DFB-Frauen EM-Quali: Chancen nach dem Trainerwechsel
Neue Trainerin, neues System, erste Ergebnisse
Die deutschen Fußballerinnen stehen vor einer entscheidenden Phase ihrer EM-Qualifikationskampagne. Nach dem Trainerwechsel und der Umstellung auf ein neues taktisches System zeigen sich erste vielversprechende Ergebnisse – doch die Qualifikation für die Frauen-Europameisterschaft 2025 ist längst nicht in trockenen Tüchern. Wir werfen einen genauen Blick auf die aktuelle Situation des DFB-Frauenteams und analysieren, ob die Richtung wirklich stimmt.
Der Trainerwechsel und seine Auswirkungen

Mit dem Amtsantritt der neuen Bundestrainerin hat sich nicht nur die Philosophie im deutschen Frauenfußball gewandelt, sondern auch die konkrete Spielweise auf dem Platz. Die Vorgängerin hatte das Team über Jahre geprägt – doch frische Impulse waren längst überfällig. Die Verantwortlichen beim Deutschen Fußball-Bund erkannten: Um international wieder ernsthaft mithalten zu können, braucht es neue Ideen, eine veränderte Herangehensweise und vor allem Mut zur Disruption. Die neue Trainerin brachte internationale Erfahrung mit und setzte unmittelbar ein überarbeitetes Defensivsystem um. Statt wie bisher bevorzugt in einem 4-3-3 zu agieren, werden die Fußballerinnen nun regelmäßig in einem 4-2-3-1 aufgestellt. Diese Umstellung sorgte anfangs für spürbare Verunsicherung im Kader – mittlerweile aber zeichnen sich die positiven Effekte dieser taktischen Neuausrichtung klar ab.
Die Mannschaft musste sich an völlig neue Rollen gewöhnen. Spielerinnen, die bislang als klassische Außenverteidigerinnen tätig waren, werden nun teilweise im defensiven Mittelfeld eingesetzt. Das erfordert intensive Trainingsarbeit, taktisches Umdenken und außerordentliche Flexibilität der Athletinnen. Genau diese Anpassungsfähigkeit aber macht moderne Spitzenteams aus. Die ersten Testspiele und Trainingsmaßnahmen zeigten: Das System greift, und die Mannschaft ist bereit, sich auf neue Anforderungen einzulassen – auch wenn der Prozess schmerzhaft war.
Taktische Neuerungen im Detail
Das neue 4-2-3-1-System bietet gegenüber dem alten Aufbau mehrere handfeste Vorteile. Die Abwehr agiert deutlich kompakter, was gegnerischen Angreiferinnen das Leben schwer macht. Im zentralen Mittelfeld entsteht eine stabilere Struktur, die sowohl defensiv als auch offensiv effizienter funktioniert. Die zwei defensiven Mittelfeldspielerinnen bilden eine echte Schutzschicht vor der Viererkette, während die drei offensiveren Mittelfeldspielerinnen dahinter mehr Raum für kreative Spielzüge erhalten.
Besonders bemerkenswert ist die taktische Flexibilität, die dieses System ermöglicht. Je nach Gegner können die Spielerinnen schnell zwischen verschiedenen Staffelungen wechseln. Gegen offensiv aggressive Teams lässt sich das System kompakter ausrichten, gegen schwächer verteidigende Kontrahentinnen offensiver interpretieren. Diese Variabilität ist ein echter Gewinn für das DFB-Team – und ein Beleg dafür, dass die neue Trainerin ihre Aufgabe nicht nur verstanden, sondern bereits zu prägen begonnen hat.
Erste Ergebnisse und Leistungen in der Qualifikation
Schaut man auf die bisherigen Leistungen, ergibt sich ein gemischtes Bild – und das ist ehrlich gesagt das einzig Ehrliche, was man sagen kann. Von insgesamt fünf absolvierten Qualifikationsspielen gewann die deutsche Elf drei, darunter zwei Siege gegen direkte Konkurrentinnen in der Gruppe. Ein Unentschieden und eine Niederlage trüben die Bilanz, sind aber im Kontext einer laufenden Umstellungsphase erklärbar – wenn auch nicht vollständig entschuldbar. Die Defensive ist messbar stabiler geworden, was sich in einer deutlich gesunkenen Gegentorquote widerspiegelt. Wirkte man in der Vergangenheit manchmal zu offen für schnelle Konter, zeigt sich die Mannschaft nun gefestigter und schwerer zu überwältigen.
