Paralympics 2026: Deutschlands intensive Vorbereitung auf Mailand
Kandidaten, Disziplinen, Förderstatus
Die Paralympischen Spiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo rücken näher – und Deutschland bereitet sich intensiv vor. Während die Öffentlichkeit oft den Blick auf die Olympischen Spiele richtet, kämpfen hunderte deutsche Athletinnen und Athleten mit Beeinträchtigungen derzeit um ihre Plätze im Aufgebot für eines der größten Sportereignisse der Welt. ZenNews24 zeigt den aktuellen Stand der deutschen Vorbereitung, welche Kandidaten sich hervorheben und wie es um die Förderung derzeit bestellt ist.
Schlüsselzahlen: Deutschland gewann bei den Sommer-Paralympics Paris 2024 insgesamt 97 Medaillen (22 Gold, 38 Silber, 37 Bronze) und belegte Rang 7 im Medaillenspiegel. Bei den Winter-Paralympics 2022 in Peking errang das DPK-Team 27 Medaillen. Rund 700 lizenzierte Para-Wintersportler sind in Deutschland aktiv. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe fördert aktuell etwa 230 paralympische Athleten. Die Paralympischen Winterspiele 2026 finden vom 6. bis 15. März 2026 statt.
Deutschlands Paralympische Elite: Wer sind die Top-Kandidaten?

Die deutsche Paralympische Bewegung blickt auf eine Reihe von Athletinnen und Athleten, die sich bereits in dieser Saison für einen Startplatz in Mailand und Cortina d'Ampezzo in Position bringen. Im Rollstuhlbasketball – einer der bekanntesten Paralympischen Disziplinen weltweit – hat Deutschland eine starke Tradition, doch der Fokus für 2026 liegt naturgemäß auf den Wintersportarten. Schließlich handelt es sich um Paralympische Winterspiele, nicht um Sommerspiele. Der Blick auf den Weltcupkalender der IPC Alpine Ski World Cup Series zeigt: Deutsche Starter sind in den Top-Feldern der Klassifikationsgruppen regelmäßig vertreten.
Besonders im Bereich Winter-Paralympics – schließlich finden die kommenden Spiele in den italienischen Alpen statt – konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf Ski Alpin, Biathlon und Para-Eishockey. Athleten aus diesen Disziplinen durchlaufen derzeit intensive Trainingsblöcke und Qualifikationsrennen. Die Trainingsgruppen sind entsprechend verstärkt worden, um maximale Vorbereitung zu gewährleisten.
Im Vergleich zu den Paralympischen Spielen Paris 2024, wo Deutschland im Medaillenspiegel stark abschnitt, zeigt sich das Deutsche Paralympische Komitee (DPK) optimistisch, dass diese Erfolgsgeschichte auf den Schnee übertragen wird. Der Schlüssel liegt in einer frühzeitigen und zielgerichteten Vorbereitung – und genau hier geht Deutschland strukturierter vor als viele Mitbewerber.
Die größten Hoffnungsträger in den Wintersportarten
Im Ski Alpin haben sich bereits mehrere deutsche Fahrer und Fahrerinnen einen Namen gemacht. Sie trainieren derzeit auf Gletschern in Österreich und der Schweiz, um ihre Technik zu verfeinern und ihre Zeiten zu verbessern. Ziel ist es, in den internationalen IPC-Qualifikationsrennen überzeugende Ergebnisse zu erzielen, die einen Startplatz in Mailand sichern. Die Konkurrenz ist hart: Österreich, Frankreich und die Slowakei dominieren in vielen Klassen – doch deutsche Athleten haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie auf Augenhöhe mitfahren können.
Das Para-Biathlon-Team arbeitet an seiner Schießfertigkeit und der Ausdauer gleichermaßen. Diese Kombination aus Präzisionsschießen und Langlauf erfordert eine besondere Trainingsmethodik, die derzeit intensiv verfolgt wird. Wöchentlich stehen mehrere Einheiten auf dem Programm – sowohl auf der Loipe als auch am Schießstand. Ukrainische und russische Athleten (letztere aktuell unter Ausschluss) dominierten historisch das Para-Biathlon-Feld; Deutschland will die Lücke nutzen.
Para-Eishockey ist eine weitere Paradedisziplin, in der Deutschland auf internationalem Niveau mitspielt. Das Nationalteam arbeitet an seinen Spielzügen und taktischen Konzepten, um gegen etablierte Konkurrenten wie die USA, Kanada und Tschechien bestehen zu können. Das Niveau in dieser Sportart ist in den letzten Jahren massiv gestiegen – wer in Mailand aufs Podest will, muss schon jetzt auf Hochtouren trainieren.
