ZenNews24› Klima› Klima-Schock: Waldbrand-Flächen in Europa könnten… Klima Klima-Schock: Waldbrand-Flächen in Europa könnten sich verdreifachen Neue Studie warnt vor drastischer Zunahme der Brandflächen in Europa bis zum Jahrhundertende. Von Andreas Koch 21.08.2026, 14:05 Uhr 7 Min. Lesezeit Das Wichtigste in Kürze Einer aktuellen Studie zufolge könnte sich die verbrannte Waldfläche in Europa bis 2100 fast verdreifachenAls Hauptursache gilt der fortschreitende Klimawandel mit zunehmender Hitze und TrockenheitDie Forscher fordern verstärkte Klimaschutzmaßnahmen, um die schlimmsten Szenarien noch abzuwenden Bis zu dreimal mehr verbrannte Fläche pro Jahr: Eine neue Modellierung europäischer Klimaforscher zeichnet ein beunruhigendes Bild der Waldbrandzukunft des Kontinents. Schon in diesem Jahr haben Süd- und Mitteleuropa erneut wochenlange Trockenperioden erlebt, doch die eigentliche Zäsur, so die Studie, kommt erst noch – wenn nichts gegen die Erderwärmung unternommen wird.InhaltsverzeichnisDie Studie im Detail: Was die Forscher berechnet habenRegionale Unterschiede: Wer besonders betroffen istWas der IPCC dazu sagtPolitische Reaktionen: Deutschland und die EUEnergieversorgung und indirekte FolgenEinordnung und Ausblick Die im Fachjournal veröffentlichte Untersuchung kombiniert Klimaprojektionen mit Vegetations- und Bodenfeuchtedaten aus mehr als 30 europäischen Regionen. Das Ergebnis: Unter einem ungebremsten Emissionsszenario könnte sich die jährlich verbrannte Fläche in Europa bis zum Jahr 2100 gegenüber dem heutigen Durchschnitt verdrei- bis vervierfachen. Selbst bei konsequenter Umsetzung des Pariser Klimaabkommens bliebe ein deutlicher Anstieg wahrscheinlich. Die Studie im Detail: Was die Forscher berechnet haben Das internationale Forscherteam, an dem unter anderem Institute aus Spanien, Griechenland und Deutschland beteiligt waren, nutzte hochauflösende Klimamodelle, um die sogenannte "Fire Weather Index"-Entwicklung für verschiedene Erwärmungspfade zu simulieren. Dieser Index beschreibt, wie günstig Wetterbedingungen für die Entstehung und Ausbreitung von Bränden sind – berücksichtigt werden Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und vorangegangene Niederschläge. Besonders betroffen wären demnach die iberische Halbinsel, Süditalien, Griechenland sowie Teile des Balkans. Aber auch bislang eher brandarme Regionen wie Mitteldeutschland, Teile Frankreichs und sogar Skandinavien zeigen in den Modellen einen spürbaren Anstieg des Brandrisikos, da sich dort die Vegetationszusammensetzung und die Bodentrockenheit in den kommenden Jahrzehnten verändern dürften. Warum die Zahlen so stark schwanken Die Bandbreite der Projektionen – zwischen einer Verdopplung und Vervierfachung – ergibt sich aus der Unsicherheit über den künftigen Emissionspfad. Die Forscher betonen ausdrücklich, dass ihre Zahlen keine Vorhersagen im engeren Sinne sind, sondern Szenarien, die zeigen, wie stark menschliches Handeln die Entwicklung noch beeinflussen kann. Bei konsequenter Emissionsreduktion nach dem 1,5-Grad-Pfad läge der Anstieg der Brandflächen laut Studie eher bei 60 bis 90 Prozent gegenüber heute – immer noch erheblich, aber deutlich moderater als im ungebremsten Szenario.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Zusammenspiel von Hitze, Dürre und Vegetation Ein zentraler Treiber ist laut den Autoren nicht allein die steigende Temperatur, sondern das Zusammenspiel mehrerer Faktoren: längere Vegetationsperioden führen zu mehr brennbarer Biomasse, gleichzeitig sinkt durch häufigere Dürreperioden die Bodenfeuchtigkeit. Diese Kombination erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass einmal entzündete Feuer sich schneller und über größere Flächen ausbreiten. Die jüngste Hitzewelle 2026: Rekorddürre bedroht Ernte in Europa zeigt bereits heute, wie eng Dürre, Landwirtschaft und Waldzustand miteinander verknüpft sind. CO2/Klimazahl: Waldbrände in Europa setzten laut Copernicus Atmosphere Monitoring Service allein im vergangenen