Wirtschaft

Bundesanleihen: Was Staatsanleihen derzeit bringen

Renditen, Laufzeiten, Risiken - sichere Anlage mit Chancen und Grenzen

Von Thomas Weber 7 Min. Lesezeit
Bundesanleihen: Was Staatsanleihen derzeit bringen

Bundesanleihen gelten seit Generationen als sichere Geldanlage – und derzeit erleben sie eine Renaissance. Während die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen schrittweise senkt und die Konjunktur in Deutschland bröckelt, bieten Staatsanleihen der Bundesrepublik wieder attraktive Renditen ohne das Risiko von Aktienvolatilität. Doch wie sieht es wirklich aus mit der Sicherheit, den Chancen und den Grenzen dieser klassischen Anlageform? Ein aktueller Überblick für Sparer, Investoren und alle, die ihr Vermögen neu bewerten wollen.

Renditen auf erhöhtem Niveau – aber nicht mehr für lange

Die Rendite deutscher Staatsanleihen hat sich in den vergangenen Monaten deutlich stabilisiert. Was lange Zeit praktisch unmöglich schien – nämlich mit Bundesanleihen echte Erträge zu erzielen – ist derzeit wieder Realität. Die zehnjährige Bundesanleihe rentiert aktuell mit etwa 2,2 bis 2,5 Prozent pro Jahr. Das mag für Anleger, die sich an die Nullzinsjahre zwischen 2016 und 2021 erinnern, zunächst bescheiden klingen. Gemessen an jenem Jahrzehnt der finanziellen Repression aber ist dies ein erheblicher Ertrag, der vielen Sparern wieder Perspektive gibt.

Bundesanleihen Was Staatsanleihen derzeit bringen
Bundesanleihen Was Staatsanleihen derzeit bringen

Der Renditeanstieg hängt eng mit der geldpolitischen Wende zusammen. Nachdem die EZB ihre Leitzinsen ab Mitte 2022 in mehreren Schritten auf bis zu 4,5 Prozent angehoben hatte, um die Inflation zu bekämpfen, hat sie den Kurs seit Mitte 2024 wieder gelockert. Das bedeutet für neue Anlagen, dass Renditen mittelfristig weiter fallen könnten – wer aber jetzt kauft, sichert sich noch die aktuellen Sätze. Besonders bei längeren Laufzeiten liegt hier der Anreiz: Wer 15 oder 20 Jahre plant, nutzt aktuell noch vergleichsweise hohe Sätze, die in einem erneuten Niedrigzinsumfeld nicht mehr zu erreichen sein könnten.

Allerdings bleibt die Unsicherheit ein ständiger Begleiter: Die Geopolitik bleibt angespannt, die Inflation in Europa schwankt zwischen Rückgang und hartnäckigen Strukturkomponenten, und die konjunkturellen Aussichten für Deutschland sind gedämpft. All das spiegelt sich in den Renditen wider. Ein Blick auf die Marktdaten zeigt, dass es derzeit eine klare Laufzeitprämie gibt – längere Laufzeiten bringen mehr Ertrag, weil die Unsicherheit über viele Jahre naturgemäß größer ist.

Laufzeit Aktuelle Rendite (ca.) Preisschwankungsrisiko Geeignet für
2 Jahre 2,0 % Sehr gering Kurzfristige Sparer, Risikovermeidung
5 Jahre 2,15 % Gering Mittelfristige Ziele, ausgewogene Portfolios
10 Jahre 2,3 % Moderat Langfristiger Vermögensaufbau, Anleger kurz vor der Rente
30 Jahre 2,6 % Erhöht Sehr langfristige Anleger, institutionelle Investoren

(Quelle: Deutsche Bundesbank, aktuelle Marktdaten)

Konjunkturindikator: Das ifo-Geschäftsklima für Deutschland notiert derzeit bei 85,7 Punkten – ein Wert, der anhaltende Unsicherheit in der deutschen Wirtschaft signalisiert. Werte deutlich unter 100 gelten als Kontraktion. Dies stützt die Nachfrage nach sicheren Anlagen wie Bundesanleihen und begrenzt gleichzeitig das Inflationsrisiko. (Quelle: ifo Institut)

Wie Bundesanleihen funktionieren – ein technischer Überblick

Kauf, Haltung und Rückzahlung

Bundesanleihen sind Schuldverschreibungen der Bundesrepublik Deutschland. Wer eine kauft, leiht der Regierung Geld für eine festgelegte Laufzeit. Im Gegenzug erhält man jährliche Zinszahlungen (Kupons) und am Ende der Laufzeit die vollständige Rückzahlung des Nominalwertes. Das funktioniert ähnlich wie ein Festgeldkonto, nur dass der Staat der Schuldner ist – nicht die Bank – und die Anleihe börsentäglich handelbar bleibt.

