CaGo CS90 im Test: Lastenrad mit drei Ladeflächenkonzepten
Das neue E-Lastenrad will mit vorderer, mittlerer und hinterer Ladefläche überzeugen – Praxistest im Fokus.
Das Lastenrad-Konzept hat sich in den vergangenen Jahren vom Nischenprodukt zum relevanten Verkehrsmittel für Stadtbewohner entwickelt. Während klassische Lastenräder meist auf eine einzelne große Ladefläche setzen, geht das CaGo CS90 einen anderen Weg: Mit drei separat nutzbaren Transportflächen will das Fahrrad maximale Flexibilität im Alltag bieten. Ein ausführlicher Test zeigt, wie praktisch dieses ambitionierte Konzept wirklich ist.
Hintergrund
Die Nachfrage nach Lastenrädern ist in Deutschland deutlich gestiegen. Immer mehr Stadtbewohner nutzen E-Lastenräder als Alternative zum Auto – für Einkäufe, Handwerkerarbeiten oder den Kindertransport. Hersteller wie CaGo reagieren auf diese Entwicklung mit innovativen Designs, die mehrere Anforderungen simultan erfüllen sollen.
Das CS90 richtet sich explizit an Nutzer, die nicht zwischen verschiedenen Fahrrädern wechseln möchten. Die Idee: Eine vordere Ladefläche für Wochenendeinkäufe, eine mittlere Transportfläche für variable Lasten und ein Kindersitz hinten ermöglichen flexibles Nutzungsverhalten ohne Kompromisse. Doch diese Multifunktionalität stellt auch hohe Anforderungen an Konstruktion, Gewichtsverteilung und praktische Handhabung.
Die wichtigsten Fakten
- Drei Ladeflächen: Das CaGo CS90 verfügt über eine vordere Box, eine mittlere Transportfläche und einen Kindersitz im hinteren Bereich – eine seltene Kombination am Markt.
- Zielgruppe: Das Rad richtet sich an Familien und Alltagsnutzer, die ein vielseitiges Transportmittel suchen und gleichzeitig ihre Kinder befördern möchten.
- E-Antrieb: Der elektrische Motor soll die zusätzlichen Gewichte beim Transport einfacher bewältigen und damit auch weniger trainierten Fahrern Zugang ermöglichen.
- Praktische Herausforderung: Die Verteilung von Gewichten auf drei verschiedene Positionen erfordert sorgfältige Balance und kann die Fahrdynamik beeinflussen.
- Marktposition: Das Konzept positioniert sich zwischen klassischen Lastenrädern und Transporträdern mit Kindersitzen, adressiert also eine spezifische Marktlücke.
Alltagstest: Wie funktioniert das Mehrflächenkonzept?
Im praktischen Test zeigt sich schnell: Das Konzept hat sowohl Stärken als auch Schwächen. Die vordere Ladefläche eignet sich hervorragend für den wöchentlichen Großeinkauf. Mit ihrer Höhe auf Augenlinie ermöglicht sie gutes Be- und Entladen ohne Bücken – ein echtes Plus im Vergleich zu Rädern mit sehr tiefen vorderen Boxen.
Die mittlere Transportfläche bietet zusätzliche Flexibilität für unterschiedlichste Lasten: Ob Pakete, Werkzeug oder Kinderwagen – hier lassen sich variable Gegenstände sichern. Allerdings wird bei voller Nutzung aller drei Flächen schnell deutlich, dass die Gewichtsverteilung anspruchsvoll wird. Mit Kind hinten und vollem Einkauf vorn muss die mittlere Fläche sorgfältig beladen werden, um die Balance zu halten.
Ein weiterer Aspekt: Die Kombination aus vorderer Box, mittlerer Fläche und Kindersitz macht das Fahrrad länger und weniger wendig als klassische Lastenräder. Beim Navigieren durch enge Wohngebiete oder beim Umfahren von Hindernissen merkt der Fahrer dies deutlich. Auch beim Abstellen braucht es mehr Platz – ein Nachteil in beengten Stadtvierteln.
Positiv fällt der E-Motor ins Gewicht: Bei beladenen Fahrten mit zusätzlichem Kind merkt man die Unterstützung deutlich. Das Anfahren mit schwerer Last fällt leicht, auch Steigungen werden problemlos bewältigt. Die Reichweite sollte für typische Stadtfahrten ausreichend sein, vorausgesetzt die Batterie ist im vollen Umfang ausgelegt.
Sicherheit und Handling
Sicherheit ist bei Lastenrädern mit Kindersitzen ein zentrales Thema. Das CaGo CS90 sollte daher stabilen Kindersitz-Standards entsprechen und sichere Befestigungsmöglichkeiten bieten. Die Bremsanlage muss mit den zusätzlichen Gewichten fertig werden – modernes hydraulisches Bremssystem ist hier Standard und notwendig.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Sichtbarkeit für andere Verkehrsteilnehmer. Ein längeres Rad mit mehreren Ladeflächen nimmt mehr Raum ein und muss entsprechend gut beleuchtet und eventuell mit zusätzlichen Reflektoren ausgestattet sein.
Ausblick
Das CaGo CS90 adressiert ein echtes Bedürfnis: Viele Alltagsnutzer würden gerne ein Lastenrad kaufen, möchten aber keine Kompromisse bei der Kinderbeförderung machen. Hersteller wie CaGo versuchen, diese Lücke zu schließen.
Allerdings zeigt der Test auch, dass Multifunktionalität ihre Grenzen hat. Wer regelmäßig alle drei Ladeflächen voll nutzen möchte, sollte realistische Erwartungen haben: Das Fahrrad wird dann deutlich länger, schwerer und weniger agil. Für den typischen Wochenendfahrer mit Kind im Gepäck und Einkaufsliste stellt das Konzept jedoch eine sinnvolle Lösung dar.
Die Zukunft von Lastenrädern liegt vermutlich in solchen spezialisierten Designs, die klare Zielgruppen adressieren. Ob das CS90 sich am Markt durchsetzt, hängt vom Preis, der Verarbeitungsqualität und dem Service des Herstellers ab – Faktoren, die im Testbericht der Süddeuschen Zeitung ebenfalls Berücksichtigung finden sollten.















