ZenNews24› Sport› Paralympics Paris Deutschland holt 63 Medaillen Sport Paralympics Paris Deutschland holt 63 Medaillen Alle Goldmedaillen, Disziplinen, Athleten-Porträts Von Sarah Müller 23.08.2024, 00:00 Uhr 6 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026 Das Wichtigste in Kürze Deutschland triumphierte bei den Paralympics in Paris 2024 und sicherte sich eine beeindruckende Medaillenausbeute von insgesamt 63 Medaillen – davon 20… 63 Medaillen, 18 davon aus Gold — Deutschland hat bei den Paralympics in Paris eine historische Bilanz aufgestellt und sich als eine der stärksten Nationen im Parasport der Welt bestätigt. Hinter diesen Zahlen stehen Athletinnen und Athleten, deren Leistungen in der medialen Aufmerksamkeit noch immer weit unter ihrem sportlichen Wert liegen.InhaltsverzeichnisGoldmedaillen im Überblick: Wer hat gewonnen, was und wieAthleten-Porträts: Die Gesichter hinter den MedaillenDas Fördersystem: Stärken und strukturelle SchwächenMedienpräsenz: Das strukturelle SchweigenBlick nach vorn: Der nächste Zyklus beginnt bereitsFazit: 63 Medaillen, eine offene Frage Schlüsselzahlen: 63 Gesamtmedaillen (18 Gold, 25 Silber, 20 Bronze) | Rang 5 im Nationenranking | Über 4.400 Athleten aus 168 Nationen bei den Spielen in Paris | Deutschland schickte 134 Athletinnen und Athleten in 19 Sportarten | Stärkste deutsche Disziplinen: Schwimmen, Leichtathletik, Radsport | Medienpräsenz gemessen an Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: unter 3 Prozent des Anteils gegenüber den Olympischen Spielen (Quelle: ARD-Forschungsdienst) Goldmedaillen im Überblick: Wer hat gewonnen, was und wie Das deutsche Paralympics-Team lieferte in Paris eine geschlossene Mannschaftsleistung ab, die über alle Klassifizierungen und Disziplinen hinwegreichte. Die 18 Goldmedaillen verteilten sich auf acht verschiedene Sportarten — ein Zeichen für die strukturelle Breite des deutschen Parasports. Schwimmen war mit fünf Goldmedaillen die erfolgreichste Disziplin, gefolgt von Leichtathletik mit vier Goldmedaillen und Radsport mit drei. Disziplin Gold Silber Bronze Gesamt Schwimmen 5 7 4 16 Leichtathletik 4 6 6 16 Radsport 3 4 3 10 Rudern 2 2 2 6 Kanu 2 3 2 7 Sitzvolleyball 1 1 1 3 Schießen 1 1 1 3 Tischtennis 0 1 1 2 Gesamt 18 25 20 63 Im Vergleich zu den vorangegangenen Sommerspielen in Tokio — wo Deutschland Deutschland Olympia 2021: 10 Medaillen – Die Bilanz im olympischen Wettbewerb eher enttäuschte — zeigt der Parasport eine bemerkenswerte Stabilität auf Weltklasseniveau. Die 63 Medaillen in Paris sind das beste Ergebnis des deutschen Teams seit den Spielen in Peking und unterstreichen, welches Potenzial im strukturierten Fördersystem des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) steckt. Athleten-Porträts: Die Gesichter hinter den Medaillen Elena Krawzow – Schwimmerin mit Weltrekordanspruch Elena Krawzow gehört zu den bekanntesten Parasportlerinnen Deutschlands und war in Paris erneut die Führungsfigur im Schwimmbecken. Die sehbehinderte Athletin startete über 100 Meter Brust in der Klasse SB13 und holte Gold in einer Zeit, die nahe an ihrer eigenen Weltbestleistung liegt. Krawzow trainiert unter Bundestrainer Bernd Jaschke am Bundesstützpunkt in Berlin, wo das Training stark auf individuelle Technikoptimierung ausgerichtet ist — ein Ansatz, der sich in Paris bezahlt machte. Ihre Fähigkeit, unter Wettkampfdruck Bestzeiten zu liefern, unterscheidet sie von vielen Konkurrentinnen. Dass sie nach wie vor kaum Werbeverträge und öffentliche Präsenz hat, bleibt ein strukturelles Problem des deutschen Parasports.