Wirtschaft

Galeria-Insolvenz: Zittern um Jobs und Filialen

Das Amtsgericht Düsseldorf hat das vorläufige Insolvenzverfahren für die Kaufhauskette eröffnet.

Von Sarah Müller 5 Min. Lesezeit
Galeria-Insolvenz: Zittern um Jobs und Filialen

Betrifft: Arbeitnehmer · Verbraucher

In Kürze
  • Das Amtsgericht Düsseldorf hat das vorläufige Insolvenzverfahren für die Kaufhauskette Galeria eröffnet.
  • Rund 11.000 Beschäftigte an bundesweit bestehenden Standorten sind betroffen, ihre Löhne sind für drei Monate gesichert.
  • Ein vorläufiger Insolvenzverwalter prüft in den kommenden Wochen, welche Filialen wirtschaftlich tragfähig sind.

Die Kaufhauskette Galeria steckt erneut im vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem das Amtsgericht Düsseldorf den Antrag angenommen hat. Für Tausende Beschäftigte und Dutzende Filialstandorte in Deutschland beginnt damit erneut eine Phase der Unsicherheit. Bereits zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre muss der Warenhauskonzern sich einem Insolvenzverfahren stellen.

  • Amtsgericht Düsseldorf eröffnet vorläufiges Insolvenzverfahren für Galeria
  • Rund 11.000 Beschäftigte an bundesweit noch bestehenden Standorten betroffen
  • Bereits dritte Insolvenz des Warenhauskonzerns seit 2020
  • Vorläufiger Insolvenzverwalter prüft Fortführungsmöglichkeiten einzelner Filialen

Das Insolvenzverfahren markiert einen weiteren Tiefpunkt für die traditionsreiche Warenhauskette, die bereits in den vergangenen Jahren mehrfach Filialen schließen und Personal abbauen musste. Branchenbeobachter sehen in der erneuten Krise ein Symptom für strukturelle Probleme des gesamten Einzelhandelssektors.

Was ist konkret beim Amtsgericht Düsseldorf passiert?

Das Amtsgericht Düsseldorf hat nach Prüfung der Antragsunterlagen das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet und einen vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt. Dieser hat nun die Aufgabe, die Vermögenslage des Unternehmens zu sichern und parallel nach Möglichkeiten für eine Fortführung des Geschäftsbetriebs zu suchen. Die Löhne der Beschäftigten sind für die kommenden drei Monate über das sogenannte Insolvenzgeld gesichert.

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Welche Rolle spielt der vorläufige Insolvenzverwalter?

Der vorläufige Insolvenzverwalter arbeitet eng mit der Geschäftsführung zusammen, verfügt aber über weitreichende Kontrollrechte. Er muss binnen weniger Wochen eine Fortführungsprognose erstellen und entscheiden, welche Filialen wirtschaftlich tragfähig erscheinen und welche geschlossen werden müssen. Erfahrungsgemäß folgt auf diese Phase ein sogenanntes Schutzschirmverfahren oder ein reguläres Insolvenzplanverfahren.

Wie unterscheidet sich dieses Verfahren von früheren Galeria-Insolvenzen?

Anders als bei den vorherigen Verfahren ist der finanzielle Spielraum des Unternehmens diesmal deutlich geringer. Nach den vorangegangenen Sanierungsrunden wurden bereits erhebliche Kostenblöcke abgebaut, sodass weniger Reserven für einen erneuten Umbau zur Verfügung stehen. Gläubiger und Vermieter zeigen sich entsprechend skeptischer gegenüber weiteren Zugeständnissen.

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Welche Filialen und Jobs sind konkret in Gefahr?

Insolvenz Pleite Geschaeft Geschlossen Schaufenster Leer Krise
Insolvenz Pleite Geschaeft Geschlossen Schaufenster Leer Krise

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen stehen insbesondere Standorte in mittelgroßen Städten mit rückläufigen Umsätzen zur Disposition. Große Flagship-Filialen in Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München gelten derzeit als vergleichsweise sicher. Endgültige Entscheidungen sollen jedoch erst nach Abschluss der Prüfungsphase fallen.

Was bedeutet das für die Beschäftigten vor Ort?

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet die Situation zunächst finanzielle Sicherheit durch das Insolvenzgeld, langfristig aber erhebliche Unsicherheit über den Erhalt ihres Arbeitsplatzes. Gewerkschaftsvertreter fordern Transparenz über die Kriterien, nach denen Filialen geschlossen oder erhalten werden. Betriebsräte an mehreren Standorten haben bereits Krisengespräche mit der Geschäftsführung angekündigt.

Wie reiht sich Galeria in die allgemeine Insolvenzentwicklung ein?

Die Krise des Warenhauskonzerns ist kein isolierter Fall, sondern Teil einer breiteren Entwicklung. Wie der Artikel Insolvenzwelle rollt: 40 % mehr Pleiten als im Vorjahr zeigt, steigt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland seit geraumer Zeit deutlich an. Auch Monatsberichte wie Insolvenzwelle rollt: 3.200 Firmen pleite im Mai und Insolvenzwelle rollt: 3.200 Firmen pleite in nur 5 Monaten belegen das anhaltend hohe Niveau an Firmenpleiten.

Warum trifft es besonders den stationären Handel?

