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Carsharing, Miete oder Abo: Was fuer E-Auto-Nutzer guenstiger ist

Wir haben den EnBW-Vergleich analysiert und ergaenzen ihn mit eigener Rechnung

Von ZenNews24 Redaktion 6 Min. Lesezeit
Carsharing, Miete oder Abo: Was fuer E-Auto-Nutzer guenstiger ist

Wir haben uns diese Woche ein Video der EnBW angehört — und dabei festgestellt: Die Frage nach dem günstigsten Weg zum E-Auto ist komplexer als gedacht. Carsharing, Miete, Abo oder doch klassisches Leasing? Wir analysieren die Zahlen und ergänzen sie mit unserer eigenen Kalkulation. Spoiler: Die Antwort hängt stark davon ab, wie viel du fährst — und ob du zu Hause laden kannst.

Worum geht es: Der große E-Auto-Mobilitätsvergleich der EnBW

Die EnBW hat sich einer Frage angenommen, die immer mehr Menschen in Deutschland bewegt: Wie komme ich am günstigsten zu einem Elektroauto? Statt einfach nur ein Fahrzeug zu kaufen, gibt es mittlerweile eine ganze Palette an Optionen. Carsharing-Dienste werben damit, dass man flexibel mobil sein kann ohne Kaufverpflichtung. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmodelle wie Auto-Abos oder Mietdienste, die versprechen, günstiger zu sein als früher. Und dann sind da noch die klassischen Alternativen: Leasing beim Händler oder der direkte Kauf.

Was macht es so schwierig zu vergleichen? Weil jedes Modell mit unterschiedlichen Kosten rechnet. Beim Carsharing zahlst du Minutentarife oder Tagespauschalen. Beim Auto-Abo sind es monatliche Gebühren, in denen Versicherung und Wartung enthalten sind. Beim Leasing kommt am Ende noch die Kilometergebühr hinzu. Und beim Kauf investierst du upfront, sparst aber langfristig — wenn das Auto nicht ständig in der Werkstatt ist. Klingt simpel. Ist es aber nicht.

Was uns überrascht hat: Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Die EnBW hat verschiedene Szenarien durchgerechnet — und hier wird es wirklich interessant. Für einen Vielfahrer mit über 20.000 Kilometern pro Jahr ist Carsharing tatsächlich die teuerste Option. Das hätten wir so nicht erwartet. Die Rechnung: Ein Carsharing-Fahrzeug kostet schnell 50 bis 80 Euro pro Tag, wenn man es regelmäßig nutzt. Hochgerechnet auf ein Jahr mit nur 60 Fahrtagen — das wären gerade mal knapp zwei Monate Nutzung — landen wir schon bei 3.000 bis 4.800 Euro. Und wer mehr fährt, zahlt noch deutlich mehr (Quelle: EnBW Mobilitätsvergleich 2024).

Überraschender war für uns: Das Auto-Abo schneidet bei mittlerer Nutzung von 10.000 bis 15.000 Kilometern pro Jahr am besten ab. Ein monatliches Abo kostet zwischen 400 und 700 Euro, je nach Fahrzeugklasse. Das klingt viel, aber: Darin enthalten sind bereits Versicherung, Wartung, Verschleißteile und sogar der Pannendienst. Wer das alles einzeln beim Leasing dazubuchen würde, zahlt am Ende ähnlich viel oder sogar mehr. Das ist der Kernpunkt, den die EnBW in ihrer Analyse herausarbeitet — und dem wir nach eigenem Abgleich zustimmen können.

Streaming-Dienste im Vergleich
Streaming-Dienste im Vergleich

Das klassische Leasing war lange der Standard, und das aus gutem Grund: Bei 15.000 Kilometern pro Jahr liegt man hier bei etwa 300 bis 500 Euro monatlich. Allerdings — und das wird oft übersehen — kommen da noch Versicherung (mindestens 80 Euro), Wartung und Reparaturen dazu. Schnell sind wir bei 600 Euro und mehr. Das Argument der EnBW lautet also: Beim Abo zahlst du diese Kosten bereits mit ein, beim Leasing zahlst du sie oben drauf. Ein fairer Punkt, den man bei jedem Angebot im Hinterkopf behalten sollte.

Schnellübersicht: Die vier Modelle im Vergleich

Modell Typische Monatskosten Versicherung inklusive? Wartung inklusive? Ideal für
Carsharing variabel (nach Nutzung) Ja Ja Gelegenheitsfahrer, Stadtbewohner
Auto-Abo 400 – 700 € Ja Ja Mittlere Nutzung, Flexibilität
Leasing 300 – 500 € (+ Extras) Nein Nein Planbare Kilometerleistung
Kauf hoch upfront, niedrig laufend Nein Nein Vielfahrer, Langzeitnutzer

Unser eigener Check: Was stimmt wirklich?

