Klima

Klimapaket der Bundesregierung: Was sich 2025 beim CO₂-Preis

Ab Januar steigt der CO₂-Preis auf 55 Euro pro Tonne — was das für Heizen und Autofahren bedeutet

Von Julia Schneider 7 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026
Klimapaket der Bundesregierung: Was sich 2025 beim CO₂-Preis
Das Wichtigste in Kürze
  • Der CO₂-Preis steigt 2025 auf 55 Euro — Heizöl und Benzin werden teurer
  • Was das konkret für Verbraucher bedeutet und was mit den Einnahmen passiert

Die Bundesregierung hat sich für 2025 auf eine deutliche Erhöhung der CO₂-Bepreisung geeinigt. Ab Januar steigt der nationale Emissionszertifikatehandel (nEHS) für Brennstoffe wie Erdgas und Heizöl sowie für Verkehrskraftstoffe von derzeit 45 Euro pro Tonne auf 55 Euro pro Tonne. Diese Maßnahme ist Teil des überarbeiteten Klimapakets und soll den Druck auf Verursacher von Treibhausgasen erhöhen. Für Millionen von Haushalten und Autofahrern bedeutet das unmittelbare finanzielle Konsequenzen — doch Experten betonen auch die Chancen für den Klimaschutz.

Das Wichtigste in Kürze
  • Warum die CO₂-Bepreisung steigt — und was das bedeutet
  • Wo Deutschland mit der CO₂-Bepreisung international steht
  • Was sich bei Heizen und Autofahren konkret ändert
  • Die wissenschaftliche Perspektive: Was der IPCC sagt

CO₂/Klimazahl: Der nationale CO₂-Preis für Brennstoffe und Verkehr steigt zum 1. Januar 2025 von 45 Euro auf 55 Euro pro Tonne Kohlenstoffdioxid. Das entspricht einer Steigerung von etwa 22 Prozent. Bei einem durchschnittlichen Gasverbrauch für Heizung und Warmwasser von etwa 20.000 Kilowattstunden pro Jahr resultiert dies in zusätzlichen Kosten von rund 100 bis 120 Euro jährlich für einen Haushalt. Beim Autofahren verteuert sich ein Liter Benzin oder Diesel um etwa 5 bis 6 Cent.

Warum die CO₂-Bepreisung steigt — und was das bedeutet

Das entspricht einer Steigerung von etwa 22 Prozent.
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Der nationale Emissionszertifikatehandel wurde in Deutschland erstmals 2021 eingeführt. Das Prinzip ist einfach: Wer fossile Brennstoffe wie Erdgas, Heizöl, Benzin oder Diesel verkauft, muss Zertifikate für die damit verbundenen CO₂-Emissionen erwerben. Diese Kosten geben Energieunternehmen und Mineralölkonzerne in der Regel an die Verbraucher weiter — sei es an der Zapfsäule oder in der Nebenkostenabrechnung.

Die Erhöhung auf 55 Euro pro Tonne folgt einem bereits festgelegten Fahrplan. Das ursprüngliche Klimaschutzgesetz von 2021 sah vor, dass der Preis kontinuierlich ansteigen sollte. Der aktuelle Anstieg ist damit nicht überraschend, wurde aber durch die koalitionären Verhandlungen der Bundesregierung neu bestätigt. Der Gedanke dahinter: Je teurer CO₂-Emissionen werden, desto stärker wird der finanzielle Anreiz für Verbraucher, ihre Gewohnheiten zu ändern — weniger heizen, energetische Sanierung, weniger Autofahren oder der Umstieg auf Elektrofahrzeuge.

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Gleichzeitig hat die Bundesregierung beschlossen, einkommensschwache Haushalte teilweise zu entlasten. Ein erhöhtes Wohngeld und eine Energiepreisbremse für besonders bedürftige Haushalte sollen die sozialen Auswirkungen abfedern. Kritiker argumentieren jedoch, dass diese Maßnahmen nicht ausreichend seien, um breite Bevölkerungsschichten vor zusätzlichen Belastungen zu bewahren.

Die Kosten für Haushalte konkretisiert

Die Auswirkungen auf die Geldbörse sind unmittelbar spürbar. Ein durchschnittlicher Haushalt mit Gasheizung zahlt derzeit etwa 450 bis 550 Euro pro Jahr aufgrund des CO₂-Preises. Mit der Erhöhung auf 55 Euro pro Tonne werden es etwa 550 bis 670 Euro sein. Das ist eine zusätzliche Belastung von 100 bis 120 Euro jährlich — für manche Haushalte eine erhebliche Summe.

