ZenNews24› Wirtschaft› DHL-Chef in Davos: "Besorgniserregend" Wirtschaft DHL-Chef in Davos: "Besorgniserregend" ntv-Interview mit DHL-Chef Meyer aus Davos 2025 — seine Einschätzung und was wir davon halten Von Julia Schneider 21.01.2025, 09:00 Uhr 5 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026 Das Wichtigste in Kürze Wir haben uns den Beitrag von ntv Davos 2025 (YouTube) genau angesehenKernthese: Was der Kanal sagt Der DHL-Chef äußert sich auf dem… Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat DHL-Konzernchef Frank Appel – bekannt als einer der einflussreichsten Logistikmanager Europas – eindringlich vor einer Verschlechterung der globalen Konjunkturlage gewarnt. Im Gespräch mit dem Nachrichtensender ntv bezeichnete er die aktuelle Entwicklung als „besorgniserregend" und richtete seinen Blick dabei besonders auf Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft. Seine Worte kamen zu einem Zeitpunkt, an dem sich Investoren, Unternehmen und Politiker gleichermaßen fragen: Wie tief geht der nächste Abschwung – und wer trifft er am härtesten?InhaltsverzeichnisLogistik als Frühindikator: Was die Zahlen verratenGeopolitik, Zölle und Handelsunsicherheit: Die Treiber der KriseWer verliert – und wer profitiert?Deutschland im Fokus: Exportnation unter DruckDavos als Bühne – und als Warnsignal Das Wichtigste in KürzeLogistik als Frühindikator: Was die Zahlen verratenGeopolitik, Zölle und Handelsunsicherheit: Die Treiber der KriseWer verliert – und wer profitiert?Deutschland im Fokus: Exportnation unter Druck Logistik als Frühindikator: Was die Zahlen verraten Laut Statista lag das globale Luftfrachtvolumen 2023 rund 8 Prozent unter dem Rekordwert aus dem Jahr 2021. Die Aussagen des DHL-Chefs sind nicht nur als Meinungsäußerung eines Konzernlenkens zu verstehen – sie sind ein wirtschaftspolitisches Signal. Denn die Logistikbranche gilt seit Jahrzehnten als verlässlicher Frühindikator für konjunkturelle Entwicklungen. Was Spediteure, Paketdienste und Frachtunternehmen heute bewegen, spiegelt wider, was Industrie und Handel in den kommenden Wochen und Monaten produzieren, bestellen und verkaufen. Wenn Frachtvolumina sinken, investieren Unternehmen weniger – und das schlägt sich mit zeitlicher Verzögerung in Wachstumszahlen und Beschäftigungsdaten nieder.Lesen Sie auchKurzarbeit steigt: 80.000 neue Anträge im JuniInflation fällt auf 1,8 Prozent – Experten warnen vor TäuschungDAX auf Rekordhoch: Deutsche Aktien boomen trotz Rezession Genau das beobachtet DHL derzeit: sinkende Paketvolumina im B2C- und B2B-Segment, unterdurchschnittliche Auslastung in der Luft- und Expressfrachtsparte sowie anhaltenden Preisdruck durch Überkapazitäten, die sich nach dem Boom der Corona-Jahre aufgebaut haben. Das ifo Institut hat in seinen jüngsten Konjunkturberichten ebenfalls auf eine nachlassende Exportdynamik in der deutschen Industrie hingewiesen – eine Entwicklung, die sich mit den Beobachtungen aus dem Logistiksektor deckt. Konjunkturindikator Logistik: Transportvolumina und Frachtauslastung gelten als vorlaufende Wirtschaftsindikatoren. Ein anhaltender Rückgang der Frachtmengen bei systemrelevanten Konzernen wie DHL korreliert historisch mit einer Abschwächung des Bruttoinlandsprodukts innerhalb von ein bis zwei Quartalen. Laut Statista lag das globale Luftfrachtvolumen 2023 rund 8 Prozent unter dem Rekordwert aus dem Jahr 2021. