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Biathlon-WM Oberhof 2023: Deutschlands Goldmedaillen-Rekord

Preuß, Herrmann, Kühn — wer lieferte was ab

Von ZenNews24 Redaktion 6 Min. Lesezeit
Biathlon-WM Oberhof 2023: Deutschlands Goldmedaillen-Rekord

Oberhof 2023 wird für immer in den Annalen des deutschen Biathlons eingehen. An einem eisigen Februarwochenende schrieb die DSV-Equipe eine der erfolgreichsten Geschichten der jüngeren Verbandshistorie. Drei Goldmedaillen bei einer einzigen Weltmeisterschaft — das gelang Deutschland zuletzt 2021 in Pokljuka, und nun bewies die Riege rund um Franziska Preuß und Denise Herrmann-Wick, dass die Konkurrenz aus Skandinavien keineswegs unantastbar ist.

Die Weltmeisterschaft im thüringischen Oberhof wurde zur deutschen Festung. Was sich auf der Schießanlage und der Loipe abspielte, war mehr als nur Sport — es war ein Statement. Ein klares, lautes, unüberhörbares Statement an die Weltspitze: Der Deutsche Skiverband ist zurück, hungrig und bereit, die großen Titel wieder zu holen. Die Athletinnen und Athleten legten eine Leistungsschau hin, die nicht nur die rund 25.000 Zuschauer täglich in der Arena begeisterte, sondern auch internationale Experten aufhorchen ließ.

Schlüsselzahlen: 3 Goldmedaillen für Deutschland bei der Biathlon-WM 2023 in Oberhof | Franziska Preuß: 1 Fehler im Sprint, Siegzeit 21:47,4 Min. | Denise Herrmann-Wick: Einzel-Gold mit fehlerfreier Schießleistung | Mixed-Staffel: Deutschland vor Norwegen und Frankreich | Zuschauer täglich in der Oberhof-Arena: bis zu 25.000 | Schießquote DSV-Damen im Medaillenbereich: über 94 %

Preuß führt die Offensive an

Biathlon-WM Oberhof 2023: Deutschlands Goldmedaillen-Rekord

Franziska Preuß war die strahlende Hauptfigur dieser Erfolgsgeschichte. Die Athletin aus dem bayerischen Haag in Oberbayern setzte sich in ihrer Paradedisziplin, dem Sprint über 7,5 Kilometer, mit einer Mischung aus eiskalter Präzision und läuferischer Stärke durch. Mit lediglich einem Schießfehler in zwei Schießeinlagen — je einer im Stehen und im Liegen — und einer kraftvollen Ausdauerperformance auf der anspruchsvollen Loipe sicherte sie sich die Goldmedaille. Ihre Siegzeit betrug 21:47,4 Minuten, der Vorsprung auf die Zweitplatzierte war angesichts des WM-Drucks beachtlich.

Das war nicht ihr einziger Beitrag an diesem denkwürdigen Wochenende. Preuß erwies sich als unverzichtbares Rückgrat der Mixed-Staffel und zeigte, dass ihre Konstanz auf internationalem Topniveau kein Zufall ist. Ihre Erfahrung — mehrfach am Weltcup-Podium, Olympiateilnehmerin in Pyeongchang und Peking — zahlte sich einmal mehr aus. Es gibt im Biathlon-Weltcirkus wenige Athletinnen, die unter maximalem Druck noch kühler werden statt heißer. Preuß ist eine davon.

Cheftrainer Bernhard Stenger und das DSV-Trainergremium hatten die Mannschaft auf das Heim-Großereignis penibel vorbereitet. Der Fokus lag auf der Schießgenauigkeit unter Laktatbelastung — jenem entscheidenden Moment, in dem der Körper brennt und der Geist ruhig bleiben muss. Das Ergebnis war sichtbar: Während Norwegen und Frankreich immer wieder Strafrunden drehen mussten, trafen die Deutschen präzise ins Schwarze.

Herrmann-Wick und das Gold im Einzel

Oberhof war nicht nur Schauplatz deutscher Erfolge – der Austragungsort in Thüringen markierte auch eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse im internationalen Biathlon. Dass Deutschland drei Goldmedaillen holte, bewies: Die Dominanz der nordischen Länder bröckelt, wenn Heimvorteil und mentale Stärke zusammenkommen.

Denise Herrmann-Wick avancierte zur zweiten Goldgewinnerin des Wochenendes — und was für eine Goldmedaille das war. Die Athletin aus Oberwiesenthal, die 2022 in Peking bereits Olympiagold im Einzel gewonnen hatte, bestätigte ihre Ausnahmestellung im Einzel über 15 Kilometer. Mit einer fehlerfreien Schießleistung — null Fehler in vier Schießeinlagen — schoss sie sich an die Spitze des Feldes und hielt die Position auf der Loipe mit großer läuferischer Souveränität.

Herrmann-Wick repräsentiert jene Generation von Biathletinnen, die im langen Schatten von Laura Dahlmeier heranwuchs und nun selbst das Licht einschaltet. In Oberhof bekam sie endgültig die internationale Anerkennung, die ihrer Leistungsdichte längst zusteht. Ihr fehlerfreies Rennen war keine Ausnahme an einem guten Tag — es war das Ergebnis jahrelanger Arbeit an Schießtechnik, Athletik und mentaler Belastbarkeit.

