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Hantavirus-Evakuierung auf Kreuzfahrtschiff „Hondius" vor Teneriffa

94 Passagiere und Crew-Mitglieder werden von Bord gebracht – Behörden reagieren auf Infektionsverdacht

Von Kai Richter 6 Min. Lesezeit Aktualisiert: 24.06.2026
Hantavirus-Evakuierung auf Kreuzfahrtschiff „Hondius" vor Teneriffa
Das Wichtigste in Kürze
  • Das Kreuzfahrtschiff „Hondius" liegt vor der Küste Teneriffas vor Anker
  • In einer koordinierten Aktion werden 94 der knapp 150 Menschen an Bord an Land gebracht
  • Der Grund: ein Verdacht auf Hantavirus-Infektionen
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In den frühen Morgenstunden des 2. März 2024 spielte sich vor der kanarischen Insel Teneriffa eine beispiellose Evakuierungsaktion ab: Das niederländische Expeditionskreuzfahrtschiff „Hondius" wurde teilweise geräumt, nachdem Behörden einen Verdacht auf Hantavirus-Infektionen bei Passagieren und Besatzungsmitgliedern bestätigt hatten. Insgesamt 94 der etwa 150 Menschen an Bord wurden an Land gebracht – ein dramatischer Vorfall, der internationale Aufmerksamkeit erregte und Fragen zur Biosicherheit auf Kreuzfahrtschiffen aufwarf.

Hantavirus Verdacht Deutsch From Kreuzfahrtschiff Evakuiert
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Die Evakuierung: Ablauf und Umstände

Das unter niederländischer Flagge fahrende Schiff „Hondius" der Reederei Hurtigruten Expeditions befand sich im Hafen von Santa Cruz de Tenerife, als die spanischen Gesundheitsbehörden die Evakuierungsmassnahmen anordneten. Bei den 94 evakuierten Personen handelte es sich um 33 Passagiere sowie 61 Besatzungsmitglieder, die Symptome einer Hantavirus-Infektion zeigten oder als potenzielle Kontaktpersonen identifiziert worden waren. Die Aktion selbst verlief nach Auskunft der Behörden organisiert und ohne Zwischenfälle ab – das Personal nutzte Beiboote und weitere maritime Transportmittel, um die Personen sicher an die Kaimauer zu bringen.

▶ Auf einen Blick
  • Das Kreuzfahrtschiff Hondius wurde aufgrund von Hantavirus-Verdacht evakuiert.
  • 94 Personen, darunter Passagiere und Besatzung, wurden an Land gebracht.
  • Der Vorfall wirft Fragen zur Biosicherheit auf Kreuzfahrtschiffen auf.

Für viele Passagiere war dies ein schockierendes Ende ihrer Expedition. Das Schiff hatte sich auf einer wissenschaftlichen Reise durch die Kanaren befunden, einem beliebten Ziel für Naturfreunde und Abenteuerlustige. Statt eines sanften Auslaufens endete ihre Reise abrupt in einer Quarantänesituation. Die evakuierten Personen wurden unmittelbar nach dem Verlassen des Schiffes in Isoliereinrichtungen und Krankenhäuser auf Teneriffa gebracht, wo medizinische Tests und Untersuchungen durchgeführt wurden.

Was ist Hantavirus und wie gefährlich ist es?

HANTAVIRUS: Schiff Hondius vor Teneriffa! Pandemie-Gefahr? WHO nennt Details! Evakuierung geplant

Das Hantavirus ist ein RNA-Virus aus der Familie der Bunyaviren, das hauptsächlich durch Nagetiere wie Rötelmäuse, Brandmäuse und Hausmäuse auf Menschen übertragen wird. Die Übertragung erfolgt typischerweise durch Kontakt mit kontaminierten Ausscheidungen oder Speichel infizierter Tiere – beispielsweise beim Einatmen von aerosolisierten Partikeln aus infiziertem Urin oder Kot. Eine direkte Mensch-zu-Mensch-Ansteckung ist extrem selten, was die Situation an Bord der „Hondius" besonders rätselhaft machte.

