Giro d'Italia 2025: Analyse der Bergkönigin
Etappen, Favoriten, deutsche Chancen beim zweiten Grand Tour
Das Giro d'Italia 2025 steht vor der Tür und verspricht eines der spektakulärsten Radrennen des Jahres zu werden. Die zweite Grand Tour der Saison führt die besten Kletterer der Welt über italienische Pässe, durch malerische Landschaften und hinauf zu atemberaubenden Gipfelankünften. Mit einem Streckenprofil, das Bergfahrer klar bevorzugt, wird der Giro 2025 zum reinen Bergfestival – gnadenlos, schön und unberechenbar. Die Vorfreude ist groß – nicht nur in Italien, sondern auch bei deutschsprachigen Fahrern, die sich berechtigte Hoffnungen auf Podiumsplätze machen.
Das Streckenprofil 2025: Extreme Höhenmeter und ständige Herausforderungen
Das Giro d'Italia 2025 wird in 21 Etappen über insgesamt 3.445 Kilometer führen und dabei über 52.000 Höhenmeter Anstieg aufweisen. Damit zählt es zu den anspruchsvollsten Ausgaben des Corsa Rosa der vergangenen Jahre. Das Rennen startet im Norden Albaniens – ein historisches Novum – und kehrt nach der ersten Überfahrt aufs italienische Festland langsam nach Süden und dann wieder nach Norden zurück, bevor es in den Alpen seinen dramatischen Höhepunkt erreicht.
Die erste Woche prägt sich durch mehrere mittelschwere Etappen und eine erste Bergankunft aus, die bereits früh Selektion ins Feld bringt. Besonders die Etappe mit dem Abschluss auf dem Blockhaus sorgt für erste ernsthafte Attacken der Kletterer. Die zweite Rennwoche verschärft sich dann deutlich: Die Alpenankunft auf dem Passo del Brocon und weitere schwere Bergetappen prüfen die Favoriten auf Herz und Nieren. Dies ist einer der Gründe, warum der Giro 2025 so faszinierend ist – er lässt den Fahrern kaum Raum zur Regeneration.
Die dritte Woche mündet in einem dramatischen Finale mit dem berüchtigten Mortirolo und einer Etappe über den Passo dello Stelvio, den höchsten asphaltierten Gebirgspass der Alpen auf 2.758 Metern. Diese Klassiker-Kombination garantiert, dass erst in den allerletzten Tagen die Entscheidung fällt – wer hier noch Beine hat, verdient das Maglia Rosa.
Zeitfahren als wichtige Komponente
Neben den Bergpässen sind auch die Zeitfahren von großer Bedeutung. Das Eröffnungs-Zeitfahren in Durrës über knapp sieben Kilometer ist ein echter Sprint für die Sprinter und Allrounder – kurz, explosiv, wegweisend für die Trikotverteilung der ersten Tage. Ein längeres Einzelzeitfahren in der zweiten Woche könnte hingegen für reine Kletterer zur Zitterpartie werden, während Allrounder kostbare Sekunden herausfahren können. Ob Pogačar Giro und Tour de France gewinnen kann, wird durch diese Zeitfahranteile teilweise beantwortet – denn seine Stärke gegen die Uhr ist ein entscheidender Trumpf.
| Etappe | Strecke | Distanz | Charakter | Höhepunkt |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Durrës – Durrës | 6,7 km | Einzelzeitfahren | Auftakt-KZF, Stadtparcours |
| 6 | Tagliacozzo – Blockhaus | 152 km | Bergankunft | Blockhaus, 1.665 m |
| 12 | Palmanova – Passo del Brocon | 159 km | Bergankunft | Brocon, 1.616 m |
| 16 | Selva di Val Gardena – Passo del Brocon | 162 km | Königsetappe | Mehrere Pässe, > 5.000 Hm |
| 20 | Bormio – Passo dello Stelvio | 178 km | Königsetappe | Stelvio, 2.758 m |
| 21 | Tullio Serafini – Rom | 128 km | Schlussetappe | Zieleinlauf Via Sacra, Rom |

Die Favoriten für das Maglia Rosa 2025
Bei den Favoriten für den Gesamtsieg stehen mehrere Namen ganz oben auf der Liste – und keiner strahlt so hell wie Tadej Pogačar. Der Slowene ist nach seinen dominanten Leistungen im Frühjahr, darunter Siege bei Strade Bianche, Mailand–Sanremo und der Flandern-Rundfahrt, der klare Topfavorit. Er hat 2024 gezeigt, dass er das Giro-Niveau spielend beherrscht, und greift 2025 erneut nach dem Rosa Trikot. Pogačar fährt in einer eigenen Liga – aber Rennen werden nicht auf dem Papier gewonnen.
