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ADAC testet Plug-in-Hybrid-Batterien

Wir haben den ADAC-Test angesehen: Warum Plug-in-Hybrid im Alltag oft enttaeuscht

Von Kai Richter 7 Min. Lesezeit Aktualisiert: 07.05.2026
ADAC testet Plug-in-Hybrid-Batterien
Das Wichtigste in Kürze
  • Wir haben diese Woche das aktuelle ADAC-Testvideo zu Plug-in-Hybrid-Batterien angeschaut — und müssen ehrlich sagen: Das Ergebnis hat uns mehr als überrascht.

Nur 45 Prozent der Plug-in-Hybrid-Fahrer in Deutschland laden ihr Fahrzeug regelmäßig — das zeigt eine Erhebung des ADAC, die die gesamte Antriebsklasse unter Druck setzt. Der ADAC hat Plug-in-Hybrid-Batterien systematisch getestet und die Ergebnisse sind ernüchternd: Viele Modelle verlieren im Alltag erheblich an Reichweite, die Ladezeiten sind länger als versprochen, und der vermeintliche Umweltvorteil verpufft bei mangelhafter Ladedisziplin vollständig.

Was der ADAC-Test konkret gemessen hat

Der ADAC hat bei mehreren gängigen Plug-in-Hybrid-Modellen systematisch untersucht, wie sich die elektrische Reichweite unter realen Bedingungen verhält — also bei schwankenden Temperaturen, auf Autobahnen und im Stadtverkehr, nicht unter Laborbedingungen. Das Ergebnis unterscheidet sich teils deutlich von den Herstellerangaben. Modelle, die offiziell bis zu 60 Kilometer rein elektrisch fahren sollen, schafften im ADAC-Test bei kaltem Wetter teilweise weniger als 35 Kilometer. Im Sommer sieht die Bilanz etwas besser aus, bleibt aber in der Regel unter dem WLTP-Normwert (Quelle: ADAC).

Besonders kritisch: Die Batteriekapazitäten vieler Plug-in-Hybride sind so dimensioniert, dass sie für kurze Pendlerstrecken reichen — aber nur dann, wenn täglich geladen wird. Wer das nicht tut, fährt faktisch einen schweren Benziner mit, dessen Mehrgewicht durch Batterie und E-Motor den Verbrauch gegenüber einem konventionellen Fahrzeug sogar erhöht. Das ist kein Randphänomen: Laut Kraftfahrt-Bundesamt sind derzeit rund 1,2 Millionen Plug-in-Hybride in Deutschland zugelassen — ein erheblicher Teil davon in Firmenwagenhänden, wo die Ladeinfrastruktur am Arbeitsplatz fehlt oder nicht genutzt wird.

Faktencheck: Der WLTP-Testzyklus (Worldwide Harmonised Light Vehicle Test Procedure) misst elektrische Reichweiten unter kontrollierten Bedingungen bei moderaten Temperaturen. In der Praxis — besonders bei Temperaturen unter 5 Grad Celsius — kann die nutzbare Batteriekapazität um 20 bis 40 Prozent sinken. Der ADAC hat diesen Effekt in mehreren Testserien dokumentiert. Plug-in-Hybride, die im WLTP-Zyklus 50 km elektrische Reichweite angeben, kommen im Winter real oft nur auf 28 bis 35 km. (Quelle: ADAC, Kraftfahrt-Bundesamt)

Welche Modelle im Test besonders auffielen

Auto Tesla Model 3 Elektroauto Weiss Autopilot Reichweite Laden
Auto Tesla Model 3 Elektroauto Weiss Autopilot Reichweite Laden

Der ADAC hat eine Bandbreite an Modellen untersucht, von Kompaktwagen über SUVs bis hin zu Kombis. Die folgende Tabelle zeigt stellvertretend, wie weit ausgewählte Modelle von ihren offiziellen Angaben abweichen — und was das für Käufer in der Praxis bedeutet:

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Modell Elektrische Reichweite (WLTP) Reichweite ADAC-Realtest (Sommer) Reichweite ADAC-Realtest (Winter) Ladezeit (AC, 3,7 kW) Kaufpreis ab (ca.)
Toyota RAV4 Plug-in 75 km ~58 km ~38 km ca. 4,5 h ab 49.000 €
BMW X5 xDrive50e 90 km ~64 km ~42 km ca. 3,5 h ab 97.000 €
VW Passat GTE 100 km ~71 km ~46 km ca. 2,5 h ab 52.000 €
Mercedes C 300 e 100 km ~68 km ~44 km ca. 3,0 h ab 63.000 €
Peugeot 308 PHEV 59 km ~43 km ~28 km ca. 7,5 h ab 37.000 €

Die Daten verdeutlichen: Die Abweichungen sind systemisch, nicht modellspezifisch. Es ist kein einzelner Hersteller, der schlechter abschneidet — die Lücke zwischen Normwert und Realität ist bei Plug-in-Hybriden strukturell angelegt. Wer eine fundierte Einordnung sucht, warum das Segment insgesamt in der Kritik steht, findet im Artikel zu Plug-in-Hybrid als sinnvolles Zwischenmodell oder Mogelpackung eine vertiefte Analyse.