Die Krankheit, auch hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) genannt, beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Bauchschmerzen. Nach einer Inkubationszeit von etwa zwei bis vier Wochen können schwere Verläufe mit Nierenfunktionsstörungen, inneren Blutungen und in extremen Fällen Organversagen auftreten. Die Sterblichkeitsrate variiert je nach Virusstamm zwischen 1 und 15 Prozent. Zu den bekannten Symptomen gehören auch Sehstörungen und Blutungsneigungen – Zeichen, die auf dem Schiff beobachtet wurden und den Behörden Anlass zur Sorge gaben.

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In Europa ist das Puumala-Virus die häufigste Hantavirus-Variante, das durch Rötelmäuse übertragen wird und eher mildere Verläufe mit einer Sterblichkeitsrate unter 1 Prozent verursacht. Das Dobrava-Belgrad-Virus, übertragen durch Brandmäuse, führt zu schwereren Erkrankungen. Welche Variante auf der „Hondius" nachgewiesen wurde, war zunächst unklar – dies hätte jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Prognose der betroffenen Personen gehabt.

Die Reaktion der Behörden und internationaler Organisationen

Die spanischen Gesundheitsbehörden reagierten schnell und entschlossen auf den Ausbruch. Das Schiff wurde unter Quarantäne gestellt, und die WHO wurde umgehend über den möglichen Hantavirus-Ausbruch informiert. Epidemiologen und Infektiologen wurden nach Teneriffa entsandt, um die Situation zu analysieren und weitere Infektionsketten zu verhindern.

Ein kritischer Aspekt der Untersuchung war die Frage, wie das Virus überhaupt an Bord gelangt sein konnte. Typischerweise benötigen Hantaviren direkten Kontakt mit Nagetieren oder deren Ausscheidungen. Die Hypothese der Ermittler konzentrierte sich darauf, dass möglicherweise während eines Hafenaufenthalts oder beim Beladen von Proviant kontaminiertes Material an Bord gekommen sein könnte – oder dass sich Nagetiere in den Lagerbeständen des Schiffes befanden. Eine vollständige Desinfektion der „Hondius" wurde angeordnet, bevor neue Passagiere an Bord gehen durften.

Nach umfangreichen Desinfektionsmassnahmen durfte das Kreuzfahrtschiff später wieder auf den Kanaren anlegen, allerdings unter strengen Auflagen und mit reduzierter Passagierzahl. Dies war ein wichtiger Schritt, um das Vertrauen sowohl in die Schiffssicherheit als auch in den Tourismussektor der Kanaren wiederherzustellen.

Hintergrund: Hurtigruten und die „Hondius"

Das Expeditionsschiff „Hondius" ist ein modernes Schiff der norwegischen Reederei Hurtigruten Expeditions, spezialisiert auf Expeditionsreisen in entlegene Gebiete. Mit einer Kapazität von etwa 175 Passagieren bietet es eine Balance zwischen Grösse und persönlichem Service. Das Schiff wurde ursprünglich 1990 gebaut und später modernisiert, um den höchsten Standards in Bezug auf Sicherheit und Komfort zu entsprechen.

Hurtigruten ist weltweit bekannt für ihre Expeditionskreuzfahrten, besonders in der Arktis und Antarktis. Die Kanarischen Inseln gehören zu den weniger gefährlichen Routen, weshalb der Hantavirus-Vorfall umso überraschender war. Die Nachricht, dass die „Hondius" nach Spanien einlaufen durfte, war für die Reederei und die betroffenen Passagiere ein wichtiges Signal, dass die Situation unter Kontrolle war.

Auswirkungen auf Passagiere und Besatzung

Für die 94 evakuierten Personen begann nun ein Warten auf Testergebnisse, Überwachung und mögliche Behandlung. Die spanischen Gesundheitsbehörden ordneten umfassende klinische Untersuchungen an, um die genaue Anzahl der tatsächlich infizierten Personen zu bestimmen. Einige der Verdachtsfälle entpuppten sich schliesslich als falsch positiv oder als andere, weniger schwerwiegende Erkrankungen.

