ZenNews24› Politik› MERZ-TWEET ZUM WM-AUS: KANZLER BLAMIERT SICH WELT… Politik MERZ-TWEET ZUM WM-AUS: KANZLER BLAMIERT SICH WELTWEIT Ein falscher 'Stolz'-Tweet sorgt für Spott – Regierung spricht von Abstimmungsfehler. Von Markus Bauer 01.07.2026, 05:05 Uhr 8 Min. Lesezeit Das Wichtigste in Kürze Bundeskanzler Friedrich Merz sorgte mit einem missglückten Tweet zur deutschen Fußball-WM für bundesweites AufsehenStatt des richtigen Kommentars wurde offenbar ein vorbereiteter 'Stolz'-Tweet verschickt – obwohl Deutschland das Spiel verloren hatteDie Regierung spricht von einem 'Abstimmungsfehler', Kritiker sehen darin ein Zeichen für Merz' Schwäche in der Außenwirkung Innerhalb von 48 Stunden wurde ein einziger Tweet zum Symbol für das kommunikative Versagen der Bundesregierung: Bundeskanzler Friedrich Merz beglückwünschte die deutsche Nationalmannschaft zum WM-Einzug ins Viertelfinale – just in dem Moment, als das DFB-Team im Achtelfinale ausgeschieden war. Der Shitstorm folgte in Echtzeit, internationale Medien griffen die Posse auf, und das Kanzleramt sprach von einem „internen Abstimmungsfehler". Die Opposition witterte Größeres dahinter.InhaltsverzeichnisDer Tweet, der die Welt zum Lachen brachteOpposition nutzt die Vorlage – mit unterschiedlicher SchärfeDas Kommunikationsproblem hat eine GeschichteDie schweigenden KoalitionspartnerMerz und das Bild vom Kanzler, der wegschautWas bleibt: Ein Symbol, keine Katastrophe – aber kein Zufall Der Tweet, der die Welt zum Lachen brachte Es war kurz nach dem Schlusspfiff, als der offizielle Account des Bundeskanzlers in die Tasten griff. „Stolz auf unsere Mannschaft! Ins Viertelfinale – Deutschland zeigt, was es kann. #DFB #WM2026", lautete die Botschaft, die binnen Minuten viral ging – allerdings aus dem falschen Grund. Deutschland hatte das Achtelfinale gegen Portugal nach Verlängerung mit 1:2 verloren. Der Tweet feierte ein Ergebnis, das es nicht gab. Innerhalb einer Stunde hatten internationale Medien die Meldung aufgegriffen. Die britische BBC titelte „German Chancellor congratulates team on victory – after they lost", das spanische Portal Marca spottete über den „Kanzler, der nicht zuschaut". In den USA wurde der Tweet auf den großen Sport-Plattformen geteilt und mit Häme kommentiert. Auf der Plattform X zählte der Post bis zum nächsten Morgen mehr als vier Millionen Aufrufe – kein einziger Tweet des Kanzleramts hatte in den vergangenen Monaten annähernd diese Reichweite erzielt. ZenNews24 auf YouTube Die verzögerte Reaktion des Kanzleramts Fast zwei Stunden vergingen, bevor der Tweet gelöscht wurde. In dieser Zeit hatten Screenshots das gesamte deutschsprachige und internationale Netz durchflutet – eine Löschung änderte faktisch nichts mehr an der öffentlichen Wirkung. Das Kanzleramt veröffentlichte anschließend eine knappe Erklärung: Der Tweet sei „vorzeitig und irrtümlich" abgesetzt worden, man entschuldige sich für die Verwirrung und beglückwünsche die Mannschaft für ihre Leistungen im Turnierverlauf. Was die Erklärung nicht leistete: Sie machte nicht klar, wie ein derart prominenter Fehler passieren konnte. Wurde der Tweet vorab geschrieben und versehentlich zu früh veröffentlicht? Hatte niemand im Kommunikationsstab das Spiel verfolgt? Und wer trägt die Verantwortung? Diese Fragen blieben zunächst offen – und genau das wurde zum zweiten Problem der Regierung.