Jahr rund 15 Millionen Tonnen CO2 frei – bei einem ungebremsten Anstieg der Brandflächen könnte sich dieser Wert bis Ende des Jahrhunderts deutlich erhöhen und bestehende Klimaschutzanstrengungen konterkarieren. Regionale Unterschiede: Wer besonders betroffen ist Death Valley Salzflaechen Extreme Hitze Kalifornien Wueste Landschaft Naturaufnahmen Usa Reisefotografie Die Studie unterscheidet deutlich zwischen den klassischen Mittelmeer-Brandregionen und neu gefährdeten Gebieten in Mittel- und Nordeuropa. Während Portugal, Spanien und Griechenland bereits seit Jahrzehnten mit saisonalen Großbränden konfrontiert sind, gilt die Entwicklung in gemäßigten Klimazonen als vergleichsweise neues Phänomen, auf das viele Feuerwehren und Katastrophenschutzsysteme bislang kaum vorbereitet sind. Deutschland zählt laut den Modellrechnungen zu den Ländern mit einem der stärksten relativen Anstiege, wenn auch von einem niedrigen Ausgangsniveau aus. Besonders die sandigen, kiefernreichen Wälder Brandenburgs und Sachsens gelten als Risikogebiete. Die Umwandlung ehemaliger Tagebauregionen, wie sie etwa im Projekt Lausitz im Wandel: Europas größte künstliche Seenlandschaft eröffnet beschrieben wird, könnte in manchen Bereichen sogar zur Reduktion des Risikos beitragen, da Wasserflächen als natürliche Brandschneisen wirken. Südeuropa: Vom Ausnahmezustand zur neuen Normalität In Spanien, Portugal und Griechenland sind Großbrände mit mehreren tausend Hektar verbrannter Fläche längst keine Einzelereignisse mehr. Die diesjährige Sommersaison brachte erneut Evakuierungen in mehreren Regionen mit sich, begünstigt durch die extremen Temperaturen, über die bereits im Artikel Rekordhitze in Europa: Temperaturen knacken 47-Grad-Marke berichtet wurde. Experten warnen, dass sich die Feuersaison in diesen Ländern inzwischen von Juni bis Oktober erstreckt – deutlich länger als noch vor 20 Jahren. Mitteleuropa: Unterschätztes Risiko Anders als im Süden fehlt in Mitteleuropa vielerorts noch das Bewusstsein für die veränderte Bedrohungslage. Forstämter in Deutschland, Polen und Tschechien beginnen erst allmählich, ihre Waldbrandpräventionskonzepte an die neuen klimatischen Bedingungen anzupassen. Die zunehmende Hitzebelastung, wie sie zuletzt im Beitrag Rekord-Hitze: So heiß war Westeuropa noch nie dokumentiert wurde, verschärft die Situation zusätzlich, da trockene Böden und heiße Winde die Brandgefahr auch außerhalb klassischer Risikomonate erhöhen. Land/RegionVerbrannte Fläche heute (Ø pro Jahr)Projektion 2100 (ungebremstes Szenario) Spanienca. 90.000 habis zu 250.000 ha Griechenlandca. 45.000 habis zu 130.000 ha Portugalca. 60.000 habis zu 160.000 ha Deutschlandca. 1.000 habis zu 4.500 ha Schwedenca. 3.000 habis zu 9.000 ha Quelle: Modellrechnungen der Studie, ergänzt durch Daten des European Forest Fire Information System (EFFIS) Was der IPCC dazu sagt Der Weltklimarat IPCC ordnet Waldbrände seit seinem sechsten Sachstandsbericht explizit als eine der Folgen der globalen Erwärmung ein, die sich bereits heute regional beobachten lässt und deren Intensität mit steigenden Temperaturen weiter zunimmt. Der Bericht verweist darauf, dass insbesondere die Kombination aus Hitzeextremen und veränderten Niederschlagsmustern in Südeuropa zu einer "robusten Zunahme" des Feuerrisikos führt (Quelle: IPCC). Gleichzeitig betont der IPCC, dass Anpassungsmaßnahmen – etwa Waldumbau, kontrolliertes Abbrennen von Unterholz oder verbesserte Frühwarnsysteme – das Risiko deutlich senken können. Der Bericht warnt jedoch davor, sich allein auf Anpassung zu verlassen: Ohne eine spürbare Reduktion der globalen Treibhausgasemissionen würden die zugrunde liegenden Wetterbedingungen für Großbrände in vielen Regionen weiter ungünstiger. Fehlende Datenbasis in manchen Regionen Ein Kritikpunkt, den auch Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung äußern, betrifft die teils lückenhafte Datenlage in Osteuropa und auf dem Balkan. Dort fehlten in der Vergangenheit systematische Erhebungen zu Brandflächen, was die Modellierung erschwere (Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung). Die Autoren der aktuellen Studie räumen ein, dass ihre Projektionen für diese Regionen mit größeren Unsicherheiten behaftet sind als für Westeuropa. Politische Reaktionen: Deutschland und die EU Auf EU-Ebene wurde als Reaktion auf die zunehmende Waldbrandgefahr die europäische Löschflugzeugflotte "rescEU" in den vergangenen Jahren schrittweise ausgebaut. Für die kommende Saison plant die EU-Kommission eine weitere Aufstockung der Kapazitäten, insbesondere für Griechenland, Spanien und Portugal. