Biathlon 2025/26: Kann Deutschland die Skandinavier schlagen?
Kader, Kalender, realistische Erwartungen
Die Biathlon-Saison 2025/26 ist in vollem Gange – und Deutschland steht einmal mehr vor der entscheidenden Frage: Reicht das Potenzial, um mit den skandinavischen Dominatoren wirklich mitzuhalten? Nach einer enttäuschenden Vorsaison, in der Podiumsplätze zur Seltenheit wurden, hat der Deutsche Skiverband (DSV) die Weichen neu gestellt. Mit einem verjüngten Kader, überarbeiteten Trainingskonzepten und klaren Leistungszielen will Deutschland zurück in die Weltspitze. Doch der Weg dorthin ist steinig – und die Konkurrenz schläft nicht.
Schlüsselzahlen zur deutschen Biathlon-Saison 2025/26: Aktuelle Schießquote DSV-Kader: ~85 % (Ziel: 88–90 %) · Angestrebte Weltcup-Podiumsplätze pro Saison: 2–3 · Olympia-Qualifikationsziel: Top 20 Weltrangliste pro Starterplatz · Trainingsstandorte Vorbereitung: Oberhof, Ruhpolding, Östersund (SWE), Davos (SUI) · WM-Medaillenziel: mindestens 1 Medaille, Schwerpunkt Staffelbewerbe
Der deutsche Biathlon-Kader: Erfahrung trifft auf Aufbruch

Was den DSV-Kader in dieser Saison auszeichnet, ist die ungewöhnlich ehrliche Mischung aus gereifter Wettkampfintelligenz und frischem Hunger. Die Veteran-Fraktion kennt den Druck internationaler Großereignisse aus dem Effeff – die Youngster bringen genau jene Unbekümmertheit mit, die in schwierigen Rennsituationen manchmal den Unterschied macht. Doch Talent allein schießt keine Scheiben, und Erfahrung allein läuft keine Loipen mehr frei.
Der Trainerstab hat in der Saisonvorbereitung besonderes Augenmerk auf die Schießdisziplin gelegt – mit gutem Grund. Ausgedehnte Trainingslager in Skandinavien und der Schweiz dienten nicht nur der Grundlagenausdauer, sondern vor allem der Arbeit am Schießstand unter wechselnden Windbedingungen. Genau dort hat Deutschland in den vergangenen Saisons am meisten Weltcup-Punkte liegengelassen.
| Athlet/in | Disziplin-Schwerpunkt | Stärke | Entwicklungsfeld |
|---|---|---|---|
| Benedikt Doll | Sprint, Verfolgung | Wettkampferfahrung, Konstanz | Fitness nach Verletzungspausen |
| Vanessa Hinz | Einzel, Massenstart | Schießruhe, taktisches Rennen | Geschwindigkeit auf der Loipe |
| Johannes Kühn | Sprint | Laufstärke, Aggressivität | Schießstabilität unter Druck |
| Franziska Preuß | Verfolgung, Staffel | Loipentempo, Staffelstärke | Konstantleistungen über die Saison |
| Anna Weidel | Einzel, Staffel | Ausdauer, Schießgenauigkeit | Weltcup-Erfahrung aufbauen |
| Philipp Horn | Sprint, IBU-Cup | Athletik, Kampfgeist | Weltcup-Etablierung |
Benedikt Doll: Kämpfer mit Stallgeruch
Benedikt Doll ist keine Nostalgie-Nummer – er ist immer noch eine ernsthafte Waffe im deutschen Arsenal. Über zehn Jahre Weltcup-Erfahrung machen ihn zu einem der taktisch klügsten Athleten im Feld. Er weiß, wann er Kraft spart und wann er auf der Loipe alles gibt. In dieser Saison kämpft er zwar gegen kleinere körperliche Probleme, doch seine Reaktion darauf ist typisch Doll: Kopf unten, weiterarbeiten. Einzelne Rennen zeigen bereits, dass er über die nötige Klasse verfügt, um im Spitzenfeld mitzumischen. Die Frage ist, ob er diese Leistungen über eine gesamte Saison konservieren kann.
Wer sich über den aktuellen Biathlon Weltcup Gesamtstand informieren möchte, findet dort auch Dolls aktuelle Platzierungen und Entwicklung im Saisonverlauf.
Vanessa Hinz: Führungsfigur mit Substanz
Auf der Frauenseite ist Vanessa Hinz weit mehr als nur eine erfahrene Staffelläuferin. Sie ist eine Leitfigur, die jüngeren Athletinnen zeigt, wie man mit dem Druck internationaler Großereignisse umgeht. Ihre olympische und WM-Erfahrung ist Gold wert – nicht nur für ihre eigenen Rennen, sondern für die gesamte Teamkultur. Diese Saison fokussiert sie sich gezielt auf Einzel- und Massenstart-Bewerbe, wo ihr besonnenes Schießen am deutlichsten zum Tragen kommt. Nach Verletzungsproblemen in der Vorsaison zeigt Hinz aktuell wieder aufsteigende Form – ein wichtiges Signal für das Team.
Franziska Preuß und Johannes Kühn: Das Mittelfeld-Duo mit Podiumshunger
Franziska Preuß gehört zu den deutschen Athletinnen mit dem höchsten Podiumspotenzial – wenn die Saison ohne größere Verletzungsunterbrechungen verläuft. Ihre Stärke liegt im Loipentempo, das sie mit internationalen Spitzenläuferinnen mithalten lässt. Johannes Kühn wiederum bringt genau jene Laufaggressivität mit, die auf der Sprintdistanz den Unterschied ausmachen kann. Sein Sorgenkind bleibt das Schießen unter Wettkampfdruck – ein Bereich, der im Training intensiv bearbeitet wird, sich aber erst im Rennen wirklich beweist.