Der Australier Jai Hindley tritt als ehemaliger Giro-Sieger an – allerdings: Sein Giro-Triumph datiert aus dem Jahr 2022, nicht 2024. Seitdem war er bei Grand Tours weniger präsent. Hindley kennt die Anforderungen des Rennens in- und auswendig, doch ob er nach einer durchwachsenen Saison 2024 wieder an seine Bestform herankommt, bleibt offen. Seine Erfahrung ist ein Trumpf – seine aktuelle Form ein Fragezeichen.
Juan Ayuso aus Spanien ist ein ernstzunehmender Kandidat für das Podium. Der UAE-Team-Emirates-Profi hat bei Grand Tours zuletzt beeindruckt und ist im Zeitfahren stark genug, um Bergspezialists unter Druck zu setzen. Mit 22 Jahren verfügt er über jene Mischung aus Hunger und Klasse, die Grand-Tour-Sieger auszeichnet. Sein Teamkollege Pogačar wird ihm allerdings die Rolle des Knechts zuweisen – was Ayusos Ambitionen empfindlich beschneiden könnte.
Egan Bernal kehrt mit großen Ambitionen zurück. Der kolumbianische Giro-Sieger von 2021 kämpfte nach seinem schweren Sturz jahrelang um seine Form. Wenn Bernal an einem guten Tag in den Bergen unterwegs ist, gehört er zu den Schönsten, die der Radsport zu bieten hat. Doch Kontinuität über drei Wochen – das ist seine eigentliche Herausforderung.
Schlüsselzahlen Giro d'Italia 2025: 21 Etappen – 3.445 Kilometer Gesamtdistanz – rund 52.000 Höhenmeter – 2 Zeitfahren (Prolog 6,7 km in Durrës, Einzelzeitfahren Woche 2) – 8 Bergetappen mit Gipfelankünften – höchster Punkt: Passo dello Stelvio (2.758 m) – Start: 9. Mai 2025 in Durrës, Albanien – Ziel: 1. Juni 2025 in Rom.
Deutsche Hoffnungsträger und Außenseiterchancen
Für deutschsprachige Radsportfans gibt es in diesem Jahr durchaus Anlass zur Hoffnung. Der Schweizer Marc Hirschi hat sich in den vergangenen Saisons als einer der variabelsten Fahrer des Pelotons erwiesen – auf den mittelschweren Etappen der ersten Woche könnte er für Überraschungen sorgen. Georg Zimmermann, der deutsche Profi von Intermarché-Wanty, hat in jüngster Vergangenheit bewiesen, dass er in langen Ausreißergruppen überleben und siegen kann. Beim Giro 2025 bieten sich ihm mehrere Etappen, in denen dieser Mut belohnt werden könnte.
Aus Österreich schaut man gespannt auf Felix Gall, der beim Giro 2023 bereits eine Bergetappe gewann und seitdem an seiner Konstanz gearbeitet hat. Der Tiroler ist in den Bergen mehr als konkurrenzfähig und könnte an einem starken Tag die Topfavoriten in Bedrängnis bringen. Für das Gesamtklassement fehlen ihm wohl die Zeitfahrbeine – doch eine Etappe? Absolut drin.
Insgesamt bleibt der Giro d'Italia 2025 ein Rennen, das seinen Charakter aus der Unberechenbarkeit der Berge bezieht. Drei Wochen, 52.000 Höhenmeter, ein Rosa Trikot – und mindestens ein halbes Dutzend Fahrer, die bereit sind, alles zu geben. Wer am Ende auf dem Treppchen in Rom steht, entscheiden nicht Rennprognosen, sondern Attacken am Mortirolo, Mut am Stelvio und die Fähigkeit, auch nach der dritten Woche noch Vollgas zu geben. Der Giro macht keine Gefangenen – und genau deshalb lieben wir ihn.