Ein Jahr Kanzler Merz: 85 Prozent unzufrieden
Reformstau, Koalitionsstreit, Zoff mit Trump — die Bilanz nach zwölf Monaten ist historisch schlecht.
Heute vor genau einem Jahr wurde Friedrich Merz zum Bundeskanzler gewählt. Die Erwartungen waren hoch: Wirtschaftswende, Migrationssteuerung, Neustart nach dem Ampel-Chaos. Doch die Bilanz nach zwölf Monaten ist historisch schlecht.
Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage sind 85 Prozent der Bundesbürger unzufrieden mit der Arbeit von Merz. Nur 13 Prozent geben ihm ein positives Zeugnis. Mit Blick auf die Bundesregierung insgesamt ist das Verhältnis sogar 87 zu 11 Prozent — schlechter als Olaf Scholz zu jedem Zeitpunkt seiner Kanzlerschaft.
Wo die Koalition versagt hat
Rund 80 bis 90 Prozent der Befragten sind unzufrieden mit den Ergebnissen in den zentralen Bereichen: Infrastruktur, Preissteigerungen, Sozialreformen, wirtschaftliche Lage. 57 Prozent sagen, die Regierung habe sie in keinem einzigen Politikfeld überzeugt.
Die Koalition aus CDU/CSU und SPD, die mit solider Mehrheit startete, wirkt heute zerrissen. In einer YouGov-Umfrage glauben 55 Prozent der Deutschen nicht, dass Schwarz-Rot bis 2029 durchhält. Nur 18 Prozent bezeichnen die Zusammenarbeit innerhalb der Koalition als gut — 73 Prozent nehmen sie als schlecht wahr.
Junge Menschen am kritischsten
Besonders hart urteilen 18- bis 29-Jährige: 95 Prozent dieser Altersgruppe sind unzufrieden mit Merz — ein Wert, der die langfristige Wählerbasis der CDU bedroht. Auch Arbeiter und Selbständige zeigen ähnlich hohe Ablehnung. Sozialabgaben steigen weiter, der Nettolohn sinkt real.
Der Trump-Faktor macht es nicht besser
Hinzu kommt der außenpolitische Gegenwind: Der Streit mit US-Präsident Trump über den Iran-Krieg und den drohenden US-Truppenabzug belastet das Ansehen des Kanzlers zusätzlich. Merz wollte außenpolitisch Stärke demonstrieren — und sitzt nun zwischen allen Stühlen.
ZDF-Moderator Theo Koll fasste es in seiner Jubiläumssendung „Was nun, Herr Merz?" so zusammen: „Das erste Jahr war geprägt von dem, was nicht passiert ist."
Was kommt als nächstes?
Die Bundesregierung setzt auf einen Wirtschaftsgipfel im Sommer als Wendepunkt. Bundesbauministerin Verena Hubertz kündigte heute beim Tag der deutschen Bauindustrie ein beschleunigtes Infrastrukturprogramm an. Ob das reicht, um das Vertrauen zurückzugewinnen, bleibt offen.