ZenNews24› Klima› Donau-Dürre zwingt Rumänien: Atomkraftwerk komple… Klima Donau-Dürre zwingt Rumänien: Atomkraftwerk komplett abgeschaltet Zu wenig Kühlwasser aus der Donau legt Rumäniens einziges Kernkraftwerk lahm. Von Andreas Koch 13.08.2026, 14:25 Uhr 6 Min. Lesezeit Das Wichtigste in Kürze Wegen des extrem niedrigen Wasserstands der Donau muss Rumänien sein einziges Atomkraftwerk vollständig herunterfahrenDamit fällt rund ein Fünftel der nationalen Stromerzeugung ausDie anhaltende Dürre in Südosteuropa verschärft die Energiekrise zusätzlich Rumäniens einziges Kernkraftwerk steht komplett still. Weil der Pegel der Donau bei Cernavodă auf einen historischen Tiefstand gefallen ist, reicht das verbleibende Kühlwasser nicht mehr aus, um beide Reaktorblöcke sicher zu betreiben. Der Netzbetreiber Transelectrica musste binnen 48 Stunden rund 1.400 Megawatt Leistung aus dem System nehmen – ein Ausfall, der die Klimarisiken für Europas Energieinfrastruktur schlaglichtartig sichtbar macht.InhaltsverzeichnisWas in Cernavodă passiert istDie Donau als KlimarisikoFolgen für Rumäniens EnergieversorgungEin europäisches Muster – nicht nur RumänienWas macht Deutschland – und was bedeutet das für die EnergiewendeAusblick: Wie geht es für Cernavodă weiter Was in Cernavodă passiert ist Das Kernkraftwerk Cernavodă im Südosten Rumäniens deckt normalerweise rund 18 Prozent des nationalen Strombedarfs. Die beiden Druckwasserreaktoren kanadischer CANDU-Bauart benötigen für ihre Kühlkreisläufe permanent große Mengen Donauwasser, das über einen eigens angelegten Kanal aus dem Fluss abgeleitet wird. Sinkt der Pegel unter einen kritischen Wert, kann weder ausreichend Wasser entnommen noch das erwärmte Kühlwasser ohne unzulässige Temperaturerhöhung zurückgeleitet werden. Genau dieser Fall ist nun eingetreten. Nach wochenlanger Hitze und ausbleibendem Niederschlag im gesamten Donaueinzugsgebiet meldete der rumänische Netzbetreiber Nuclearelectrica einen Pegelstand, der deutlich unter dem langjährigen Augustmittel liegt. Beide Blöcke wurden zunächst gedrosselt, dann vollständig heruntergefahren – ein Vorgang, der aus Sicherheitsgründen mehrere Tage in Anspruch nimmt und ebenso lange für den Wiederanfahrprozess benötigt wird. Kühlwasserbedarf eines Reaktorblocks Ein einzelner Reaktorblock in Cernavodă verbraucht nach Betreiberangaben mehrere zehntausend Liter Wasser pro Sekunde für seinen Kühlkreislauf. Diese Menge ist kein technischer Luxus, sondern physikalische Notwendigkeit: Ohne kontinuierliche Wärmeabfuhr würde die Kerntemperatur unkontrolliert steigen. Anders als Flusskraftwerke mit geschlossenen Kühltürmen ist Cernavodă stark auf den direkten Wasseraustausch mit der Donau ausgelegt, was die Anlage besonders anfällig für Niedrigwasserphasen macht. Die Donau als Klimarisiko Reg Stadt Aussicht Regensburg Skyline Donau Steinerne Bruecke Oberpfalz Die Donau ist mit rund 2.850 Kilometern der zweitlängste Fluss Europas und Lebensader für zehn Anrainerstaaten. Klimaforscher beobachten seit Jahren eine Zunahme extremer Abflussschwankungen: auf Hochwasserphasen im Frühjahr folgen zunehmend ausgeprägte Sommertrockenheiten. Grund dafür ist ein Zusammenspiel aus geringeren Schneemengen in den Alpen, früherer Schneeschmelze und anhaltenden Hitzeperioden, die die Verdunstung beschleunigen.