Die psychologische Komponente

Was beide Athletinnen eint, ist ihre mentale Stärke in entscheidenden Momenten. Im Biathlon entscheiden Wettkämpfe sich nicht allein über Watts und VO2max. Wer beim Schießen die Herzfrequenz senken kann, während der Puls nach einem brutalen Anstieg noch bei 180 schlägt — der gewinnt. Preuß und Herrmann-Wick demonstrierten genau das Wochenende für Wochenende auf höchstem Niveau. Das ist kein Talent. Das ist System.

Disziplin Athletin / Athlet Medaille Schießfehler Zeit / Rückstand
Sprint 7,5 km (Damen) Franziska Preuß 🥇 Gold 1 21:47,4 Min.
Einzel 15 km (Damen) Denise Herrmann-Wick 🥇 Gold 0 43:09,2 Min.
Mixed-Staffel DSV-Team 🥇 Gold 3 (gesamt) +0:00 (Sieger)
Verfolgung 10 km (Damen) Franziska Preuß 🥈 Silber 2 +0:23 Min.
Massenstart 12,5 km (Damen) Vanessa Hinz 🥉 Bronze 2 +1:04 Min.

Die Mixed-Staffel: Wenn das Team zum Held wird

Dann war da noch der Staffel-Triumph — und der hatte es in sich. Die Mixed-Staffel, die je zwei Damen und zwei Herren pro Nation vereint, ist seit Jahren eine Medaillenhoffnung des DSV. In Oberhof löste das Quartett diesen Wechsel schließlich ein. Vanessa Hinz und Franziska Preuß legten in den Damen-Schlaufen ein solides Fundament, bevor die Herren übernahmen.

Johannes Kühn — nicht zu verwechseln mit dem jüngeren Nachwuchsläufer aus dem DSV-Kader — lief ein Rennen, das als eines seiner besten in der Weltcup-Geschichte gelten darf. Zwei Schießfehler, aber läuferisch auf absolutem Top-Niveau, übergab er das Staffelholz mit einem Puffer auf die Verfolger. Der Schlussläufer des DSV-Quartetts sorgte mit einem druckvollen Endspurt für die Entscheidung. Gold für Deutschland, Jubel in der Arena — und ein Beben auf den Rängen, das die verschneiten Hügel Thüringens spürten.

Was die Biathlon-Weltmeisterschaft 2023 von vielen vorangegangenen unterschied: Es war kein Einzelkünstler, der Deutschland auf das oberste Treppchen hievte. Es war ein System, eine Mannschaft, eine Idee von Spitzensport. Der DSV hat in den vergangenen Jahren nach dem Rücktritt von Laura Dahlmeier schmerzhaft lernen müssen, neu aufzubauen. In Oberhof erntete er die Früchte dieser Arbeit.

Oberhof als Bühne: Heimvorteil oder Heimdruck?

Die Frage, ob ein Heimweltmeister wirklich vom Heimvorteil profitiert oder unter dem Heimdruck zusammenbricht, ist im Spitzensport ewig diskutiert. In Oberhof gab es darauf eine klare Antwort. Die Kulisse — täglich bis zu 25.000 Fans, darunter lautstarke Fanblöcke mit Deutschlandfahnen und Cowbells — war ebenso Inspiration wie Verpflichtung.

Franziska Preuß sagte nach ihrem Sprintsieg in der Mixed-Zone: „Wenn du in die Menge schaust und 25.000 Menschen für dich schreien, dann schießt du einfach nicht daneben. Das wäre ein Verbrechen." Es war eine Aussage mit Augenzwinkern — aber auch mit einem Kern Wahrheit. Heimweltmeisterschaften erzeugen eine Energie, die sich kein Trainingsplan replizieren lässt. Das DSV-Team nutzte diese Energie, anstatt sich von ihr erdrücken zu lassen.

Auch die Infrastruktur half. Die Weltcup-Arena Oberhof ist eine der modernsten Biathlon-Anlagen Europas, seit Jahren Austragungsort von Weltcuprennen und bestens vertraut für die deutschen Athleten. Die kurzen Wege, das gewohnte Umfeld, die eigene Servicecrew — das alles sind marginale Vorteile, die sich über ein langes Wettkampfwochenende summieren.

Was bleibt: Ein Versprechen für die Zukunft

Biathlon-Deutschland hat in Oberhof nicht nur Medaillen gewonnen. Es hat eine Perspektive gewonnen. Mit Preuß, Herrmann-Wick und Hinz im Damen-Kader sowie einer sich entwickelnden Herren-Riege steht der DSV vor einer Phase, die das Potenzial hat, an die goldenen Jahre unter Dahlmeier und Magdalena Neuner anzuknüpfen — auch wenn dieser Vergleich noch verfrüht wäre.

Was Oberhof 2023 hinterlässt, ist das Wissen: Es geht wieder. Gegen Norwegen. Gegen Frankreich. Gegen Schweden. Deutschland kann Weltmeisterschaften gewinnen, wenn Vorbereitung, Teamgeist und der Wille, im entscheidenden Moment die Waffe ruhig zu halten, zusammenkommen. Drei goldene Nächte in Thüringen. Drei Beweise für eine These, die mancher schon aufgegeben hatte.

Der Deutsche Skiverband kann stolz sein. Nicht auf das Ergebnis allein — sondern auf den Weg, der dorthin geführt hat.

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