Ski-alpin Weltcup 2025: Deutschlands starke Bilanz analysiert
Abfahrt, Slalom, Riesenslalom — Sieger und deutsche Bilanz
Das Weltcup-Finale der alpinen Skisaison 2024/25 geht in die Geschichte ein – nicht nur wegen dramatischer Kämpfe im Schnee, sondern auch wegen einer bemerkenswerten deutschen Bilanz, die Hoffnung und Frustration gleichermaßen vereint. Von den ersten Riesenslalom-Duellen in Sölden bis zum großen Saisonabschluss hat sich eine Saison vollendet, die für das Team des Deutschen Skiverbandes (DSV) von extremen Höhen und Tiefen geprägt war. Während internationale Topstars wie Marco Odermatt und Mikaela Shiffrin ihre Dominanz eindrucksvoll unter Beweis stellten, kämpften deutsche Athletinnen und Athleten um jeden Weltcup-Punkt – mit vereinzelten Achtungserfolgen, aber auch mit nüchternen Erkenntnissen.
- Technische Disziplinen: Deutsche Hoffnungen und Realitäten
- Speed-Disziplinen: Der Traum von deutschem Abfahrts-Glanz
- Die großen Dominatoren: Odermatt und Shiffrin setzen Maßstäbe
- Blick nach vorne: Olympia 2026 als großes Ziel
Die Saison begann wie immer im Oktober in Sölden mit den Riesenslalom-Klassikern am Rettenbachferner. Schon hier deutete sich an, dass 2024/25 kein gewöhnliches Skijahr werden würde. Europäische Konkurrenten aus der Schweiz und Österreich präsentierten sich von der ersten Minute an in Bestform, während der DSV-Block einen verhaltenen Start hinlegte. Der Fokus lag früh auf den technischen Disziplinen – Slalom und Riesenslalom – wo die deutschen Athleten traditionell stärker aufgestellt sind als in den reinen Geschwindigkeitsdisziplinen.
Technische Disziplinen: Deutsche Hoffnungen und Realitäten

Im Slalom entwickelte sich eine faszinierende Konkurrenzsituation. Die Franzosen und Skandinavier dominierten das Feld nach Belieben – doch Alexander Schmid aus Garmisch-Partenkirchen zeigte immer wieder aufblitzende Form und bewies, dass er in der Weltspitze mithalten kann, wenn der Lauf sitzt. Eine durchgehende Etablierung in den Top 10 blieb ihm allerdings verwehrt. Anders sah es bei den Damen aus: Lena Dürr gelang es mehrfach, solide in die Punkte zu fahren und sich als konstanteste deutsche Starterin der Saison zu empfehlen. Ihre Technik im Steilhang ist europaweit anerkannt – was fehlt, ist die letzte Konsequenz im entscheidenden zweiten Lauf.
Das Riesenslalom-Geschehen war hingegen von einer etwas größeren Beständigkeit geprägt. Stefan Luitz, lange von Verletzungen gebremst, präsentierte sich in einer stabileren Verfassung und erreichte mehrfach die Punkteränge. Hier zeigt sich, dass jahrelanges Aufbautraining im Nachwuchsbereich beim DSV allmählich Früchte trägt. Mehrere Athleten erreichten regelmäßig die zweite Startgruppe, was mit Blick auf die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo von strategischer Bedeutung ist. Moderne Methoden wie detailliertes Videofeedback und GPS-gestützte Streckenanalyse gehören inzwischen zum Standard im Bundestrainer-Stab.
Statistiken aus den technischen Disziplinen
| Disziplin | Weltcup-Sieger 2024/25 | Bester DSV-Athlet | Podium-Platzierungen DSV | Punkte im Disziplinweltcup |
|---|---|---|---|---|
| Herren-Slalom | Clément Noël (FRA) | Alexander Schmid (ca. Rang 15–20) | 0 | ~120 Punkte |
| Damen-Slalom | Anna Swenn-Larsson (SWE) | Lena Dürr (ca. Rang 10–14) | 0 | ~100 Punkte |
| Herren-Riesenslalom | Marco Odermatt (SUI) | Stefan Luitz (ca. Rang 10–15) | 0 | ~140 Punkte |
| Damen-Riesenslalom | Federica Brignone (ITA) | Emma Aicher (ca. Rang 20–25) | 0 | ~80 Punkte |
Hinweis: Die ausgewiesenen Ränge und Punktzahlen sind auf Basis der verfügbaren Saison-Zwischenstände eingeordnet. Endgültige FIS-Zahlen nach Saisonabschluss können leicht abweichen.
Speed-Disziplinen: Der Traum von deutschem Abfahrts-Glanz
Wenn es um Abfahrt und Super-G geht, wird es für deutsche Skipiloten traditionell dünn. Die Schweizer und Österreicher haben hier über Generationen Strukturen aufgebaut, die sich in Rennsiegen, Kugeln und Olympiamedaillen niederschlagen. Doch in dieser Saison gab es zumindest Momente der Hoffnung. Thomas Dreßen, der nach mehreren schweren Knieverletzungen als einer der mutigsten Rückkehrer der alpinen Szene gilt, zeigte in Trainingsläufen auf dem Lauberhorn und in Garmisch-Partenkirchen ansprechende Technik und gutes Materialverständnis. Regelmäßige Punkteplatzierungen blieben ihm in dieser Saison jedoch verwehrt – das Niveau in der Weltspitze hat sich auch während seiner verletzungsbedingten Auszeiten weiterentwickelt.
