Politik

AfD legt in Umfragen zu: Union unter Druck

Neue Zahlen zeigen AfD erstmals seit Monaten wieder vor SPD

Von Markus Bauer 7 Min. Lesezeit
AfD legt in Umfragen zu: Union unter Druck
Das Wichtigste in Kürze
  • Aktuelle Umfragedaten beunruhigen die Koalition: Die AfD gewinnt als stärkste Oppositionskraft weiter an Zustimmung, während CDU/CSU um ihre Führungsposition kämpfen
  • Politikexperten sehen darin ein Warnsignal für Merz

Erstmals seit mehreren Monaten liegt die AfD in aktuellen Sonntagsfragen wieder vor der SPD — und das mit einem Vorsprung, der Politikbeobachter aufhorchen lässt. Neue Erhebungen sehen die Partei bei 22 bis 24 Prozent, während die Sozialdemokraten auf 17 bis 19 Prozent abgerutscht sind. Für die schwarz-rote Bundesregierung sind das keine guten Nachrichten.

Die aktuellen Umfragezahlen im Überblick

Die jüngsten Erhebungen von infratest dimap, dem Forschungsinstitut Forsa sowie dem Institut für Demoskopie Allensbach zeichnen ein konsistentes Bild: Die AfD hat sich in der Wählergunst stabilisiert und zieht an der SPD vorbei. Konkret weist die aktuelle INSA-Sonntagsfrage die AfD bei 23,5 Prozent aus, während die SPD auf 18,1 Prozent kommt. Die Union hält sich mit 29,8 Prozent zwar weiterhin an der Spitze, doch der Abstand zur AfD hat sich in den vergangenen Wochen deutlich verringert (Quelle: INSA, infratest dimap, Forsa).

Besonders bemerkenswert ist die Dynamik: Noch zu Jahresbeginn hatte die AfD kurzzeitig unter die 20-Prozent-Marke gedrückt gewirkt, bedingt durch interne Querelen und den anhaltenden medialen Druck auf die Parteiführung. Nun scheint sich das Blatt zu wenden. Wählerinnen und Wähler quittieren offenbar die wirtschaftliche Stagnation und die anhaltenden Debatten um Migrationspolitik mit Stimmen für die Partei am rechten Rand des Parlaments. Mehr zu den Hintergründen dieser Entwicklung liefert die Analyse AfD bei 30 Prozent: Historisches Allzeithoch in aktuellen Umfragen.

Regionale Unterschiede stechen heraus

Die Detailauswertungen zeigen ein nach wie vor stark asymmetrisches Bild: In den ostdeutschen Bundesländern erreicht die AfD laut Forsa-Länderdaten Zustimmungswerte zwischen 32 und 38 Prozent, während sie im Westen bei durchschnittlich 18 bis 20 Prozent verharrt. Sachsen und Thüringen gelten weiterhin als die Hochburgen der Partei, doch auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt festigt sich die AfD als stärkste politische Kraft. Das ist eine Entwicklung, die sich durch Einzelereignisse nicht mehr erklären lässt, sondern auf eine strukturelle Verschiebung im Wählerverhalten hindeutet (Quelle: Forsa, Infratest dimap).

SPD verliert auch in der Arbeiterschaft

Besonders schmerzhaft für die Sozialdemokraten: Laut einer Querschnittsanalyse von infratest dimap verliert die SPD ausgerechnet in ihrer angestammten Kernklientel — Facharbeiter, gewerkschaftsnahe Haushalte, Beschäftigte in der Industrie — überproportional an die AfD. Dieser Trend, der sich bereits in den Vorjahren abzeichnete, hat sich im laufenden Jahr beschleunigt. Kritiker in der eigenen Partei machen die als zu zögerlich empfundene Wirtschaftspolitik der Koalition dafür verantwortlich (Quelle: infratest dimap).

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Partei Aktueller Umfragewert (Ø) Veränderung ggü. März 2026 Trend
CDU/CSU 29,8 % −1,2 % ↓ leicht rückläufig
AfD 23,5 % +2,8 % ↑ steigend
SPD 18,1 % −1,9 % ↓ rückläufig
Grüne 11,4 % +0,6 % → stabil
FDP 6,8 % +0,4 % → stabil
BSW 5,3 % −0,7 % ↓ leicht rückläufig
Sonstige 5,1 % −0,0 % → stabil

Quellen: INSA, Forsa, infratest dimap — Erhebungszeitraum Mai/Juni 2026, Durchschnittswerte

Druck auf die Union wächst

Regional Buergermeister Gemeinderat Rathaus Kommunalpolitik Sitzung Abstimmung Gemeinde
Regional Buergermeister Gemeinderat Rathaus Kommunalpolitik Sitzung Abstimmung Gemeinde

Für die CDU/CSU sind die Zahlen aus zwei Richtungen beunruhigend: Einerseits nähert sich die AfD von hinten, andererseits stagniert die eigene Zustimmung auf einem Niveau, das angesichts der Regierungsbeteiligung als enttäuschend gilt. Kanzler Friedrich Merz, seit gut einem Jahr im Amt, sieht sich einem stetig wachsenden Legitimationsdruck gegenüber. Die Erwartungen an eine entschlossen regierende Bundesregierung sind hoch — die Einlösung bleibt nach Einschätzung vieler Beobachter bislang aus. Zur internen Lage der Unionsfraktion lohnt ein Blick auf den Bericht Merz nach einem Jahr unter Druck: Kanzleramt verliert an.

