Donald Trump: USA wollen IS-Vizechef getötet haben
Die USA haben IS-Vizechef Abu Hafs al-Hasani getötet – was die Operation für Europa und die deutsche Sicherheitspolitik bedeutet.
- Präsident Donald Trump hat am heutigen Dienstag verkündet, dass die USA Abu Hafs al-Hasani, den Vizechef der Terrororganisation »Islamischer Staat« (IS), vom »Schlachtfeld entfernt« haben
- Mit dieser Formulierung bestätigte Trump die Tötung des hochrangigen IS-Funktionärs – ohne die direkte Wortwahl…
Präsident Donald Trump hat am heutigen Dienstag verkündet, dass die USA Abu Hafs al-Hasani, den Vizechef der Terrororganisation »Islamischer Staat« (IS), vom »Schlachtfeld entfernt« haben. Mit dieser Formulierung bestätigte Trump die Tötung des hochrangigen IS-Funktionärs – ohne die direkte Wortwahl zu verwenden, wie es seiner Kommunikationsstrategie entspricht. Die Operation markiert einen erneuten gezielten Schlag gegen eine Organisation, die trotz territorialer Niederlagen im Irak und Syrien weiterhin aktiv ist und international Anschläge plant.
Trump präsentierte die Ankündigung in gewohnter Manier – mit Superlativen und der Betonung amerikanischer Stärke. Er beschrieb die Operation als Erfolg der US-Geheimdienste und des Militärs und stellte sie in den Kontext seiner außenpolitischen Agenda. Sicherheitsexperten interpretieren die Aktion als Signal, dass Washington seinen Kampf gegen den IS auch in Trumps zweiter Amtszeit konsequent weiterführt.
Abu Hafs al-Hasani: Wer war der IS-Vizechef?
Abu Hafs al-Hasani galt als einer der wenigen verbliebenen Anführer der ursprünglichen IS-Führungsriege. Als Vizechef der Organisation war er maßgeblich an der Koordination von Anschlagsplanungen sowie an der Vernetzung regionaler IS-Ableger beteiligt. Westliche Geheimdienste verfolgten ihn seit Jahren; seine genaue Position innerhalb der IS-Hierarchie machte ihn zu einer prioritären Zielscheibe. Details über den genauen Ort und die Methode der Operation hat Washington bislang nicht öffentlich kommuniziert.
Die Beseitigung hochrangiger Funktionäre gilt als zentraler Bestandteil der westlichen Antiterrorstrategie. Sicherheitsexperten betonen jedoch, dass solche Operationen die Organisation zwar schwächen, aber nicht zerstören. Der IS hat in der Vergangenheit wiederholt bewiesen, dass er Führungsverluste kompensieren kann – durch dezentralisierte Strukturen und vorab etablierte Nachfolgeregelungen.
Die IS-Struktur nach dem Niedergang des »Kalifats«
Der Islamische Staat kontrollierte auf seinem Höhepunkt zwischen 2014 und 2017 große Territorien im Irak und Syrien, darunter Städte wie Mossul und Rakka. Internationale Militärkoalitionen drängten die Organisation durch jahrelange Kämpfe zurück; das selbsternannte Kalifat kollabierte 2019 mit dem Fall seiner letzten Enklave Baghuz. Doch statt sich aufzulösen, transformierte sich der IS: Er verlagerte seine Aktivitäten in unterirdische Zellen und operiert seither von verschiedenen Ländern aus.
Diese Dezentralisierung macht die Organisation schwerer zu bekämpfen, schafft aber zugleich Angriffsflächen für gezielte Operationen. Die USA und ihre Partner können einzelne Zellstrukturen identifizieren und ausschalten – wie im Fall von al-Hasani. Gleichzeitig zeigt die Existenz solcher Strukturen, wie hartnäckig die Bedrohung durch den IS trotz aller Rückschläge bleibt.
| Region | IS-Ableger | Aktivitätsniveau (2024) | Jüngste Anschläge |
|---|---|---|---|
| Irak / Syrien | IS-Kernorganisation | Mittel | Regelmäßige Angriffe auf Sicherheitskräfte |
| Afghanistan | IS-Khorasan (ISKP) | Hoch | Mehrere Großanschläge, auch mit Europa-Bezug |
| Sahel / Westafrika | ISWAP / IS-Sahel | Hoch | Zunehmende Angriffe in Mali, Burkina Faso, Niger |
| Ostafrika | IS-Somalia / IS-Mosambik | Mittel | Angriffe auf zivile und militärische Ziele |
| Zentralasien | IS-Khorasan (Außenoperationen) | Wachsend | Anschlag in Moskau (März 2024), Anschlagsplanungen in Europa |
Besonders der IS-Ableger Khorasan (ISKP) hat in jüngster Zeit internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er war verantwortlich für den Anschlag auf die Crocus City Hall in Moskau im März 2024 mit über 140 Todesopfern und steht im Verdacht, Anschlagsplanungen in mehreren europäischen Ländern koordiniert zu haben. Europäische Sicherheitsbehörden stufen ISKP als derzeit größte Außenbedrohung durch den IS ein.
Implikationen für die deutsche Sicherheitspolitik
Für Deutschland und Europa haben die Aktivitäten des IS weiterhin unmittelbare Relevanz. Europäische Staatsbürger haben sich über die Jahre dem IS angeschlossen, manche sind zurückgekehrt und stellen ein innersicherheitliches Risiko dar. Deutsche Sicherheitsbehörden überwachen IS-nahe Netzwerke im deutschsprachigen Raum intensiv. Rückkehrer aus Kampfgebieten werden systematisch untersucht; ihre fortbestehende Radikalisierung gilt als potenzieller Auslöser für lokale Anschläge. Hinzu kommen deutsche Staatsangehörige, die in Gefangenenlagern in Nordsyrien interniert sind – darunter auch Kinder – und die die Bundesregierung vor ungelöste rechtliche und humanitäre Fragen stellen.
Deutschland und der IS: Zahlen und Fakten
Geschätzte deutsche IS-Kämpfer (Höchststand): Etwa 1.000 bis 1.050 Personen (Quelle: Verfassungsschutzbericht 2023)
Zurückgekehrte Kämpfer: Über 320 bekannte Fälle
Als gefährlich eingestufte Rückkehrer: Rund ein Drittel der Zurückgekehrten
Deutsche Staatsangehörige in syrischen Lagern: Schätzungsweise 100 bis 150 Erwachsene sowie mehrere hundert Kinder
Die Tötung von Abu Hafs al-Hasani ist ein taktischer Erfolg – doch kein strategischer Wendepunkt. Solange der IS seine dezentralen Strukturen aufrechterhalten und Nachwuchs rekrutieren kann, bleibt die Bedrohung real. Für westliche Regierungen bedeutet das: Der Kampf gegen den islamistischen Terrorismus erfordert weit mehr als gezielte Operationen. Prävention, Deradikalisierung und internationale Zusammenarbeit bleiben ebenso entscheidend – auch und gerade für Deutschland.


