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Diese Entwicklung ist kein isoliertes rumänisches Phänomen. Bereits in den vergangenen Jahren zeigten Berichte über Dürre-Alarm: Rhein führt Niedrigwasser wie nie im Juni, dass mitteleuropäische Flüsse zunehmend an ihre hydrologischen Grenzen stoßen. Auch die Berichterstattung zur Hitzewelle 2026: Rekorddürre bedroht Ernte in Europa verdeutlicht, dass sich das Muster ausgetrockneter Flussbetten über weite Teile des Kontinents ausbreitet. Pegelstände im Vergleich zu anderen Flüssen Ein Vergleich mit dem Rhein zeigt Parallelen: Auch dort mussten in diesem Jahr bereits Kraftwerke und Binnenschiffe ihre Betriebsweise anpassen, wie der Bericht Rekord-Hitze im Juni: Deutschland droht früher Dürresommer dokumentiert. Der Unterschied liegt in der Nutzung: Während am Rhein vor allem Kohle- und Gaskraftwerke sowie die Schifffahrt betroffen sind, trifft die Donau-Dürre in Rumänien direkt die einzige Kernkraftkapazität des Landes – ein Sektor, der wegen seiner Grundlastfunktion besonders schwer kurzfristig zu ersetzen ist. Folgen für Rumäniens Energieversorgung Der komplette Ausfall von Cernavodă reißt eine erhebliche Lücke ins rumänische Stromnetz. Kurzfristig kompensiert das Land den Ausfall über Importe aus Bulgarien und Ungarn sowie durch verstärkten Einsatz von Gas- und Wasserkraftwerken. Die staatliche Energieaufsicht ANRE erklärte, dass die Versorgungssicherheit derzeit gewährleistet sei, warnte aber vor steigenden Großhandelspreisen, sollte die Trockenheit anhalten. Besonders kritisch ist die Situation für die Industrie im Südosten des Landes, die auf stabile und günstige Grundlaststromversorgung angewiesen ist. Analysten des rumänischen Energieministeriums rechnen mit spürbaren Preisaufschlägen an der Strombörse, sollten weitere Tage ohne nennenswerten Niederschlag folgen. Stromimporte und Netzstabilität Die Situation erinnert an ein Muster, das bereits in anderen Teilen der Region zu beobachten war. Im Bericht Klimakrise trifft Atomkraft: Ungarn muss Strom rationieren wurde beschrieben, wie auch das Kernkraftwerk Paks in Ungarn wegen Kühlwasserproblemen an der Donau seine Leistung reduzieren musste. Rumänien und Ungarn sind damit die bislang deutlichsten Beispiele dafür, wie eng Kernenergie an der Donau mit der Wasserverfügbarkeit des Flusses verknüpft ist – ein struktureller Schwachpunkt, der sich mit häufigeren Dürrephasen verschärfen dürfte. Ein europäisches Muster – nicht nur Rumänien Kühlwasserprobleme bei Kraftwerken sind kein neues Phänomen, aber ihre Häufigkeit nimmt zu. Frankreich musste in den vergangenen heißen Sommern wiederholt Reaktoren an der Rhône und der Garonne drosseln, weil die Wassertemperaturen zu hoch für eine ökologisch verträgliche Rückleitung waren. In Deutschland betrafen ähnliche Einschränkungen in der Vergangenheit vor allem Kohlekraftwerke am Rhein, wie auch der Bericht Rekord-Dürre: Bauern fordern Notprogramm vom Bund im Zusammenhang mit den landwirtschaftlichen Folgen der Trockenheit thematisiert. Der Weltklimarat IPCC stuft solche Ereignisse in seinen aktuellen Sachstandsberichten als erwartbare Folge der fortschreitenden Erwärmung ein: Mit steigenden globalen Mitteltemperaturen nehmen sowohl die Intensität als auch die Dauer sommerlicher Trockenperioden in Mittel- und Südosteuropa zu. Der IPCC betont dabei ausdrücklich, dass Energieinfrastruktur, die auf Flusswasserkühlung angewiesen ist, zu den Sektoren zählt, die überproportional anpassungsbedürftig sind. IPCC-Einordnung und Anpassungsstrategien Der IPCC empfiehlt in seinen Anpassungskapiteln unter anderem den Ausbau geschlossener Kühlsysteme, eine diversifizierte Kraftwerksstandortwahl sowie eine stärkere Verzahnung von Energie- und Wasserwirtschaftsplanung. Rumänien prüft nach eigenen Angaben mittelfristig den Bau zusätzlicher Kühltürme für Cernavodă, um die Abhängigkeit vom Donaupegel zu verringern – ein Vorhaben, das allerdings mehrere Jahre Planungs- und Bauzeit erfordern würde. Was macht Deutschland – und was bedeutet das für die Energiewende Deutschland selbst betreibt seit dem Kernenergieausstieg kein kommerzielles Atomkraftwerk