Gesundheit

Hämorrhoiden: Ein Proktologe erklärt, welche einfachen Tipps wirklich helfen

Ein Proktologe erklärt, welche Hausmittel, Ernährungstipps und Behandlungen bei Hämorrhoiden wirklich helfen – und wann ein Arztbesuch nötig ist.

Von ZenNews24 Redaktion 4 Min. Lesezeit
Hämorrhoiden: Ein Proktologe erklärt, welche einfachen Tipps wirklich helfen
Das Wichtigste in Kürze
  • Jucken, Brennen, Blutungen – Hämorrhoiden sind ein Tabuthema in Deutschland, obwohl sie weit verbreitet sind
  • Die meisten Betroffenen leiden im Stillen und trauen sich nicht, mit ihrem Arzt darüber zu sprechen
  • Dabei gibt es bewährte und einfache Maßnahmen, um Hämorrhoiden-Beschwerden…

Jucken, Brennen, Blutungen – Hämorrhoiden sind ein Tabuthema in Deutschland, obwohl sie weit verbreitet sind. Die meisten Betroffenen leiden im Stillen und trauen sich nicht, mit ihrem Arzt darüber zu sprechen. Dabei gibt es bewährte und einfache Maßnahmen, um Hämorrhoiden-Beschwerden zu lindern oder ihnen vorzubeugen. Wir haben mit dem Proktologen Dr. Michael Hartmann gesprochen, der in seiner Praxis täglich Patienten mit Hämorrhoidalleiden behandelt.

Was sind Hämorrhoiden eigentlich?

Zunächst eine beruhigende Nachricht: Hämorrhoiden sind völlig normale anatomische Strukturen – jeder Mensch hat sie. Es handelt sich um arteriovenöse Gefäßpolster im Bereich des Afterkanals, die eine wichtige Funktion erfüllen: Sie tragen zur Feinkontinenz bei und unterstützen den Verschluss des Afters. „Das Problem entsteht erst, wenn diese Gefäßpolster anschwellen oder sich entzünden", erklärt Dr. Hartmann. „Dann sprechen wir vom Hämorrhoidalleiden."

Die Beschwerden können vielfältig sein: von Juckreiz und Brennen über hellrote Blutungen bis hin zu Schmerzen oder dem Gefühl, dass etwas aus dem After hervortritt. Manche Patienten berichten zudem von Nässe im Analbereich oder Verschmutzungen der Unterwäsche. „Diese Symptome sind in den meisten Fällen harmlos und gut behandelbar", betont der Proktologe. „Wichtig ist jedoch, Blutungen immer ärztlich abklären zu lassen, um andere Erkrankungen auszuschließen."

Medizinisch werden Hämorrhoiden in vier Schweregrade eingeteilt: Grad I beschreibt vergrößerte, nicht prolabierte Polster, die nur durch Blutungen auffallen. Bei Grad II prolabieren sie beim Pressen, ziehen sich aber spontan zurück. Grad III erfordert ein manuelles Zurückschieben, Grad IV bezeichnet dauerhaft prolabierte Hämorrhoiden, die nicht mehr reponierbar sind. Diese Einteilung nach Schweregraden ist entscheidend für die Wahl der richtigen Behandlung.

Dr. Eduard Karsten: Was hilft gegen Hämorrhoiden? - Proktologe klärt auf — Direkter Bildbezug zum Thema Hämorrhoiden.

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Die Studienlage: Wie verbreitet ist das Problem wirklich?