Beim Autofahren fällt die Kostenerhöhung täglich auf. Ein Autofahrer, der derzeit etwa 1.200 Liter Benzin pro Jahr verbraucht (was einem durchschnittlichen Pendler entspricht), muss mit zusätzlichen Jahreskosten von etwa 60 bis 72 Euro rechnen. Das klingt moderat, addiert sich aber über die Zeit. Für Pendler mit längeren Fahrtweiten und höherem Verbrauch kann die Belastung deutlich größer ausfallen.

Soziale Gerechtigkeit und der Gegenwind des Protests

Der nationale CO₂-Preis war bereits seit seiner Einführung politisch umstritten. Im Jahr 2023 eskalierten die Proteste der Klimabewegung, die mit blockierten Autobahnzufahrten auf die Notwendigkeit schnellerer Maßnahmen hinweisen wollte. Gleichzeitig widersetzen sich Vertreter von Transportunternehmen, Landwirtschaft und Gewerbe der kontinuierlichen Preissteigerung, da sie ihre Betriebskosten erhöht.

Ein Kernproblem der CO₂-Bepreisung ist die sogenannte Regressivität: Sie belastet ärmere Haushalte prozentual stärker als wohlhabendere. Ein niedrigeinkommen-Haushalt, das 80 Prozent seines Einkommens für Miete, Lebensmittel und Nebenkosten aufwendet, wird von zusätzlichen Heizkosten stärker getroffen als ein Haushalt mit hohem Einkommen und mehr Spielraum im Budget. Diese Kritik ist wissenschaftlich berechtigt und wird auch von Klimaökonomen ernst genommen.

Allerdings weisen Befürworter der CO₂-Bepreisung darauf hin, dass die Alternative — nicht einzupreisen, dass CO₂ ein Schadstoff ist — die wahren Kosten des Klimawandels in die Zukunft verlagert. Häufigere Extremwetterereignisse, Hochwasser, Dürren und Ernteausfälle werden überproportional die ärmesten Bevölkerungen treffen. In diesem Sinne ist die CO₂-Bepreisung eine Form, die Verantwortung für Emissionen heute statt morgen zu tragen.

Wo Deutschland mit der CO₂-Bepreisung international steht

Abzocke statt Klimaschutz: Die krummen Deals mit CO2-Zertifikaten | ZDFinfo

Land / Region CO₂-Preis (aktuell in Euro/Tonne) Startjahr Sektor
Deutschland (nEHS) 55 (ab 2025) 2021 Brennstoffe, Verkehr
Schweden ~123 1991 Umfassend
Schweiz ~96 2008 Brennstoffe
Finnland ~87 1990 Umfassend
Frankreich (nationale Komponente) ~77 2014 Brennstoffe
EU-ETS (Energiewirtschaft) ~90 (durchschnittlich) 2005 Große Emittenten

Deutschland liegt mit einem CO₂-Preis von 55 Euro pro Tonne unter dem internationalen Durchschnitt wohlfahrtsstarker europäischer Länder. Schweden, das Vorreiter bei der Bepreisung von Emissionen ist, verlangt derzeit etwa 123 Euro pro Tonne. Dieses Land hat demonstriert, dass auch bei hohen CO₂-Preisen wirtschaftliches Wachstum möglich ist — die schwedische Wirtschaft ist nicht kollabiert, sondern hat sich transformiert. Gleiches gilt für die Schweiz und Finnland, die ihre Preise bereits deutlich früher einführten.

Auf EU-Ebene existiert seit 2005 der Europäische Emissionshandel (EU-ETS) für Großemittenten wie Kraftwerke und Industrieanlagen. Dessen Preise sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und liegen aktuell bei etwa 90 Euro pro Tonne. Der deutsche nationale CO₂-Preis ist also eine Ergänzung für Sektoren, die nicht unter das EU-ETS fallen — insbesondere kleine und mittlere Verbraucher im Bereich Heizung und Verkehr.

International gibt es zudem ambitioniertere Ansätze. Kanada führt aktuell einen föderalen CO₂-Preis von umgerechnet etwa 105 Euro pro Tonne ein. Diese Länder verfolgen eine klare Strategie: Der Preis soll kontinuierlich steigen, um Investitionen in emissionsarme Technologien zu incentivieren. Deutschland folgt diesem Pfad — allerdings mit zeitlicher Verzögerung.