Nachwuchs mit Zukunft: Weidel, Horn und Co.
Anna Weidel und Philipp Horn stehen sinnbildlich für den deutschen Biathlon-Nachwuchs: talentiert, hungrig, aber noch im Reifeprocess. Weidel überzeugt durch ihre Schießdisziplin und läuferische Ausdauer, Horn durch schiere Athletik und den unbedingten Willen, sich im Weltcup zu behaupten. Beide werden in dieser Saison in sorgfältig ausgewählten Weltcup-Einsätzen aufgebaut – Überforderung durch zu viele Starts wäre kontraproduktiv. Langfristig sind es genau solche Athleten, auf die der DSV die Zukunft bauen will.
Saisonziele: Ambitioniert, aber mit Bodenhaftung
Der DSV hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt – öffentlich ausgerufene Medaillenziele, die dann nicht erfüllt werden, schaden dem Verband und den Athleten gleichermaßen. Entsprechend sind die offiziellen Zielsetzungen für 2025/26 bewusst realistisch formuliert, ohne jedoch den Ehrgeiz zu begraben.
Oberste Priorität hat die Absicherung der Olympia-Qualifikation. Das bedeutet konkret: Mindestens drei bis vier deutsche Athleten müssen sich in den relevanten Weltranglisten-Wertungen in den Top 20 halten. Angesichts der starken Konkurrenz aus Norwegen, Schweden, Frankreich und zunehmend auch Tschechien ist das alles andere als ein Selbstläufer.
Beim zweiten großen Ziel – Weltcup-Podiumsplätzen – ist Deutschland realistischerweise im Staffel- und Mixed-Staffel-Bereich am stärksten aufgestellt. Zwei bis drei Podiumsplatzierungen in dieser Kategorie über die gesamte Saison wären ein solider Erfolg. Einzelpodeste wären Bonus-Punkte, die niemand ablehnen würde, aber als Planungsgröße taugen sie derzeit noch nicht.
| Zielbereich | Konkrete Zielvorgabe | Realisierbarkeit |
|---|---|---|
| Olympia-Qualifikation | 3–4 Athleten Top 20 Weltrangliste | Möglich, aber hart umkämpft |
| Weltcup-Podium Staffel | 2–3 Podestplätze gesamt | Realistisch |
| WM-Medaille | 1 Medaille (Staffel/Mixed-Staffel) | Möglich bei Topform |
| Schießquote | Von 85 % auf 88 % steigern | Erreichbar mit konsequentem Training |
| Einzelpodium | 1 Podestplatz Einzel gesamt | Schwierig, aber nicht ausgeschlossen |
Das Schießproblem: Deutschlands Achillesferse
Kein Thema dominiert die interne Diskussion beim DSV so sehr wie die Schießleistung. Mit einer aktuellen Trefferquote von rund 85 Prozent liegt Deutschland merklich unter dem Weltstandard, der bei den besten Nationen zwischen 88 und 90 Prozent liegt. Auf eine 20-Schuss-Distanz bedeutet das im Schnitt einen zusätzlichen Fehler pro Rennen – und der kann in einem engen Weltcup-Feld über Podium oder Platz 15 entscheiden.
Das Training adressiert dieses Problem mit hoher Priorität: windangepasstes Schießen, Schießen in Erschöpfungszuständen nach intensiven Laufintervallen und mentale Drucksimulationen gehören zum festen Programm. Ob die Arbeit Früchte trägt, wird sich im Verlauf der Wettkampfsaison zeigen – Trainingsschießquoten und Wettkampfschießquoten sind erfahrungsgemäß zwei sehr unterschiedliche Tierarten.
Aktuelle Hintergründe zum Biathlon Schießtraining Weltklasse zeigen, wie die führenden Nationen diesen Aspekt systematisch trainieren – und was Deutschland davon lernen könnte.
Die internationale Konkurrenz: Ein Kraftfeld der Extraklasse
Wer die deutschen Ambitionen einordnen will, muss die Konkurrenz kennen. Norwegen schickt auch in dieser Saison eine Armada von Weltklasse-Athleten ins Rennen, angeführt von Johannes Thingnes Bø, der trotz seiner bereits beeindruckenden Karriere weiterhin Maßstäbe setzt. Schweden mit Sebastian Samuelsson und Frankreich mit einer tiefen Talentbank machen das Leben für alle anderen Nationen schwer. Selbst Österreich, das in vergangenen Saisons eher im Mittelfeld rangierte, hat aufgeholt.
Deutschland ist in diesem Feld nicht chancenlos – aber auch nicht mehr der natürliche Anwärter auf Podestplätze in Einzelrennen. Der Realismus, mit dem der DSV diese Ausgangslage kommuniziert, ist erfrischend und richtig. Denn nur wer die eigene Situation nüchtern bewertet, kann gezielt daran arbeiten.
Fazit: Baustelle mit Substanz
Der deutsche Biathlon steckt in einer echten Umbruchphase – das ist keine Ausrede, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme. Die Substanz ist vorhanden: erfahrene Führungsfiguren wie Doll und Hinz, hungrige Talente wie Weidel und Horn, ein Trainerteam mit klarer Linie. Was noch fehlt, ist die Konstanz – im Schießen, in der saisonalen Leistungskurve, im Du