ZenNews24› Regional› ARD-Doku: Ostdeutschlands Leerstand und Abwanderu… Regional ARD-Doku: Ostdeutschlands Leerstand und Abwanderung Warum gehen die Jungen — und was kann Kommunen und Länder helfen, sie zu halten? Von Sarah Müller 25.02.2026, 11:58 Uhr 8 Min. Lesezeit Aktualisiert: 07.05.2026 Das Wichtigste in Kürze Die ARD zeigt in ihrer aktuellen Dokumentation, was viele in Ostdeutschland längst wissen — und was politisch noch immer zu selten mit der nötigen... Rund 1,7 Millionen Einwohner hat Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung verloren — und der Trend setzt sich fort, auch wenn er sich in einigen Ballungsräumen verlangsamt. Eine neue ARD-Dokumentation rückt das Thema Leerstand und Abwanderung erneut in den Fokus der öffentlichen Debatte und fragt, was Kommunen, Länder und der Bund tun können, um vor allem junge Menschen in der Region zu halten.InhaltsverzeichnisEin Phänomen mit Jahrzehnten GeschichteWas die Jungen sagen — und warum sie gehenWas Kommunen konkret tun können — und was sie nicht allein schaffenDie politische Dimension: Zwischen Frust und Förderung Ein Phänomen mit Jahrzehnten Geschichte Die Abwanderung aus den östlichen Bundesländern ist kein neues Phänomen — sie begleitet die Region seit dem Ende der DDR. Doch während Städte wie Leipzig oder Erfurt in den vergangenen Jahren durchaus Zuwächse verzeichnen konnten, kämpfen weite Teile Sachsen-Anhalts, Mecklenburg-Vorpommerns und der Lausitz nach wie vor mit schrumpfenden Bevölkerungszahlen, verödenden Innenstädten und einem dramatischen Fachkräftemangel. Die ARD-Dokumentation, die derzeit in der Mediathek abrufbar ist, porträtiert mehrere solcher Regionen und lässt Bürgerinnen und Bürger ebenso zu Wort kommen wie Bürgermeister, Stadtratsmitglieder und lokale Unternehmer. Was die Doku deutlich macht: Es geht nicht allein um Nostalgie oder emotionale Bindung an eine Heimat. Es geht um handfeste strukturelle Defizite — fehlende Arbeitsplätze, schlechte Infrastruktur, mangelnde Kulturangebote und das Gefühl, in einer Region zu leben, die von der Politik vergessen wurde. Wer jung ist und Perspektiven sucht, zieht dorthin, wo es sie gibt. Das ist rational, aber für die zurückbleibenden Gemeinden oft existenzbedrohend. Lokale Zahlen: Sachsen-Anhalt hat seit der Wiedervereinigung rund 500.000 Einwohner verloren — das entspricht etwa einem Fünftel der damaligen Gesamtbevölkerung (Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt). In Mecklenburg-Vorpommern stehen derzeit rund 40.000 Wohnungen leer, vor allem in ländlichen Gemeinden abseits der Küste (Quelle: Wohnungsbaugesellschaft Mecklenburg-Vorpommern). Thüringen verzeichnet in bestimmten Landkreisen wie dem Kyffhäuserkreis einen Bevölkerungsrückgang von über 30 Prozent seit dem Jahr der Wiedervereinigung (Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik). Leipzig hingegen wächst: Die Messestadt hat in den vergangenen zehn Jahren rund 100.000 neue Einwohner gewonnen und gilt als positives Gegenmodell (Quelle: Stadt Leipzig, Statistikamt). Was die Jungen sagen — und warum sie gehen Brandenburger Tor Nacht Beleuchtet Berlin Panorama Touristen Zennews24 In der Dokumentation kommen junge Menschen zu Wort, die ihre Heimatorte in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen verlassen haben. Ihre Aussagen sind bemerkenswert einheitlich: Es fehlt nicht an Heimatliebe, es fehlt an Perspektive. Eine 26-jährige Auszubildende aus dem Landkreis Mansfeld-Südharz erklärt, sie habe nach ihrer Berufsausbildung schlicht keinen Arbeitgeber gefunden, der ihren Abschluss als Mediengestalterin hätte nutzen können. „Ich wollte bleiben, aber ich konnte nicht." Ein junger Ingenieur aus der Prignitz schildert, dass das nächste größere Unternehmen seiner Branche 120 Kilometer entfernt lag — und der öffentliche Nahverkehr dorthin schlicht nicht existierte.