Gesellschaft

Tiger bei Leipzig erschossen: "Tiger Queen" Carmen Zander hält noch 9 Raubkatzen — warum ist das legal?

Tiger Sandokan (280 kg) entlief, verletzte einen 73-Jährigen schwer und wurde erschossen. Seine Halterin Carmen Zander ist arbeitslos — und darf trotzdem 10 Tiger in Dölzig halten.

Von ZenNews24 Redaktion 4 Min. Lesezeit Aktualisiert: 19.05.2026
Tiger bei Leipzig erschossen: "Tiger Queen" Carmen Zander hält noch 9 Raubkatzen — warum ist das legal?
Das Wichtigste in Kürze
  • Nahe Leipzig entlief ein Tiger einer arbeitslosen Dompteurin und wurde von der Polizei erschossen
  • Das Schockierende: Die Frau hält noch 7 weitere Tiger
  • Wie kann das legal sein

Ein 280 Kilogramm schwerer Sibirischer Tiger bricht aus, verletzt einen 73-jährigen Helfer lebensgefährlich, wird von der Polizei erschossen. Und die Öffentlichkeit stellt fassungslos fest: Die Halterin ist arbeitslos — und besitzt noch neun weitere Tiger. Behörden wussten von den Missständen seit Jahren.

Was passierte am 17. Mai 2026?

Polizei-Grosseinsatz Tiger bei Leipzig - Carmen Zander Gehege Doelzig
Polizei-Großeinsatz in Dölzig bei Leipzig nach dem Tiger-Ausbruch. Die Beamten stehen vor dem Eingang zum Gehege von Carmen Zander.

In Dölzig, einem Gewerbegebiet der Gemeinde Schkeuditz nordwestlich von Leipzig, lief die tägliche Fütterung schief. Tiger Sandokan — ein ausgewachsener Sibirischer Tiger, rund 280 Kilogramm schwer — griff zunächst einen 73-jährigen Helfer an und verletzte ihn schwer. Dann sprang das Tier über den zwei Meter hohen Zaun und floh in eine angrenzende Gartenanlage.

▶ Auf einen Blick
  • Ein 280-kg-Tiger brach in Dölzig bei Leipzig aus, verletzte einen 73-Jährigen schwer und wurde von der Polizei erschossen.
  • Die Halterin Carmen Zander ist arbeitslos und hält trotzdem neun weitere Tiger auf ihrem Grundstück.
  • Behörden waren seit Jahren über Missstände informiert, ein Strafverfahren wegen illegaler Tigershow wurde mit Geldbuße abgeschlossen.

Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot aus. Pressesprecherin Susanne Lübcke bestätigte: Eine Betäubung wäre zu riskant gewesen. Sandokan wurde erschossen. Der 73-Jährige kam ins Krankenhaus.

Wer ist Carmen Zander, die "Tiger Queen"?

Die Frau hinter den Tigern heißt Carmen Zander. Sie war einst Zirkusartistin und Dompteurin — ihr Zirkus spielt seit Jahren nicht mehr. Heute lebt Zander nach Medienberichten von staatlichen Leistungen. Trotzdem hält sie auf ihrem Grundstück in Dölzig zehn Bengalische und Sibirische Tiger.

Die Tierschutzorganisation PETA beobachtet Zander seit über einem Jahrzehnt. 2013 veröffentlichte PETA ein Video, das zeigt, wie Zander mit einem Stock auf Tiger einschlägt. 2019 untersagte das Veterinäramt Nordsachsen die Nachzucht unter den damaligen Bedingungen. 2025 wurde ein Strafverfahren wegen einer illegalen Tigershow — Besucher zahlten für das Anfassen von Tigerjungen — gegen eine Zahlung von 1.000 Euro an einen Tierschutzverein eingestellt.

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Behörden wussten es — und ließen es laufen

Das Veterinäramt Nordsachsen stellte bereits vor dem Vorfall fest, dass Zanders Haltungsbedingungen die gesetzlichen Mindestanforderungen nicht erfüllen. Ein veterinärrechtliches Verfahren läuft. Trotzdem behielt Zander ihre Genehmigung.