Die Offensive hingegen brauchte länger, um in Fahrt zu kommen. In den ersten beiden Spielen wirkte das Angriffsspiel gehemmt, fast zaghaft – als würde die Mannschaft das neue System noch buchstabieren statt spielen. Doch ab Spiel drei änderte sich das Bild spürbar. Die Angriffe wurden zielstrebiger, die Kombinationen im Mittelfeld flüssiger. Leistungsträgerinnen wie die langjährige Kapitänin bewiesen, dass sie sich schnell auf neue Anforderungen einstellen können – und dass Erfahrung in Umbruchsphasen schlicht unbezahlbar ist.
| Spiel | Gegner | Ergebnis | Tore (Deutschland) | Gegentore | Punkte |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Niederlande | 1:1 | 1 | 1 | 1 |
| 2 | Polen | 3:0 | 3 | 0 | 3 |
| 3 | Belgien | 2:1 | 2 | 1 | 3 |
| 4 | Finnland | 1:0 | 1 | 0 | 3 |
| 5 | Tschechien | 0:2 | 0 | 2 | 0 |
| Gesamt | 10 | ||||
Schlüsselzahlen: 5 Qualifikationsspiele absolviert | 3 Siege, 1 Unentschieden, 1 Niederlage | 10 Punkte aus 15 möglichen | 7 erzielte Tore | 4 Gegentore | Aktuelle Tordifferenz: +3 | Defensiv stärkste Phase seit Beginn der Qualifikationskampagne | System-Umstellung nach Spieltag 1 vollzogen
Die Gruppe im Überblick: Wer ist der härteste Konkurrent?
Deutschland führt die Gruppe derzeit punktgleich mit einem weiteren Kontrahenten an – und genau das macht die Situation so brisant. Die DFB-Frauen in der EM-Qualifikation haben zwar das bessere Torverhältnis auf ihrer Seite, doch ein einziger Ausrutscher kann die Konstellation komplett verschieben. Besonders die Niederlande, die trotz des frühen Remis gegen Deutschland weiterhin gefährlich sind, dürfen nicht unterschätzt werden. Auch Belgien hat gezeigt, dass es in der Lage ist, jeden Gegner zu fordern – die 1:2-Niederlage gegen Deutschland war knapper als das Ergebnis suggeriert.
Entscheidend werden die verbleibenden Partien sein, darunter das Rückspiel gegen die Niederlande. Ein Sieg dort würde die Qualifikation faktisch absichern – eine Niederlage hingegen könnte die Gruppe komplett neu sortieren. Genau solche Spiele sind es, die zeigen, ob eine Mannschaft tatsächlich gereift ist oder ob die positiven Leistungen der Mittelphase nur eine Momentaufnahme waren.

Stärken, Schwächen und der Blick nach vorn
Unterm Strich ist das DFB-Frauenteam auf einem guten Weg – aber ein guter Weg ist noch kein Ziel. Die Stärken liegen klar auf der Hand: Die defensive Kompaktheit hat sich verbessert, die taktische Disziplin ist gestiegen, und die Mannschaft agiert als Kollektiv kohärenter als noch zu Beginn der Kampagne. Die Schwächen sind ebenfalls offensichtlich: Die Effizienz vor dem Tor ist noch ausbaufähig, und in Drucksituationen – wie zuletzt gegen Tschechien – fehlt bisweilen die Kaltblütigkeit, die Topteams auszeichnet.
Was bleibt, ist eine Mannschaft im Aufbruch. Eine Mannschaft, die lernt, die neue Trainerin, die prägt – und eine Nation, die auf eine erfolgreiche EM-Qualifikation hofft. Ob die Sicherheit am Ende wirklich da ist, wird sich nicht im Training entscheiden, sondern auf dem Platz. In den verbleibenden Spielen. Unter Druck. Genau dort, wo sich zeigt, was eine Mannschaft wirklich kann.
Der aktuelle Kader der DFB-Frauen verfügt über genug individuelle Qualität, um die Qualifikation zu meistern. Die Frage ist nicht das Talent – die Frage ist, ob das neue System rechtzeitig vollständig sitzt. Alles spricht dafür. Aber garantiert ist gar nichts.