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Haaland zu Manchester City: Das Transfer-Beben 2022

Was der BVB verliert — und was Manchester City gewinnt

Von ZenNews24 Redaktion 6 Min. Lesezeit
Haaland zu Manchester City: Das Transfer-Beben 2022

Es war das Transfer-Beben des Sommers 2022: Erling Haaland verließ Borussia Dortmund und wechselte zum englischen Meister Manchester City. Der norwegische Torjäger, der die Bundesliga in knapp zweieinhalb Jahren zum Beben brachte, schrieb damit das Ende einer bemerkenswerten Ära in Gelb-Schwarz. Was bleibt für den BVB? Und was gewinnt Pep Guardiola für die Citizens?

Die spektakuläre Ankunft im Ruhrgebiet

Haaland zu Manchester City: Das Transfer-Beben 2022

Im Januar 2020 kam Erling Haaland als 19-jähriger Hoffnungsträger von Red Bull Salzburg nach Dortmund. Der Klub bezahlte rund 20 Millionen Euro für einen Stürmer, der in Österreich bereits aufhorchen ließ – und dessen Vater Alf-Inge Haaland selbst Premier-League-Profi bei Manchester City, Leeds United und Nottingham Forest gewesen war. Doch schon beim Debüt gegen den FC Augsburg deutete sich an, dass dies kein gewöhnlicher Transfer sein würde: Haaland traf dreimal – in der zweiten Halbzeit, als Einwechselspieler. Es war der Anfang einer Torflut, die die Bundesliga nachhaltig in Atem halten sollte.

In der Rückrunde der Saison 2019/20 erzielte der Skandinavier in 14 Pflichtspielen für den BVB zwölf Tore in der Bundesliga. Eine Quote, die selbst routinierten Stürmern Respekt abringt. Die Borussia hatte ein Juwel gefunden – und die gesamte Fußball-Welt schaute fortan auf den Signal Iduna Park. Haaland spielte nicht wie ein Teenager. Er spielte mit der Kaltblütigkeit eines erfahrenen Knipsers, kombiniert mit der Explosivität eines Sprinters auf dem Höhepunkt seiner physischen Möglichkeiten.

Saison 2020/21: Der Durchbruch

Die erste vollständige Spielzeit 2020/21 zeigte Haalands wahres Potenzial. Mit 27 Bundesliga-Toren in 28 Einsätzen und insgesamt 41 Treffern in 43 Pflichtspielen kündigte er an, dass er sich dauerhaft in die Reihe der besten Stürmer der Welt einreihen würde. Die Gier nach Toren war unersättlich – wie ein junger Wolf, der die Jagd perfektioniert hat und nicht mehr aufhören kann.

Was Dortmund von anderen Klubs unterschied: Trainer Edin Terzić und sein Vorgänger Lucien Favre verstanden es, Haaland in ein System einzubinden, das seinen Stärken entsprach. Schnelle Konter, präzise Pässe in die Tiefe, Flanken von den Außenpositionen – und dann war da dieser Norweger, der mit seinen langen Beinen mühelos das Tempo anzog und den Abschluss mit chirurgischer Präzision fand. Die Bundesliga-Abwehrspieler bekamen ein Problem, das sie kollektiv nicht lösen konnten.

Saison Tore Bundesliga Spiele BL Quote pro Spiel Assists BL
2019/20 (ab Januar) 12 14 0,86 3
2020/21 27 28 0,96 6
2021/22 22 24 0,92 8
2022/23 16 17 0,94 4

2021/22: Verletzungen bremsen den Riesen

Die Saison 2021/22 verlief für Haaland nicht ohne Rückschläge. Muskelverletzungen und ein Hüftproblem beschränkten ihn auf 24 Bundesliga-Einsätze, in denen er dennoch 22 Mal traf. Dass er trotz eingeschränkter Spielzeit weiterhin eine Torquote von fast einem Treffer pro Partie hielt, unterstrich einmal mehr seine außergewöhnliche Effizienz. Haaland hatte sich längst vom hoffnungsvollen Talent zum absoluten Weltklasse-Stürmer entwickelt – und der Markt registrierte das mit wachsender Aufmerksamkeit.

In dieser Phase zeigte sich auch die volle Breite seiner Fähigkeiten. Es waren nicht nur Abschlüsse aus dem Lauf oder aus dem Eins-gegen-eins. Haaland verbesserte sein Stellungsspiel, seine Kopfballquoten stiegen deutlich, und er lernte, Gegner allein durch seine physische Präsenz zu beschäftigen und Räume für Mitspieler zu öffnen. Borussia Dortmund war in dieser Phase nicht ausschließlich auf Haaland angewiesen – aber der Klub war unbestreitbar stärker mit ihm als ohne ihn.

Die letzte Saison in Dortmund: Abschied im Glanz

In seinen 89 Spielen für den BVB erzielte Haaland 62 Tore – eine Quote von 0,70 Treffern pro Spiel, die selbst Lewandowski in seinen besten Dortmund-Jahren nicht erreichte. Für Guardiola war klar: Das ist kein gewöhnlicher Stürmer, sondern ein generationsübergreifendes Talent.

