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BMW i4 gegen Tesla Model 3: Was der Vergleichstest wirklich zeigt

Wir haben den Carwow-Test genau angeschaut und ziehen unsere eigenen Schlüsse

Von Kai Richter 8 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026
BMW i4 gegen Tesla Model 3: Was der Vergleichstest wirklich zeigt
Das Wichtigste in Kürze
  • Wir haben uns diese Woche den großen Carwow-Vergleichstest zwischen dem BMW i4 und dem Tesla Model 3 angehört — und ehrlich gesagt: Das Video hat uns...

Rund 58.000 Euro kostet der BMW i4 eDrive40 in der Basisausstattung — und trotzdem verliert er im direkten Fahrvergleich gegen das deutlich günstigere Tesla Model 3 Long Range in zentralen Alltagsdisziplinen. Was der populäre Carwow-Vergleichstest tatsächlich beweist, und was er verschweigt, lesen Sie hier.

Der Test, der Millionen gesehen haben — und was er wirklich misst

Vergleichstests zwischen dem BMW i4 und dem Tesla Model 3 gehören zu den meistgeklickten Formaten im Automobilbereich. Carwow, der britische YouTube-Kanal mit über zehn Millionen Abonnenten, hat den Zweikampf mehrfach inszeniert — mit Drag-Race-Sequenzen, Reichweitentests und einem Autopilot-Vergleich, der in der Kommentarspalte für hitzige Debatten sorgte. Das Problem: Was als objektiver Test vermarktet wird, ist in Wahrheit eine Inszenierung mit klaren Grenzen.

Das soll nicht bedeuten, dass die Ergebnisse wertlos sind. Aber Käufer, die eine Entscheidung über fünf bis sechs Stellenbeträge treffen, brauchen mehr als YouTube-Dramaturgie. Sie brauchen Kontext. Und den liefern wir hier.

Die Ausgangslage: Zwei Autos, zwei Philosophien

Auf dem Papier klingen die Kandidaten vergleichbar. Beide sind viertürige Elektroautos im Mittelklasse-Segment. Beide liefern weit über 300 Kilometer Reichweite nach WLTP-Norm. Beide bedienen ein technologieaffines Publikum, das auf Verbrennungsmotoren verzichten will. Doch hinter diesen Gemeinsamkeiten verbergen sich fundamental unterschiedliche Fahrzeugkonzepte.

Der BMW i4 ist im Kern eine elektrifizierte Version der 4er-Gran-Coupé-Plattform — ein klassisches deutsches Premium-Fahrzeug, das Eleganz, Verarbeitungsqualität und Fahrfreude nach bewährtem Muster definiert. Tesla hingegen baut das Model 3 auf einer Plattform, die von Grund auf für elektrischen Antrieb konzipiert wurde. Das bedeutet: flacherer Unterboden, zentraler Akku als tragendes Element, komplett andere Kabelarchitektur. Beides hat Vor- und Nachteile — und wer diese Unterschiede nicht kennt, kann Testergebnisse nicht richtig einordnen.

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Merkmal BMW i4 eDrive40 Tesla Model 3 Long Range RWD
Einstiegspreis (brutto) ca. 58.300 € ca. 45.990 €
Reichweite (WLTP) ca. 590 km ca. 702 km
Systemleistung 250 kW (340 PS) 208 kW (283 PS)
Ladeleistung (DC max.) ca. 205 kW ca. 250 kW
Kofferraumvolumen 470 Liter 594 Liter + 88 Liter Frunk
Garantie Akku 8 Jahre / 160.000 km 8 Jahre / 192.000 km
Infotainment iDrive 8, physische Tasten 15,4"-Zentraldisplay, kaum Tasten
Ladenetzwerk BMW Charging (Ionity etc.) Tesla Supercharger (offen seit 2023)

Was der Carwow-Test zeigt — und was er nicht kann

Im Drag Race — jenem berühmtesten Element des Carwow-Formats — liegt der BMW i4 M50 mit seinen 544 PS deutlich vorne. Kein Wunder: Das ist schlicht Physik. Doch der Standard-i4 eDrive40 verliert gegen das Model 3 Long Range im Sprint, weil Tesla bei der Software-Steuerung des Antriebs konsequenter optimiert. Der Unterschied im Alltag? Marginal. Beide Autos beschleunigen schneller, als es die Straßenverkehrsordnung erlaubt.

Relevanter ist der Reichweitentest. Hier zeigt sich, dass das Model 3 auf der Autobahn effizienter mit seiner Energie haushaltet — ein Ergebnis, das sich mit Messungen des ADAC deckt, der in seinem EV-Dauertest vergleichbarer Fahrzeuge regelmäßig festhält, dass Teslas bei konstant hohem Tempo den Verbrauch besser kontrollieren als viele europäische Wettbewerber (Quelle: ADAC). Das liegt nicht an größerer Batterie allein, sondern an der aerodynamischen Optimierung und der Wärmepumpe, die im Model 3 serienmäßig ist — beim BMW i4 war sie lange ein Aufpreis-Feature.