| Disziplin | Aktive deutsche Starter (geschätzt) | Medaillen Peking 2022 | Hauptkonkurrenten |
|---|---|---|---|
| Ski Alpin Para | ca. 25–30 | 8 | Österreich, Frankreich, Slowakei |
| Para-Biathlon | ca. 10–15 | 6 | Ukraine, Frankreich, Norwegen |
| Para-Langlauf | ca. 10 | 5 | Ukraine, Norwegen, USA |
| Para-Eishockey | 1 Nationalteam (ca. 15 Kader) | 0 (Platz 6) | USA, Kanada, Tschechien |
| Rollstuhl-Curling | 1 Nationalteam | 0 | Schweiz, Norwegen, China |
Finanzielle Förderung und strukturelle Herausforderungen
Ein sensibles Thema bleibt die Förderung und finanzielle Unterstützung der paralympischen Athleten – und hier hört die sportliche Romantik oft abrupt auf. Derzeit erhalten Para-Sportler in Deutschland Mittel über die Stiftung Deutsche Sporthilfe und das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), doch die Budgets sind im internationalen Vergleich begrenzt. Wer glaubt, dass ein Paralympionike in Deutschland sorgenfrei trainieren kann, irrt oft.
Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hat sich in diesem Jahr verstärkt dafür eingesetzt, dass mehr Gelder in die Talentförderung fließen. Trainerstellen sind teilweise prekär besetzt, und Athleten müssen häufig nebenher arbeiten, um ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Das ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem, das regelmäßig und zurecht kritisiert wird – auch von den Athleten selbst.
Trotz dieser Herausforderungen zeigt sich politische Bereitschaft, paralympische Athleten stärker zu unterstützen. Es gibt Gespräche zwischen dem DPK, dem Bundesinnenministerium und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), um gezielt mehr Ressourcen bereitzustellen – zumindest für die Periode bis zu den Spielen in Italien. Ob aus Gesprächen echte Haushaltsmittel werden, bleibt abzuwarten.
Vergleich: Deutsche Förderung vs. internationale Standards
Länder wie Großbritannien, die USA und China investieren erheblich mehr in ihre paralympischen Strukturen. Großbritannien etwa betreibt mit UK Sport ein leistungsbasiertes Fördersystem, das paralympische Athleten finanziell auf vergleichbarem Niveau wie olympische Athleten unterstützt. China hat mit Blick auf die Heimspiele in Peking 2022 massiv in Infrastruktur und Trainingscentren investiert – und diese Strukturen stehen weiterhin. Die USA finanzieren über das U.S. Olympic & Paralympic Committee ein dichtes Netz aus Stipendien und Trainingscamps.
Deutschland hinkt in einigen Bereichen noch hinterher, arbeitet aber daran, diesen Rückstand aufzuholen. Bemerkenswert ist: Deutsche Para-Athleten erzielen trotz vergleichsweise geringerer Ressourcen regelmäßig internationale Spitzenresultate. Das spricht für Qualität in der Trainerausbildung und den unbedingten Willen der Athleten – kann aber kein Dauerzustand sein, wenn Deutschland langfristig auf dem Podest bleiben will.
Schlüsselzahlen Förderung: Die Stiftung Deutsche Sporthilfe schüttet jährlich rund 13 Millionen Euro an Fördergeldern aus – davon entfällt nur ein Teil auf Para-Athleten. Großbritannien investiert allein über UK Sport mehr als 30 Millionen Pfund speziell in paralympische Programme pro Olympiazyklus. Das DPK-Jahresbudget liegt nach eigenen Angaben im mittleren einstelligen Millionenbereich. Zum Vergleich: Allein der DFB überweist seinen Bundesligavereinen jährlich dreistellige Millionenbeträge aus TV-Rechten.

Was 2026 bedeutet – und warum jetzt der entscheidende Moment ist
Mailand und Cortina d'Ampezzo 2026 sind nicht irgendeine Veranstaltung. Es handelt sich um die ersten Paralympischen Winterspiele seit Peking 2022, und die Erwartungen an das deutsche Team sind entsprechend hoch. Das Rahmenprogramm der Olympischen Winterspiele 2026 – die parallel in denselben Arenen stattfinden – wird weltweit Aufmerksamkeit auf die Region lenken. Für die Paralympics bedeutet das eine bisher selten dagewesene Medienpräsenz und öffentliche Sichtbarkeit.
Für die deutschen Athleten ist das eine Chance und eine Bürde zugleich. Mehr Aufmerksamkeit bedeutet mehr Druck – aber auch mehr Potenzial für Sponsoren, Förderer und gesellschaftliche Relevanz. Gerade jetzt, in der entscheidenden Qualifikationsphase, zählt jede Trainingseinheit, jedes Rennen, jedes Schießergebnis. Wer in den kommenden Monaten seine Leistung abruft, steht in Mailand auf dem Start. Wer zögert, schaut zu Hause fern.
Das Deutsche Paralympische Komitee hat die Weichen gestellt. Die Athletinnen und Athleten tun ihren Teil. Was jetzt noch fehlt, ist eine Gesellschaft – und eine Politik –, die begreift: Para-Sport ist kein Almosen, sondern Hochleistungssport auf Weltklasseniveau. Und die Spiele in den italienischen Alpen sind die nächste große Bühne, diesen Beweis anzutreten.