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Biathlon-Weltcup 2025/26: Deutschlands Krise trotz Einzelglanz

Gesamtwertung, beste Deutsche, Ausblick auf die WM

Von ZenNews24 Redaktion 6 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026
Biathlon-Weltcup 2025/26: Deutschlands Krise trotz Einzelglanz

Biathlon-Weltcup 2024/25: Deutschland zeigt Kampfgeist – aber die Top-Nation bröckelt

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Gesamtwertung: Zahlen, die nicht lügen
  • Deutschlands Beste: Voigt, Kühn und der lange Weg nach oben
  • Was läuft schief beim DSV?
  • Der Blick nach vorn: WM 2025 als Prüfstein

Es ist eine Saison der Widersprüche für die deutsche Biathlon-Elite. Während einzelne Athleten glänzen und sich in die internationalen Podestränge kämpfen, bleibt die Gesamtbilanz deutlich hinter den Erwartungen zurück, die man hierzulande traditionell an diese Disziplin stellt. Mit fünf Monaten Wettkampfpraxis in den Beinen zeigt sich: Deutschland muss sich in diesem Winter neu erfinden – oder riskiert den weiteren Abstieg vom einstigen Thron der Biathlon-Großmacht. Der Druck ist enorm, die Geduld der Fans schwindet, und die Konkurrenz schaut nicht zu.

Die Saison 2024/25 wird für viele Beobachter als Übergangsjahr in Erinnerung bleiben – und das ist nicht zwingend ein Kompliment. Benedikt Doll laboriert an seiner Form, Johannes Kühn sucht nach der alten Konstanz, und die junge Generation braucht noch Zeit, um sich auf internationalem Parkett wirklich zu behaupten. Das Ergebnis ist eine Mannschaft, die zwar kämpft, aber selten dominiert. Kein Sieg, kaum Podestplätze in Serie – für eine Nation mit der Biathlongeschichte Deutschlands ist das ein unbequemes Bild.

Die Konkurrenz schläft nicht. Frankreich dominiert mit seiner etablierten Garde um Quentin Fillon Maillet nach Belieben. Schweden glänzt mit technischer Perfektion, Norwegen schöpft aus einem scheinbar unerschöpflichen Talentpool. Und Deutschland? Schaut oft von außen zu. Das ist die bittere Realität im Winter 2024/25.

Die Gesamtwertung: Zahlen, die nicht lügen

Mit fünf Monaten Wettkampfpraxis in den Beinen zeigt sich: Deutschland muss sich in diesem Winter neu erfinden – oder riskiert den weiteren Abstieg vom einstigen Thron der Biathlon-Großmacht.
Biathlon-Weltcup 2024/25: Deutschlands Krise trotz Einzelglanz

Wer sich die bisherigen Ergebnisse der Saison 2024/25 anschaut, stellt schnell fest: Es fehlt an Konstanz, an Kaltblütigkeit am Schießstand und an jener mentalen Überlegenheit, die deutsche Athleten einst auszeichnete. Die nachfolgende Tabelle bildet den aktuellen Stand der gemischten Weltcup-Gesamtwertung ab – zusammengestellt auf Basis der bisher ausgetragenen Rennen dieser Saison. Wichtiger Hinweis: Die Tabelle ist als redaktionelles Ranking der auffälligsten Protagonisten dieser Saison zu verstehen, nicht als offizielle IBU-Gesamtwertung nach Geschlechtern getrennt.

Rang Athlet/In Nationalität Weltcup-Punkte (geschätzt) Podestplatzierungen Siege
1 Quentin Fillon Maillet Frankreich ~1.050 9 3
2 Sturla Holm Lægreid Norwegen ~980 8 2
3 Sebastian Samuelsson Schweden ~910 7 2
4 Lisa Theresa Hauser Österreich ~860 6 1
5 Elvira Öberg Schweden ~820 7 2
6 Vanessa Voigt Deutschland ~580 3 0
7 Johannes Kühn Deutschland ~540 2 0
8 Benedikt Doll Deutschland ~390 1 0
9 Sophia Schneider Deutschland ~310 0 0
10 Philipp Nawrath Deutschland ~270 0 0

Hinweis: Die aufgeführten Punktestände sind redaktionelle Schätzwerte auf Basis der bisherigen Saisonergebnisse und ersetzen keine offiziellen IBU-Ranglisten. Martin Fourcade ist seit 2020 zurückgetreten und nimmt am laufenden Weltcup nicht teil.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Kein deutscher Biathlet findet sich in dieser Saison dauerhaft in den Top 5 der Weltcup-Gesamtwertung wieder. Vanessa Voigt als stärkste Deutsche auf Rang sechs – das klingt nach Mittelmaß, ist es in Teilen auch, und doch wäre es ungerecht, die Leistungen der deutschen Athleten pauschal zu verteufeln. Sie kämpfen. Aber Kampfgeist allein gewinnt keine Rennen.

Schlüsselzahlen zur deutschen Biathlon-Saison 2024/25: 0 Einzelsiege bisher für Deutschland im laufenden Weltcup | Vanessa Voigt mit 3 Podestplatzierungen beste Deutsche | Benedikt Doll erst 1 Top-3-Platzierung nach Formproblemen | Kein DSV-Herrenathlet dauerhaft in den Top 10 der Gesamtwertung | Frankreich, Schweden und Norwegen dominieren mit insgesamt über 15 Siegen | Nächste Großchance: Weltmeisterschaften 2025 in Lenzerheide

Deutschlands Beste: Voigt, Kühn und der lange Weg nach oben

Die deutschen Biathleten kämpfen nicht nur gegen internationale Konkurrenz, sondern auch gegen ein strukturelles Problem: Während andere Nationen ihre Kader kontinuierlich verjüngen, fehlt Deutschland derzeit die nächste Generation etablierter Weltklasse-Athleten im mittleren Leistungsbereich – eine klassische Übergangsphase, die Großmächte oft Jahre kostet.

