Politik

Brandmauer kippt: Erstmals Mehrheit gegen AfD-Ausschluss

YouGov-Umfrage zeigt Bruch mitten durch die Union — Kretschmer contra Merz

Von Thomas Weber 3 Min. Lesezeit
Brandmauer kippt: Erstmals Mehrheit gegen AfD-Ausschluss
Das Wichtigste in Kürze
  • Zum ersten Mal ist eine Mehrheit gegen den grundsätzlichen Ausschluss der AfD
  • Der Riss verläuft nicht zwischen den Parteien, sondern mitten durch die CDU: Kretschmer nennt die Brandmauer überholt, Merz hält offiziell daran fest

Zum ersten Mal sagt eine Mehrheit der Deutschen, andere Parteien sollten eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich ausschließen. Der eigentliche Bruch verläuft dabei nicht zwischen den Parteien, sondern mitten durch die Union: Kanzler Friedrich Merz hält offiziell an der Brandmauer fest, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nennt sie überholt — und die eigene CDU-Basis steht längst nicht mehr mehrheitlich hinter der Abgrenzung.

▶ Auf einen Blick
  • YouGov: 51 Prozent gegen grundsätzlichen AfD-Ausschluss, 40 Prozent dafür — im August war es noch umgekehrt (44 zu 46 Prozent).
  • Unter CDU/CSU-Wählern gibt es für die Brandmauer schon länger keine Mehrheit mehr (55 zu 38 Prozent).
  • Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer: „Wer noch über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.“
  • Kanzler Merz hält offiziell an der Abgrenzung zu AfD und Linke fest.

Die Zahlen: Ein Monat, ein Kippen

Noch im August lag die Zustimmung zur Brandmauer bei einer knappen Mehrheit: 44 Prozent wollten eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht ausschließen, 46 Prozent wollten sie ausschließen. Im September hat sich das gedreht — laut einer aktuellen YouGov-Umfrage sind jetzt 51 Prozent gegen einen grundsätzlichen Ausschluss, nur noch 40 Prozent dafür.

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Parteianhänger selbst: Unter CDU- und CSU-Wählern gibt es für die Brandmauer keine Mehrheit — 55 Prozent wollen die Zusammenarbeit nicht ausschließen, nur 38 Prozent dafür. Bei SPD-, Grünen- und Linke-Anhängern ist es nahezu spiegelverkehrt: Dort sprechen sich jeweils rund 70 bis 76 Prozent klar für die Brandmauer aus.

Kretschmer gegen Merz: Der Riss in der Union

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer sorgte im Sommer für Aufsehen, als er im Handelsblatt erklärte: „Wer noch über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.“ Man müsse mit jedem reden, der reden wolle. Auch die hessische CDU will laut hessenschau inzwischen zumindest den Begriff „Brandmauer“ loswerden, auch wenn man an der inhaltlichen Abgrenzung festhalten will.

Bundeskanzler Friedrich Merz hält offiziell dagegen: Auf seiner Sommer-Pressekonferenz bekräftigte er, es werde keine Zusammenarbeit mit AfD und Linke geben. Der Widerspruch zwischen Parteispitze und eigenen Landespolitikern reiht sich ein in die ohnehin angespannte Lage der Union, die aktuell auch um Merz' politische Zukunft selbst kreist — Bundestagwahlumfrage.de hatte dazu bereits berichtet.

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EinordnungDer bekannteste Bruch der Brandmauer liegt schon einige Jahre zurück: Im Februar 2020 wurde der Thüringer FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit Stimmen von CDU, FDP und AfD zum Ministerpräsidenten gewählt — der erste Fall in der Geschichte der Bundesrepublik, in dem ein Regierungschef mit AfD-Stimmen ins Amt kam. Die Empörung war damals so groß, dass die Wahl innerhalb weniger Tage rückgängig gemacht wurde. Ob eine ähnliche Dynamik heute noch greifen würde, ist angesichts der aktuellen Umfragewerte offen.

Eine ausführliche Einordnung des Konflikts — inklusive der Frage, ob Parteigrenzen aus Prinzip gezogen werden oder sich dem Wählerwillen anpassen müssen — hat unser Partnerportal Bundestagwahlumfrage.de in der aktuellen Folge des Podcasts „Wahl Watch Berlin: Beide Seiten“ aufbereitet:

Podcast „Wahl Watch Berlin: Beide Seiten“ auf Spotify — aktuelle Folge: Brandmauer bröckelt.

Wie geht es weiter?

Jede weitere Wahlniederlage der Union — wie am Wochenende in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin möglich — dürfte den Druck erhöhen, die Abgrenzung neu zu verhandeln, unabhängig davon, was die Parteispitze offiziell sagt. Eine Brandmauer, die die eigene Wählerbasis nicht mehr mehrheitlich mitträgt, ist keine stabile Mauer mehr, sondern eine Frage der Zeit. ZenNews24 berichtet, sobald sich die Lage nach den Landtagswahlen entwickelt.

Quellen: YouGov, Handelsblatt, hessenschau, Bundestagwahlumfrage.de

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Thomas Weber
Politik & Wirtschaft

Thomas Weber beobachtet seit über 15 Jahren die deutsche Bundespolitik und europäische Wirtschaftsentwicklungen. Sein Schwerpunkt liegt auf Haushaltspolitik, Koalitionsdynamiken und internationaler Handelspolitik.

Quelle: YouGov
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