Flughäfen kämpfen mit sinkenden Passagierzahlen – Branche fordert Hilfe
Krieg und Arbeitskampfmaßnahmen belasten die deutsche Flugverkehrswirtschaft erheblich.
Sie hatten auf Erholung gesetzt – und erleben stattdessen eine neue Krise. Deutschlands Flughäfen kämpfen mit sinkenden Passagierzahlen, anhaltenden Streikwellen und geopolitischen Verwerfungen, die das Geschäftsmodell ganzer Standorte in Frage stellen. Die Branche richtet einen unüberhörbaren Hilferuf an die Politik.
Erholung bleibt aus
Nach den verheerenden Einbrüchen der Pandemiejahre hatten Flughafenbetreiber und Analysten gleichermaßen auf einen kräftigen Rebound gehofft. Dieser Aufschwung ist in vielen Teilen ausgeblieben. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat nicht nur das Vertrauen vieler Reisender erschüttert, sondern auch direkte Folgen für den Streckenbetrieb: Verbindungen nach Osteuropa und über russischen Luftraum – einst profitable Transitrouten – sind weggefallen oder drastisch ausgedünnt worden. Hinzu kommen strukturelle Belastungen aus dem Inneren der Branche selbst: Arbeitskämpfe bei Sicherheitspersonal, Bodenverkehrsdiensten und Fluglotsen haben im vergangenen Jahr für Hunderte von Flugausfällen und massive Verspätungen gesorgt.
Der Deutsche Flughafenverband (ADV) sieht derzeit keine Anzeichen für eine baldige Trendwende. In einem aktuellen Positionspapier appelliert der Verband an Bund und Länder, die Luftfahrtinfrastruktur durch gezielte Entlastungsmaßnahmen zu stabilisieren – bevor Standorte, die ohnehin schon auf der Kippe stehen, endgültig aufgeben müssen. Angesichts der politischen Großwetterlage ist unklar, wie aufnahmebereit die Bundesregierung für solche Forderungen aktuell ist.
Zahlen, die beunruhigen
| Flughafen | Passagiere 2023 (Mio.) | Prognose 2023 (Mio.) | Abweichung |
|---|---|---|---|
| Frankfurt (FRA) | 61,0 | 65,5 | –6,9 % |
| München (MUC) | 47,9 | 50,2 | –4,6 % |
| Berlin (BER) | 17,8 | 20,1 | –11,4 % |
| Düsseldorf (DUS) | 21,4 | 23,8 | –10,1 % |
| Hamburg (HAM) | 14,6 | 16,0 | –8,8 % |
Besonders alarmierend ist die Lage für kleinere Regionalflughäfen, die weder von internationalem Drehverkehr noch von starkem Geschäftsreiseaufkommen profitieren. „Für manche Standorte ist das kein Abschwung mehr, sondern eine Überlebensfrage", heißt es aus Verbandskreisen. Ein Bild, das an die prekäre Lage anderer Industriebranchen erinnert: Auch Daimler Truck meldete zuletzt einen dramatischen Gewinneinbruch – ein Indiz dafür, dass die konjunkturelle Schwäche Deutschlands tiefer reicht als die Flughafenkrise allein.
Was die Branche fordert
- Senkung der Luftverkehrssteuer, die Deutschland im europäischen Vergleich als teuren Standort ausweist
- Reduktion von Gebühren für Sicherheitsdienstleistungen, die staatlich reguliert sind
- Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte
- Direkte Subventionsprogramme für strukturschwache Regionalflughäfen
- Abbau bürokratischer Belastungen im Betrieb und bei der Personalzulassung
Im Kern läuft die Argumentation der Flughäfen auf eine bekannte Logik hinaus: Der Staat belastet, also soll der Staat auch entlasten. Kritiker halten dagegen, dass öffentliche Subventionen für defizitäre Flughäfen ordnungspolitisch fragwürdig sind und dem Ziel einer klimaverträglichen Mobilität entgegenwirken. Christine Lagarde hatte erst kürzlich betont, dass die Transformation der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit keine Option, sondern eine Notwendigkeit sei – ein Argument, das auch die Subventionsdebatte rund um den Luftverkehr grundsätzlich belastet.
Chronologie einer schwierigen Phase
Strukturfrage, keine Delle
Ökonomen warnen davor, die Flughafenkrise als vorübergehenden Konjunktureinbruch zu verharmlosen. Der Rückgang betrifft nicht allein Osteuropa-Verbindungen, sondern spiegelt auch einen allgemeinen Trend wider: steigende Ticketpreise, wachsende Skepsis gegenüber Flugreisen und ein verändertes Geschäftsreiseverhalten nach der Pandemie. Hinzu kommt, dass Deutschland mit seiner steigenden Abgabenbelastung insgesamt an Standortattraktivität verliert – was mittelbar auch den Flugverkehr trifft. Die politischen Entscheidungsträger stehen vor einer unbequemen Abwägung: Wer rettet, prägt. Wer nicht rettet, riskiert den Verlust von Infrastruktur, die sich einmal abgebaut kaum wiederaufbauen lässt.