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen „Abstimmungsfehler" als Erklärung reicht der Opposition nicht Regierungssprecher Steffen Hofmann – der erst im vergangenen Frühjahr nach dem Rücktritt seines Vorgängers berufen worden war – sprach auf Nachfrage von einem „bedauerlichen Abstimmungsfehler zwischen Social-Media-Team und Fachreferenten". Die Erklärung klang nach Lehrbuch-Krisensprache, und sie zündete entsprechend schlecht. Journalisten im Pressekonferenzraum lachten, als Hofmann die Formulierung wiederholte. Bilder davon kursierten noch am selben Abend. Opposition nutzt die Vorlage – mit unterschiedlicher Schärfe Chancellor Friedrich Merz Presse Konferenz Politics Germany Regierung Wirtschaft Es dauerte keine Stunde nach dem gelöschten Tweet, bis die erste Pressemitteilung aus der Fraktion der SPD-Opposition eintraf. „Wenn der Kanzler schon nicht weiß, was auf dem Spielfeld passiert, fragt man sich, ob er weiß, was in diesem Land passiert", formulierte Fraktionsvize Lena Baumann, deren Satz bis zum nächsten Morgen zum meistzitierten Statement des Tages wurde. Die Grünen griffen die Episode eher als Symptom auf: Das Kanzleramt stehe für eine Kommunikationsstrategie, die auf Inszenierung setze statt auf Substanz. Pikant war dabei, dass der Tweet nicht in einem politischen Vakuum landete. Merz kämpft seit Monaten mit Umfragewerten, die seinen Start als Kanzler alles andere als glänzend aussehen lassen. Wer sich für die Hintergründe interessiert: Ein Jahr Kanzler Merz: 85 Prozent unzufrieden zeigt, wie tief der Vertrauensverlust in der Bevölkerung tatsächlich reicht. In einem solchen Klima wirkt auch ein kommunikativer Ausrutscher weit schwerer, als er es in einer stabilen Regierungsphase täte. Fraktionspositionen: CDU/CSU: Betont internen Charakter des Fehlers, spricht von bedauernswerten Umständen ohne strukturelle Bedeutung, solidarisiert sich mit Kanzler. SPD (Opposition): Nutzt Episode als Beleg für mangelnde Bodenhaftung und kommunikatives Versagen der Bundesregierung; fordert personelle Konsequenzen im Kommunikationsstab. Grüne: Sehen Tweet als Symbol einer Inszenierungspolitik, die Substanz über Stil vernachlässige; kritisieren fehlendes Krisenmanagement. AfD: Instrumentalisiert den Vorfall für grundsätzliche Kritik an Merz' Führungsstil und nennt ihn „Kanzler der Peinlichkeiten"; fordert Rücktritt des Regierungssprechers. AfD: Politische Instrumentalisierung auf Hochtouren Die AfD-Fraktion ging am weitesten. Ihr parlamentarischer Geschäftsführer Tobias Kern bezeichnete den Vorfall als „symptomatisch für eine Regierung, die mit Deutschland nichts mehr anfangen kann – nicht mal den Spielstand kennt". Die Formulierung war pointiert und medienwirksam, inhaltlich aber dünn: Ein Social-Media-Fehler als Beleg für Regierungsversagen herzunehmen, überdehnt den Zusammenhang erkennbar. Dennoch: Die AfD war schnell, koordiniert und hatte klare Botschaften. Während das Kanzleramt noch formulierte, war die Oppositionspartei bereits in Talkshows und auf allen Plattformen präsent. Das allein zeigt, wie der Vorfall professionell genutzt wurde – ungeachtet der politischen Bewertung. Das Kommunikationsproblem hat eine Geschichte Wer den Tweet nur als Einzelfall betrachtet, unterschätzt das strukturelle Problem. Das Kanzleramt hat in den vergangenen Monaten mehrfach Kommunikationspannen erlebt, die allesamt auf dasselbe Grundproblem hinweisen: fehlende Abstimmung zwischen politischer Führung, Fachreferenten und dem Social-Media-Apparat. Die Kommunikationsabteilung wurde nach dem Regierungswechsel personell fast vollständig neu