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte zuletzt vor einem strukturellen Nachfragerückgang im verarbeitenden Gewerbe – dem wichtigsten Auftraggeber für Logistikdienstleister in Deutschland. Geopolitik, Zölle und Handelsunsicherheit: Die Treiber der Krise Der DHL-Chef benannte in Davos mehrere Ursachen für die angespannte Lage. Im Vordergrund stehen geopolitische Spannungen und die handelspolitische Unsicherheit – insbesondere mit Blick auf den transatlantischen Handel. Die unter der neuen US-Regierung diskutierten Zollerhöhungen auf europäische Importe würden Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks unter Druck setzen und Investitionsentscheidungen verzögern. Hinzu kommen strukturelle Belastungen: hohe Energiekosten in Deutschland, ein schwaches Konsumklima im Inland und eine nachlassende Nachfrage aus China, das lange als Wachstumsmotor für den deutschen Export fungierte.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Für exportorientierte Branchen wie den Maschinen- und Anlagenbau, die Automobilindustrie und die Chemiebranche sind diese Entwicklungen besonders kritisch. Alle drei Sektoren zählen zu den größten Auftraggebern der Logistikwirtschaft – und alle drei befinden sich in einer Phase struktureller Neuausrichtung, die durch konjunkturelle Schwäche zusätzlich erschwert wird. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) meldete zuletzt rückläufige Auftragseingänge, die sich direkt in weniger Frachttransporten niederschlagen. Die Bundesbank hatte in ihrem Monatsbericht zuletzt darauf hingewiesen, dass die deutsche Wirtschaft auch 2025 mit einem moderaten Wachstum rechnen müsse – Risiken nach unten seien dabei nicht ausgeschlossen. Diese vorsichtige Einschätzung steht in klanglicher Übereinstimmung mit dem, was der DHL-Chef öffentlich kommuniziert. Wer verliert – und wer profitiert? Die aktuellen Entwicklungen im Logistiksektor treffen nicht alle Marktteilnehmer gleich. Eine differenzierte Betrachtung zeigt deutliche Gewinner und Verlierer: Verlierer der aktuellen Entwicklung sind vor allem klassische Industrieunternehmen mit hohem Exportanteil: Automobilzulieferer, Maschinenbauer und Chemiekonzerne. Sie spüren die Doppelbelastung aus sinkender Auslandsnachfrage und steigenden Transportkosten bei gleichzeitig sinkenden Margen. Auch Logistikkonzerne wie DHL, Kühne+Nagel oder DB Schenker stehen unter Druck, da Frachtvolumina sinken und die Preise für Transportdienstleistungen nachgeben. Profiteure hingegen finden sich im Bereich der Nearshoring-Infrastruktur: Unternehmen, die kürzere Lieferketten innerhalb Europas aufbauen oder absichern, erfahren derzeit steigende Nachfrage. Auch Anbieter von Lagerlogistik und automatisierten Warenhaussystemen profitieren von der Restrukturierung globaler Versorgungsketten. Darüber hinaus gewinnen Eisenbahnfrachtunternehmen an Bedeutung, da der Schienenverkehr im Vergleich zu Luft- und Straßentransporten als resilienter und kosteneffizienter gilt – ein Trend, den auch das ifo Institut im Kontext der Verkehrswende analysiert hat. Im Rohstoff- und Transportmarkt sorgen die strukturellen Verschiebungen für neue Bewertungsmaßstäbe. Investoren, die auf klassische Frachtindizes gesetzt haben, müssen ihre Portfolios anpassen. Deutschland im Fokus: Exportnation unter Druck Besonders deutlich werden die Konsequenzen für Deutschland. Als eine der exportstärksten Volkswirtschaften weltweit ist die Bundesrepublik in hohem Maße abhängig von funktionierenden globalen Handelsrouten und stabilen