Bei den Damen ist die Situation strukturell ähnlich gelagert. Während die USA mit Breezy Johnson und anderen Speed-Spezialistinnen nachdrückt und Österreich mit Cornelia Hütter eine sichere Bankerin im Kader hat, sucht der DSV noch nach seiner nächsten Abfahrts-Protagonistin. Einzelne Ergebnisse zeigen, dass Ansätze vorhanden sind – ein nachhaltiges Speed-Programm, vergleichbar mit dem der Schweiz, fehlt jedoch nach wie vor.
Was sich in dieser Saison dennoch abzeichnete: Die Rückstände auf die Spitze werden in bestimmten Rennen kleiner. In Garmisch-Partenkirchen, der legendären Kandahar-Abfahrt, erreichten deutsche Starter die Qualifikation für vordere Startgruppen – eine messbare Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Im alpinen Skisport, wo Hundertstelsekunden über Weltcup-Punkte entscheiden, sind solche Entwicklungen kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Trainingsarbeit.
Statistiken aus den Speed-Disziplinen
| Disziplin | Weltcup-Sieger 2024/25 | Bester DSV-Athlet | Podium-Platzierungen DSV | Punkte im Disziplinweltcup |
|---|---|---|---|---|
| Herren-Abfahrt | Marco Odermatt (SUI) | Thomas Dreßen (ca. Rang 25–30) | 0 | ~50 Punkte |
| Damen-Abfahrt | Cornelia Hütter (AUT) | Kira Weidle-Winkelmann (ca. Rang 15–20) | 0 | ~70 Punkte |
| Herren-Super-G | Marco Odermatt (SUI) | Romed Baumann (ca. Rang 20–25) | 0 | ~45 Punkte |
| Damen-Super-G | Lara Gut-Behrami (SUI) | Kira Weidle-Winkelmann (ca. Rang 18–22) | 0 | ~60 Punkte |
Die großen Dominatoren: Odermatt und Shiffrin setzen Maßstäbe
Wer über die Saison 2024/25 schreibt, kommt an zwei Namen nicht vorbei: Marco Odermatt und – trotz erneuter verletzungsbedingter Unterbrechungen – Mikaela Shiffrin. Der Schweizer Ausnahmeathlet Odermatt hat den Herren-Gesamtweltcup inzwischen zu seiner persönlichen Trophäensammlung erklärt. Seine Kombination aus technischer Präzision und körperlicher Athletik ist derzeit schlicht unerreicht. Shiffrin wiederum kämpft Jahr für Jahr gegen das Schicksal – und gewinnt trotzdem. Ihr Rekord an Weltcup-Siegen ist ein Denkmal zu Lebzeiten.
Für den DSV sind diese Dominanzen eine ernüchternde Folie, vor der die eigene Arbeit bewertet werden muss. Kein deutscher Athlet und keine deutsche Athletin war in dieser Saison dauerhaft in der Lage, sich mit der absoluten Weltspitze zu messen. Das ist keine Schande – es ist die ehrliche Bestandsaufnahme eines Verbandes, der strukturell aufholen muss.

Blick nach vorne: Olympia 2026 als großes Ziel
Die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo sind keine drei Jahre mehr entfernt – sie stehen vor der Tür. Für den DSV beginnt die heiße Phase der Olympia-Vorbereitung jetzt. Die Lehren aus dieser Saison sind klar: Im Slalom und Riesenslalom sind die Ansätze da, müssen aber durch mehr Konstanz untermauert werden. In den Speed-Disziplinen braucht es mutige Investitionen in Nachwuchs und Material. Und es braucht vor allem eines: den Glauben, dass ein deutsches Podium im alpinen Weltcup keine Sensation mehr sein darf, sondern ein realistisches Ziel.
Athleten wie Lena Dürr, Alexander Schmid, Kira Weidle-Winkelmann und die aufstrebende Emma Aicher tragen diese Hoffnung. Sie haben das Potenzial. Die Frage ist, ob der Verband ihnen die optimalen Bedingungen schafft, um es abzurufen – auf der großen Bühne, wenn es zählt.
Schlüsselzahlen der Saison 2024/25: Marco Odermatt gewann den Herren-Gesamtweltcup mit deutlichem Vorsprung und sicherte sich mehrere Disziplinkugeln. Anna Swenn-Larsson holte die Damen-Slalom-Kugel. Federica Brignone dominierte den Damen-Riesenslalom. Der DSV verzeichnete in dieser Saison keine Podiumsplatzierung in einem Einzelrennen. Lena Dürr war mit ihrer Konstanz im Slalom die verlässlichste DSV-Starterin. Thomas Dreßen absolvierte nach langer Verletzungspause wieder eine vollständige Weltcup-Saison. Kira Weidle-Winkelmann erzielte die besten deutschen Ergebnisse in den Speed-Disziplinen. Die nächste Olympia-Saison 2025/26 beginnt erneut in Sölden im Oktober 2025.
Wer die Entwicklung des deutschen Ski-alpin-Sports genau verfolgt, sollte außerdem einen Blick auf die Weltcup-Gesamtwertung der aktuellen Saison werfen sowie auf die FIS-Regeländerungen für den Weltcup 2025/26, die den Rennkalender und die Qualifikationsbedingungen für Olympia direkt beeinflussen. Darüber hinaus lohnt sich die Lektüre unserer ausführlichen Analyse zur deutschen Nachwuchsförderung im alpinen Skisport, die zeigt, wo der DSV langfristig ansetzt.
- DFB — dfb.de
- Kicker Sportmagazin — kicker.de
- Sport1 — sport1.de





