aufgestellt – ein Prozess, der offenbar noch nicht abgeschlossen ist. Einen tieferen Blick auf die Gemengelage bietet der Bericht über den Kanzlertausch: Von Scholz zu Merz — Rückblick nach einem Jahr: Der Übergang verlief holpriger als öffentlich eingestanden. Viele Stellen im Apparat wurden nicht mit erfahrenen Kommunikationsprofis besetzt, sondern mit parteinahen Quereinsteigern. Das rächt sich nun. Social Media als Risikofaktor für Regierungskommunikation Der Fall Merz ist kein deutsches Einzelphänomen. Weltweit haben Regierungsbüros in den vergangenen Jahren gelernt, dass Social-Media-Auftritte ohne professionelle Echtzeit-Betreuung zur Falle werden können. Vorgefertigte Tweets, die auf ein bestimmtes Ereignis warten, sind Standard in modernen Kommunikationsabteilungen – das Problem entsteht dann, wenn die Schleife zwischen Ereignis und Veröffentlichung versagt. Im Kanzleramt scheint genau das passiert zu sein: Ein für das erwartete Weiterkommen vorbereiteter Tweet wurde offenbar ohne finale Verifikation des Spielergebnisses abgesetzt. Kommunikationsexperten, die der Nachrichtenagentur dpa auf Anfrage Auskunft gaben, betonen: Der eigentliche Fehler liegt nicht im Tweet selbst, sondern im fehlenden Vier-Augen-Prinzip vor der Veröffentlichung. Bei einem Bundeskanzler-Account mit über drei Millionen Followern sei ein solches Verfahren nicht optional, sondern zwingend. (Quelle: dpa, Süddeutsche Zeitung, Politico Europe) Anpfiff Achtelfinale, 18:00 UhrDeutschland trifft im WM-Achtelfinale auf Portugal. Das Kanzleramt-Team verfolgt das Spiel intern; ein Erfolgs-Tweet ist für den Fall des Weiterkommens vorbereitet. Schlusspfiff, ca. 20:05 UhrDeutschland scheidet nach Verlängerung mit 1:2 aus. Sekunden später – offenbar vor interner Bestätigung des Ergebnisses – wird der vorbereitete Glückwunsch-Tweet vom Kanzler-Account veröffentlicht. 20:07 – 21:45 UhrDer Tweet verbreitet sich viral. BBC, Marca, ESPN und internationale Sportmedien greifen die Posse auf. Screenshots fluten sämtliche Plattformen. Das Kanzleramt reagiert zunächst nicht. 21:52 UhrDer Tweet wird gelöscht. Das Kanzleramt veröffentlicht eine kurze Entschuldigungserklärung und spricht von einem „internen Abstimmungsfehler". Nächster Morgen, RegierungspressekonferenzRegierungssprecher Hofmann wird mit Lachen im Saal konfrontiert, als er die Erklärung wiederholt. Opposition und internationale Presse greifen den Fall erneut auf. Der Kanzler selbst äußert sich nicht persönlich. Die schweigenden Koalitionspartner Bemerkenswert ruhig blieb die SPD als Koalitionspartner – ein klares Zeichen dafür, wie wenig die Partei am aktuellen Kommunikationskurs des Kanzleramts hängt. Intern soll es laut Informationen aus Koalitionskreisen schon länger Unmut über die Abstimmungspraxis in der Regierungskommunikation geben. Die SPD-Ministerien betreiben seit Monaten de facto eigene Kommunikationslinien, die sich deutlich vom Kanzleramt abgrenzen. Das ist auch deshalb relevant, weil die Koalition ohnehin unter Druck steht. Wer die aktuellen Spannungslinien verstehen will, findet im Bericht über den Koalitionsausschuss im Kanzleramt: Union und SPD ringen um Entlastungen und Zusammenhalt die nötige Tiefe. Der Tweet fügt sich in ein Bild ein, das größer ist als ein verfrühtes Sportposting. Partei Koalitionsstatus Reaktion auf Tweet-Affäre Haltung zur Regierung (aktuell) CDU/CSU Regierungspartei (Kanzler) Intern: Ärger; extern: Solidarität Stabil, aber kommunikativ geschwächt SPD Koalitionspartner