Innerhalb der Unionsfraktion mehren sich die Stimmen, die eine schärfere Abgrenzung von der eigenen Koalitionspolitik fordern. Besonders der Wirtschaftsflügel drängt auf mehr Profil in der Standortpolitik, während der konservative Flügel eine härtere Linie in der Migrationspolitik verlangt — genau jenes Terrain, auf dem die AfD punktet. Fraktionschef Jens Spahn steht vor der schwierigen Aufgabe, diese Spannungen zu moderieren, ohne das Regierungshandeln des Kanzlers zu konterkarieren. Hintergründe zur personellen Lage liefert der Artikel Spahn als Unionsfraktionschef wiedergewählt.

Spahn zwischen Loyalität und Profilierungsdruck

Jens Spahn hat in den vergangenen Wochen mehrfach Signale gesetzt, die als subtile Distanzierung von einzelnen Regierungspositionen interpretiert werden können — ohne einen offenen Bruch zu riskieren. In der Haushaltsdebatte Mitte Mai formulierte er öffentlich Bedenken gegenüber dem Tempo der geplanten Investitionsprogramme. Beobachter werten das als Versuch, die Union als kritisch-konstruktive Kraft zu positionieren, die regiert, aber nicht blind folgt. Die Gratwanderung ist riskant: Zu viel Eigenständigkeit gefährdet die Koalitionsstabilität, zu wenig lässt die CDU/CSU in der Wählerwahrnehmung im Schatten des Kanzleramts verschwinden (Quelle: Spiegel, FAZ).

Konservative Wähler wandern ab

Verlässliche Verlaufsdaten belegen, dass die Union seit Beginn des Jahres kontinuierlich konservative Wählerinnen und Wähler an die AfD verliert. Vor allem in der Altersgruppe der 45- bis 65-Jährigen, traditionell eine Kernklientel der CDU, zeigt die AfD überdurchschnittliche Zuwächse. Die Partei von Alice Weidel und Tino Chrupalla kommuniziert ihre Botschaften in diesem Segment erfolgreich über soziale Netzwerke und alternative Nachrichtenkanäle — eine Entwicklung, der die Union strukturell wenig entgegenzusetzen hat (Quelle: infratest dimap, Institut für Demoskopie Allensbach).

Fraktionspositionen: CDU/CSU — Fraktionschef Jens Spahn betont die Regierungsverantwortung der Union, fordert aber intern schärferes wirtschaftspolitisches Profil; Abgrenzung zur AfD bleibt erklärte Leitlinie. SPD — Fraktionsführung sieht Ursache des Umfragerückgangs in der öffentlichen Wahrnehmung der Haushaltspolitik und plädiert für stärkere soziale Akzentuierung der Koalitionsarbeit. Grüne — Oppositionsfraktion interpretiert AfD-Zuwächse als Warnsignal und fordert entschlossenere Migrationspolitik auf europäischer Ebene statt nationaler Abschottungsrhetorik. AfD — Fraktionsvorsitzende im Bundestag sehen die Umfragezahlen als Bestätigung ihres Kurses und fordern vorgezogene Neuwahlen sowie eine vollständige Neuausrichtung der Asylpolitik.

AfD-Strategie: Kontinuität zahlt sich aus

Die AfD setzt seit Monaten auf eine doppelte Strategie: thematische Beharrlichkeit in den Feldern Migration, innere Sicherheit und Energiekosten sowie eine zunehmend professionalisierte Außendarstellung. Parteichefin Alice Weidel tritt medial deutlich präsenter auf als noch vor zwei Jahren, gibt Interviews in überregionalen Medien und nutzt internationale Plattformen gezielt zur Eigendarstellung. Die Partei hat verstanden, dass Normalisierung durch Omnipräsenz erzeugt wird — und arbeitet konsequent daran.

Gleichzeitig profitiert die AfD von einem politischen Klima, in dem viele Bürgerinnen und Bürger das Gefühl haben, dass zentrale Alltagsprobleme — steigende Lebenshaltungskosten, Wohnungsnot, wahrgenommene Überforderung im Migrationsbereich — von der Regierungskoalition nicht ausreichend adressiert werden. Dieses Vakuum füllt die AfD mit einer pointierten, oft vereinfachenden Botschaft, die jedoch offenbar auf Resonanz stößt. Vergleichsdaten aus früheren Hochphasen liefert der Artikel AfD auf 20 Prozent: Historischer Höchststand in Umfragen.

