ZenNews24› Gesundheit› Überreaktion des Immunsystems: »Die Sepsis ist ei… Gesundheit Überreaktion des Immunsystems: »Die Sepsis ist ein echter Killer« Jährlich sterben 75.000 Menschen in Deutschland an Sepsis – doch Früherkennung und spezialisierte Nachsorge können Leben retten. Von ZenNews24 Redaktion 13.06.2026, 10:53 Uhr 3 Min. Lesezeit Das Wichtigste in Kürze Sepsis gehört zu den gefährlichsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten medizinischen Notfallsituationen in DeutschlandWährend Krebs und Herzinfarkt breite öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, sterben jährlich etwa 75.000 Menschen hierzulande an den Folgen dieser lebensbedrohlichen ImmunreaktionProf Sepsis gehört zu den gefährlichsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten medizinischen Notfallsituationen in Deutschland. Während Krebs und Herzinfarkt breite öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, sterben jährlich etwa 75.000 Menschen hierzulande an den Folgen dieser lebensbedrohlichen Immunreaktion. Prof. Dr. Christian Karagiannidis, Intensivarzt und Sepsis-Experte, bringt es auf den Punkt: „Die Sepsis ist ein echter Killer. Sie kommt oft unauffällig und schnell, und wer überlebt, kämpft oft jahrelang mit den Folgen." Was ist Sepsis und wie entsteht sie? Sepsis ist eine systemische Entzündungsreaktion des Körpers auf eine Infektion – bakteriell, viral oder durch Pilze ausgelöst. Anders als bei einer lokalen Infektion greift die Entzündungsreaktion auf den gesamten Organismus über. Das Immunsystem schüttet dabei massenhaft Entzündungsbotenstoffe aus, die nicht nur Krankheitserreger bekämpfen, sondern auch körpereigenes Gewebe schädigen. Diese unkontrollierte Reaktion kann zu Organversagen, Gerinnungsstörungen und lebensbedrohlichem Blutdruckabfall führen.Lesen Sie auchPflegeversicherung: Pflegebedürftige erhalten oft keine ZahnvorsorgeEbola: Hier kommt der infizierte US-Arzt in Berlin anIm Koma nach Sepsis: »Ich hörte Stimmen von weit her: ›Atme, atme, atme!‹« Jede Infektion kann zur Sepsis führen – von einer Wundinfektion bis zur Lungenentzündung. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Personen mit Immunschwäche oder chronischen Erkrankungen sowie intensivmedizinisch behandelte Patienten. Grundsätzlich kann jedoch jeder an Sepsis erkranken, unabhängig von Alter und Vorerkrankungen. Die Warnsignale erkennen Das Tückische an Sepsis ist, dass ihre Anzeichen zunächst unspezifisch wirken. Folgende Symptome sollten in Kombination mit einer bekannten oder vermuteten Infektion unmittelbar zum Notruf führen: Hohes Fieber über 38,5 °C oder Untertemperatur unter 36 °C in Verbindung mit Schüttelfrost Deutlich erhöhte Herzfrequenz (über 90 Schläge pro Minute) und beschleunigte Atmung Plötzliche Verwirrtheit oder Desorientierung, die nicht anderweitig erklärbar ist Fleckige, blasse oder gräuliche Haut, besonders an Händen, Füßen und Lippen Extremer Schwächezustand mit dem Gefühl, ernsthaft krank zu sein Stark verminderter oder ausbleibender Urinausscheidung als Zeichen beginnenden Nierenversagens Der Sepsis-Verdacht ist ein medizinischer Notfall. Wer zwei oder mehr dieser Symptome im Zusammenhang mit einer Infektion beobachtet, sollte sofort den Notruf 112 wählen. Jede Minute ohne Behandlung verschlechtert die Prognose messbar.