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Paralympics 2024: Deutschland holt Gold — und die Berichterstattung bleibt gering

Trotz historischer Medaillenausbeute senden ARD und ZDF deutlich weniger als bei Olympia

Von Thomas Weber 2 Min. Lesezeit
Paralympics 2024: Deutschland holt Gold — und die Berichterstattung bleibt gering
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Die deutschen Paralympioniken haben bei den Spielen in Paris Geschichte geschrieben. Mit 38 Medaillen, darunter zehn Goldmedaillen, sicherte sich Deutschland das zweitbeste Ergebnis der vergangenen zwei Jahrzehnte. Doch während diese bemerkenswerte Leistung international Schlagzeilen machte, blieb die mediale Aufmerksamkeit in Deutschland deutlich hinter den Erwartungen zurück. ARD und ZDF sendeten erheblich weniger Übertragungen als bei den Olympischen Spielen — ein Missstand, der Fragen zur Chancengleichheit und Sichtbarkeit von Behindertensport aufwirft.

38 Medaillen für Deutschland — davon 10 Gold, 11 Silber und 17 Bronze. Das entspricht der zweitbesten Bilanz seit über 20 Jahren.

## Medienberichterstattung: Das Ungleichgewicht wird deutlich

Ein Blick auf die Sendezeiten offenbart ein erhebliches Ungleichgewicht. Während die Olympischen Spiele tagtäglich prime-time-Berichterstattung erhielten, wurden große Teile der Paralympics in Nischen-Sendeplätze verbannt. Diese Diskrepanz ist nicht neu, doch sie wird immer problematischer. Athleten wie Felix Streng, dreifacher Goldmedaillengewinner, verdienen die gleiche Aufmerksamkeit wie ihre olympischen Kollegen.

Veranstaltung Sendestunden ARD/ZDF Prime-Time-Anteile Deutsche Medaillen
Olympische Spiele Paris 180+ 40% 12 Gold
Paralympics Paris 65 8% 10 Gold

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Obwohl Deutschland bei den Paralympics außergewöhnlich erfolgreich war, erhielt die Berichterstattung weniger als ein Drittel der Sendezeit. Das bedeutet für Millionen von Menschen mit Behinderungen: ihre Helden sind unsichtbar.

## Helden ohne Rampen­licht: Warum die Medien versagen

Felix Streng ist nur ein Beispiel von vielen. Der Sprinter dominierte seine Disziplin, doch während Olympiasieger in Talk-Shows saßen, blieb der Paralympionike weitgehend unbekannt. Dies ist nicht nur eine Frage der Sportberichterstattung, sondern auch der gesellschaftlichen Teilhabe. Wenn öffentlich-rechtliche Sender mit Milliardenbudgets Paralympics systematisch benachteiligen, sendet das eine falsche Botschaft.

Internationale Beispiele zeigen, dass es anders geht. In Ländern wie Australien, Großbritannien und Kanada ist die Berichterstattung über Paralympics deutlich ausgewogener. Dort werden Paralympioniken als gleichwertige Athleten behandelt — weil die Sender erkannt haben, dass Inklusion mehr ist als ein Schlagwort.

## Chancengleichheit im Sport: Was sich ändern muss

Die aktuelle Situation ist unhaltbar. Drei konkrete Maßnahmen könnten Abhilfe schaffen: erstens, verbindliche Quoten für Paralympics-Übertragungen in der Primetime; zweitens, professionelle Kommentare und Analysen statt Nischenprogramme; drittens, verstärkte Berichterstattung über Paralympioniken in Nachrichtenmagazinen und Sportseiten.

Während Berlin sich offiziell um die Olympischen Spiele 2036 bewirbt, sollte Deutschland auch über die Zukunft der Paralympics nachdenken. Ein Land, das olympische Spiele ausrichtet, hat auch die Verantwortung, Menschen mit Behinderungen in den Fokus zu rücken. Die Berichterstattung muss sich ändern.

Übrigens: Während Deutschlands Hoffnungsträger bei der Tour de France breit bejubelt werden, bleibt die Sichtbarkeit von Behindertensportlern gering. Ein Systemfehler, den auch der eSport-Boom in Deutschland offenbart — neue Sportarten erhalten teilweise mehr Aufmerksamkeit als etablierte paralympische Disziplinen.

Die Lösung liegt nicht in der Konkurrenz zwischen Olympia und Paralympics, sondern in echter Chancengleichheit. Deutschland hat das Potenzial und die Infrastruktur — es braucht nur den politischen und medialen Willen, diese umzusetzen.

(Quelle: Deutsches Paralympisches Komitee, ARD/ZDF-Archiv) ```