Laden: Supercharger gegen das freie Netz

Ein Punkt, den viele Tests stiefmütterlich behandeln, ist die Ladeinfrastruktur. Das Tesla-Supercharger-Netz gilt weiterhin als das zuverlässigste in Europa. Seit der Öffnung für Fremdfahrzeuge hat sich die Situation verändert — theoretisch können auch i4-Fahrer nun Supercharger nutzen. Praktisch ist das aber oft teurer als über das BMW-eigene Ladenetzwerk oder Drittanbieter wie Ionity, ARAL pulse oder EnBW. Der ADAC hat in Stichproben festgestellt, dass die Auslastung an Superchargern seit der Öffnung gestiegen ist und Wartezeiten zunehmen (Quelle: ADAC Elektromobilitätsbericht).

Für BMW-Fahrer gilt: Das Charging-Ökosystem ist fragmentiert. Es gibt gute Optionen, aber keinen einheitlichen Standard wie den Supercharger. Wer viel auf der Autobahn unterwegs ist, muss sich mit Apps, Ladekarten und unterschiedlichen Tarifen auseinandersetzen — das ist kein Killerargument gegen den i4, aber ein realer Aufwand, der in keinem Vergleichstest als Prüfkategorie auftaucht.

Verarbeitung, Haptik, Sitzkomfort: Der BMW-Vorteil

Wo der i4 klar punktet: Innenraum. Die Verarbeitungsqualität des BMW liegt auf einem Niveau, das Tesla bisher nicht erreicht. Lederimitate, Spaltmaße, die Anmutung des Armaturenbretts — wer von einem deutschen Premium-Verbrenner umsteigt, wird sich im i4 sofort zu Hause fühlen. Beim Model 3 hingegen gibt es eine Eingewöhnungsphase: Das minimalistische Interieur mit dem zentralen Touchscreen polarisiert. Viele finden es modern, andere vermissen physische Schalter für Klimaanlage und Lautstärke.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) verzeichnet für beide Modelle einen deutlichen Zulassungsanstieg in den vergangenen Quartalen — ein Zeichen, dass der Markt für Elektrofahrzeuge im oberen Mittelklasse-Segment trotz konjunktureller Unsicherheit stabil bleibt (Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Zulassungsstatistik). Der i4 liegt dabei in der Zulassungszahl hinter dem Model 3, das nach wie vor zu den meistverkauften Elektroautos in Deutschland gehört.

Was Käufer wirklich wissen müssen

Vergleichstests wie jener von Carwow sind Unterhaltung mit einem Kern Wahrheit. Sie können zeigen, welches Auto im Sprint schneller ist, welches auf einer definierten Strecke mehr Reichweite erzielt. Was sie nicht können: Ihren Alltag abbilden. Die entscheidenden Fragen lauten anders.

Erstens: Wo laden Sie hauptsächlich? Wer zu Hause eine Wallbox hat und selten Langstrecke fährt, braucht sich um Ladenetzwerke kaum zu sorgen. Wer hingegen viel reist und keine private Lademöglichkeit hat, sollte das Supercharger-Netz und seine Tarifstruktur genau prüfen, bevor er sich für oder gegen Tesla entscheidet.

Zweitens: Wie wichtig ist Ihnen das Infotainmentsystem? Wer Android Auto oder Apple CarPlay gewohnt ist und diese Integration nutzen will, fährt mit dem BMW besser. Tesla bietet eine proprietäre Oberfläche ohne native Smartphone-Spiegelung — ein bewusster Designentscheid, den viele schätzen, andere ablehnen.

Drittens: Wie lange planen Sie, das Auto zu halten? Beide Hersteller bieten acht Jahre Garantie auf den Akku. Teslas Update-Politik — Over-the-Air-Updates, die Fahrzeuge teils erheblich verbessern — ist in der Branche führend. BMW holt hier auf, ist aber noch nicht auf gleichem Niveau. Wer in fünf Jahren ein Auto kauft, das durch Software-Updates regelmäßig neue Funktionen erhält, kann das als Mehrwert verbuchen.

Faktencheck: Das Tesla Model 3 Long Range erzielt laut WLTP-Zertifizierung eine Reichweite von rund 702 Kilometern. In realen ADAC-Messungen auf der Autobahn bei Tempo 130 liegt der Verbrauch bei etwa 18–19 kWh pro 100 Kilometer — was eine Praxisreichweite von rund 380 bis 420 Kilometern ergibt. Der BMW i4 eDrive40 verbraucht unter denselben Bedingungen rund 20–22 kWh, was etwa 320 bis 360 Kilometer reale Reichweite bedeutet. Die WLTP-Angaben beider Hersteller sind unter Idealbedingungen ermittelt und spiegeln den Autobahnalltag nicht vollständig wider. (Quelle: ADAC Elektro-Reichweitentest, Kraftfahrt-Bundesamt)

Preisfrage: Was kostet Elektromobilität wirklich?