Wir haben die Zahlen der EnBW überprüft und mit aktuellen Marktpreisen abgeglichen. Grundsätzlich: Die Größenordnungen stimmen. Wer heute ein Auto-Abo für ein Mittelklasse-Elektroauto abschließt — etwa einen VW ID.3 oder einen Renault Mégane E-Tech — zahlt tatsächlich zwischen 450 und 650 Euro monatlich, je nach Laufzeit und Kilometerpaket. Leasing-Angebote für vergleichbare Modelle beginnen bei rund 280 bis 380 Euro netto, aber eben ohne alles Weitere. Die Differenz ist real.

Ein paar Dinge, die wir ergänzen würden: Die Energiekosten für Elektroautos sind zwar niedrig — etwa 4 bis 6 Euro pro 100 Kilometer — aber nicht überall identisch. An einer öffentlichen Schnellladesäule kostet das Laden deutlich mehr als an einer privaten Wallbox zu Hause. Für einen echten Vergleich muss man also auch wissen: Habe ich überhaupt eine Lademöglichkeit zuhause? Wer in einer Mietwohnung ohne Tiefgaragenstellplatz lebt, hat da schlicht keine Wahl. Für diese Gruppe wird Carsharing oder ein Auto-Abo plötzlich attraktiver, weil die Ladeinfrastruktur im Modell bereits eingepreist ist.

Was die EnBW in ihrer Analyse etwas zu kurz kommen lässt: die versteckten Kosten beim Carsharing. Wer spontan ein Fahrzeug bucht und es dann zwei Stunden länger nutzt als geplant, zahlt Minutenpreise, die sich summieren können. Außerdem: Parkgebühren in der Innenstadt kommen beim Carsharing meist obendrauf. Wer das nicht einkalkuliert, rechnet sich schöner als die Realität ist.

  • Carsharing lohnt sich wirklich nur bei sporadischer Nutzung — weniger als 5.000 Kilometer im Jahr und kein eigener Stellplatz.
  • Auto-Abo ist fair bewertet für alle, die Flexibilität wollen und nicht wissen, wie lange sie ein bestimmtes Modell fahren möchten.
  • Leasing ist sinnvoll, wenn du genau weißt, wie viel du fährst — und wenn du Versicherung und Wartung selbst günstig organisieren kannst.
  • Kauf bleibt die günstigste Option über 5 bis 7 Jahre gerechnet, wenn das Fahrzeug wenig Probleme macht und du günstig lädst.

Der Faktor, den fast alle vergessen: Restwert und Batterie

Was in solchen Vergleichen fast immer unter den Tisch fällt, ist die Frage nach dem Restwert. Beim Kauf eines Elektroautos trägst du das volle Risiko, dass das Fahrzeug in drei Jahren weniger wert ist als erwartet. Das passiert aktuell tatsächlich: Wegen sinkender Neuwagenpreise und schnell nachrückender neuer Modelle verlieren manche E-Autos im Gebrauchtwagenmarkt überdurchschnittlich an Wert. Beim Leasing oder Abo trägst du dieses Risiko nicht — der Anbieter tut es. Das ist ein echter Vorteil, der in der Monatskostenrechnung oft nicht sichtbar wird.

Dazu kommt das Batteriethema. Eine nachlassende Batteriekapazität nach vier oder fünf Jahren ist beim Kauf dein Problem. Beim Abo bekommst du schlimmstenfalls einfach ein neueres Modell. Das ist kein Kleinigkeit — gerade weil die Batterietechnologie sich noch weiterentwickelt und ein E-Auto von heute in drei Jahren möglicherweise spürbar schlechtere Reichweite hat als ein Neumodell.

Arztgespraech in der Praxis
Symbolbild: Beratungsgespräch — wie beim Autokauf lohnt sich auch hier eine gründliche Analyse der eigenen Situation

Unser Fazit: Keine universelle Antwort — aber eine klare Logik

Die EnBW-Analyse ist solide und verdient es, ernst genommen zu werden. Sie macht deutlich, dass es keine universell günstigste Lösung gibt — sondern dass es auf das eigene Nutzungsverhalten ankommt. Wer das Video noch nicht gesehen hat: Es lohnt sich, gerade wegen der anschaulichen Grafiken und der nachvollziehbaren Rechenweise.

Unsere Ergänzung: Rechne nicht nur die Monatsrate. Rechne alles mit ein — Laden, Versicherung, Wertverlust, Flexibilitätswert. Und frag dich ehrlich: Wie viele Kilometer fahre ich wirklich? Wer das tut, kommt zu einem klareren Bild als jede pauschale Empfehlung es leisten kann.

Was wir der EnBW anmerken würden: Ein bisschen mehr Transparenz über die Modellannahmen — konkret welche Fahrzeugklasse, welcher Versicherungstarif, welche Ladeinfrastruktur — hätte die Analyse noch belastbarer gemacht. Aber als Einstieg in das Thema ist es einer der besseren Vergleiche, die wir in letzter Zeit gesehen haben.

Interessiert dich, wie sich E-Autos im direkten Alltagstest schlagen? Dann lies auch unseren Artikel E-Auto im Wintertest: Wie weit kommt man wirklich? — da werden Zahlen noch greifbarer.

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