Der stationäre Einzelhandel kämpft seit Jahren mit sinkenden Besucherzahlen in Innenstädten, gestiegenen Energie- und Personalkosten sowie der fortschreitenden Verlagerung des Konsums in den Onlinehandel. Laut ifo Institut berichten zahlreiche Handelsunternehmen von spürbar gedrückter Geschäftslage, insbesondere im Bereich großflächiger Warenhäuser. Diese Entwicklung trifft Galeria in einer ohnehin angespannten Finanzlage besonders hart.

Ist der Mittelstand ebenso betroffen?

Nicht nur Großunternehmen geraten unter Druck, auch kleinere und mittlere Betriebe spüren die angespannte Lage deutlich, wie der Beitrag Insolvenzwelle rollt: Mittelstand kämpft ums Überleben beschreibt. Das ifo Institut beziffert laut eigenen Erhebungen, dass acht Prozent der deutschen Unternehmen aktuell als insolvenzgefährdet gelten, wie im Beitrag ifo Institut: Acht Prozent der deutschen Unternehmen von Insolvenz bedroht dargestellt wird.

Wer profitiert, wer verliert bei einer Galeria-Pleite?

Von der Krise profitieren tendenziell Wettbewerber im Textil- und Konsumgütereinzelhandel, die freiwerdende Kundenfrequenz und Innenstadtlagen übernehmen könnten. Online-Händler dürften ebenfalls von einer weiteren Schwächung des stationären Wettbewerbers profitieren. Immobilienbesitzer und Vermieter der betroffenen Filialstandorte hingegen müssen mit Mietausfällen und schwierigen Nachvermietungen rechnen.

Welche Branchen sind indirekt betroffen?

Zulieferer, Logistikdienstleister und Markenhersteller, die über Galeria ihre Produkte vertreiben, tragen ein erhebliches Ausfallrisiko bei offenen Forderungen. Auch Innenstadtgastronomie und umliegender Einzelhandel könnten unter sinkender Passantenfrequenz leiden, sollten Filialen dauerhaft schließen. Kommunen mit Galeria-Standort befürchten zudem Einnahmeausfälle bei der Gewerbesteuer.

Gibt es Beispiele für erfolgreiche Rettungen in anderen Branchen?

Dass Investoren angeschlagene Unternehmen auch außerhalb des Einzelhandels retten können, zeigt der Fall des Beitrags Chinesischer Investor rettet Schwäbischer Maschinenbauer vor Insolvenz. Ob sich für Galeria ein vergleichbarer strategischer Investor findet, gilt in Branchenkreisen derzeit als offen, zumal das Geschäftsmodell klassischer Warenhäuser strukturell unter Druck steht.

Wie entwickelt sich die gesamtwirtschaftliche Lage im Handel?

Die Bundesbank verweist in ihren aktuellen Konjunkturberichten auf eine insgesamt verhaltene Konsumnachfrage bei gleichzeitig hohen Betriebskosten für den Einzelhandel. Das DIW ergänzt, dass strukturelle Umbrüche im Handel durch die aktuelle konjunkturelle Schwächephase zusätzlich beschleunigt werden. Statista-Daten zeigen zudem einen anhaltenden Rückgang der Verkaufsfläche im deutschen Warenhaussegment über die vergangenen Jahre.

Welche Rolle spielt die Zinspolitik bei Handelsinsolvenzen?

Höhere Finanzierungskosten erschweren es insolvenzgefährdeten Unternehmen zusätzlich, Überbrückungskredite zu erhalten oder Investitionen in die Modernisierung von Filialen zu stemmen. Banken zeigen sich bei der Kreditvergabe an strukturell angeschlagene Handelsunternehmen zunehmend zurückhaltend. Dies verschärft die Lage für Unternehmen wie Galeria zusätzlich.

KennzahlAktueller Stand
Beschäftigte bei Galeria bundesweitrund 11.000
Verbleibende Filialstandorterund 60
Bisherige Insolvenzverfahren seit 20203
Unternehmensinsolvenzen Deutschland (Veränderung ggü. Vorjahr)+40 %
Insolvenzgefährdete Unternehmen laut ifo Institut8 %

Konjunkturindikator: Das ifo Geschäftsklima für den Einzelhandel verharrt laut aktuellen Erhebungen deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, während die Bundesbank auf eine schwache private Konsumnachfrage als zentrale Belastung verweist.

Wie geht es für Galeria jetzt weiter?

In den kommenden Wochen muss der vorläufige Insolvenzverwalter ein tragfähiges Konzept vorlegen, das über die Zukunft einzelner Standorte entscheidet. Gläubigerversammlungen und Verhandlungen mit Vermietern werden parallel zu den internen Sanierungsgesprächen laufen. Ob am Ende ein deutlich verkleinertes, aber stabileres Unternehmen steht oder eine weitere Zerschlagung droht, bleibt derzeit offen.

Für die betroffenen Beschäftigten und Kommunen bedeutet dies zunächst weiteres Bangen um Arbeitsplätze und Standorte. Die Entwicklung bei Galeria dürfte zudem als Gradmesser dafür dienen, wie resilient der deutsche stationäre Einzelhandel angesichts anhaltenden Strukturwandels und schwacher Konjunktur insgesamt noch ist.

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  4. 10 Quellen berichten darüber

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