PETA übt scharfe Kritik: "Das Veterinäramt hat versagt. Dieser Tiger hat mit seinem Leben dafür bezahlt, dass Behörden jahrelang nicht konsequent gehandelt haben."

Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen.

Warum ist das legal? Das Problem heißt Föderalismus

In Deutschland gibt es kein bundesweites Verbot der privaten Haltung von Großkatzen. Die Regelung ist Ländersache — und die Länder handhaben es höchst unterschiedlich. In Sachsen schreibt das Landesrecht eine Genehmigung durch das Veterinäramt vor. Die Mindestanforderungen für Gehegegröße und Sicherung gelten Fachleuten als hoffnungslos veraltet.

Entscheidend: Das Einkommen der Halterin spielt rechtlich keine Rolle. Solange die Sachkundeanforderungen formal erfüllt sind und das Gehege den Mindeststandards entspricht — auch wenn diese kaum kontrolliert werden — ist die Haltung legal. Ein einziger Sibirischer Tiger kostet monatlich zwischen 2.000 und 4.000 Euro. Zehn Tiger: bis zu 40.000 Euro im Monat. Woher dieses Geld kommt, ist ungeklärt.

Bundesweites Verbot: Seit Jahren gefordert, nie umgesetzt

Der Deutsche Tierschutzbund, PETA und Pro Wildlife fordern seit Jahren ein nationales Verbot der privaten Großkatzenhaltung. Österreich und die Niederlande haben solche Verbote längst. Deutschland nicht.

Der Grund: Zirkuslobby, föderale Zuständigkeiten und politischer Unwille. "Jedes Mal nach einem solchen Vorfall kommen Forderungen — und dann passiert nichts", kritisiert Pro Wildlife.

Nach dem Vorfall in Dölzig fordern CDU-Bundestagsabgeordnete eine Bundesratsinitiative. Das ZDF berichtete am Abend über wachsenden politischen Druck für ein Haltungsverbot.

Der Tiger hatte keine Schuld

Sandokan war kein Angreifer aus freier Wildbahn — er war ein Tier, das sein Leben lang in zu engen Käfigen verbracht hatte. Sein Ausbruch war keine Attacke, sondern Flucht. Die Polizei hatte keine Wahl. Aber die Schuld liegt nicht beim Tiger und nicht allein bei Carmen Zander.

Sie liegt bei einem System, das private Wildtierhaltung seit Jahrzehnten toleriert, bei Veterinärämtern, die trotz bekannter Missstände nicht konsequent handeln, und bei einer Bundespolitik, die das Problem seit Jahren auf die lange Bank schiebt.

Was mit den neun verbliebenen Tigern passiert

Nach dem Vorfall hat das Veterinäramt Nordsachsen eine Notfallüberprüfung des Geheges angeordnet. Ob die neun verbliebenen Tiger beschlagnahmt werden, war am Abend noch unklar. PETA und das Wildgehege Moritzburg haben angeboten, die Tiere aufzunehmen.

Klar ist: Der Druck auf die Behörden ist so groß wie nie. Ob diesmal endlich gehandelt wird — entscheidet sich in den kommenden Tagen.

Chronik der Vorfälle bei Carmen Zander

  • 2013: PETA veröffentlicht Video — Zander schlägt mit Stock auf Tiger ein
  • 2019: Veterinäramt untersagt Nachzucht, Mindeststandards-Verstöße festgestellt
  • Oktober 2025: Strafverfahren wegen illegaler Tigershow eingestellt — 1.000 Euro Geldauflage
  • 17. Mai 2026: Tiger Sandokan entläuft, verletzt 73-Jährigen schwer — Polizei erschießt Tiger
  • 18. Mai 2026: Staatsanwaltschaft Leipzig eröffnet Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung

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EinordnungDer Fall zeigt erhebliche Lücken in der Kontrolle von Privathaltern gefährlicher Wildtiere. Die Frage nach den rechtlichen Grundlagen und behördlichen Versäumnissen bei der Genehmigung solcher Haltungen stellt sich für Tierschutz und öffentliche Sicherheit.
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