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Diese Berichte decken sich mit dem, was Sozialwissenschaftler seit Jahren dokumentieren. Abwanderung in Ostdeutschland: Warum junge Menschen gehen ist dabei kein einheitlicher Prozess: Es wandern überproportional viele Frauen ab, weil sie in ländlichen Regionen noch weniger Jobangebote finden als Männer, und weil das gesellschaftliche Klima in einigen Gegenden als wenig weltoffen wahrgenommen wird. Das Ergebnis ist eine doppelte Schieflage: Die verbleibende Bevölkerung ist älter und männlicher — was Kommunen vor zusätzliche soziale Herausforderungen stellt. Der Leerstand als sichtbares Symbol des Wandels Nichts macht den demografischen Wandel so greifbar wie leerstehende Häuser. In Städten wie Halberstadt, Zeitz oder Anklam prägen verlassene Gründerzeithäuser ganze Straßenzüge. Sanierungsstau und fehlende Kaufkraft führen dazu, dass selbst günstige Immobilien keine Abnehmer finden. Bürgermeister berichten von einem Teufelskreis: Wer wegzieht, hinterlässt Häuser, die niemand kauft. Sinkende Grundsteuereinnahmen bedeuten weniger Geld für die Infrastruktur. Schlechtere Infrastruktur macht die Stadt unattraktiver — was weitere Abwanderung begünstigt. Der Stadtrat von Zeitz hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. „Wir können den Leerstand nicht allein mit kommunalen Mitteln bekämpfen", erklärte der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses in einem Interview mit dem Mitteldeutschen Rundfunk. „Was wir brauchen, sind Bundesprogramme, die gezielt in strukturschwache Kommunen investieren — nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern mit klarem Fokus auf Städte, die ohne externe Unterstützung nicht überlebensfähig sind." Die Stadt hat einen Antrag auf Aufnahme in das Programm „Stadtumbau Ost" gestellt, wartet aber seit Monaten auf eine Entscheidung. Ähnliche Töne kommen aus Sachsen-Anhalt. Die Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes betont, dass allein strukturelle Investitionen nicht reichen. „Wir brauchen Leuchtturmprojekte, die Aufmerksamkeit erzeugen und zeigen: Hier passiert etwas. Hier entsteht etwas", sagte ein Sprecher der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt. Gleichzeitig warnt die Gesellschaft davor, Fördermittel ausschließlich in attraktive Großstädte zu lenken und den ländlichen Raum de facto aufzugeben. Das Erfolgsmodell Leipzig — und seine Grenzen als Vorbild Wenn über Ostdeutschland und erfolgreiche Stadtentwicklung gesprochen wird, fällt unweigerlich der Name Leipzig. Die Messestadt hat es geschafft, aus einem Schrumpfungsprozess heraus zu einem der dynamischsten Wachstumszentren Deutschlands zu werden. Leerstand wurde zur Chance: Günstige Mieten zogen Kreative, Künstlerinnen und Gründer an, die wiederum Unternehmen und Investoren anlockten. Heute gilt Leipzig als Kulturzentrum und Wirtschaftsmotor zugleich — ein Phänomen, das Leipzig wird Kulturhauptstadt Ostdeutschlands treffend