Was sich bei Heizen und Autofahren konkret ändert

Heizkosten und die Treiber der Entscheidung

Die Erhöhung des CO₂-Preises trifft Haushalte mit Gasheizung besonders. Eine vierköpfige Familie mit durchschnittlichem Gasverbrauch wird 2025 mit zusätzlichen Kosten von etwa 120 bis 150 Euro pro Jahr rechnen müssen. Das ist nicht negligibel, aber auch nicht katastrophal — sofern das Haushaltseinkommen stabil bleibt.

Experten deuten jedoch auf einen wichtigeren Effekt hin: Die steigende CO₂-Bepreisung macht energetische Sanierungsmaßnahmen wirtschaftlich attraktiver. Eine Wärmepumpe oder eine Gebäudesanierung mit verbesserter Dämmung bedeutet höhere Investitionen im Moment, aber über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren sinken die Heizkosten erheblich. Mit einem CO₂-Preis von 55 Euro pro Tonne sind die Break-Even-Punkte für solche Investitionen näher gerückt als früher.

Allerdings bleibt ein strukturelles Problem: Viele Mieter haben keinen Einfluss auf die Heizanlage ihrer Wohnung. Der Vermieter muss die Investitionsentscheidung treffen. Derzeit werden in Deutschland viele alte Gasheizungen durch neue Gasheizungen ersetzt — statt durch zukunftssichere Wärmepumpen. Das liegt auch daran, dass die Förderung von Wärmepumpen in den letzten Jahren reduziert wurde, was zu einem Rückgang bei den Neubauinstallationen geführt hat.

Auswirkungen auf den Verkehrssektor

Im Verkehr ist die Situation differenzierter. Deutschland hat seine Klimaschutzziele im Verkehrssektor verfehlt — tatsächlich sind die Emissionen in diesem Bereich in den letzten Jahren kaum gesunken. Das liegt auch daran, dass der nationale CO₂-Preis für Verkehrskraftstoffe bislang relativ niedrig war. Mit der Erhöhung auf 55 Euro pro Tonne steigt der finanzielle Druck, auf Elektromobilität umzusteigen.

Die Autobranche hat bereits reagiert: Die Zahl der Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen ist in Deutschland gestiegen, besonders als die Förderung attraktiv war. Mit dem höheren CO₂-Preis wird das Kostenargument für Verbrenner weiter schwächer. Ein Tesla Model 3 ist in der Anschaffung teurer, aber über die gesamte Lebensdauer günstiger — je höher die Spritkosten durch CO₂-Preise werden.

Allerdings gibt es auch Grenzen dieser Logik: Für Haushalte mit niedrigem Einkommen ist ein Elektrofahrzeug für 40.000 bis 60.000 Euro im Anschaffungspreis immer noch unerschwinglich, auch wenn die Betriebskosten langfristig niedriger wären. Das ist ein Grund, warum neben der CO₂-Bepreisung auch andere Instrumente wie direkte Kaufförderung notwendig sind.

Die wissenschaftliche Perspektive: Was der IPCC sagt

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen hat in seinen Berichten seit 2018 wiederholt betont, dass die CO₂-Bepreisung ein zentrales Instrument zur Erreichung der Pariser Klimaziele ist. Der IPCC berechnet, dass ein stabiler, ansteigender Preis für Treibhausgasemissionen die kosteneffizienteste Methode ist, um Emissionen zu reduzieren.

Der aktuelle IPCC-Bericht aus dem Jahr 2023 argumentiert, dass Preise von mindestens 100 bis 200 Euro pro Tonne Kohlenstoffdioxid notwendig wären, um die erforderliche Dekarbonisierung im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen. Gemessen an diesem wissenschaftlichen Maßstab ist der deutsche Preis von 55 Euro pro Tonne noch unterhalb dessen, was nötig wäre.

Allerdings berücksichtigt der IPCC auch die Realität von Übergangsprozessen: Preise können nicht von null auf 200 Euro springen, ohne gesellschaftliche und wirtschaftliche Verwerfungen auszulösen. Ein Pfad mit kontinuierlichen Erhöhungen ist daher realistischer als ein Schock. Deutschland bewegt sich auf diesem Pfad, jedoch mit einer Verzögerung gegenüber dem, was die Wissenschaft für notwendig hält.

Klimaschutzziele und der Stand der Reduktionen in Deutschland

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Quellen:
  • Umweltbundesamt — umweltbundesamt.de
  • BMUV — bmuv.de
  • dpa Klimanachrichten
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Julia Schneider
Gesellschaft & International

Julia Schneider schreibt über gesellschaftliche Trends, internationale Konflikte und humanitäre Themen. Sie hat als Auslandskorrespondentin aus Brüssel und Wien berichtet.

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