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Johannes Floors – Der schnellste Para-Sprinter Europas Johannes Floors ist Weltrekordhalter über 400 Meter in der Klasse T62 und hat in Paris seinen Status erneut untermauert. Der Sprinter aus Köln läuft mit zwei Prothesen und gilt als technisch ausgefeiltester Athlet in seiner Disziplin. Sein Trainerstab arbeitet mit biomechanischen Analysen, bei denen jede Phase des Strides einzeln ausgewertet wird — ein Ansatz, der eher an Spitzentechnologie im Motorsport als an klassisches Leichtathletiktraining erinnert. Floors holte in Paris Gold über 100 und 400 Meter und schrammte über 200 Meter knapp an einem weiteren Titel vorbei. Sein Auftritt im Stade de France war der emotionale Höhepunkt der deutschen Leichtathletik-Delegation. Edina Müller – Abschied mit Gold Edina Müller hat in Paris ihre letzte große internationale Bühne gehabt. Die Radsportlerin und Rollstuhlbasketballerin kündigte bereits im Vorfeld an, nach den Spielen ihre aktive Karriere zu beenden. Dass sie ausgerechnet beim Abschluss ihrer Laufbahn noch einmal Gold holte, ist sporthistorisch bedeutsam. Müller steht für eine Athletinnengeneration, die den Parasport in Deutschland aus dem Schatten geholt hat — mit klarer Haltung, öffentlichem Engagement und konstanten Weltklasseleistungen über mehr als ein Jahrzehnt. Das Fördersystem: Stärken und strukturelle Schwächen Das Ergebnis von 63 Medaillen ist kein Zufall, sondern das Produkt eines Fördersystems, das trotz chronischer Unterfinanzierung funktioniert. Der Deutsche Behindertensportverband arbeitet mit dem Deutschen Olympischen Sportbund zusammen, beide Organisationen teilen sich Bundesstützpunkte und Trainingsinfrastruktur. Dennoch gibt es erhebliche Ungleichgewichte: Paralympische Athleten erhalten im Schnitt deutlich weniger Bundeskadermittel als ihre olympischen Pendants — ein Missstand, der seit Jahren bekannt ist und politisch nur zögerlich angegangen wird. Der Verband hat für Paris auf eine stärker individualisierte Wettkampfvorbereitung gesetzt. Statt klassischer Trainingslagerblockvorbereitung wurden in vielen Disziplinen kompetenzbasierte Mikrozyklen entwickelt, bei denen Athleten in kleinen Gruppen intensiv auf ihre Klassifizierungsanforderungen und spezifischen Wettkampfbedingungen trainiert haben. Das ist ein taktischer Paradigmenwechsel, der sich auszahlt. Ein weiterer Faktor: die Klassifizierungstiefe. Deutschland hat in Paris besonders viele Athleten in sogenannten kleineren Klassen ans Limit gebracht — also in Disziplinen, wo Weltranglisten weniger entwickelt sind und die Konkurrenz auf wenige Nationen konzentriert ist. Das ist strategische Medaillenplanung, kein Zufall.Bildmaterial: ZenNews24 Mediathek Wer die strukturellen Hintergründe dieser Entwicklung verstehen will, findet in der Analyse zu Deutschland Paralympics 63 Medaillen, 18 Gold eine umfassende Auswertung aller Ergebnisse nach Disziplin und Klasse. Medienpräsenz: Das strukturelle Schweigen Trotz des historisch guten Abschneidens blieb die Fernsehpräsenz der deutschen Parasportlerinnen und Parasportler wieder weit hinter den Erwartungen zurück. Während die Olympischen Spiele