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Eishockey-WM: Deutsche Mannschaft mit fünf Neulingen in der Schweiz

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft geht mit fünf Neulingen zur WM in der Schweiz – ein Umbruch im Kader unter Trainer Craig Kreis, mit Fokus auf

Von Sarah Müller 6 Min. Lesezeit Aktualisiert: 12.05.2026
Eishockey-WM: Deutsche Mannschaft mit fünf Neulingen in der Schweiz
Das Wichtigste in Kürze
  • Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft tritt zur Weltmeisterschaft in der Schweiz mit großen Veränderungen an
  • Nur 13 Spieler der Olympia-Auswahl sind im neuen Kader vertreten, fünf Spieler sind erstmals dabei
  • Trotz Absagen von Stars wie Leon Draisaitl hält Bundestrainer Kreis an ehrgeizigen Zielen fest
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Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft reist mit deutlich veränderter Besetzung zur Weltmeisterschaft in der Schweiz. Bundestrainer Craig Kreis hat einen Kader zusammengestellt, der nur noch 13 Spieler aus der erfolgreichen Olympia-Auswahl von Peking 2022 enthält. Mit fünf Neulingen im Team und mehreren prominenten Absagen – allen voran die des Edmonton-Oilers-Profis Leon Draisaitl – steht der DEB vor einer Umbruchphase. Trotzdem hat Kreis das Viertelfinale als Mindestziel ausgegeben und signalisiert damit Selbstvertrauen in die neue Konstellation.

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Prominente Absagen und die Gründe dahinter

Die Absage von Leon Draisaitl ist die medienwirksamste unter mehreren Verzichtserklärungen etablierter Spieler. Der 28-jährige Stürmer, einer der wenigen deutschen Profis in der NHL, folgt damit einem Muster, das nach großen Turnieren häufig zu beobachten ist. Die physische und mentale Belastung der Saison in Nordamerika, verbunden mit den enormen Reisestrapazen, führt dazu, dass viele Top-Profis ihre Teilnahme an nachgelagerten internationalen Wettbewerben überdenken. Beim Eishockey ist dies ein strukturelles Problem: Während Fußball-Nationalspieler durch nationale Ligen und größere Ruhezeiten zwischen den Spieltagen profitieren, arbeiten Eishockey-Profis über längere Saisons mit höherer Spielfrequenz.

Für den DEB ist diese Situation nicht neu. Bereits bei der Analyse der aktuellen Spielform der deutschen Nationalmannschaft zeigte sich, dass die Verbindung zwischen Klub- und Nationalmannschaftsfußball im Eishockey fragiler ist als in anderen Sportarten. Craig Kreis muss daher mit einem Team planen, das aus einer Mischung erfahrener Olympia-Teilnehmer und hungriger Neulinge besteht – eine Konstellation, die sowohl Chancen als auch Risiken birgt.

Die Bedeutung von fünf Neulingen im Kader

Fünf Spieler im deutschen Kader bestreiten ihre erste Weltmeisterschaft. Dies ist eine beachtliche Quote und zeigt, dass Kreis bewusst auf Verjüngung und neue Impulse setzt. Die Integration junger Talente in ein internationales Topteam erfordert jedoch sorgfältige Planung. Einerseits bringen diese Spieler Frische, Energie und oft auch technische Innovationen mit – Elemente, die einem etablierten Team zugute kommen können. Andererseits fehlt ihnen die Erfahrung in Drucksituationen auf höchster Bühne, was in entscheidenden Momenten eines Turniers zum Problem werden kann.

Bundestrainer Kreis hat sich offenbar dafür entschieden, diese Neueinsteiger strategisch in das bestehende System zu integrieren, anstatt sie als vollständige Reservelösung zu nutzen. Dies deutet darauf hin, dass der Trainer von ihrer Leistung überzeugt ist und sie nicht nur als Nothilfe, sondern als echte Alternativen sieht. Diese Mentalität kann für ein Team in einer Umbruchphase entscheidend sein. Wie der Handball-Bundestrainer Prokop in einem ähnlichen Kontext betonte, geht es darum, wieder als echte Mannschaft zu funktionieren – und das gilt auch für das Eishockey-Team.

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Olympia-Erbe: 13 bewährte Spieler als Stabilisierungsfaktor

Während fünf Neulinge für Umbruch stehen, bildet der Kern von 13 Spielern aus der Olympia-Auswahl von 2022 ein stabiles Fundament. Diese Spieler kennen sich untereinander, verstehen die taktischen Konzepte von Kreis und haben bereits unter extremem Druck zusammengespielt. Bei den Olympischen Spielen erreichte Deutschland das Viertelfinale – eine solide Leistung, die zeigte, dass das System funktioniert.

Die Rückbesinnung auf diesen Kern ist strategisch clever. In einer Weltmeisterschaft, wo jedes Spiel zählt und Fehler sofort bestraft werden, ist es wertvoll, auf bewährte Automatismen zurückgreifen zu können. Gleichzeitig verhindert diese Fokussierung auf etablierte Spieler nicht, dass Neulinge ihre Chancen bekommen – sie werden nur in ein strukturiertes Umfeld integriert, das ihnen Sicherheit gibt.

Das Viertelfinale als Mindestziel: Realistisch oder Anspruch?

