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Putins Besuch bei Xi: Symbolische Allianz mit strategischen Grenzen

Moskau und Peking demonstrieren Einheit – doch beim wichtigsten russischen Ziel blieb der Durchbruch aus.

Von ZenNews24 Redaktion 3 Min. Lesezeit Aktualisiert: 20.05.2026
Putins Besuch bei Xi: Symbolische Allianz mit strategischen Grenzen
Das Wichtigste in Kürze
  • Wladimir Putin reiste mit hohen Erwartungen nach Peking: Rückendeckung im Ukraine-Krieg, neue Energieverträge, ein Signal an den Westen
  • Was er mitbrachte, war weniger als erhofft – und dennoch mehr als ein bloßes Protokolltreffen

Wladimir Putin ist zurück in Moskau. Sein Besuch bei Xi Jinping war aufwendig inszeniert, die gemeinsame Abschlusserklärung klingt weitreichend – und doch offenbart die genaue Lektüre, wie vorsichtig China nach wie vor mit seinem russischen Partner umgeht. Die Allianz zwischen den beiden Großmächten ist real, aber sie hat Grenzen, die Peking klar definiert.

Beide Staatschefs sprachen sich in ihrer gemeinsamen Erklärung für eine „dauerhafte Lösung" im Ukraine-Krieg durch Verhandlungen und Dialog aus. Was sich nach Fortschritt anhört, ist bei näherer Betrachtung eine diplomatische Formel ohne Konsequenzen: China forderte Russland an keiner Stelle auf, den Angriffskrieg zu beenden. Für Kiew und die westlichen Unterstützer ist das eine unmissverständliche Botschaft.

"China versucht konsequent, rote Linien nicht zu überschreiten – es will weder offen auf Moskaus Seite stehen noch den Westen so weit provozieren, dass es selbst unter massiven Druck gerät."

— Eva Seiwert, China-Expertin beim Mercator Institute for China Studies (MERICS) (sinngemäß)

Weniger Zeremonie, mehr Substanz – aber wie viel Substanz wirklich?

Dieses Treffen sollte sich von früheren unterscheiden. Kein tagelanger Staatsbesuch mit Banketten und Kulturprogramm, sondern konzentrierte Arbeitsgespräche. Dass Russland und China dabei konkrete Ergebnisse präsentieren wollten, war offensichtlich. Tatsächlich bekräftigten beide Seiten ihre enge Zusammenarbeit im Militärbereich sowie ihren Willen zur vertieften Kooperation im Energiesektor. Doch was nach außen als Ergebnisreichtum präsentiert wurde, bleibt in zentralen Punkten vage.

Putins größtes Ziel: Die Pipeline bleibt ungebaut

Das Herzstück der russischen Verhandlungsagenda war die Gaspipeline „Power of Siberia 2" – ein Projekt, das Russland seit Jahren vorantreibt und das Moskau eine neue, dauerhafte Exportroute nach China sichern würde. Nach dem weitgehenden Wegfall des europäischen Marktes infolge des Ukraine-Krieges wäre diese Pipeline für Russland strategisch überlebenswichtig. Doch eine finale Einigung wurde auch diesmal nicht bekanntgegeben.

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"Beim größten Ziel hat Putin nicht gepunktet. China weiß um seine Verhandlungsmacht und lässt sich nicht drängen – Peking kauft russisches Gas bereits jetzt zu Vorzugskonditionen und hat keinen Anlass, schnell zu unterschreiben."

— Elisabeth Schmidt, ZDF-Korrespondentin (sinngemäß)

Für Europa ist dieses Stocken bedeutsam: Solange die Pipeline nicht gebaut ist, bleibt Russland wirtschaftlich verwundbarer als es nach außen wirkt. Gleichzeitig zeigt die anhaltende Verhandlung, dass China sich bewusst als Juniorpartner inszeniert, der dennoch die Bedingungen diktiert.

Multipolarität als Ideologie: Was Putin wirklich meint

Kaum ein Begriff fiel beim Gipfel häufiger als „multipolare Weltordnung". Putin verwendet ihn seit Jahren – doch seine Bedeutung ist alles andere als neutral. Hinter der Forderung nach Multipolarität verbirgt sich das russische Ziel, die regelbasierte internationale Ordnung westlicher Prägung zu delegitimieren und durch ein System zu ersetzen, in dem Großmächte Einflusssphären ungestraft beanspruchen können.

Xi Jinping teilt diese Rhetorik, verfolgt dabei aber eigene Interessen. China möchte den USA die Vorherrschaft streitig machen – nicht zugunsten Russlands, sondern zugunsten Pekings eigener globaler Führungsrolle. Was beide verbindet, ist die Ablehnung der bestehenden Ordnung; was sie trennt, ist die Frage, wer sie ersetzen soll.

"Wenn Putin von einer multipolaren Welt spricht, meint er eine Welt, in der westliche Normen keine universelle Gültigkeit mehr beanspruchen können – das ist eine direkte Herausforderung an Europa und die demokratischen Gesellschaften weltweit."

— Sebastian Ehm, ZDF-Reporter (sinngemäß)

Strategische Konsequenzen für Europa und Deutschland

Was bedeutet dieses Treffen für Europa? Zunächst das Offensichtliche: Eine chinesische Vermittlung im Ukraine-Krieg, die diesen Namen verdient, ist nicht in Sicht. Peking legt Wert darauf, als neutraler Akteur zu gelten, handelt aber zugleich wirtschaftlich so, dass Russland den Krieg fortführen kann – durch den Kauf von Energieträgern, durch indirekte Umgehung westlicher Sanktionen, durch technologische Lieferungen über Drittstaaten.

Für Deutschland bedeutet das konkret: Die Hoffnung, China könne als Druckmittel auf Moskau wirken, ist illusorisch. Gleichzeitig wächst die strategische Abhängigkeit Europas von der eigenen Entschlossenheit – bei der Ukraine-Unterstützung ebenso wie bei der wirtschaftlichen Abkoppelung von russischen Energieträgern. Die Achse Moskau–Peking ist kein formales Bündnis, aber eine funktionale Partnerschaft, die den geopolitischen Druck auf den Westen erhöht.

Eva Seiwert von MERICS bringt es auf den Punkt: China agiert nicht aus Loyalität zu Russland, sondern aus eigenem Kalkül. Solange dieser Kurs sich für Peking auszahlt, wird sich daran nichts ändern – unabhängig davon, was in der Ukraine geschieht.

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Analyse basierend auf: ZDFheute live

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Quelle: ZDF heute
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