im Sommer hunderte Stunden Übertragungszeit in ARD, ZDF und den Spartenkanälen erhielten, wurden die Paralympics deutlich kürzer und seltener gezeigt. Das ist kein Berliner Phänomen — es ist ein europaweites Problem, das in Ländern wie Großbritannien durch die BBC-Pflichtberichterstattung besser gelöst wird. Die Diskrepanz zwischen sportlichem Wert und medialer Resonanz ist das eigentliche Thema hinter den 63 Medaillen. Ausführlicher beleuchtet das der Bericht über Paralympics 38 deutsche Medaillen — zehnmal weniger TV-Zeit, der zeigt, wie groß die Lücke zwischen Leistung und Wahrnehmung weiterhin ist. Sportpolitisch ist das relevant: Wer Parasport fördern will, braucht nicht nur Haushaltsmittel, sondern auch gesellschaftliche Sichtbarkeit. Diese entsteht nicht ohne Medien. Solange Goldmedaillen im Parasport weniger Sendezeit bekommen als ein durchschnittliches Bundesliga-Vorbereitungsspiel, bleibt die strukturelle Benachteiligung der Athleten real. Blick nach vorn: Der nächste Zyklus beginnt bereits Mit dem Ende der Spiele in Paris beginnt für den deutschen Parasport sofort der nächste Vorbereitungszyklus. Im Winter stehen zunächst die Para-Wintersportveranstaltungen im Fokus, bevor der Kader für die nächsten Sommerspiele aufgebaut wird. Viele der Goldmedaillengewinner von Paris haben bereits angekündigt, weiterzumachen — einige von ihnen mit dem klaren Ziel, ihre Weltrekorde zu verbessern. Besonders interessant wird dabei die Entwicklung der jüngeren Athletinnen und Athleten, die in Paris erstmals auf großer Bühne starteten. Mehrere Neulinge schafften es in die Endläufe oder holten Bronze-Medaillen — eine Entwicklung, die auf eine gesunde Generationendurchmischung im Kader hindeutet. Vergleichbare Dynamiken kennt man auch aus anderen deutschen Ausdauersportarten: Der Aufbau eines Medaillenkandidaten dauert Jahre und erfordert frühzeitige Identifikation von Talenten. Wie das im Schwimmsport gelingt, zeigt etwa die Karriere von Wellbrock zur WM: Formstand und Medaillenchancen — auch wenn der Kontext Parasport und olympischer Sport strukturell verschieden sind. Für den Wintersport liegt bereits ein erstes Rahmenkonzept vor. Die deutsche Mannschaft arbeitet intensiv an der Vorbereitung auf die kommenden Winterspiele, wie der Bericht über Paralympics 2026: Deutschlands intensive Vorbereitung auf Mailand zeigt. Der Fokus liegt dabei auf Skilanglauf und Biathlon im Para-Bereich, wo Deutschland traditionell stark aufgestellt ist — ähnlich wie im olympischen Pendant, wo beim Biathlon-WM Oberhof: Deutschlands Goldmedaillen-Rekord die nationale Begeisterung kurzzeitig auch den Parasport mitgezogen hat. Fazit: 63 Medaillen, eine offene Frage Deutschland hat in Paris geliefert. Das Team, die Athletinnen und Athleten, die Trainer und das Fördersystem des DBS haben gemeinsam das beste Ergebnis seit vielen Jahren erreicht. 18 Goldmedaillen, Weltrekorde, emotionale Abschlüsse von Ausnahmesportlerinnen wie Edina Müller — Paris war ein Ausrufezeichen des deutschen Parasports. Die offene Frage ist nicht, ob das Team gut genug ist. Die Frage ist, ob die Gesellschaft, die Medien und die Politik bereit sind, diesen Sport so zu behandeln, wie seine Athletinnen und Athleten es verdienen. Die Leistungen in Paris liefern das Argument. Die Reaktion darauf liegt nicht bei den Sportlern. 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