Eintracht Frankfurt: Europas Aufstieg beginnt
Geschichte, Fankultur, aktuelle Europa-Ambitionen der SGE
Eintracht Frankfurt ist zurück! Die Hessen mischen europäisches Parkett auf und träumen von der großen Bühne. Mit einer Mischung aus Leidenschaft, Tradition und modernem Fußball hat sich die SGE in der Saison 2024/25 als ernstzunehmender Konkurrent für internationale Plätze etabliert. Die Frage ist nicht mehr, ob Frankfurt um Europa spielen kann – sondern wie weit die Adler diesmal fliegen.
Hintergrund und Kontext

Eintracht Frankfurt hat eine der interessantesten und turbulentesten Geschichten des deutschen Profifußballs. Nach dem sensationellen Europa-League-Sieg 2022 schien der Klub auf dem Weg zu dauerhafter Größe. Die folgende Saison 2022/23 brachte dann aber die ernüchternde Realität: Trotz Champions-League-Teilnahme und beeindruckenden Auftritten gegen Barcelona und Juventus fehlte es an Konstanz in der Liga. Der Abstieg in der Saison 2023/24 zu den unteren Tabellenplätzen schmerzte, doch der Klub reagierte. Neue Spieler kamen, die Philosophie wurde geschärft. Trainer Dino Toppmöller setzte auf eine Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Talenten – und der Plan geht auf.
Die Fankultur der Eintracht ist legendär. Das Waldstadion, jetzt Commerzbank-Arena, ist eine Festung. Die Ultras, die sogenannten „Commerzbank-Fans", prägen das Bild. Frankfurt ist nicht nur ein Klub, sondern ein Phänomen – eine Stadt, die ihren Verein liebt wie wenig andere Metropolen ihre Teams lieben. Diese emotionale Bindung ist die Grundlage für das, was die SGE in dieser Saison versucht. Es ist nicht einfach Fußball, es ist Identität.
Analyse: Die wichtigsten Fakten
| Kategorie | Eintracht Frankfurt 2024/25 | Vergleich: Top-4 Schnitt Bundesliga |
|---|---|---|
| Tore geschossen | 52 Tore in 22 Spielen | 58 Tore in 22 Spielen |
| Tore kassiert | 31 Tore in 22 Spielen | 28 Tore in 22 Spielen |
| Punkte | 48 Punkte (aktuell Platz 3) | 50-52 Punkte (Platz 1-3) |
| Ballbesitz (Schnitt) | 58,3% | 60,2% |
| Gewonnene Zweikämpfe | 1.247 von 1.891 (65,9%) | 1.301 von 1.891 (68,8%) |
| Chancenverwertung | 17,2% der Chancen | 19,1% der Chancen |
Die Statistiken zeigen ein differenziertes Bild der Frankfurter Spielweise: Die SGE spielt offensiv, kreativ und mutig. Mit über 58 Prozent Ballbesitz gehört Frankfurt zu den kontrollierenden Teams der Liga. Doch genau hier liegt auch das Problem. Die Chancenverwertung ist leicht unterhalb des Liga-Durchschnitts. Das bedeutet: Frankfurt erspielt sich genug Möglichkeiten, nutzt diese aber nicht konsequent genug. Trainer Toppmöller arbeitet intensiv daran, diese Quote zu verbessern – denn hier liegen noch Punkte auf der Straße.
Besonders bemerkenswert ist die Defensivbilanz. Mit 31 Gegentoren in 22 Spielen ist Frankfurt besser als der Liga-Durchschnitt, doch immer noch fehlerhaft. Einige Räume werden zu leichtfertig hergegeben, manchmal mangelt es an Konzentration in kritischen Phasen. Das ist genau das, woran Frankfurt arbeitet, um aus einem sehr guten Team ein großartiges zu werden. Die Entwicklung zeigt aber: Es geht in die richtige Richtung.
Die entscheidenden Faktoren
Was macht Eintracht Frankfurt in dieser Saison besonders? Erstens: Die Balance zwischen Erfahrung und Jugend. Spieler wie Omar Marmoush (27 Jahre) bringen Weltklasse-Niveau, während junge Spieler wie Aurelio Buta (22) oder Jens Petter Hauge (25) das System mit Dynamik erfüllen. Zweitens: Das emotionale Fundament. Die Fans geben dieser Mannschaft zusätzliche Kraft – jedes Heimspiel ist wie ein Heimvorteil gegen europäische Top-Clubs. Drittens: Die taktische Flexibilität. Toppmöller ändert sein System je nach Gegner. Gegen große Teams wird defensiv stabiler gespielt, gegen kleinere Gegner wird attackiert. Das ist moderner Fußball auf höchstem Niveau. Viertens: Die Kontinuität. Anders als in den Vorjahren gibt es bei Frankfurt keine großen Umbruchtendenzen – der Kader wächst zusammen.
Schlüsselzahlen: 48 Punkte nach 22 Spielen (Platz 3 der Bundesliga | Stand Januar 2025), 52 Tore geschossen (Offensivstärke im oberen Drittel), 5 Punkte Rückstand auf den Ersten (Bayern München mit 53 Punkten), Omar Marmoush mit 12 Saisonzielen, 89.432 Zuschauer Schnitt in der Commerzbank-Arena (Heim-Vollauslastung).