Der Preisunterschied zwischen beiden Fahrzeugen liegt beim direkten Vergleich vergleichbarer Ausstattungsniveaus bei rund 10.000 bis 14.000 Euro — zugunsten des Tesla. Das ist kein kleiner Betrag. Wer den i4 wählt, kauft Markenprestige, Verarbeitungsqualität und ein vertrautes Bedienkonzept. Wer das Model 3 wählt, bekommt mehr Reichweite, schnelleres Laden und ein gut ausgebautes Supercharger-Netz zu einem niedrigeren Einstiegspreis.

Beide Positionen sind rational vertretbar. Was nicht rational ist: eine Entscheidung allein auf Basis von Drag-Race-Videos zu treffen. Probefahrten, Testzeiträume und der Blick auf die Gesamtbetriebskosten — inklusive Ladestrom, Wartung und möglichem Wertverlust — sind die entscheidenden Faktoren. Der ADAC empfiehlt generell, beim Elektroautokauf mindestens 12 Monate Leasingoptionen zu prüfen, bevor man kauft, da sich Modelle und Preise derzeit schnell verändern (Quelle: ADAC Kaufberatung Elektroauto).

Die Diskussion um Elektromobilität ist im Übrigen nicht auf das individuelle Fahrzeug beschränkt. Wie Städte und Regionen die Infrastruktur gestalten, beeinflusst, wie sinnvoll ein Elektroauto im Alltag tatsächlich ist. Freiburg als Öko-Hauptstadt: Was SWR über das grüne Modell zeigt beleuchtet etwa, wie urbane Mobilitätskonzepte und Ladeinfrastruktur zusammenhängen. Und wer verstehen will, wie Industriepolitik und Elektromobilität in strukturschwachen Regionen zusammenspielen, findet Hintergründe in der Analyse Sachsen als Wirtschaftswunderland? Was MDR-Analyse wirklich zeigt.

Der blinde Fleck in jedem Vergleichstest

Es gibt eine Frage, die kein Fahrzeugtest beantwortet: Wie verändert sich der Alltag, wenn man auf Elektromobilität umsteigt? Dazu gehören nicht nur Ladevorgänge, sondern auch die mentale Gewöhnung an Reichweitenplanung, die veränderte Fahrplanung auf Reisen und die Frage, ob die eigene Haushaltssituation überhaupt eine private Lademöglichkeit zulässt. Wer in einer Mietwohnung ohne Tiefgarage lebt, steht vor anderen Herausforderungen als ein Eigenheimbesitzer mit Wallbox in der Garage.

Diese Fragen berühren gesellschaftliche Strukturen, die weit über das Automobil hinausgehen — von der Energiewende bis zur Stadtplanung. Agri-Photovoltaik: BR Doku zeigt das Zukunftsmodell aus Bayern zeigt exemplarisch, wie Energieproduktion und Mobilitätswende verzahnt sind. Und wer verstehen will, wie politische Rahmenbedingungen diese Entwicklung beschleunigen oder bremsen können, findet in 1 Jahr Schwarz-Rot: Was hat die Koalition wirklich erreicht? eine sachliche Bilanz der aktuellen Bundesregierung in Sachen Klima- und Mobilitätspolitik.

Fazit: Kein Sieger, aber ein Rat

Der Carwow-Test zwischen BMW i4 und Tesla Model 3 ist unterhaltsam, gut produziert und zeigt reale Messwerte. Doch er beantwortet nicht die Frage, welches Auto für Sie das richtige ist. Der i4 ist das bessere Auto im klassischen Sinne: hochwertig verarbeitet, angenehm zu fahren, mit einem bewährten Bedienkonzept. Das Model 3 ist das effizientere Elektroauto: besser geladen, günstiger, mit der stärkeren Software-Plattform.

Was die Zulassungsdaten des Kraftfahrt-Bundesamts zeigen: Beide Fahrzeuge finden ihre Käufer — und der Markt trennt sich längst nicht mehr zwischen Tesla-Enthusiasten und BMW-Loyalisten (Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt). Es gibt genug Käufer, die beide Autos probefahren und dann rational entscheiden. Das ist die Haltung, die wir empfehlen — nicht als Ratschlag für ein bestimmtes Produkt, sondern als journalistische Einschätzung: Wer informiert kauft, kauft besser.

Mehr Hintergründe zu gesellschaftlichen Debatten rund um Konsum, Medien und Alltagsfragen finden Sie auch in unseren Analysen zu STRG_F fragt: Wie kaputt macht Germanys Next Topmodel wirklich? sowie in der Reportage Pflegenotstand: Dieser Podcast zeigt, wer uns im Alter wirklich pflegt — denn gesellschaftliche Entscheidungen über Mobilität, Energie und Lebensqualität hängen immer auch mit strukturellen Fragen zusammen, die über das einzelne Produkt weit hinausreichen.

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Kai Richter
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Kai Richter beobachtet Trends in Streaming, Kultur und Mobilität. Er testet, analysiert und ordnet ein — ob neue Serienformate, Kinostarts oder die Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

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