mehr, ist von der aktuellen Problematik also nicht direkt betroffen. Dennoch zeigt der Fall Cernavodă exemplarisch, warum Wasserverfügbarkeit zunehmend als Standortfaktor für jede Form thermischer Stromerzeugung – ob nuklear, Gas oder Kohle – berücksichtigt werden muss. Das Bundesumweltministerium verweist in diesem Zusammenhang auf den beschleunigten Ausbau von Wind- und Solarkraft, deren Erzeugung nicht an Kühlwasser gebunden ist. Gleichzeitig mahnen Energieexperten, dass auch erneuerbare Energien nicht gänzlich unabhängig von klimatischen Extremen sind: Dürreperioden beeinträchtigen etwa die Wasserkraft, während Hitzewellen die Übertragungskapazität von Stromleitungen mindern können. Der Bericht Rekord-Hitze: So heiß war Westeuropa noch nie hatte bereits im Frühsommer auf diese Wechselwirkungen zwischen Hitze und Netzstabilität hingewiesen. Deutschlands Position im europäischen Vergleich Während Frankreich und die osteuropäischen Donauländer weiterhin stark auf Kernenergie setzen und damit strukturell wasserabhängig bleiben, hat Deutschland mit dem Kernenergieausstieg diese spezifische Verwundbarkeit aufgegeben – jedoch um den Preis einer stärkeren Importabhängigkeit bei Gas und einer höheren Volatilität durch den Erneuerbaren-Anteil. Beide Wege bringen eigene Herausforderungen für die Versorgungssicherheit mit sich, wie Fachleute des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung betonen. CO2/Klimazahl: Der mittlere Abfluss der Donau lag im August dieses Jahres nach vorläufigen Daten rund 40 Prozent unter dem langjährigen Referenzwert (1991–2020) – die stärkste sommerliche Abweichung seit Beginn systematischer Messungen an der rumänischen Messstelle Cernavodă. (Quelle: Rumänisches Nationales Hydrologie- und Wasserwirtschaftsinstitut) Land/KraftwerkEnergieträgerKühlwasserquelleAktuelle Betroffenheit Rumänien (Cernavodă)KernenergieDonauVollständige Abschaltung Ungarn (Paks)KernenergieDonauLeistungsreduzierung Frankreich (Rhône-Kraftwerke)KernenergieRhône/GaronneWiederholte Drosselungen in Sommermonaten DeutschlandKein kommerzieller Kernkraftbetrieb–Nicht direkt betroffen Ausblick: Wie geht es für Cernavodă weiter Nuclearelectrica rechnet damit, die Reaktoren erst dann wieder anfahren zu können, wenn der Donaupegel sich stabilisiert – ein Zeitpunkt, der derzeit nicht seriös prognostizierbar ist, da er von Niederschlägen im gesamten Einzugsgebiet zwischen Deutschland und dem Schwarzen Meer abhängt. Rumänische Regierungsvertreter betonten, man werde die Versorgungssicherheit über den Winter hinweg vorrangig behandeln und prüfe zusätzliche Investitionen in wasserunabhängige Kühltechnik. Der Fall zeigt exemplarisch, dass Klimaanpassung längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr ist, sondern akute Betriebsrealität kritischer Infrastruktur. Für Rumänien bedeutet das kurzfristig höhere Importkosten und eine sensiblere Netzsteuerung; für Europa insgesamt liefert Cernavodă ein weiteres Datenpunkt in einer Reihe von Ereignissen, die die Verwundbarkeit wasserabhängiger Energieerzeugung gegenüber häufigeren und intensiveren Dürreperioden verdeutlichen. Ob Kernenergie, Kohle oder Wasserkraft – die Debatte um klimaresiliente Energieinfrastruktur dürfte sich in den kommenden Jahren europaweit weiter verschärfen. (Quelle: Internationale Energieagentur; Umweltbundesamt) Teilen Teilen X Facebook WhatsApp Link kopieren Wie findest du das? 🔥 0 😲 0 🤔 0 👍 0 😢 0 A Andreas Koch Gesundheit & Klima Andreas Koch analysiert medizinische Studien, Gesundheitspolitik und Klimaforschung. Er übersetzt komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse in verständliche Berichte für ein breites Publikum. 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