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Lucid Gravity – Elektro-SUV mit Luxus und Schwächen

Der amerikanische Hersteller Lucid tritt mit seinem großen Elektro-SUV gegen etablierte Konkurrenten an.

Von Kai Richter 5 Min. Lesezeit Aktualisiert: 24.06.2026
Lucid Gravity – Elektro-SUV mit Luxus und Schwächen
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Lucid Gravity überzeugt mit großzügigem Platzangebot, beeindruckender Leistung und hochwertigem Interieur
  • Doch auch das vollelektrische Luxus-SUV hat Schwachstellen
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Der kalifornische Elektroautohersteller Lucid Motors bringt mit dem Gravity sein zweites Modell auf den Markt – und gleich ein besonders ambitioniertes. Das vollelektrische SUV soll die Konkurrenz in mehreren Kategorien schlagen und positioniert sich im hochpreisigen Segment gegen etablierte Rivalen wie Tesla Model X, BMW iX und Mercedes EQS SUV. Ein umfassender Autotest zeigt: Das Vorhaben ist größtenteils gelungen, doch auch der Gravity bleibt fehlbar. Für Käufer in Deutschland stellt sich die Frage: Lohnt sich das Investment in die noch junge Marke, oder sollten Interessenten zu bewährten Herstellern greifen?

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Lucid Motors: Vom Zulieferer zum Premium-Autohersteller

Lucid Motors wurde 2007 gegründet und machte zunächst mit hocheffizienten Batteriesystemen und Elektroantriebstechnik für etablierte Autohersteller Schlagzeilen. Das Unternehmen entwickelte Komponenten für führende OEMs und positionierte sich als Spezialist für Energiemanagement in Elektrofahrzeugen. Mit dem Lucid Air präsentierte das Unternehmen 2021 seine erste eigene Limousine – ein technologisch ehrgeiziges Premium-Modell, das mit einer Reichweite von bis zu 835 Kilometern (nach EPA-Standard) für Aufsehen sorgte. Doch trotz innovativer Technik: Lucid Motors zog Produktionsprognosen zurück und kämpfte mit erheblichen Produktionsschwierigkeiten und Lieferkettenherausforderungen.

▶ Auf einen Blick
  • Lucid Motors stellt mit dem Gravity einen ambitionierten Elektro-SUV vor.
  • Der Gravity konkurriert mit etablierten Premium-Herstellern im hochpreisigen Segment.
  • Produktionsschwierigkeiten und Lieferkettenherausforderungen belasten weiterhin Lucid Motors.

Der Gravity ist Lucids Versuch, in einem größeren Marktsegment Fuß zu fassen. Mit dem SUV-Segment auf dem Radar der Premium-Hersteller weltweit erscheint die Strategie sinnvoll: Der globale SUV-Markt wuchs in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 8 bis 12 Prozent pro Jahr. Lucid Motors erhofft sich durch die Diversifizierung seiner Modellpalette nicht nur höhere Absatzzahlen, sondern auch wirtschaftliche Stabilität – ein kritischer Punkt für das Unternehmen, das bislang Verluste aufgehäuft hat.

Technische Ausstattung und Leistungsdaten: Ambitioniert auf dem Papier

2025 Lucid Gravity: Mit 828 PS das stärkste Elektro-SUV der Luxusklasse?

Der Lucid Gravity bietet zwei Varianten an: Ein Modell mit 405 PS sowie eine Tri-Motor-Version mit beeindruckenden 666 PS. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt der potentesten Version in 3,0 Sekunden – eine Leistung, die mit sportlichen Mittelklasse-Wagen konkurriert. Die Reichweite wird mit bis zu 650 Kilometern angegeben, was den Anforderungen von Premium-SUV-Käufern entspricht.

Das Interieur orientiert sich an der Lucid-Air-Philosophie: Ein großes Display mit intuitiver Bedienung, hochwertige Materialien und ein minimalistisches Design prägen den Innenraum. Der Kofferraum fasst 680 Liter, das Platzangebot wirkt großzügig. Im Vergleich zum Lucid Gravity im Test zeigte sich: Die Verarbeitungsqualität liegt auf dem erwarteten Premium-Niveau, einzelne Spaltmaße deuten aber auf Fertigungstoleranzen hin, die bei diesem Preissegment nicht tolerierbar sind.

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Preis und Positionierung: Kampfansage an Tesla und Co.

In den USA startet der Lucid Gravity bei etwa 80.000 US-Dollar, die Tri-Motor-Variante kostet etwa 110.000 Dollar. Für den deutschen Markt sind die Preise noch nicht vollständig definiert, dürften aber vergleichbar ausfallen – was bedeutet: Der Gravity konkurriert direkt mit dem Tesla Model X (ab ca. 95.000 Euro), dem BMW iX xDrive50 (ab ca. 111.000 Euro) und dem Mercedes-Benz EQS SUV (ab ca. 104.000 Euro).

Dieses Preissegment ist hochkompetitiv. Das Teslaangebot punktet mit etablierter Ladeinfrastruktur und Produktionsreife, BMW und Mercedes bringen Jahrzehnte Premium-Erfahrung und ein dichteres Service-Netz mit. Lucid muss gegen diese etablierten Konkurrenten mit Innovationen und überlegener Technik argumentieren – eine Herausforderung, die größer ist als sie auf den ersten Blick wirkt.

