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Review: V.A. – KUBORAUM SOUND RESIDENCY VOL. 2: 19 Tracks, eine Biennale

Review: V.A. – KUBORAUM SOUND RESIDENCY VOL. 2: 19 Tracks, eine Biennale

Von ZenNews24 Redaktion 6 Min. Lesezeit
Review: V.A. – KUBORAUM SOUND RESIDENCY VOL. 2: 19 Tracks, eine Biennale
Das Wichtigste in Kürze
  • Die zweite Ausgabe der KUBORAUM SOUND RESIDENCY bestätigt, was sich bei der Premiere bereits abzeichnete: Hier entsteht etwas Seltenes in der deutschen Musiklandschaft – ein Experimentierfeld, das Grenzen nicht auslöscht, sondern bewusst überschreitet
  • Mit 19 Tracks haben diesmal mehr als…

Die zweite Ausgabe der KUBORAUM SOUND RESIDENCY bestätigt, was sich bei der Premiere bereits abzeichnete: Hier entsteht etwas Seltenes in der deutschen Musiklandschaft – ein Experimentierfeld, das Grenzen nicht auslöscht, sondern bewusst überschreitet. Mit 19 Tracks haben diesmal mehr als zwei Dutzend Künstler und Künstlerinnen an dieser ungewöhnlichen Compilation mitgearbeitet, und das Ergebnis ist ein diffuses, irisierendes Kaleidoskop aus Club, Sakralmusik, Cloud Rap und Dub. Es ist keine leichte Kost. Es ist auch nicht immer gefällig. Aber genau das macht sie zu einem der interessantesten Musikprojekte der aktuellen Szene.

## Eine Biennale der Klänge

Was unterscheidet die KUBORAUM SOUND RESIDENCY von gewöhnlichen Compilations? Zunächst das Konzept selbst. Das Projekt funktioniert als eine Art Künstlerresidenz im digitalen Raum – Musiker verschiedenster Stilistiken arbeiten parallel an Werken, die weder ganz Lied noch ganz Installation sind. Sie befruchteten sich gegenseitig, ohne jemals direkten Kontakt zu haben. Das Ergebnis fühlt sich weniger wie eine Ansammlung von Titeln an, sondern vielmehr wie ein räumliches Gesamtwerk, in dem jeder Track ein Kammerl darstellt, den man betreten kann.

Bereits in der ersten Ausgabe zeigte sich diese Ästhetik, damals noch mit etwas weniger Material und einer experimentelleren Grundhaltung. Jetzt, in Volume 2, hat sich das Projekt konsolidiert – ohne dabei an Wildheit zu verlieren. Die Kuratorin und das Team haben verstanden, dass Curation hier nicht bedeutet, alles kompatibel zu machen, sondern die Reibungsflächen produktiv zu nutzen.

Besonders beeindruckend ist, wie stark sakrale Elemente in dieser Compilation vertreten sind. Nicht religiös im engeren Sinne, sondern vielmehr spirituell, meditativ, ritualistisch. Da finden sich Ambient-Stücke neben minimalistischen Voice-Kompositionen, die wie Mantren anmuten. Gleichzeitig pulsiert es aus anderen Ecken pure Clubmusik heraus – nicht die glatte, standardisierte Variante, sondern experimentelle Elektronik, die sich gegen die Tanzfläche sträubt.

## Cloud Rap trifft auf Dub-Ästhetik

Ein weiterer faszinierender Aspekt ist die Präsenz von Cloud Rap und verwandten Hip-Hop-Varianten. Diese Genres sind ohnehin bereits dem Experimentellen verhaftet, arbeiten mit verschwommenen Grenzen und atmosphärischen Räumen. In der KUBORAUM SOUND RESIDENCY finden diese Ansätze jedoch ein perfektes Biotop. Sie reiben sich dort nicht gegen die ambient-sakralen Elemente, sondern fließen ineinander – entstehen Hybrid-Räume, die weder das eine noch das andere sind, aber beides gleichzeitig suggieren.

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Die Dub-Produktionen sind ein weiterer Höhepunkt. Hier zeigt sich, dass Dub – lange als Technik missverstanden, dabei ist es eine eigene philosophische Haltung zur Musik – mehr denn je lebendig ist. Mit Echo, Nachhall und räumlichen Verzerrungen wird aus bekannten Elementen etwas Neues geschaffen. Es ist destruktiv und konstruktiv zugleich, genau wie gute experimentelle Musik sein sollte.

Künstlerische Vielfalt und kuratierte Unordnung

Wer sind die Stimmen hinter dieser Compilation? Das ist eine interessante Frage, denn das Projekt funktioniert bewusst anti-hierarchisch. Es gibt keine großen Namen, die das Projekt tragen, sondern viele mittlere und kleinere Stimmen, die zusammen ein größeres Bild ergeben. Manche Künstler sind aus der experimentellen Elektronik-Szene bekannt, andere aus dem bildenden Kunstkontext oder der Clubkultur. Diese Durchmischung ist gewollt und produktiv.

Die Sequenzierung der 19 Tracks ist dabei nicht beliebig. Sie folgt einer inneren Logik, die sich erst beim wiederholten Hören offenbart. Der Einstieg ist relativ sanft und meditativ, die Mitte wird rhythmischer, pulsierender, und zum Ende hin öffnet sich das Material wieder in abstraktere Räume. Es ist eine dramaturgische Gestaltung, die man eher von klassischen Orchesterwerken oder Film-Soundtracks kennt – nicht von experimentellen Compilations.