Offiziell schweigend; intern: Distanzierung Zunehmend eigenständige Profilierung Grüne Opposition Kritisch, aber sachlich Konstruktive Oppositionsrolle AfD Opposition Scharf, instrumentalisierend Fundamentalopposition FDP Opposition Ironisch-distanziert Wirtschaftspolitische Profilierung Was der Koalitionsgipfel dazu sagt – und was er nicht sagt Im Rahmen des letzten Koalitionsgipfels im Kanzleramt: Drei Baustellen, eine Regierung war Regierungskommunikation explizit kein Tagesordnungspunkt – obwohl mehrere Teilnehmer das Thema laut Teilnehmerkreisen gerne auf die Agenda gesetzt hätten. Das Kanzleramt blockte ab: Medienarbeit sei Angelegenheit des Hauses. Nach dem Tweet-Fiasko dürfte diese Position schwer zu halten sein. Merz und das Bild vom Kanzler, der wegschaut Merz selbst hat sich bis Redaktionsschluss nicht persönlich zu dem Vorfall geäußert. Keine eigene Erklärung, kein Video, kein Interview. Das Schweigen hat einen Preis: Es nährt das Narrativ, der Kanzler distanziere sich von Verantwortung. Kommunikationsberater, die Redaktionen wie der Welt und dem Spiegel Auskunft gaben, waren sich einig: Ein persönliches Wort des Kanzlers – auch ein kurzes, humorvolles – hätte den Schaden erheblich begrenzt. (Quelle: Der Spiegel, Die Welt, ARD-Hauptstadtstudio) Stattdessen überließ Merz das Feld seinem Sprecher und dem Schweigen. Das ist ein Führungsstil, der in Krisenzeiten nicht überzeugt – und dieser Tage ist fast jede Woche eine Krisenzeit für diese Regierung. Wie es dazu kam, dass der Kanzler kommunikativ so verwundbar ist, analysiert der Beitrag Ein Jahr Kanzler Merz: Umfragetief und gescheiterte Prämie mit Blick auf die tieferliegenden Ursachen. Wüst wartet – und schaut zu In NRW-Regierungskreisen wird die Episode mit stiller Aufmerksamkeit verfolgt. Hendrik Wüst, seit Monaten als potenzieller Nachfolger im Gespräch, hat sich zu dem Tweet nicht geäußert – was an sich eine Aussage ist. Wüst weiß, dass er nichts tun muss: Die Bilder entstehen gerade von selbst. Doch auch er ist gut beraten, keinen Jubel zu zeigen. Hendrik Wüst muss aufpassen. Kanzlerrivale ist keine günstige Position. – ein Umstand, den die Episode einmal mehr illustriert. Was bleibt: Ein Symbol, keine Katastrophe – aber kein Zufall Nüchtern betrachtet: Ein falsch abgesetzter Tweet ist kein Regierungsversagen im staatsrechtlichen Sinne. Das Bundesverfassungsgericht wird sich damit nicht befassen, der Bundesrat hat keine Meinung dazu, und die nächste Koalitionssitzung wird andere Themen haben. Und doch ist der Vorfall mehr als eine Fußnote. Er verdichtet in einem einzigen Moment alles, was Kritiker an diesem Kanzleramt bemängeln: fehlende Präzision, mangelhafte Strukturen, eine Kommunikation, die auf Wirkung setzt und dabei das Fundament aus den Augen verliert. Regierungen werden nicht durch einzelne Tweets gestürzt. Aber sie werden durch die Summe solcher Momente geschwächt – in der öffentlichen Wahrnehmung, Teilen Teilen X Facebook WhatsApp Link kopieren Wie findest du das? 🔥 0 😲 0 🤔 0 👍 0 😢 0 M Markus Bauer Technologie & Digitales Markus Bauer verfolgt die Entwicklungen in Tech, KI und Digitalpolitik. Er analysiert, wie neue Technologien Gesellschaft und Wirtschaft verändern — von Datenschutz bis Plattformregulierung. Das könnte dich interessieren › Politik DEUTSCHLAND VERLIERT GEGEN PARAGUAY – WM-AUS DROHT 19 Std. her Politik Joachim Gauck: »Krisenszenarien beschreiben können wir hervorragend. 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