Gesundheit

Herzinfarkt-Prävention: Was wirklich hilft

Cholesterin, Blutdruck, Sport — die wirksamsten Maßnahmen

Von ZenNews24 Redaktion 5 Min. Lesezeit
Herzinfarkt-Prävention: Was wirklich hilft

Der Herzinfarkt zählt in Deutschland nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen. Jährlich erleiden etwa 280.000 Menschen einen Myokardinfarkt, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) dokumentiert. Doch die gute Nachricht: Die meisten Herzinfarkte sind vermeidbar. Mit gezielten Maßnahmen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, lässt sich das individuelle Risiko deutlich senken. Dieser Artikel erläutert, welche Interventionen wirklich wirksam sind – und wie Sie konkret vorgehen können.

Warum Herzinfarkt-Prävention so wichtig ist

Herzgesundheit und Prävention

Ein Herzinfarkt entsteht, wenn die Blutversorgung des Herzens plötzlich unterbrochen wird. Meist ist eine Arteriosklerose – also die schrittweise Verengung der Herzkranzgefäße – der Auslöser. Dieser Prozess entwickelt sich über Jahre, häufig ohne spürbare Symptome. Prävention muss daher lange vor dem eigentlichen Ereignis ansetzen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass etwa 80 Prozent der vorzeitigen Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch konsequente Lebensstiländerungen vermeidbar wären.

Die Risikogruppe ist dabei breiter als häufig angenommen: Nicht nur ältere Menschen sind gefährdet. Auch jüngere Personen mit mehreren kombinierten Risikofaktoren – etwa Rauchen, erhöhte Cholesterinwerte und Bluthochdruck gleichzeitig – können betroffen sein. Frauen werden zudem medizinisch oft übersehen, da Herzinfarkte bei ihnen häufig atypischere Symptome zeigen und infolgedessen später diagnostiziert werden. Typisch für Frauen sind etwa Übelkeit, Erschöpfung oder Rückenschmerzen statt des klassischen Drucks in der Brust.

Studienlage: Die INTERHEART-Studie (Yusuf et al., The Lancet, 2004) untersuchte über 15.000 Herzinfarkt-Patientinnen und -Patienten sowie Kontrollpersonen in 52 Ländern. Das Ergebnis: Neun modifizierbare Risikofaktoren erklären zusammen etwa 90 Prozent des weltweiten Herzinfarkt-Risikos. Dazu zählen abnormales Cholesterin (attributables Risiko: 49,2 %), Rauchen (35,7 %), Bluthochdruck (17,9 %), Übergewicht (7,7 %) sowie psychosozialer Stress. Eine Auswertung der EPIC-Norfolk-Kohorte (Khaw et al., PLOS Medicine, 2008) zeigte ergänzend: Personen, die fünf Lebensstilfaktoren kombinierten – Nichtrauchen, BMI unter 25, moderate körperliche Aktivität, gesunde Ernährung und moderater Alkoholkonsum – hatten ein um rund 80 Prozent niedrigeres Risiko für einen vorzeitigen Herztod verglichen mit Personen ohne diese Maßnahmen.

Die wichtigsten Risikofaktoren und wie Sie sie kontrollieren

Arztbesuch
Arztbesuch

Cholesterin: Nicht pauschal schlecht, aber entscheidend im Gleichgewicht

Cholesterin ist kein reiner Schadstoff – der Körper benötigt es für den Aufbau von Zellmembranen und die Hormonproduktion. Entscheidend sind jedoch Menge und Zusammensetzung. Das LDL-Cholesterin (oft als „schlechtes" Cholesterin bezeichnet) lagert sich in Arterienwänden ab und fördert so die Arteriosklerose. Das HDL-Cholesterin wirkt dem entgegen, indem es überschüssiges Cholesterin zur Leber transportiert.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) empfiehlt für Menschen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung einen LDL-Zielwert von unter 100 mg/dl. Für Hochrisikopatienten – etwa nach einem bereits erlittenen Herzinfarkt – liegt die Zielmarke bei unter 70 mg/dl, in bestimmten Fällen sogar darunter.

Ernährung ist die erste Stellschraube: Gesättigte Fette aus Butter und fettem Fleisch sowie Transfette aus stark verarbeiteten Lebensmitteln sollten reduziert werden. Empfehlenswert sind stattdessen Olivenöl, Nüsse, Fisch mit Omega-3-Fettsäuren, Vollkornprodukte und reichlich Gemüse. Regelmäßige körperliche Aktivität kann den HDL-Wert um fünf bis zehn Prozent steigern. Reichen Lebensstiländerungen nicht aus, kommen Medikamente in Betracht. Statine sind dabei am umfassendsten erforscht: Metaanalysen des Cholesterol Treatment Trialists' Collaboration zeigen eine Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse um etwa 22 Prozent pro mmol/l LDL-Senkung.