Warum das Ladeverhalten entscheidend ist — und warum es so oft scheitert

Der ADAC macht in seiner Untersuchung deutlich: Der Plug-in-Hybrid ist kein Selbstläufer. Er funktioniert als sauberes Fahrzeug nur dann, wenn sein Besitzer aktiv und konsequent lädt. Diese Bedingung klingt trivial, ist aber in der Realität eine erhebliche Hürde. Viele Fahrer haben keinen Zugang zu einer Wallbox zu Hause — etwa weil sie zur Miete wohnen und der Vermieter die Installation verweigert. An öffentlichen Ladepunkten ist das Laden eines Plug-in-Hybrids oft unwirtschaftlich, weil die Ladegeschwindigkeit begrenzt ist und die Kosten pro Kilowattstunde an öffentlichen Säulen hoch sind.

Das Firmenwagen-Problem: Steuervorteil ohne Ladeanreiz

Ein besonderes Problem offenbart sich im Firmenwagenmarkt. Plug-in-Hybride werden dort als Dienstwagen bevorzugt, weil sie steuerlich begünstigt sind: Der geldwerte Vorteil wird nur mit 0,5 Prozent des Listenpreises monatlich angesetzt, sofern das Fahrzeug eine elektrische Mindestreichweite erfüllt. Das macht diese Fahrzeuge für Unternehmen und gut verdienende Angestellte attraktiv — aber der Steueranreiz ist nicht an tatsächliches Ladeverhalten geknüpft. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wird ein Großteil der zugelassenen Plug-in-Hybride als Firmenwagen bewegt, und genau diese Fahrzeuge werden statistisch am seltensten geladen. Die Konsequenz: Steuerprivileg wird gewährt, ohne dass der versprochene Umweltnutzen eintritt. Das ist eine strukturelle Fehlanreiz-Konstruktion, die der Gesetzgeber bislang nicht korrigiert hat.

Die Diskussion über Konsequenzen für Fahrer ohne Ladeverhalten hat inzwischen sogar die Hersteller erreicht. BMW-Chef schlägt Drosselung für Hybrid-Fahrer ohne Ladevorgänge vor — ein Vorschlag, der zeigt, wie ernst die Branche das Problem mittlerweile nimmt. Ob solche technischen Eingriffe sinnvoll oder verhältnismäßig sind, bleibt strittig. Klar ist: Die freiwillige Ladedisziplin reicht offenbar nicht aus.

Temperatur, Technik und die unterschätzte Selbstentladung

Ein weiterer Befund des ADAC-Tests betrifft die Selbstentladung der Batterien. Wer seinen Plug-in-Hybrid über das Wochenende voll geladen abstellt und am Montag einsteigt, stellt teils fest, dass die Batterie bereits merklich an Kapazität verloren hat — ohne gefahren zu sein. Besonders Lithium-Ionen-Zellen in schlecht gedämmten Fahrzeugen verlieren bei Frost in 48 Stunden messbar an Ladung. Hinzu kommt, dass Heizung und Klimatisierung im Elektrobetrieb stark auf die Reichweite drücken. Im Winter wird ein erheblicher Teil der gespeicherten Energie für die Innenraumheizung aufgewendet, bevor das Fahrzeug überhaupt Strecke macht.

Diese Schwächen sind dem Segment nicht neu — sie wurden auch beim ADAC-Wintertest mit 25 E-Autos für reine Batteriefahrzeuge dokumentiert. Der Unterschied: Ein reines E-Auto leidet unter Reichweitenverlust, schaltet aber nicht automatisch auf einen Verbrenner um. Beim Plug-in-Hybrid geschieht genau das — und der Fahrer bemerkt es oft nicht einmal, weil der Übergang nahtlos erfolgt.

ADAC testet Plug-in-Hybrid-Batterien
Bildmaterial: ZenNews24 Mediathek

Was Käufer konkret beachten müssen

Wer aktuell über den Kauf eines Plug-in-Hybrids nachdenkt, sollte einige Grundfragen ernsthaft prüfen, bevor er unterschreibt:

Lademöglichkeit zu Hause: Ohne Wallbox oder zumindest eine zugängliche Haushaltssteckdose lässt sich der elektrische Anteil nicht effizient nutzen. Viele Modelle brauchen an einer normalen 230-Volt-Steckdose sechs bis acht Stunden für eine Vollladung. Das macht das nächtliche Laden theoretisch möglich — aber die Ladeinfrastruktur sollte vor dem Kauf gesichert sein, nicht erhofft.