Außenmärkten. Rund 47 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts werden durch Exporte erwirtschaftet – ein Wert, der die Verwundbarkeit gegenüber geopolitischen Schocks und handelspolitischen Rückschlägen verdeutlicht. Der DHL-Chef mahnte in Davos nicht ohne Grund an, dass Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit aktiv verteidigen müsse. Dazu gehören nach Ansicht vieler Ökonomen neben Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung auch klare politische Rahmenbedingungen für Unternehmen – etwas, das in der jüngsten Vergangenheit häufig vermisst wurde. Das DIW hat in diesem Zusammenhang auf den Rückstand Deutschlands bei öffentlichen Investitionen hingewiesen, der die Wettbewerbsfähigkeit langfristig gefährde. Im Kontext der deutschen Industrie im Strukturwandel zeigt sich, dass die Herausforderungen nicht allein konjunktureller Natur sind – sie sind auch strukturell und politisch. Metrik Aktueller Wert Veränderung (YoY) Branchenausblick DHL Group – Jahresumsatz ca. 84 Mrd. EUR (2023) –8 % ggü. Rekordjahr 2022 Stabilisierung erwartet, Risiken bleiben Mitarbeiterzahl weltweit ca. 590.000 Leichter Rückgang (–1 bis –2 %) Effizienzprogramme laufen Operative Gewinnmarge (EBIT) ca. 5–6 % –1 bis –2 Prozentpunkte Druck auf Rentabilität anhaltend Globales Luftfrachtvolumen ca. 61 Mio. Tonnen (2023) –8 % ggü. 2021 (Statista) Volatil, geopolitisch abhängig Paketvolumen B2C + B2B (Deutschland) ca. 4,2 Mrd. Sendungen (2023) –3 bis –5 % Konjunkturabhängig, E-Commerce-Effekte Deutscher Exportanteil am BIP ca. 47 % Stagnierend Strukturelle Risiken durch Zolldebatte ifo Geschäftsklimaindex (Industrie, Jan. 2025) Unter 100 (Pessimismuszone) Leichter Rückgang Keine kurzfristige Erholung absehbar Davos als Bühne – und als Warnsignal Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist nicht nur eine Networking-Veranstaltung für globale Eliten. Es ist auch eine Plattform, auf der Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik ihre Einschätzungen öffentlich kommunizieren – und damit Erwartungen formen. Wenn ein Konzernchef vom Format eines DHL-Vorstandsvorsitzenden das Wort „besorgniserregend" in den Mund nimmt, ist das kein rhetorischer Zufall. Es ist ein kalkuliertes Signal an Investoren, Regierungen und Handelspartner. Die Botschaft aus Davos lautet im Kern: Die globale Wirtschaft befindet sich in einer fragilen Phase, in der politische Fehler – seien es neue Zollschranken, fehlende Investitionsanreize oder geopolitische Eskalationen – erhebliche realwirtschaftliche Schäden anrichten könnten. Für die Konjunkturentwicklung in Deutschland 2025 bedeutet das: Die Risiken überwiegen derzeit die Chancen. Wer die Zeichen richtig liest – und die Logistikdaten sind ein solches Zeichen –, erkennt, dass die Zeit für klare wirtschaftspolitische Weichenstellungen drängt. Ob Berlin und Brüssel diese Botschaft gehört haben, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Quellen:Statistisches Bundesamt — destatis.deDeutsche Bundesbank — bundesbank.deHandelsblatt — handelsblatt.com Teilen Teilen X Facebook WhatsApp Link kopieren Wie findest du das? 🔥 0 😲 0 🤔 0 👍 0 😢 0 Wirtschaft Chef Davos Besorgniserregend Interview J Julia Schneider Gesellschaft & International Julia Schneider schreibt über gesellschaftliche Trends, internationale Konflikte und humanitäre Themen. Sie hat als Auslandskorrespondentin aus Brüssel und Wien berichtet. 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