale Anforderungen, Verantwortung für andere Menschen und chronischen Ressourcenmangel geprägt. Der anhaltende Pflegenotstand in Deutschland verstärkt diese Problematik in der Gesundheitsbranche strukturell.

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Zunehmend betroffen sind aber auch Freiberuflerinnen und Freiberufler, Selbstständige sowie Beschäftigte in stark digitalisierten Arbeitsbereichen. Ihnen fehlt oft der institutionelle Schutzrahmen, den Angestellte durch Betriebsärzte, Personalabteilungen oder Mitarbeitervertretungen haben. Das Risiko, Warnsignale zu ignorieren oder zu spät professionelle Hilfe zu suchen, ist in diesen Gruppen besonders ausgeprägt.

Symptome erkennen: Die wichtigsten Warnsignale

Burnout entwickelt sich über Monate oder sogar Jahre. Wer frühzeitig auf Warnsignale achtet, kann gegensteuern, bevor eine vollständige Erschöpfung eintritt. Die DGPPN und die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) nennen folgende häufige Symptome:

  • Anhaltende Erschöpfung: Müdigkeit, die sich durch Schlaf nicht bessert und über mehrere Wochen anhält.
  • Emotionale Distanz: Zunehmende Gleichgültigkeit oder Zynismus gegenüber der eigenen Arbeit, Kolleginnen und Kollegen oder Klientinnen und Klienten.
  • Konzentrationsprobleme: Schwierigkeiten, sich zu fokussieren, Entscheidungen zu treffen oder Aufgaben zu priorisieren.
  • Körperliche Beschwerden: Kopfschmerzen, Verspannungen, Magenprobleme oder häufige Infekte ohne klare organische Ursache.
  • Rückzug: Sozialer Rückzug aus dem privaten Umfeld sowie nachlassendes Interesse an Hobbys und Freizeitaktivitäten.
  • Reizbarkeit: Erhöhte Gereiztheit, emotionale Instabilität oder unverhältnismäßig starke Reaktionen auf alltägliche Anforderungen.
  • Leistungsabfall: Nachlassende Produktivität trotz subjektiv hohem Arbeitseinsatz und langer Arbeitszeiten.
  • Schlafstörungen: Ein- oder Durchschlafprobleme, häufig verbunden mit gedanklichem Kreisen um berufliche Themen.

Wer drei oder mehr dieser Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen beobachtet, sollte ärztliche oder psychotherapeutische Beratung in Anspruch nehmen. Der Hausarzt oder die Hausärztin ist in der Regel die erste Anlaufstelle — eine Überweisung zum Facharzt ist für ein Erstgespräch nicht zwingend erforderlich.

Prävention und Selbstschutz: Was Beschäftigte tun können

Prävention beginnt weder beim Arbeitgeber noch bei der Politik allein — auch individuelles Handeln ist wirksam. Gleichzeitig darf die strukturelle Verantwortung von Organisationen nicht auf Einzelpersonen abgewälzt werden. Folgende Maßnahmen können helfen, das persönliche Burnout-Risiko zu reduzieren:

  • Klare Grenzen setzen: Feste Arbeitszeiten definieren und außerhalb dieser Zeiten digitale Geräte konsequent abschalten — auch im Homeoffice.
  • Erholungspausen aktiv einplanen: Kurzpausen während des Arbeitstags sowie ausreichend Urlaub sind keine Schwäche, sondern Leistungsvoraussetzung.
  • Soziale Ressourcen nutzen: Vertrauenspersonen im privaten und beruflichen Umfeld ansprechen; Isolation verstärkt Burnout-Prozesse.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung gilt laut BAuA-Forschung als einer der wirksamsten Stresspuffer — mindestens 150 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche werden empfohlen.
  • Professionelle Unterstützung frühzeitig suchen: Psychologische Beratungsstellen, Betriebsärzte und psychotherapeutische Praxen niedrigschwellig aufsuchen — möglichst bevor eine Krise entsteht.
  • Belastungsquellen benennen: Im Gespräch mit Vorgesetzten oder der Personalabteilung konkrete Überlastungssituationen ansprechen — betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) kann dabei unterstützen.
  • Achtsamkeitsbasierte Methoden: Methoden wie MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) sind in klinischen Studien als ergänzende Maßnahme zur Stressreduktion gut belegt.

Was Arbeitgeber und Politik tun müssen

Individuelle Prävention ist wichtig, löst aber das strukturelle Problem nicht. Die DGPPN fordert seit Jahren eine deutliche Ausweitung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgungskapazitäten. Auch das Bundesministerium für Gesundheit hat die Versorgungslücke anerkannt — konkrete Reformen lassen jedoch auf sich warten. Arbeitgeber sind nach dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet, psychische Belastungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung systematisch zu erfassen und zu minimieren. In der Praxis wird diese Vorschrift jedoch häufig nicht konsequent umgesetzt, wie Kontrollen der Gewerbeaufsichtsämter zeigen.

Betriebe, die in präventives Gesundheitsmanagement investieren, profitieren laut einer Studie des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung (IfBG) langfristig von geringeren Fehlzeiten und höherer Mitarbeiterbindung. Der Return on Investment für betriebliche Gesundheitsmaßnahmen liegt laut dieser Analyse bei durchschnittlich 2,5 Euro je eingesetztem Euro — ein Argument, das auch ökonomisch überzeugen sollte.

Fazit: Früh handeln, Hilfe annehmen

Die steigenden Zahlen psychisch bedingter Fehltage sind ein ernst zu nehmender Befund — aber kein Grund zur Panik. Sie zeigen, dass das Bewusstsein für psychische Gesundheit wächst und Betroffene zunehmend bereit sind, Hilfe zu suchen. Entscheidend ist, Warnsignale frühzeitig zu erkennen, offen darüber zu sprechen und geeignete Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Wer erste Symptome bei sich beobachtet, sollte nicht zuwarten — der Weg zur Hausärztin oder zum Hausarzt ist der richtige erste Schritt. Weiterführende Informationen zu verwandten Themen wie Pflegenotstand und Arbeitsbelastung im Gesundheitswesen finden Sie ebenfalls auf ZenNews24.

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Quellen:
  • Bundesgesundheitsministerium — bundesgesundheitsministerium.de
  • Robert Koch-Institut — rki.de
  • Ärzteblatt — aerzteblatt.de
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Julia Schneider
Gesellschaft & International

Julia Schneider schreibt über gesellschaftliche Trends, internationale Konflikte und humanitäre Themen. Sie hat als Auslandskorrespondentin aus Brüssel und Wien berichtet.

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