Craig Kreis hat das Viertelfinale als Mindestziel ausgerufen. Für ein Team mit dieser Konstellation ist dies eine ambitionierte, aber nicht unrealistische Zielsetzung. Deutschland zählt zu den Topteams der Eishockey-Weltmeisterschaft und verfügt über eine etablierte Infrastruktur sowie regelmäßige Teilnahmen an internationalen Top-Turnieren. Die Schwierigkeit liegt jedoch in der Unvorhersehbarkeit von Turnierleistungen, insbesondere wenn personelle Unsicherheiten hinzukommen.

Historisch betrachtet erreicht Deutschland bei Weltmeisterschaften regelmäßig das Viertelfinale oder darüber hinaus. Mit einem gestärkten Kern erfahrener Spieler und energischen Neulingen könnte sogar ein Halbfinal-Einzug im Bereich des Möglichen liegen – falls die Integration reibungslos verläuft und die mentale Komponente stimmt. Entscheidend wird sein, wie schnell die neue Mannschaft ihre Identität findet und wie gut Kreis die Balance zwischen erfahrenen und neuen Spielern managt.

Die Vorbereitung auf die WM in der Schweiz verläuft unter erschwerten Bedingungen. Nach den Olympischen Spielen in China hatten viele Spieler erhebliche Reisestrapazen zu verkraften. Die kurze Erholungszeit, kombiniert mit einer intensiven Clubsaison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und internationalen Ligen, stellt hohe Anforderungen an die physische Verfassung und die mentale Frische der Spieler. Der DEB hat daher ein spezielles Vorbereitungsprogramm konzipiert, das Erholung, Trainingsintensität und Taktik-Sessions sorgfältig dosiert.

Strukturelle Herausforderungen des deutschen Eishockeys

Das deutsche Eishockey steht vor größeren strukturellen Fragen, die über diese WM hinausreichen. Die fehlende Tiefe an internationalen Top-Profis in der NHL ist ein Thema, das regelmäßig debattiert wird. Während große Eishockey-Nationen wie Kanada, Schweden oder Finnland mehrere Dutzend Profis in Nordamerikas bester Liga haben, kann Deutschland nur auf eine Handvoll zählen. Dies führt zu einer Abhängigkeit von Spielern aus der DEL und anderen europäischen Ligen, die zwar qualitativ hochwertig, aber nicht immer auf NHL-Niveau konkurrieren.

Bundestrainer Kreis muss mit dieser Realität umgehen und das Beste aus den verfügbaren Ressourcen machen. Seine Strategie, auf Team-Kohäsion und Taktik zu setzen, ist eine pragmatische Antwort auf diese Herausforderung. Ähnlich wie deutsche Behörden strategisch agieren müssen, um komplexe Herausforderungen zu meistern, benötigt auch der DEB eine klugen, überlegten Ansatz für die langfristige Entwicklung.

Die Schweiz als Austragungsort: Heimvorteil für einige Gegner

Die Weltmeisterschaft findet in der Schweiz statt – einem Land mit einer starken Eishockey-Tradition. Das Schweizer Team wird von Heimvorteil profitieren, was bei Turnieren ein nicht zu unterschätzender Faktor ist. Für Deutschland bedeutet dies, dass die psychologische Komponente noch wichtiger wird. Ein Team mit neuen Spielern und leicht verunsicherten etablierten Akteuren muss umso stärker mental zusammenwachsen, um solche äußeren Widerstände zu überwinden.

Die Infrastruktur in der Schweiz ist jedoch auch ein Vorteil für alle Teilnehmer. Modern ausgestattete Eishallen, eine begeisterte Zuschauerbasis und logistische Effizienz schaffen beste Bedingungen für hochklassiges Eishockey. Für das deutsche Team könnte dies bedeuten, dass trotz Heimnachteil der Schweiz die Spielbedingungen optimal sind.

Ausblick: Was die WM für die deutsche Eishockey-Zukunft bedeutet

Die WM 2023 in der Schweiz ist nicht nur ein einzelnes Turnier, sondern auch ein Test für Kreis' Umbruch-Strategie. Erfolgreich absolviert, könnte sie den Grundstein für einen stabilen Zyklus bis zu den nächsten Olympischen Spielen legen. Scheitert das Team überraschend, müssen Fragen zur Kader-Zusammensetzung und zur langfristigen Strategie neu gestellt werden.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) beobachtet alle Nationalmannschaften mit Blick auf ihre Chancen für zukünftige Olympiaden. Eishockey ist dabei ein Sport, der kontinuierliches Engagement erfordert – sowohl in der Nachwuchsförderung als auch in der Zusammenarbeit mit den Profiklubs. Craig Kreis hat die Chance, mit dieser Mannschaft zu zeigen, dass der deutsche Eishockey auch ohne die größten NHL-Namen auf höchstem Niveau konkurrieren kann.

Letztendlich wird die Weltmeisterschaft 2023 zeigen, ob die Balance zwischen Erfahrung und Erneuerung aufgeht. Fünf Neulinge, 13 Olympia-Veteranen und ein Bundestrainer mit klarem Plan – dies sind die Zutaten für eine interessante Turnierreise. Das Viertelfinale als Mindestziel ist erreichbar, doch echte Erfolgsgeschichten entstehen oft dann, wenn Teams diese Mindest-Erwartungen übertreffen und überraschen. Für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft könnte die Schweiz genau solch ein Moment werden.

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Sarah Müller
Sport & Regional

Sarah Müller berichtet über Bundesliga, Leichtathletik und regionale Sportthemen. Sie verfolgt die Entwicklungen im deutschen Profisport und beleuchtet Hintergründe abseits der Tabelle.

Quelle: SZ Sport
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