Russland verstärkt Angriffe auf Ukraine: Totes Kind nach Ende der Waffenruhe
Nach dem Auslaufen der russischen Waffenruhe hat Moskau seine Drohnen- und Raketenangriffe auf ukrainische Städte drastisch ausgeweitet – mit tödlichen Folgen auch für die Zivilbevölkerung.
Nach dem Ende der von Russland einseitig ausgerufenen Waffenruhe hat das russische Militär seine Angriffe auf ukrainische Städte deutlich intensiviert. Bei massiven Drohnen- und Raketenangriffen auf die Hauptstadt Kiew sowie weitere Regionen des Landes sind nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj mindestens fünf Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern befindet sich auch ein Kind. Mehr als zehn weitere Personen gelten derzeit noch als vermisst.
Landesweit wurden nach ukrainischen Behördenangaben rund 180 Objekte beschädigt, darunter zahlreiche Wohngebäude. Besonders hart traf es neben der Hauptstadt Kiew auch die östliche Großstadt Charkiw sowie die Hafenstadt Odessa im Süden des Landes. Die ukrainische Luftabwehr war nach eigenen Angaben im Dauereinsatz, konnte jedoch nicht alle eingesetzten Geschosse abfangen. Das Ausmaß der Schäden zählt nach ukrainischen Angaben zu den schwersten Angriffswellen seit Beginn des Krieges.
Die Angriffe erfolgten unmittelbar nach Ablauf einer dreitägigen Waffenruhe, die der Kreml zum russisch-orthodoxen Osterfest einseitig ausgerufen hatte. Die Ukraine hatte die Waffenruhe von Beginn an als propagandistisches Manöver bezeichnet und ihr nicht offiziell zugestimmt. Kiew warf Russland bereits während der angeblichen Feuerpause vor, die Kampfhandlungen an der Front faktisch nicht eingestellt zu haben. Das nun folgende Eskalationsmuster bestätigt aus ukrainischer Sicht diese Einschätzung.
Präsident Selenskyj wandte sich in einer Videobotschaft direkt an die internationale Gemeinschaft und forderte weitere Unterstützung bei der Lieferung von Luftabwehrsystemen. „Russland zeigt, was es von Frieden hält", erklärte Selenskyj und appellierte an westliche Partner, die Waffenlieferungen zu beschleunigen. Die ukrainische Regierung fordert seit Monaten insbesondere zusätzliche Patriot-Systeme, um die Bevölkerung besser vor Raketen- und Drohnenangriffen schützen zu können.
Die NATO und mehrere EU-Mitgliedstaaten verurteilten die Angriffe scharf. Das Bündnis verwies darauf, dass gezielte Attacken auf zivile Infrastruktur und Wohngebiete einen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht darstellen. Russland bestritt unterdessen, zivile Ziele angegriffen zu haben, und sprach von militärischen Infrastruktureinrichtungen als Zielobjekten – eine Darstellung, die von unabhängigen Beobachtern und ukrainischen Behörden als unzutreffend zurückgewiesen wird. Der Krieg in der Ukraine dauert inzwischen mehr als drei Jahre an, ohne dass konkrete Friedensverhandlungen in Sicht wären.
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Quelle: WELT
