Stärken: Technologie und Raumkonzept überzeugen

Die größten Stärken des Gravity liegen in der Effizienz und dem Raumkonzept. Der Luftwiderstandsbeiwert (cw-Wert) von 0,24 setzt Benchmarks in der SUV-Klasse – zum Vergleich: Der Tesla Model X kommt auf etwa 0,25. Dies trägt unmittelbar zur Reichweiteneffizienz bei. Ein vollständiges Laden an einer 350-kW-Gleichstrom-Ladesäule dauert etwa 20 Minuten für 80 Prozent der Batterie – ein praktisches Plus im Alltag.

Das Platzangebot ist für ein SUV dieser Größe tatsächlich großzügig. Die flache Batterie im Fahrzeugboden ermöglicht eine höhere Sitzposition und bessere Kopfraumausnutzung als bei vielen Konkurrenten. Wer bereits einen Fahrrad vs. Auto-Konflikt in der Stadtstraße ausgetragen hat und nun in ein Premium-SUV wechselt, wird diese praktische Raumaufteilung zu schätzen wissen.

Die Infotainment-Architektur entspricht modernem Standard mit Over-the-Air-Update-Fähigkeit. Das bedeutet: Softwareupdates erfolgen drahtlos, ohne Werkstattbesuch – ein Feature, das Tesla popularisiert hat und mittlerweile Standard in der Premium-Klasse ist.

Schwächen: Produktionsreife und Service-Netz bleiben Problemkinder

Trotz technischer Stärken zeigen sich bei intensivem Test erhebliche Schwächen. Die Verarbeitungsqualität entspricht nicht konsistent dem Preissegment. Spaltmaße zwischen Karosserieteilen variieren teilweise erheblich, was auf unzureichende Fertigungsprozesse hindeutet. Dies ist für Fahrzeuge, die über 100.000 Euro kosten, inakzeptabel.

Ein zweites kritisches Problem: Das Service- und Garantie-Netz in Deutschland ist deutlich unterentwickelt im Vergleich zu Tesla, BMW oder Mercedes. Lucid betreibt derzeit nur wenige Servicezentren im deutschsprachigen Raum. Wer nach 50.000 Kilometern ein technisches Problem hat, könnte lange Wartezeiten oder Fahrten zu weit entfernten Werkstätten in Kauf nehmen müssen.

Ein dritter Kritikpunkt betrifft die Wirtschaftlichkeit Lucids selbst. Das Unternehmen gibt an, 2024 zwischen 6.000 und 7.000 Fahrzeuge produzieren zu wollen – eine Zahl, die für Skaleneffekte und Kostenoptimierung zu niedrig ist. Größere Hersteller fahren Millionen Einheiten. Dies bedeutet: Die Produktionskosten pro Fahrzeug bleiben hoch, die Profitabilität fern.

Marktaussichten: Beachtlich, aber ungewiss

Der Lucid Gravity trifft auf einen wachsenden Markt. Laut KBA-Daten lag der Anteil von Elektrofahrzeugen an Neuzulassungen in Deutschland 2023 bei etwa 13 Prozent, Tendenz steigend. Das Premium-SUV-Segment wächst besonders dynamisch. Hier könnte der Gravity durchaus seine Zielgruppe finden – technikbegeisterte Käufer, die bereit sind, für Innovation und Design einen Preis zu zahlen.

Allerdings: Die bisherige Bilanz Lucids ist angespannt. Das Unternehmen befindet sich in einer kritischen Phase, in der Produktionsvolumina und operative Effizienz entscheidend sind. Ein Misserfolg des Gravity könnte das Unternehmen weiter unter Druck setzen. Erfolg setzt voraus, dass Lucid in den nächsten 18 bis 24 Monaten seine Fertigungsqualität deutlich verbessert und das Service-Netz ausbaut.

Für Kaufinteressenten bleibt: Der Gravity ist ein technologisch interessantes Fahrzeug mit innovativen Ansätzen. Doch in einem Marktsegment, in dem etablierte Premium-Hersteller mit jahrzehntelanger Erfahrung konkurrieren, wiegt die mangelnde Produktionsreife und das dünne Service-Netz schwer. Wer Innovation über Verlässlichkeit priorisiert und die potenziellen Kinderkrankheiten eines noch jungen Herstellers toleriert, könnte beim Gravity glücklich werden. Konservativere Käufer sollten sich weiterhin an bewährte Marken halten.

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EinordnungDie Meldung informiert über Lucids Einstieg in den SUV-Markt mit dem Gravity. Für deutsche Leser stellt sich die Frage nach der Reife der Marke und den Herausforderungen bei Investitionen in ein noch junges Unternehmen.
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Kai Richter
Unterhaltung & Auto

Kai Richter beobachtet Trends in Streaming, Kultur und Mobilität. Er testet, analysiert und ordnet ein — ob neue Serienformate, Kinostarts oder die Entwicklungen auf dem Automobilmarkt.

Quelle: SZ Auto
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