beschreibt. Doch Leipzig ist in vielerlei Hinsicht ein Sonderfall. Die Stadt profitierte von ihrer geografischen Lage, ihrer Hochschullandschaft mit über 30.000 Studierenden, einer bereits vorhandenen Infrastruktur und — nicht zu unterschätzen — einem frühen Bewusstsein der Stadtpolitik für die Notwendigkeit kreativer Strategien. Was Leipzig: Vom Leerstand zur Boom-Stadt auszeichnet, lässt sich nicht einfach auf Haldensleben oder Güstrow übertragen. Experten warnen davor, das Leipziger Modell unkritisch als Blaupause zu verklären. „Leipzig hatte spezifische Ausgangsbedingungen, die andere Städte nicht haben", sagt ein Stadtentwicklungsforscher der Universität Leipzig. „Es wäre ein politischer Fehler, kleinen Kommunen zu sagen: Macht es wie Leipzig — und wenn es nicht klappt, liegt es an euch." Was kleinen Gemeinden tatsächlich helfen könnte, sind zuverlässige Breitbandversorgung, die Förderung von Homeoffice-fähiger Infrastruktur und eine gezielte Ansiedlungspolitik für Behörden und öffentliche Einrichtungen. Was Kommunen konkret tun können — und was sie nicht allein schaffen Die ARD-Dokumentation arbeitet heraus, dass es durchaus kommunale Spielräume gibt. Einige Bürgermeister haben mit unkonventionellen Ansätzen Erfolge erzielt: kostenlose Grundstücke für Familien, die sich verpflichten, mindestens zehn Jahre in der Gemeinde zu wohnen; geförderte Coworking-Spaces in ehemaligen Ladengeschäften; aktive Ansprache von in Westdeutschland lebenden Rückkehrwilligen aus der Region. Diese Maßnahmen sind kein Allheilmittel, zeigen aber, dass Kreativität und lokales Engagement durchaus Wirkung haben können. Steigende Kosten für kommunale Dienstleistungen bei sinkender Einwohnerzahl — Müllabfuhr, Wasserversorgung und ÖPNV werden für die Verbleibenden teurer Schulschließungen und Kitaabbau zwingen junge Familien zur Abwanderung, selbst wenn sie bleiben möchten Medizinische Unterversorgung: In einigen Landkreisen Sachsen-Anhalts fehlen bis zu 40 Prozent der benötigten Hausarztstellen (Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt) Sinkende Gewerbesteuereinnahmen führen zu Kürzungen im Kultur- und Freizeitbereich — was die Attraktivität der Region weiter mindert Immobilienwertverfall belastet Eigentümer und verhindert private Investitionen in Bestandsgebäude Soziale Isolation für ältere Menschen, die zurückbleiben, wenn Jüngere abwandern Gleichzeitig sind die strukturellen Ursachen der Abwanderung auf kommunaler Ebene kaum zu lösen. Arbeitsmarktpolitik, Unternehmensansiedlung und Infrastrukturausbau sind Landes- und Bundesaufgaben. Mehrere ostdeutsche Bürgermeister haben daher in den vergangenen Monaten einen offenen Brief an die Bundesregierung gerichtet, in dem sie ein „Ostdeutschland-Programm" fordern, das über die bisherigen Instrumente hinausgeht. Der Brief, unterzeichnet von über 80 Kommunen, fordert unter anderem eine Mindestinvestitionsgarantie für strukturschwache Regionen, die Verlagerung von Bundesbehörden in den Osten und eine Reform der Fördermittelverteilung zugunsten kleinerer Städte. Die politische Dimension: Zwischen Frust und Förderung Die Abwanderung hat auch eine politische Dimension, die in der öffentlichen Debatte oft zu kurz kommt. Regionen mit anhaltendem Bevölkerungsverlust neigen dazu, politisch radikalere Positionen zu wählen — sowohl als Ausdruck von Protest als auch als Reaktion auf das Gefühl, von etablierten Parteien nicht