Nachrichtendienstliche Beobachtung ohne messbaren Effekt

Der Verfassungsschutz beobachtet die AfD weiterhin als gesichert rechtsextremistisch in Teilen der Partei — eine Einstufung, die rechtlich umstritten ist und durch anhängige Verfahren überprüft wird. Das Bundesverfassungsgericht hatte in früheren Verfahren Maßstäbe für die verfassungsrechtliche Zulässigkeit von Parteiverboten formuliert, die nach übereinstimmender Einschätzung von Verfassungsrechtlern derzeit nicht erfüllt sind. Auch ein erneuter Verbotsantrag, über den in Teilen der SPD und bei den Grünen diskutiert wird, gilt als politisch und juristisch riskant. In der Wählerschaft scheint die Beobachtung durch den Verfassungsschutz keine abschreckende Wirkung zu entfalten — im Gegenteil interpretieren AfD-nahe Milieus die staatliche Einstufung als Beleg für eine verfolgte Partei (Quelle: FAZ, Spiegel, Süddeutsche Zeitung).

Koalitionsdynamik: Schwarz-Rot unter wachsendem Druck

Die schwarz-rote Bundesregierung regiert seit gut einem Jahr — und das in einem Umfeld, das politisch anspruchsvoller geworden ist als von vielen erwartet. Wirtschaftlich stagniert Deutschland, die Reallohnentwicklung bleibt hinter den Erwartungen zurück, und in der Migrationspolitik hat die Koalition zwar einzelne Maßnahmen beschlossen, ohne dass sich dies in einer veränderten Wahrnehmung der Bevölkerung niederschlägt. Eine umfassende Bilanz der Koalitionsarbeit bietet der Bericht Schwarz-rot nach einem Jahr: Koalition unter Druck.

Die Bundesratsdynamik verschärft die Lage zusätzlich: Bei zentralen Gesetzesvorhaben — darunter das umstrittene Sicherheitspaket II und Teile der geplanten Wohnungsbauoffensive — hat der Bundesrat Änderungen durchgesetzt oder Zustimmung verweigert, was den Gesetzgebungsrhythmus der Koalition verlangsamt. Mehrere Ministerpräsidenten mit AfD-Beteiligung in Landesregierungen nutzen die Länderkammer als Plattform für Profilierungen, die direkt in die Bundespolitik ausstrahlen. Das Bundesverfassungsgericht hat in diesem Zusammenhang zuletzt klargestellt, dass der Bundesrat im verfassungsrechtlich zulässigen Rahmen agiert, auch wenn die politischen Konsequenzen für die Bundesregierung erheblich sind (Quelle: Süddeutsche Zeitung, tagesschau.de).

Scholz-Effekt in Umkehrung: Merz als Belastung?

Ironie der Geschichte: Friedrich Merz war mit dem klaren Versprechen angetreten, besser zu regieren als sein Vorgänger Olaf Scholz. Doch in der Wahrnehmung breiter Bevölkerungsschichten beginnt sich das Bild zu trüben. Aktuelle Umfragen zur Kanzlerzufriedenheit weisen Merz mit 38 Prozent Zustimmung aus — ein Wert, der für ein erstes Regierungsjahr als unterdurchschnittlich gilt. Die persönlichen Beliebtheitswerte bleiben hinter dem CDU-Parteiwert zurück, was in der Union intern als Signal gewertet wird, dass das Regierungshandeln kommunikativ stärker vermittelt werden muss (Quelle: Forsa, infratest dimap).

Februar 2026
AfD fällt vorübergehend auf 19,8 Prozent in Sonntagsfragen — erstmaliges Unterschreiten der 20-Prozent-Marke seit Monaten. Interne Querelen und öffentliche Kritik an der Parteiführung gelten als Ursache.
März 2026
Koalitionsstreit um das Sicherheitspaket II und die Verschärfung des Asylrechts dominiert die Schlagzeilen. AfD nutzt die Debatte als Plattform und legt in Umfragen auf 21,2 Prozent zu.
April/Mai 2026
Mehrere Ländererhebungen zeigen AfD-Zuwächse in Westdeutschland. Partei stabilisiert sich bundesweit bei über 22 Prozent. SPD-Werte sinken parallel auf historische Tiefstwerte in einzelnen Bundesländern.
Juni 2026
Aktuelle Bundesumfragen von INSA, Forsa und infratest dimap bestätigen: AfD liegt erstmals seit Herbst 2025 wieder klar vor der SPD. Unionsintern werden Stimmen nach schärferem Kurs lauter. Koalitionsdebatte über Kommunikationsstrategie entbrennt.

Was die Zahlen politisch bedeuten

Umfragen sind keine Wahlergebnisse — das ist eine politische Binsenweisheit, die in dieser Debatte nicht fehlen darf. Die nächste reguläre Bundestagswahl findet erst im Frühjahr 2029 statt, und die politischen

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Markus Bauer
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Markus Bauer verfolgt die Entwicklungen in Tech, KI und Digitalpolitik. Er analysiert, wie neue Technologien Gesellschaft und Wirtschaft verändern — von Datenschutz bis Plattformregulierung.

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