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Quantencomputer geht kommerziell: Wer kauft, wer profitiert?

IBM, Google, IonQ — das Rennen um die erste nützliche Quanten-Anwendung

Von ZenNews24 Redaktion 3 Min. Lesezeit Aktualisiert: 06.05.2026
Quantencomputer geht kommerziell: Wer kauft, wer profitiert?

Das Quantencomputing verlässt die Forschungslabore und klopft an die Türen der Unternehmen. Was lange Zeit wie Science-Fiction wirkte, wird zur geschäftlichen Realität: IBM, Google, IonQ und eine Handvoll weiterer Akteure bieten inzwischen kommerzielle Quantencomputer-Services an – nicht als ausgereifte Massentechnologie, aber als nutzbare Systeme für spezialisierte Anwendungsfälle. Doch wer profitiert wirklich, und wo liegen die harten Grenzen einer Technologie, die selbst ihre Entwickler noch nicht vollständig beherrschen? Quantencomputer: IBM kündigt 100.000-Qubit-System für 2026 an – ein Signal für die kommenden Jahre.

Kerndaten Quantencomputing 2024: Der globale Markt für Quantencomputing-Dienstleistungen und Hardware wird auf etwa 1,3 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll laut McKinsey Global Institute bis 2035 auf 40 bis 80 Milliarden US-Dollar anwachsen. IBM hat nach eigenen Angaben seit 2016 mehr als eine Milliarde US-Dollar in Quantenforschung und -infrastruktur investiert. Weltweit existieren derzeit schätzungsweise 200 bis 300 Quantensysteme unterschiedlicher Technologieklassen in Forschungseinrichtungen und kommerziellen Rechenzentren. Der US-Kongress hat mit dem CHIPS and Science Act rund 800 Millionen US-Dollar speziell für Quantenforschung bereitgestellt. (Quellen: McKinsey Global Institute, Quantum Economic Development Consortium)

Quantencomputing einfach erklärt: Was hinter der Technologie steckt

Ein klassischer Computer arbeitet mit Bits – binären Zuständen, die entweder 0 oder 1 sind. Ein Quantencomputer nutzt dagegen Qubits (Quantenbits), die dank des quantenmechanischen Phänomens der Superposition beide Zustände gleichzeitig annehmen können – solange sie nicht gemessen werden. Der Messvorgang selbst kollabiert die Superposition auf einen eindeutigen Wert. Das ist kein Trick, sondern fundamentale Physik.

Hinzu kommt die Quantenverschränkung: Zwei oder mehr Qubits können so präpariert werden, dass ihre Zustände untrennbar korreliert sind. Ändert sich der Zustand eines Qubits durch Messung, lässt sich der Zustand des anderen sofort vorhersagen – unabhängig von der physischen Distanz. Wichtig: Das ermöglicht keine Übertragung von Information schneller als Licht, wie manchmal missverständlich behauptet wird. Die Verschränkung ist für die Rechenleistung relevant, nicht für Kommunikation.

Die praktische Implikation dieser Prinzipien: Quantencomputer sind für bestimmte Problemklassen – vor allem Optimierung, Simulation und Kryptanalyse – theoretisch exponentiell effizienter als klassische Systeme. Für andere Aufgaben, etwa Textverarbeitung oder einfache Datenbankabfragen, sind sie schlicht ungeeignet. Das ist der entscheidende Punkt, der in der öffentlichen Debatte häufig untergeht.

Wo Quantencomputer heute konkret Mehrwert liefern

Quantencomputer geht kommerziell: Wer kauft, wer profitiert?

Das große Versprechen ist eine Sache, der belegbare Nutzen eine andere. Aktuell zeichnen sich vier Anwendungsfelder ab, in denen Quantensysteme messbare oder zumindest plausible Vorteile gegenüber klassischen Rechnern zeigen:

Arzneimittelentwicklung und Molekülsimulation: Die quantenmechanische Simulation von Molekülen ist für klassische Computer exponentiell aufwendig – bereits ein mittelgroßes Molekül wie Koffein übersteigt bei vollständiger Simulation die Kapazitäten heutiger Supercomputer. Quantencomputer sind hier naturgemäß im Vorteil, weil sie quantenmechanische Systeme direkt abbilden können. Das Pharmaunternehmen Merck KGaA arbeitet im Rahmen einer Kooperation mit IBM an quantenchemischen Simulationen für die Wirkstoffforschung. Bis konkrete Medikamente aus solchen Projekten hervorgehen, werden jedoch noch Jahre vergehen.

Kombinatorische Optimierungsprobleme: Logistik, Finanzportfolios, Energienetzsteuerung – all das sind Probleme mit exponentiell wachsender Lösungsraumgröße. Volkswagen hat in Pilotprojekten Quantenalgorithmen für die Verkehrsflussoptimierung in Städten wie Lissabon erprobt. Die Ergebnisse waren vielversprechend, aber noch nicht produktionsreif. Der Vorbehalt gilt generell: Heutige Quantensysteme erreichen bei Optimierungsproblemen noch keinen eindeutigen Vorteil gegenüber spezialisierten klassischen Algorithmen wie Simulated Annealing. Auch in Deutschland zeigt sich das Interesse an dieser Technologie: Schwarz-Gruppe investiert in Quantencomputer-Startup Eleqtron.

Quantenmaschinelles Lernen: Bestimmte Quantenalgorithmen versprechen Geschwindigkeitsvorteile beim Training von Modellen auf hochdimensionalen Datensätzen. Die Forschung ist hier allerdings ambivalent: Mehrere Studien, darunter eine vielbeachtete Arbeit von Huang et al. aus dem Jahr 2021, zeigen, dass klassische Methoden in vielen praktischen Szenarien konkurrenzfähig bleiben. Quantenvorteil im maschinellen Lernen ist möglich, aber k

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