Bundesanleihen Was Staatsanleihen derzeit bringen
Bundesanleihen Was Staatsanleihen derzeit bringen

Derzeit gibt es verschiedene Arten von Bundeswertpapieren am Markt. Die Standard-Variante sind die sogenannten Bundesanleihen (kurz: Bunds), die in Euro notiert sind und Laufzeiten von zehn bis dreißig Jahren aufweisen. Daneben existieren Bundesobligationen mit Laufzeiten von üblicherweise fünf Jahren sowie Bundesschatzanweisungen mit sehr kurzen Laufzeiten von bis zu zwei Jahren. Alle werden regelmäßig über die Finanzagentur der Bundesrepublik begeben und sind an der Börse Frankfurt sowie anderen Handelsplätzen frei handelbar. Privatanleger können Bundeswertpapiere über ihre Depotbank oder direkt über das Schuldbuch der Bundesrepublik erwerben.

Ein wichtiger Punkt, den viele Einsteiger unterschätzen: Der Kurs einer Anleihe schwankt täglich. Wer eine Bundesanleihe vor Laufzeitende verkaufen möchte, erhält den aktuellen Marktpreis – nicht automatisch den Nominalwert. Sinken die Marktzinsen, steigen die Kurse bereits emittierter Anleihen, weil deren fester Kupon attraktiver wirkt. Steigen die Zinsen, fallen die Kurse. Wer jedoch bis zur Endfälligkeit hält, bekommt den Nominalwert in jedem Fall zurück – unabhängig von zwischenzeitlichen Kursschwankungen. Diese Eigenschaft macht Bundesanleihen besonders für Anleger interessant, die einen klaren Anlagehorizont haben und nicht zwischendurch verkaufen müssen.

Laufzeit und Zinsbindung – die Kernparameter

Die Wahl der Laufzeit ist die wichtigste Entscheidung beim Kauf einer Staatsanleihe. Kurze Laufzeiten von zwei bis fünf Jahren bieten weniger Unsicherheit und niedrigere, aber planbare Renditen. Langfristige Anleihen mit zehn bis dreißig Jahren Laufzeit bringen mehr Ertrag, unterliegen aber auch stärkeren Kursschwankungen und einem höheren Zinsänderungsrisiko. Wer beispielsweise plant, sein Geld für zehn Jahre nicht anzutasten und diesen Anlagehorizont diszipliniert einhalten kann, für den ist die zehnjährige Laufzeit eine sinnvolle Wahl. Wer in der Zwischenzeit möglicherweise auf das Geld zugreifen muss, fährt mit kürzeren Laufzeiten besser.

Aktuell bietet sich für viele Privatanleger eine gestaffelte Strategie an: Ein Teil des Vermögens in kurzlaufende Anleihen mit zwei bis drei Jahren Restlaufzeit, ein weiterer Teil in mittelfristige Papiere mit fünf bis sieben Jahren und ein kleinerer Anteil in längerfristige Anleihen mit zehn bis fünfzehn Jahren. Fachleute sprechen dabei von einer sogenannten Laddering-Strategie. So nutzt man die unterschiedlichen Renditen der Laufzeitkurve und verteilt das Zinsänderungsrisiko auf mehrere Zeithorizonte. Läuft eine kurzfristige Tranche aus, kann das Kapital zu dann aktuellen Konditionen reinvestiert werden.

Risiken und Sicherheit – wie sicher sind Bundesanleihen wirklich?

Das Kreditrisiko ist bei deutschen Staatsanleihen minimal. Deutschland ist einer der kreditwürdigsten Staaten weltweit. Die Bonitätsbewertung liegt bei den großen Rating-Agenturen Moody's, S&P und Fitch auf dem jeweiligen Höchstniveau – AAA beziehungsweise Aaa. Das bedeutet: Das Ausfallrisiko ist in der Praxis vernachlässigbar gering. Der Staat wird seine Schulden bedienen; daran gibt es in der Fachwelt keinen vernünftigen Zweifel. Dies unterscheidet Bundesanleihen fundamental von Unternehmensanleihen, Hochzinsanleihen oder Staatsanleihen schwächerer Volkswirtschaften.

Dennoch sind Bundesanleihen nicht vollkommen risikolos. Drei Risikofaktoren verdienen Aufmerksamkeit. Erstens das bereits beschriebene Kursrisiko: Wer vor Laufzeitende verkauft, kann Verluste realisieren, wenn das Zinsniveau zwischenzeitlich gestiegen ist. Zweitens das Inflationsrisiko: Liegt die Inflationsrate dauerhaft über der Nominalrendite, verliert das angelegte Kapital real an Kaufkraft. Bei einer Rendite von 2,3 Prozent und einer Inflationsrate von 2,5 Prozent ist die Realrendite leicht negativ. Drittens das Währungsrisiko – das allerdings für Euro-Anleger, die in Euro denominierte Bundesanleihen halten, keine Rolle spielt.