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Investitionen vor allem in die Brandbekämpfung, weniger in Prävention und Waldumbau fließen. In Deutschland hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Zuge der Nationalen Waldstrategie zusätzliche Mittel für die Umstellung von Kiefern-Monokulturen auf Mischwälder bereitgestellt, die als weniger brandanfällig gelten. Das Statistische Bundesamt weist zudem darauf hin, dass die Zahl der Waldbrandmeldungen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren spürbar gestiegen ist, wenn auch von einem im europäischen Vergleich niedrigen Niveau aus (Quelle: Statistisches Bundesamt). Internationale Zusammenarbeit als Schlüssel Da sich Großbrände nicht an Ländergrenzen halten, setzen mehrere Staaten inzwischen auf grenzüberschreitende Löschabkommen und gemeinsame Frühwarnsysteme. Frankreich, Spanien und Portugal haben ihre Zusammenarbeit bei der Brandbekämpfung in den vergangenen Jahren intensiviert, auch als Reaktion auf mehrere Sommer mit außergewöhnlich hohen Temperaturen, wie sie im Beitrag Hitzewelle 2026: Neue Rekordtemperaturen in Europa erwartet beschrieben wurden. Energieversorgung und indirekte Folgen Waldbrände wirken sich nicht nur auf Ökosysteme aus, sondern zunehmend auch auf die Energieinfrastruktur. Rauchbelastung und Hitze können die Kühlleistung von Kraftwerken beeinträchtigen und Stromleitungen gefährden. Ein aktuelles Beispiel für die Verwundbarkeit der Energieversorgung unter Extremwetterbedingungen liefert der Fall Ungarns, wo bereits Klimakrise trifft Atomkraft: Ungarn muss Strom rationieren musste – ein Hinweis darauf, wie eng Klimafolgen und kritische Infrastruktur miteinander verwoben sind. Auch der Katastrophenschutz gerät durch parallel auftretende Extremereignisse – Hitzewellen, Dürren und Waldbrände gleichzeitig – zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen, wie Einsatzkräfte in mehreren südeuropäischen Ländern in diesem Sommer erneut berichteten. Einordnung und Ausblick Die Studie liefert keine Weltuntergangsszenarien, sondern eine nüchterne Bandbreite möglicher Entwicklungen, die stark davon abhängt, wie konsequent internationale Klimaschutzziele umgesetzt werden. Die Forscher betonen, dass eine Verdreifachung der Brandflächen kein unabwendbares Schicksal ist, sondern das obere Ende eines Szenarios ohne wirksamen Klimaschutz markiert. Gleichzeitig macht die Untersuchung deutlich, dass Anpassungsmaßnahmen allein nicht ausreichen werden, um die Risiken vollständig zu kompensieren. Waldumbau, verbesserte Löschinfrastruktur und internationale Kooperation können die Auswirkungen begrenzen – die grundlegende Ursache, die fortschreitende Erderwärmung, lässt sich jedoch nur durch eine deutliche und dauerhafte Reduktion der globalen Treibhausgasemissionen adressieren. Wissenschaftler mehrerer beteiligter Institute mahnen daher, die kommenden Jahre als entscheidendes Zeitfenster zu begreifen, in dem die Weichen für die Waldbrandrealität der zweiten Jahrhunderthälfte gestellt werden. Teilen Teilen X Facebook WhatsApp Link kopieren Wie findest du das? 🔥 0 😲 0 🤔 0 👍 0 😢 0 A Andreas Koch Gesundheit & Klima Andreas Koch analysiert medizinische Studien, Gesundheitspolitik und Klimaforschung. Er übersetzt komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse in verständliche Berichte für ein breites Publikum. 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