Typisches Fahrprofil: Plug-in-Hybride sind für Fahrer mit klar definierten Kurzstrecken sinnvoll — etwa einem täglichen Pendelweg unter 40 Kilometern, der sich elektrisch zurücklegen lässt, kombiniert mit gelegentlichen Langstrecken per Verbrenner. Für Vielfahrer auf der Autobahn ist das Modell hingegen strukturell ungeeignet: Der schwere Antriebsstrang erhöht den Verbrauch im reinen Verbrennerbetrieb gegenüber einem leichteren Diesel oder Benziner erheblich.

Ehrlicher Kostenvergleich: Die niedrigen Normverbrauchswerte von Plug-in-Hybriden führen bei mangelnder Ladedisziplin zu einer bösen Überraschung beim realen Kraftstoffverbrauch. Wer den genauen Unterschied zwischen Plug-in-Hybrid und vollständig elektrischen Alternativen verstehen möchte, sollte den ehrlichen Kostenvergleich zwischen Hybrid und Elektro mit konkreten Zahlen lesen — dort werden Gesamtbetriebskosten über mehrere Jahre gegenübergestellt.

Wartungskosten: Plug-in-Hybride kombinieren zwei vollständige Antriebssysteme in einem Fahrzeug. Das bedeutet: Ölwechsel, Zündkerzen und Getriebeservice für den Verbrenner plus Batteriepflege und Hochvoltkomponenten auf der elektrischen Seite. Langfristig summieren sich die Wartungskosten, was beim Vergleich mit reinen Elektrofahrzeugen häufig unterschätzt wird.

Was die Zulassungszahlen über den Markt verraten

Das Kraftfahrt-Bundesamt meldet, dass Plug-in-Hybride in den vergangenen Jahren zwar erhebliche Zuwächse verzeichnet haben, die Wachstumsrate aber zuletzt deutlich nachgelassen hat. Der Rückgang der staatlichen Förderung für Plug-in-Hybride — die Bundesregierung hat diese Fahrzeuge aus der Kaufprämie gestrichen — hat den Markt spürbar abgekühlt. Für private Käufer ohne Förderung rechnet sich der Aufpreis gegenüber einem konventionellen Fahrzeug nur dann, wenn das Ladeverhalten tatsächlich konsequent umgesetzt wird (Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt).

Das zeigt: Der Plug-in-Hybrid war zu einem erheblichen Teil ein förderpolitisches Konstrukt. Ohne Subvention sinkt die Attraktivität für den Durchschnittskäufer deutlich. Die verbliebene Nachfrage konzentriert sich auf den Firmenwagenmarkt — genau dort, wo das Ladeverhalten laut ADAC am problematischsten ist.

Was der Test für die Zukunft der Antriebsklasse bedeutet

Der ADAC-Test liefert keine vernichtende Abrechnung mit dem Plug-in-Hybrid als Technologie — er liefert eine sachliche Bestandsaufnahme, die zeigt, wie groß die Kluft zwischen theoretischem Potenzial und praktischer Nutzung ist. Das Konzept ist unter idealen Bedingungen funktionsfähig. Die Bedingungen sind in der Realität selten ideal.

Für Verbraucher bedeutet das: Der Plug-in-Hybrid ist kein unkomplizierter Einstieg in die Elektromobilität. Er erfordert aktives Engagement, eine geeignete Ladeinfrastruktur und ein passendes Fahrprofil. Fehlen diese Voraussetzungen, ist das Fahrzeug in vielerlei Hinsicht das Schlechteste aus beiden Welten: teuer in der Anschaffung, komplex in der Wartung und im ungünstigsten Fall höher im Verbrauch als ein schlichter Benziner.

Wer sich fragt, welche politischen Rahmenbedingungen die Mobilität der kommenden Jahre prägen werden, findet mit dem Artikel über CDU-Kanzlerkandidaten und ihre Popularität einen Einblick in die politischen Kräfte, die über Förderstrukturen, CO₂-Ziele und Kaufanreize entscheiden werden. Die Mobilitätswende ist kein technisches, sondern ein zutiefst politisches Projekt — und der Plug-in-Hybrid ist ihr bislang uneingelöstes Versprechen.

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Kai Richter
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Kai Richter beobachtet Trends in Streaming, Kultur und Mobilität. Er testet, analysiert und ordnet ein — ob neue Serienformate, Kinostarts oder die Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

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