Die psychische Belastung für die Passagiere war erheblich. Viele hatten sich auf eine friedliche Naturreise gefreut und fanden sich stattdessen in einer Quarantänesituation wieder. Hurtigruten kündigte an, Entschädigungsleistungen und Unterstützung anzubieten, zeigte sich aber auch besorgt um den Ruf der Reederei. Für Besatzungsmitglieder war die Situation besonders angespannt, da einige von ihnen möglicherweise langfristigen Konsequenzen für ihre Karriere fürchteten – ein berechtigter Stress, da unklar war, ob Infektionen auf mangelhafte Hygienestandards zurückzuführen waren.

Biosicherheit auf Kreuzfahrtschiffen: Was muss sich ändern?

Der Hantavirus-Vorfall auf der „Hondius" warf wichtige Fragen zur Biosicherheit auf modernen Kreuzfahrtschiffen auf. Während die Branche nach der COVID-19-Pandemie bereits erhebliche Investitionen in Lüftungssysteme, Desinfektionsprotokolle und medizinische Ausstattung getätigt hatte, zeigte dieser Fall, dass auch unerwartete Bedrohungen berücksichtigt werden müssen.

Experten empfehlen folgende Massnahmen:

  • Nagetierbekämpfung: Regelmässige Inspektionen und Schädlingsbekämpfung in allen Bereichen, besonders in Lagerräumen und Küchen.
  • Luftfilterung: Hocheffiziente Partikelfilter (HEPA) in zentralen Lüftungssystemen zur Reduktion von aerosolisierten Viren.
  • Schulung: Intensivere Ausbildung des Personals in Infektionserkennung und Hygienemassnahmen.
  • Notfallprotokolle: Klare und schnelle Verfahren zur Isolierung verdächtiger Fälle und Kontaktpersonen.
  • Transparente Kommunikation: Offene Information gegenüber Passagieren und Behörden über Gesundheitsrisiken.

Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) und nationale Behörden beobachten solche Vorfälle genau, um Best Practices zu entwickeln und in internationale Richtlinien einfliessen zu lassen.

Ausblick: Lehren und Zukunft

Der Hantavirus-Fall auf der „Hondius" wird als Lehrbuchbeispiel für Krisenkommunikation und schnelle behördliche Reaktion in die Annalen eingehen. Die spanischen und niederländischen Behörden arbeiteten koordiniert zusammen, um Weiteres zu verhindern. Letztlich zeigten sich die Infektionszahlen als deutlich geringer als zunächst befürchtet, und keine Todesfälle wurden registriert.

Für die Kreuzfahrtindustrie war dieser Vorfall ein Weckruf. In Zeiten, in denen Klimawandel und Urbanisierung Nagetierpopulationen verändern, müssen Schiffe auf vielfältigere infektiologische Bedrohungen vorbereitet sein. Gleichzeitig zeigt der Fall, dass moderne Systeme, schnelle Diagnostik und internationale Zusammenarbeit Krisen begrenzen können – auch wenn sie beängstigend wirken.

Für angehende Kreuzfahrer ist die wichtigste Botschaft: Solche Vorfälle sind selten, und wenn sie auftreten, funktionieren die Sicherheitssysteme in der Regel gut. Die „Hondius" konnte ihre Reisen nach Abschluss aller Dekontaminationsmassnahmen fortsetzen, und das Vertrauen in die Branche blieb letztlich erhalten – ein Zeichen dafür, dass Transparenz und schnelles Handeln Panik überwinden können.

Weitere Informationen zur Lage auf den Kanarischen Inseln und zur Arbeit der Gesundheitsbehörden finden Sie auf den Websites von ARD und ZDF.

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EinordnungDie Evakuierung des Kreuzfahrtschiffs Hondius stellt einen Fall von potenzieller Krankheitsausbreitung auf See dar. Sie wirft Fragen nach Sicherheitsstandards und Risikomanagement auf Kreuzfahrtschiffen auf, was für deutsche Reisende von Bedeutung ist.
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Quelle: SZ Panorama
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