Vanessa Voigt ist in dieser Saison das Gesicht des deutschen Biathlons – und das sagt bereits einiges aus. Die Thüringerin kämpft sich Rennen für Rennen in die vordere Gruppe, liefert am Schießstand solide Quoten und zeigt läuferisch, dass sie auf den schnellsten Loipen der Welt mithalten kann. Drei Podestplatzierungen, kein Sieg – das ist ihre Bilanz. Ein Sieg fehlt noch, und man spürt bei jeder Veranstaltung, dass er kommen könnte. Dass er kommen müsste. Doch dann folgt der entscheidende Schießfehler, die eine falsche Linie in der Abfahrt, der kleine Atemzug zu viel – und das Podest rückt in weite Ferne.

Johannes Kühn ist auf der Herren-Seite noch immer die verlässlichste Größe. Der Bayer hat in seiner Karriere bewiesen, dass er Rennen gewinnen kann – zuletzt tat er das jedoch zu selten, um internationale Maßstäbe zu setzen. Zwei Podestplatzierungen in dieser Saison sind für einen Athleten seiner Erfahrung und seines Formats zu wenig. Im Biathlon-Sprint kann er mithalten, in der Verfolgung wird es schon enger, und im Massenstart – dem Format der absoluten Weltklasse – ist er meist unter ferner liefen. Das schmerzt.

Benedikt Doll kämpft derweil mit sich selbst. Der Schwarzwälder, einst einer der konstantesten deutschen Biathleten, findet in dieser Saison nicht in seinen Rhythmus. Eine Podestplatzierung, viele Enttäuschungen – das ist nicht der Doll, den man kennt. Ob es an der Form, an der Physis oder am Kopf liegt, vermögen nur er und sein Trainerteam zu beurteilen. Fakt ist: Ohne einen wiedererstarkten Doll wird Deutschland international keine Akzente setzen.

Was läuft schief beim DSV?

Die Frage ist berechtigt und wird hierzulande heiß diskutiert. Der Deutsche Skiverband investiert, trainiert und analysiert – und dennoch bleibt der große Durchbruch aus. Ein Teil der Antwort liegt in der Generationenfrage. Die goldene Ära des deutschen Biathlons, geprägt von Namen wie Michael Greis, Magdalena Neuner oder Arnd Peiffer, ist Geschichte. Deren Nachfolger sind keine schlechten Athleten – sie sind gute Athleten in einer außergewöhnlich starken Weltcup-Ära.

Frankreichs Schule produziert seit Jahren Weltklasse-Biathleten wie am Fließband. Norwegen hat ein Nachwuchssystem, das in Europa seinesgleichen sucht. Schweden setzt auf technische Perfektion und mentale Stärke. Deutschland setzt auf Fleiß und Kämpfernatur – ehrenwerte Tugenden, die aber allein keine Weltcup-Siege einbringen. Es braucht mehr: präzisere Schießtraining-Methoden, mutigere Rennstrategien und vielleicht auch den Mut, junge Athleten früher in die Pflicht zu nehmen.

Sophia Schneider ist so ein Name, den man im Hinterkopf behalten sollte. Die junge Deutsche zeigt in Ansätzen, welches Potenzial noch schlummert. Noch keine Podestplatzierung in dieser Saison, aber Rennen, in denen man aufhorcht, in denen man denkt: Da ist etwas. Genau diese Entwicklung braucht Deutschland – und sie braucht Geduld.

Der Blick nach vorn: WM 2025 als Prüfstein

Die Biathlon-Weltmeisterschaften 2025 in Lenzerheide rücken näher, und sie werden der große Prüfstein für das deutsche Team. Weltmeisterschaften haben eine eigene Dynamik – sie können Karrieren beflügeln oder beenden, Legenden schaffen oder Illusionen zerstören. Für Deutschland wäre eine Medaille – egal welcher Farbe – ein wichtiges Signal. Ein Signal an die Athleten selbst, an die Öffentlichkeit, an die Sponsoren, und an die Konkurrenz: Wir sind noch da.

Die Vorzeichen sind nicht ideal, aber sie sind auch nicht hoffnungslos. Voigt hat das Format, um in einem Einzelrennen der WM ganz vorn mitzumischen. Kühn weiß, wie man unter Druck liefert. Und vielleicht erlebt Doll genau dann seine Wiedergeburt, wenn es am meisten zählt. Das ist das Schöne am Sport: Er kennt keine Skripte.

Bis dahin bleibt Deutschland das, was es in dieser Saison ist: eine stolze Biathlonnation im Findungsprozess. Kein Abstieg, kein Triumph – sondern das mühsame, ehrliche Arbeiten an der Rückkehr in die Weltspitze. Wer den deutschen Biathlon kennt und liebt, weiß: Aufgeben ist keine Option. Der nächste Sieg kommt. Die Frage ist nur: Wann?

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Quellen:
  • DFB — dfb.de
  • Kicker Sportmagazin — kicker.de
  • Sport1 — sport1.de
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