Sounddesign als Hauptcharakter

Das wahre Herzstück dieser Compilation ist das Sounddesign. Nicht die Melodie, nicht der Beat, nicht die Stimme – sondern die Textur. Wie klingt eine Glasharfe im Echo einer Kathedrale? Wie fühlt sich ein verzerrter Bass an, wenn er aus 27 verschiedenen Richtungen gleichzeitig kommt? Diese Fragen scheinen die Künstler bewegt zu haben.

Es gibt Momente, da ist völlige Stille – und diese Stille ist genauso Teil der Komposition wie jeder Ton. Es gibt Passagen, in denen sich Hunderte von Schichten überlagern, sodass man nicht mehr sagen kann, wo ein Element anfängt und wo es endet. Das ist Sound als Substanz, als Material, das man anfassen könnte.

Kontext: Experimentelle Musik in Deutschland

Um die KUBORAUM SOUND RESIDENCY Vol. 2 richtig einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die deutschsprachige experimentelle Musikszene insgesamt. Es ist eine Szene, die aktuell von großer Kreativität, aber auch von Fragmentierung gekennzeichnet ist. Künstler arbeiten in Niches, in geografisch verteilten Netzwerken, oft isoliert voneinander.

Projekte wie dieses erfüllen daher eine wichtige Funktion: Sie schaffen temporäre Gemeinschaften. Sie zeigen, dass es möglich ist, radikal unterschiedliche Ansätze zusammenzubringen, ohne sie zu nivellieren. In diesem Sinne erinnert das Projekt an die Arbeitsweise von Kunstbiennalen – nur eben für Sound.

Das ist auch ein Grund, warum die Münchener Biennale: Roboter, Satire und neues Musiktheater interessant für Vergleiche ist: Dort treffen ebenfalls unterschiedlichste ästhetische Positionen aufeinander, werden räumliche und zeitliche Grenzen neu verhandelt. Die KUBORAUM SOUND RESIDENCY funktioniert ähnlich, ist aber dezentraler, weniger institutionell gebunden.

Wer sich für experimentelle Sound-Arbeiten interessiert und nicht abgeneigt ist vor Herausforderungen, wird bei dieser Compilation fündig. Fans von unkonventionellen Reviews, die sich auch konzeptuellen Arbeiten nähern, seien auf die Review: Odd Beholder – „HONEST WORK": Arbeit, kalt serviert hingewiesen – eine ähnlich unorthodoxe Herangehensweise an Künstlerische Arbeiten.

KUBORAUM SOUND RESIDENCY VOL. 2 – QUICK FACTS
Format Digitale Compilation / Streaming-Album
Anzahl Tracks 19
Beteiligte Künstler 27
Gesamtlänge ca. 87 Minuten
Stilmix Club, Sakralmusik, Cloud Rap, Dub, Ambient
Verfügbar auf Alle großen Streaming-Plattformen
Zielgruppe Experimentelle Musikliebhaber, experimentelle Clubs

Hörempfehlungen und Highlights

Welche Tracks sollte man sich besonders anschauen? Das ist schwierig, denn die Compilation funktioniert am besten als Gesamtwerk. Allerdings gibt es einige Stücke, die besonders herausragen und einem als Einstiegspunkt dienen können.

Track 3 ist ein absoluter Eröffner – eine Komposition, die mit Glockenklängen und minimalistischen Synthesizer-Strängen beginnt und sich langsam in rhythmische Strukturen hineinentwickelt. Es ist zugänglich, aber eben auch komplex genug, um Aufmerksamkeit zu fordern.

In der Mitte des Albums gibt es dann eine Serie von vier Tracks, die sich des Cloud-Rap-Materials bedienen – aber eben nicht in klassischer Form. Die Stimmen sind oft verzerrt, entfremdet, fragmentarisch. Es ist wie Rap, das sich selbst verneint, nur um sich am Ende doch wieder zu behaupten.

Und zum Ende hin: absolute Stille, absolute Abstraktion. Die letzten beiden Tracks sind kaum noch als "Musik" zu bezeichnen – eher als Sound-Skulpturen. Wer das durchhält, hat das Album wirklich verstanden.

Für ähnliche künstlerische Unkonventionalität sei auch ein Blick auf die Review: Placebo – PLACEBO RE:CREATED: Der Außenseiter-Tempel, renoviert empfohlen – ein Album, das ebenfalls keine Kompromisse macht mit etablierten Erwartungen.

Nicht für jeden, aber für den richtigen: Fazit

Die KUBORAUM SOUND RESIDENCY Vol. 2 ist nicht das Album, das man einfach beim Joggen hört oder das für eine Dinner-Party im Hintergrund läuft. Es ist auch nicht das Album, das Streaming-Plattformen pushen werden, weil es ja so innovativ ist – Innovation im Underground funktioniert einfach nicht so.

Es ist aber das Album für Menschen, die verstehen, dass Musik mehr sein kann als Unterhaltung oder Hintergrund-Lärmschutz. Es ist für Künstler, die sich von anderen Künstlern inspirieren lassen möchten. Es ist für Clubs, die neue Arbeiten von DJs brauchen. Und es ist für all jene, die noch nicht aufgegeben haben zu glauben, dass Musik eine Kunst sein kann, nicht nur eine Ware.

In diesem Sinne ist die KUBORAUM SOUND RESIDENCY kein Review-Album im klassischen Sinne – es ist ein Statement. Ein Statement dafür, dass experimentelle Musik nicht in den Museum gehört, sondern in den Clubs, in die Kopfhörer, ins Leben. Die zweite Ausgabe bestätigt: Das Projekt ist mehr als ein Hype. Es ist eine Notwendigkeit. (Quelle: ZenNews24 Entertainment)

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Quelle: AutoEditor/unterhaltung
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