gehört zu werden. Soziologen, die an der Universität Halle und der Friedrich-Schiller-Universität Jena forschen, haben diesen Zusammenhang in mehreren Studien dokumentiert (Quelle: Forschungsverbund „Transformationsgesellschaft Ost"). Was die Kommunalpolitik angeht, zeigt sich auch in den Hauptstädten der Länder ein differenziertes Bild. Thüringen und Sachsen-Anhalt haben in ihren Koalitionsverträgen explizit Maßnahmen zur Stärkung ländlicher Räume verankert. Ob diese Maßnahmen ausreichend finanziert und konsequent umgesetzt werden, ist jedoch umstritten. Stadtratsmitglieder berichten von bürokratischen Hürden bei Förderprogrammen, die kleinen Kommunen ohne spezialisiertes Personal kaum zugänglich sind. „Wir haben zwei Stellen in der Verwaltung, die sich um Förderanträge kümmern können", sagt ein Bürgermeister aus Mecklenburg-Vorpommern in der ARD-Doku. „Wenn ein Programm zwanzig Seiten Antragsformular erfordert, bewerben wir uns schlicht nicht." Dieser Aspekt — die administrative Kapazität kleiner Kommunen — wird in der bundespolitischen Debatte nach Einschätzung vieler Betroffener systematisch unterschätzt. Selbst gut gemeinte Förderprogramme kommen nicht an, wenn die Hürden für die Antragstellung zu hoch sind. Experten des Deutschen Instituts für Urbanistik fordern daher eine Reform der Fördermittelarchitektur hin zu einfacheren, direkteren Instrumenten (Quelle: Deutsches Institut für Urbanistik, Difu). Für die Städte und Regionen, die im Mittelpunkt der ARD-Dokumentation stehen, sind solche strukturellen Reformen keine abstrakte politische Debatte — sie sind eine Frage des Überlebens. Ob Magdeburg, Greifswald oder kleine Gemeinden in der Altmark: Die nächsten Jahre werden zeigen, ob es gelingt, den Teufelskreis aus Abwanderung, Leerstand und Investitionsmangel zu durchbrechen. Parallel dazu lohnt ein Blick auf urbane Transformationsprozesse in anderen deutschen Städten — etwa wie der Berliner Senat neue Maßnahmen zur Verkehrswende beschlossen hat, um das Leben in der Stadt attraktiver zu machen, oder wie politische Weichenstellungen wie die Berlin-Wahl, bei der die CDU gewann und die SPD in die Opposition musste, langfristige stadtpolitische Prioritäten verschieben können. Für Ostdeutschland bleibt die wichtigste Erkenntnis jedoch schlicht: Wer junge Menschen halten will, muss ihnen Gründe zum Bleiben geben — und diese Gründe lassen sich nicht allein mit Imagekampagnen schaffen. Mehr zum ThemaGrunderwerbsteuer: Reformdruck und warum die Länder blockierenFöderalismus-Debatte: Braucht Deutschland weniger Bundesländer?Deutschlands Geburtenzahl 2025 auf historischem Tiefstand Teilen Teilen X Facebook WhatsApp Link kopieren Wie findest du das? 🔥 0 😲 0 🤔 0 👍 0 😢 0 Regional Doku Ostdeutschlands Leerstand Abwanderung Warum Jungen S Sarah Müller Sport & Regional Sarah Müller berichtet über Bundesliga, Leichtathletik und regionale Sportthemen. Sie verfolgt die Entwicklungen im deutschen Profisport und beleuchtet Hintergründe abseits der Tabelle. Das könnte dich interessieren › Regional Anne Hathaway: Hollywoodstar teilt News zu drittem Kind auf Instagram 14 Std. her Regional »Miramar« in Weinheim: Tod im Spaßbad – die Gefahr war bekannt 18.06.2026 Regional Staudt: Zoll entdeckt in Rheinland-Pfalz illegale Zigarettenfabrik 18.06.2026 Regional Donald Trump: Sheryl Crow kritisiert Käfigkämpfe zum 80. 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