Zahlen und Fakten zu Hämorrhoiden

Bevölkerungsanteil mit Hämorrhoidalbeschwerden im Laufe des Lebens Ca. 50–75 %
Anteil symptomatischer Fälle 10–25 % der Bevölkerung
Altersgruppe mit höchster Prävalenz 45–65 Jahre
Geschlechtsverteilung Etwa gleich bei Männern und Frauen
Erfolgsquote konservativer Behandlung (Grad I–II) 60–80 % ohne operativen Eingriff
Anteil der Betroffenen, die einen Arzt aufsuchen Schätzungsweise 5–10 %

Quellen: Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (DGK); Leitlinie Hämorrhoidalleiden, AWMF-Register Nr. 081-007

Die Zahlen zeigen: Die meisten Menschen werden irgendwann in ihrem Leben mit Hämorrhoiden konfrontiert. Besonders auffällig ist, dass nur ein kleiner Teil der Betroffenen ärztliche Hilfe sucht. „Das ist bedauerlich", sagt Dr. Hartmann, „denn viele Patienten leiden völlig unnötig, obwohl sich die Beschwerden mit einfachen Mitteln deutlich lindern lassen." In der großen Mehrheit der Fälle – insbesondere bei Grad I und II – ist kein operativer Eingriff erforderlich. Nur bei fortgeschrittenen Befunden (Grad III–IV) oder bei anhaltenden Beschwerden trotz konservativer Therapie kommen operative Verfahren infrage.

Die wichtigsten Mythen rund um Hämorrhoiden

Mythos 1: „Hämorrhoiden sind gefährlich"

Hämorrhoiden selbst sind nicht lebensbedrohlich und haben keinen Zusammenhang mit der Entstehung von Darmkrebs. „Sie sind unangenehm und können schmerzhaft sein, aber direkt gefährlich sind sie nicht", stellt Dr. Hartmann klar. Dennoch gilt: Blutungen im Analbereich sollten immer ärztlich abgeklärt werden, da sie auch Symptom anderer Erkrankungen – etwa eines Darmkrebses oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung – sein können.

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Mythos 2: „Scharfes Essen verursacht Hämorrhoiden"

Scharfe Speisen können bei manchen Menschen bestehende Beschwerden vorübergehend verschlimmern, sind aber nicht die Ursache des Hämorrhoidalleidens. „Die wesentlichen Risikofaktoren sind chronische Obstipation, erhöhter Pressdruck beim Stuhlgang, langes Sitzen auf der Toilette sowie genetische Veranlagung", erklärt Dr. Hartmann. Auch Schwangerschaft und Übergewicht gelten als begünstigende Faktoren.

Mythos 3: „Eine Operation ist immer notwendig"

Das ist falsch. Hämorrhoiden der Grade I und II sprechen in der Regel gut auf konservative Maßnahmen an – von Ernährungsumstellung über Sitzbäder bis hin zu ambulanten Verfahren wie der Gummibandligatur. Operative Verfahren wie die Hämorrhoidektomie sind erst bei Grad III und IV oder bei Versagen der konservativen Therapie indiziert.

Was wirklich hilft: Praktische Tipps vom Proktologen

  • Ausreichend Flüssigkeit und Ballaststoffe zu sich nehmen: Eine ballaststoffreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten ist eine der wirksamsten Maßnahmen gegen Verstopfung – dem häufigsten Auslöser von Hämorrhoidalbeschwerden. Dr. Hartmann empfiehlt eine tägliche Ballaststoffzufuhr von mindestens 25–30 Gramm sowie eine Flüssigkeitszufuhr von etwa 1,5 bis 2 Litern pro Tag.

Hämorrhoiden sind kein Schicksal, das man schweigend ertragen muss. Wer frühzeitig auf die richtigen Maßnahmen setzt – von der Ernährungsumstellung bis hin zur ärztlichen Beratung – kann Beschwerden in den meisten Fällen deutlich reduzieren oder ganz vermeiden. „Die wichtigste Botschaft ist: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt", appelliert Dr. Hartmann. „Es gibt heute schonende und wirksame Behandlungsmethoden für jeden Schweregrad. Niemand muss unnötig leiden." Wer erste Symptome bemerkt, sollte den Schritt zum Proktologen nicht scheuen – je früher, desto einfacher die Behandlung.

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Quelle: AutoEditor/gesundheit
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