Blutdruck: Den stillen Killer erkennen und senken

Bluthochdruck verläuft über lange Zeit ohne Beschwerden – daher der Begriff „stiller Killer". Chronisch erhöhter Druck schädigt die Innenwände der Arterien, fördert Ablagerungen und belastet das Herz dauerhaft. Gemäß den aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) gilt ein Blutdruck ab 130/80 mmHg als erhöht; ab 140/90 mmHg liegt eine behandlungsbedürftige Hypertonie vor.

Lebensstiländerungen können den Blutdruck messbar senken: Eine Gewichtsreduktion um fünf Kilogramm bewirkt im Mittel eine Senkung um drei bis fünf mmHg systolisch. Eine salzarme Ernährung (unter 5 Gramm Kochsalz täglich, entsprechend der WHO-Empfehlung) kann den systolischen Wert um weitere zwei bis sieben mmHg reduzieren. Regelmäßige Ausdaueraktivität von 150 Minuten pro Woche, Stressreduktion sowie die Einschränkung des Alkoholkonsums ergänzen das Maßnahmenpaket. Reichen diese Ansätze nicht aus, stehen gut verträgliche Medikamentenklassen wie ACE-Hemmer, Sartane, Kalziumantagonisten und Diuretika zur Verfügung – stets in Absprache mit ärztlichem Fachpersonal.

Rauchen: Der verzichtbare Risikofaktor Nummer eins

Rauchen ist einer der am stärksten beeinflussbaren Risikofaktoren für Herzinfarkt. Nikotin und weitere Verbrennungsprodukte schädigen die Gefäßinnenwände, fördern Entzündungsprozesse und erhöhen die Gerinnungsneigung des Blutes. Bereits ein Rauchstopp senkt das Herzinfarktrisiko nachweislich: Nach einem Jahr ist es um etwa 50 Prozent gesunken, nach zehn Jahren nähert es sich dem Niveau von Nichtraucherinnen und Nichtrauchern an. Das RKI und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) empfehlen bei Bedarf die Inanspruchnahme professioneller Raucherentwöhnungsprogramme, die die Erfolgsquote gegenüber einem Alleinversuch deutlich erhöhen.

Bewegung: Mehr als nur Kalorienverbrauch

Körperliche Aktivität wirkt sich auf nahezu alle kardiovaskulären Risikofaktoren gleichzeitig positiv aus: Sie senkt Blutdruck und LDL-Cholesterin, hebt HDL an, verbessert die Insulinsensitivität, reduziert Körpergewicht und wirkt stimmungsausgleichend. Die WHO empfiehlt für Erwachsene mindestens 150 bis 300 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche – etwa zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen – ergänzt durch zweimaliges Krafttraining. Bereits 30 Minuten Gehen täglich zeigen in Studien eine relevante Risikoreduktion für Herzerkrankungen.

Ernährung: Muster zählen mehr als Einzellebensmittel

Kein einzelnes Lebensmittel schützt oder schadet pauschal. Entscheidend ist das Gesamtmuster. Die mediterrane Ernährung – reich an Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Olivenöl, Nüssen und Fisch, arm an rotem Fleisch und stark verarbeiteten Produkten – ist am besten durch Studien belegt. Die PREDIMED-Studie (Estruch et al., New England Journal of Medicine, 2013, reanalysiert 2018) zeigte eine Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse um rund 30 Prozent gegenüber einer fettreduzierten Kontrolldiät. Zucker und stark verarbeitete Kohlenhydrate sollten ebenfalls eingeschränkt werden, da sie Entzündungsprozesse und Übergewicht begünstigen.

Psychosozialer Stress: Unterschätzter Faktor

Chronischer Stress aktiviert das sympathische Nervensystem dauerhaft, erhöht Cortisol- und Adrenalinspiegel und fördert so Blutdruckanstieg, Entzündungen und ungünstige Verhaltensweisen wie Rauchen oder ungesunde Ernährung. Die INTERHEART-Studie belegt psychosozialen Stress als eigenständigen, signifikanten Risikofaktor. Maßnahmen wie regelmäßige Entspannungsübungen, ausreichend Schlaf, soziale Einbindung und bei Bedarf psychologische Unterstützung sind daher fester Bestandteil einer umfassenden Herzinfarkt-Prävention.

Früherkennung: Wann zum Arzt?

Prävention schließt regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ein. In Deutschland haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf den sogenannten Gesundheits-Check-up, der Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker umfasst. Wer mehrere Risikofaktoren kombiniert oder eine familiäre Vorbelastung hat, sollte diese Untersuchungen frühzeitig und in engeren Abständen wahrnehmen.

Warnsignale eines Herzinfarkts – handeln Sie sofort: Typische Symptome sind anhaltender Druck, Enge oder Schmerz in der Brust, der in Arm, Schulter, Kiefer oder Rücken ausstrahlen kann. Atemnot, Schweißausbrüche, Übelkeit und Schwindel können begleitend auftreten. Bei Frauen überwiegen häufig atypische Beschwerden wie Erschöpfung, Oberbauchschmerzen oder Rückenschmerzen. Bei Verdacht gilt: Sofort den Notruf 112 anrufen – jede Minute zählt.

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