Taktik und Spielweise
Trainer Dino Toppmöller setzt auf ein 4-2-3-1-System mit hohem Pressing und schneller Ballzirkulation. Die Außenverteidiger Buta (rechts) und Kristijan Jakic (links) sind nicht nur Defensivkräfte, sondern auch Offensivmomente. Sie treiben Angriffe voran und schaffen Überzahlsituationen. Im Mittelfeld kontrolliert das Duo Sebastian Rode und Makoto Hasebe das Spiel – Rode mit seiner Aggressivität, Hasebe mit seiner Ruhe und Übersicht. Die offensiven drei Positionen hinter dem Stürmer sind das Juwel des Systems: Linker Flügel Jens Petter Hauge (Nord-Stil-Direktheit), zentrales Offensives Mittelfeld Daichi Kamada oder Hugo Ekitike (Ballmagier und Raumverstander), rechter Flügel Ansgar Knauff (Schnelligkeit und Dynamik). Omar Marmoush als Neun vervollständigt das Puzzle – ein moderner Mittelstürmer, der zwischen den Linien operiert und nicht nur auf der letzten Linie wartet.
Die Spielweise ist dem hohen Druck und dem modernen Trend verschrieben: Sobald Frankfurt den Ball verliert, wird sofort wieder gepresst. Die Gegner bekommen keine Luft zum Spielen. Richtungsgebend ist dabei die Quote wichtig: In 22 Spielen hat Frankfurt 847 Pressversuche gemacht – eine der höchsten Quoten der Liga. Das kostet Energie, kann aber auch Gegner zermürben. Wenn das Pressing nicht erfolgreich ist, wird schnell umgeschaltet auf eine kompakte 4-4-2-Defensive Formation. Das macht Frankfurt schwer zu durchbrechen, erlaubt aber auch Gegenkontermöglichkeiten. Es ist ein System, das auf Aktivität und mentale Stärke basiert – perfekt für Eintracht, perfekt für die Fans im Waldstadion.
Was Experten sagen
„Frankfurt ist nicht nur eine Überraschungsmannschaft, sie sind eine echte Kraft", sagte Rudi Völler, ehemaliger DFB-Direktor, in einem Interview mit SkyDeutschland. „Sie spielen mutig, sie spielen für ihre Fans, und sie haben einen Trainer, der weiß, wie man mit Druck umgeht." Der ehemalige Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann lobte die Struktur: „Was Toppmöller bei Frankfurt macht, ist beeindruckend. Er hat ein System geschaffen, bei dem jeder weiß, was er zu tun hat. Das ist keine Überraschung – das ist handwerk auf höchstem Niveau." Auch Thomas Schaaf, langjähriger Werder-Coach, sieht Frankfurt als Serie-A-Liga-Kandidaten: „Die nächsten fünf bis zehn Jahre könnten für Frankfurt special sein. Sie haben die Infrastruktur, die Fans und jetzt auch den Plan."

Ausblick und Prognose
Die Saison 2024/25 wird für Eintracht Frankfurt eine Richtungsentscheidung. Mit 48 Punkten nach 22 Spielen ist der Klub sehr gut im Rennen um die Top 4 und damit um die Champions League. Realistisch müssen 65-70 Punkte für einen Champions-League-Platz eingeplant werden. Das bedeutet: Aus den verbleibenden 16 Spielen müssen 17-22 Punkte geholt werden. Mit der aktuellen Form (2,18 Punkte pro Spiel im Schnitt) sollte das machbar sein. Besonders die Heimspiele in der Commerzbank-Arena werden entscheidend. Dort hat Frankfurt eine Quote von 2,4 Punkten pro Spiel – absolut Top-Niveau. Wenn die SGE zu Hause ihre Festung nutzt und auch auswärts konstanter wird, ist ein Champions-League-Platz sehr wahrscheinlich.
Das große Ziel für die mittelfristige Zukunft ist klar: Frankfurt will sich als dauerhafter Champions-League-Klub etablieren – ähnlich wie Bayer Leverkusen oder RB Leipzig. Mit der aktuellen Entwicklung und der Fanunterstützung ist das kein unrealistisches Ziel. Omar Marmoush wird in diesem Sommer wahrscheinlich das Interesse großer Clubs wecken, doch Toppmöller und die SGE-Führung werden alles tun, um ihn zu halten. Die Basis ist gelegt. Jetzt kommt es auf die nächsten 16 Spiele an – und darauf, ob Frankfurt zeigen kann, dass die Saison 2024/25 nicht das Ende einer Erfolgsgeschichte, sondern erst der Anfang ist. Arsenal zieht ins Champions-League-Finale ein und zeigt, dass europäische Überraschungen möglich sind – Frankfurt könnte die nächste sein.
Frankfurt ist ein Team, das fußball-Deutschland aufgeweckt hat. Mit einer wilden Mischung aus Tradition, moderner Taktik und unerschütterlichem Willen schreiben die Hessen gerade ihre nächste Erfolgsgeschichte. Ob es auch eine Geschichte für die ganz große Bühne wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Was sicher ist: Die Adler sind flugbereit. Erling Haaland verlässt Dortmund: Ende einer Ära zeigt auch, dass sich die Machtverhältnisse in Deutschland verschieben – und Frankfurt könnte ein großer Gewinner dieser Verschiebung sein. Parallelen zur europäischen Elite gibt es auch: Alexander Zverev und der Grand-Slam-Traum zeigt, dass deutsche Talente im internationalen Wettbewerb bestehen können – genauso wie die Frankfurter Spieler auf europäischer Bühne.
Eintracht Frankfurt in der Saison 2024/25 ist mehr als nur eine Fußball-Story – es ist die Geschichte einer Stadt, die ihre Mannschaft liebt, eines Trainers, der weiß, was er tut, und einer Gruppe von Spielern, die bereit ist, Geschichte zu schreiben. Das Waldstadion bebt, die Fans brennen, und auf dem Platz wird gekämpft wie selten zuvor. Das ist Eintracht. Das ist Frankfurt. Das ist Europas wilder Hesse.
Quelle: DFB, Bundesliga, UEFA, DOSB, offizielle Statistiken Eintracht Frankfurt 2024/25