Die Spielzeit 2022/23 sollte Haalands letzte bei der Borussia werden – auch wenn er sie gar nicht vollständig bestritt, da der Wechsel bereits im Sommer 2022 vollzogen wurde. Richtiggestellt: Haaland absolvierte seine letzte Saison im BVB-Trikot 2021/22, ehe er im Juni 2022 nach Manchester wechselte. Der Wechsel war kein Überraschungsschlag aus dem Nichts. Die sogenannte Ausstiegsklausel in seinem Dortmunder Vertrag war der Branche bekannt, mehrere Topklubs – darunter Real Madrid, der FC Barcelona und Paris Saint-Germain – waren im Rennen. Am Ende setzte sich Manchester City durch.

Die Ablösesumme belief sich auf rund 60 Millionen Euro, ergänzt durch Beraterprovisionen und Bonuszahlungen, die den Gesamtaufwand nach Medienberichten auf über 100 Millionen Euro treiben konnten. Für einen Stürmer seiner Klasse, der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 21 Jahre alt war, war das trotzdem ein außerordentlicher Gegenwert – für beide Seiten. Dortmund kassierte das Vielfache seiner ursprünglichen Investition. Manchester City sicherte sich den gefährlichsten Mittelstürmer seiner Generation.

Schlüsselzahlen: In seiner Zeit bei Borussia Dortmund (Januar 2020 bis Juni 2022) erzielte Erling Haaland insgesamt 86 Tore in 89 Pflichtspielen für den BVB – eine der beeindruckendsten Quoten in der jüngeren Geschichte der Bundesliga. In der Liga allein traf er 62 Mal in 67 Einsätzen. Seine stärkste Bundesliga-Saison auf Torebasis war 2020/21 mit 27 Treffern in 28 Spielen. Die Ablösesumme beim Wechsel zu Manchester City betrug rund 60 Millionen Euro zuzüglich Bonuszahlungen, ermöglicht durch eine vertraglich vereinbarte Ausstiegsklausel. Bereits in seiner ersten Premier-League-Saison 2022/23 traf Haaland 36 Mal in 35 Ligaspielen und stellte damit den Torrekord der Premier League ein.

Was Manchester City gewann – und was Dortmund verlor

Pep Guardiola ist nicht bekannt dafür, klassische Neuner zu bevorzugen. Der katalanische Taktikfuchs ließ seine Mannschaften jahrelang ohne echten Mittelstürmer spielen – mit dem sogenannten „falschen Neuner" als Systemlösung. Haaland war das genaue Gegenteil davon: ein Raumstürmer reinster Güte, ein Mann, der in den Strafraum gehört wie der Ball ins Tor. Und trotzdem funktionierte es. Oder vielmehr: gerade deshalb.

Manchester City wurde in Haalands erster Saison erneut englischer Meister, gewann den FA Cup und triumphierte in der UEFA Champions League – das erste Triple in der Vereinsgeschichte der Citizens. Haalands Anteil daran war schlicht überragend. 52 Pflichtspieltore in einer einzigen Saison sind ein Wert, der in der modernen Fußballgeschichte seinesgleichen sucht.

Borussia Dortmund hingegen musste sich neu erfinden. Donyell Malen, Anthony Modeste – als Notlösung verpflichtet – und später Sébastien Haller übernahmen die Aufgabe, einen kaum ersetzbaren Spieler zu kompensieren. Es gelang nur bedingt. Der BVB blieb konkurrenzfähig, doch die brutale Effizienz, die Haaland in den Strafraum gebracht hatte, fehlte spürbar. Wer einmal erlebt hat, wie eine Mannschaft mit einem Stürmer dieser Klasse spielt, weiß, dass es kein direktes Äquivalent gibt.

Erling Haaland verlässt Dortmund: Ende einer Ära

Ein Vermächtnis, das bleibt

Was bleibt von Erling Haalands Zeit in Dortmund? Vor allem die Erinnerung daran, wie es sich anfühlt, wenn ein Ausnahmestürmer aufblüht – in einer Liga, die dafür bekannt ist, junge Talente zu formen, und in einem Klub, der diese Kunst wie kaum ein anderer beherrscht. Der BVB hat in seiner jüngeren Geschichte Spieler wie Robert Lewandowski, Ousmane Dembélé und Jadon Sancho entwickelt. Haaland reiht sich in diese Liste ein – und er überragt sie möglicherweise alle.

Für den neutralen Beobachter war seine Zeit im Ruhrgebiet ein seltenes Privileg: Man durfte dabei zusehen, wie ein Rohdiamant geschliffen wurde. Für die Borussia war es ein Geschäft, das sich in jeder Hinsicht gerechnet hat – sportlich wie finanziell. Und für Erling Haaland selbst? Dortmund war die Schule. Manchester City ist die Bühne, auf der er nun Geschichte schreibt.

Das Ende einer Ära im Signal Iduna Park – und der Beginn einer noch größeren anderswo. Der Borussia Dortmund bleibt die Dankbarkeit eines Klubs, der weiß, was er an diesem Norweger hatte. Und die Gewissheit, dass solche Spieler nur selten kommen. Vielleicht einmal in einer Generation.

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