Gegen das Inflationsrisiko gibt es übrigens ein spezielles Instrument: inflationsindexierte Bundesanleihen, sogenannte Linker. Deren Nominalwert und Kuponzahlungen werden an die Entwicklung des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) der Eurozone angepasst. Sie bieten damit einen gewissen Schutz gegen steigende Preise, sind aber auch komplexer in der Bewertung und weniger liquide als klassische Bundesanleihen.

Bundesanleihen im Vergleich: Was die Alternativen bringen

Wer Bundesanleihen als Anlageform bewertet, tut gut daran, sie im direkten Vergleich zu betrachten. Das klassische Tagesgeldkonto bietet derzeit bei manchen Direktbanken noch Zinsen von bis zu 3,0 Prozent – allerdings ohne Laufzeitbindung und mit variablem Zinssatz. Das bedeutet: Sinkt der EZB-Leitzins weiter, folgen die Tagesgeldkonditionen unmittelbar. Eine zehnjährige Bundesanleihe sichert hingegen den aktuellen Satz für die gesamte Laufzeit.

Festgeld konkurriert ebenfalls mit Staatsanleihen. Für Laufzeiten von ein bis drei Jahren bieten seriöse europäische Banken derzeit ähnliche oder leicht höhere Zinsen als vergleichbare Bundeswertpapiere. Der Unterschied liegt im Sicherheitsniveau: Festgeld ist über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Bank und Anleger geschützt – darüber hinaus trägt der Anleger das Bankausfallrisiko. Bundesanleihen kennen diese Obergrenze nicht; das Kreditrisiko liegt beim deutschen Staat.

Gegenüber Aktien und Aktienfonds sind Bundesanleihen naturgemäß defensiver. Die erwartete Rendite ist geringer, die Volatilität aber erheblich niedriger. In einem gut diversifizierten Portfolio übernehmen Staatsanleihen traditionell die Rolle des stabilisierenden Ankers – sie federn Kurseinbrüche am Aktienmarkt ab, weil Anleger in Krisenzeiten in sichere Häfen flüchten und damit die Anleihekurse stützen. Diese negative Korrelation zwischen Aktien und Staatsanleihen hat in der Vergangenheit in bestimmten Marktphasen gut funktioniert, ist aber kein Naturgesetz – wie das Jahr 2022 gezeigt hat, als beide Anlageklassen gleichzeitig unter Druck gerieten.

Für wen lohnen sich Bundesanleihen – und für wen nicht?

Bundesanleihen sind nicht für jeden Anlegertyp gleichermaßen geeignet. Sie empfehlen sich besonders für sicherheitsorientierte Anleger, die ihr Kapital erhalten wollen und auf verlässliche Zinseinkünfte angewiesen sind – etwa Rentner oder Menschen kurz vor dem Ruhestand, die ihr bis dahin aufgebautes Vermögen schützen wollen. Auch als Beimischung in einem breit aufgestellten Portfolio, das Aktien, Immobilien und andere risikobehaftete Anlagen enthält, leisten Bundesanleihen einen wertvollen Beitrag zur Risikostreuung.

Weniger geeignet sind sie hingegen für junge Anleger mit einem langen Anlagehorizont von zwanzig Jahren oder mehr, die Schwankungen aussitzen können und auf realen Vermögensaufbau zielen. Für diesen Anlegertyp dürften breit gestreute Aktienindexfonds langfristig die bessere Wahl sein – historisch haben globale Aktienmärkte über lange Zeiträume deutlich höhere reale Renditen erzielt als Staatsanleihen. Bundesanleihen sollten in diesem Fall allenfalls einen kleinen, stabilisierenden Anteil im Portfolio ausmachen.

Wer in Bundesanleihen investieren möchte, hat mehrere Wege: der direkte Kauf über die Finanzagentur des Bundes ohne Ausgabeaufschlag, der Kauf über die Börse via Depotbank oder der indirekte Weg über Rentenfonds und ETFs auf Bundesanleihen. Letztere streuen automatisch über viele Laufzeiten und Emissionen, haben aber laufende Kosten und keinen festen Fälligkeitstermin – was das Kursrisiko dauerhaft im Portfolio hält.

Fazit: Bundesanleihen sind kein Instrument der Vergangenheit, sondern eine zeitlose Komponente eines ausgewogenen Portfolios. Das aktuelle Renditeumfeld macht sie nach Jahren der Bedeutungslosigkeit wieder zu einer ernstzunehmenden Option – besonders für Anleger, die Sicherheit über Rendite stellen und wissen, wofür sie das Geld brauchen.

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Thomas Weber
Politik & Wirtschaft

Thomas Weber beobachtet seit über 15 Jahren die deutsche Bundespolitik und europäische Wirtschaftsentwicklungen. Sein Schwerpunkt liegt auf Haushaltspolitik, Koalitionsdynamiken und internationaler Handelspolitik.