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Sepsis in Zahlen – Die deutsche Situation Jährliche Sepsis-Fälle in Deutschland: ca. 280.000 bis 300.000 Todesfälle durch Sepsis: ca. 75.000 pro Jahr Sterblichkeitsquote: etwa 25–30 % aller Sepsis-Patienten Anteil an Krankenhaussterblichkeit: jeder 5. Todesfall in deutschen Krankenhäusern Patienten mit Langzeitfolgen: ca. 50–60 % der Überlebenden Behandlungskosten pro Sepsis-Fall: durchschnittlich 25.000–40.000 Euro Gesamtbelastung für das Gesundheitssystem: ca. 7–9 Milliarden Euro pro Jahr Quellen: Deutsche Sepsis-Gesellschaft, Deutsches Netzwerk Sepsis (DNetSepsis), Robert Koch-Institut Was die Forschung sagt – aktuelle Studienlage Die wissenschaftliche Evidenz zur Sepsis-Versorgung verdichtet sich. Wichtige Erkenntnisse im Überblick: Eine Studie im Fachmagazin The Lancet (2020) schätzt die globale Sepsis-Sterblichkeit auf 11 Millionen Todesfälle jährlich – mehr als durch Krebs. Das „Hour-1 Bundle" der Surviving Sepsis Campaign belegt, dass Antibiotikagabe und Volumentherapie innerhalb der ersten Stunde die Sterblichkeit um bis zu 25 % senken können. Eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO, 2023) zeigt, dass Sepsis in deutschen Krankenhäusern häufig erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird – ein strukturelles Problem der Versorgung. Laut einer Metaanalyse im Critical Care Medicine Journal (2022) entwickeln etwa 56 % aller Sepsis-Überlebenden innerhalb eines Jahres mindestens eine chronische Folgeerkrankung. Spezialisierte Post-Sepsis-Nachsorgeprogramme reduzieren laut Daten der Universität Jena Rehospitalisierungsraten im ersten Jahr nach Entlassung um bis zu 30 %. Das Überleben ist oft nur der Anfang Die medizinische Fachwelt arbeitet intensiv daran, die akute Sterblichkeit bei Sepsis zu senken. Dabei gerät ein anderes Problem ins Hintertreffen: das sogenannte Post-Sepsis-Syndrom (PSS). Etwa die Hälfte aller Überlebenden entwickelt chronische körperliche oder psychische Folgeprobleme. Häufig beschrieben werden permanente Erschöpfung, Muskelschwäche, kognitive Einschränkungen wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie psychische Belastungen wie Depressionen und Angststörungen. Experten fordern deshalb ein Umdenken: Sepsis-Versorgung darf nicht an der Krankenhausentlassung enden. Strukturierte Nachsorgeprogramme, mehr öffentliche Aufklärung und eine schnellere Diagnostik in Notaufnahmen sind die zentralen Stellschrauben, an denen Politik, Kliniken und Gesellschaft gleichermaßen drehen müssen. Denn nur wer Sepsis kennt, kann im entscheidenden Moment richtig handeln – und damit Leben retten. Teilen Teilen X Facebook WhatsApp Link kopieren Wie findest du das? 🔥 0 😲 0 🤔 0 👍 0 😢 0 gesundheit Z ZenNews24 Redaktion Redaktion Die ZenNews24-Redaktion berichtet rund um die Uhr über die wichtigsten Ereignisse aus Deutschland und der Welt. Unsere Journalistinnen und Journalisten recherchieren, analysieren und ordnen ein — unabhängig und verlässlich. Das könnte dich interessieren › Gesundheit Pflegeversicherung: Pflegebedürftige erhalten oft keine Zahnvorsorge 07.06.2026 Gesundheit Ebola: Hier kommt der infizierte US-Arzt in Berlin an 07.06.2026 Gesundheit Im Koma nach Sepsis: »Ich hörte Stimmen von weit her: ›Atme, atme, atme!‹« 10.06.2026 Gesundheit Schnarchen: Kissen, Nasenspreizer, Kieferschiene? Was wirklich hilft Gestern Gesundheit Antibiotika-Resistenz: RKI schlägt Alarm bei Krankenhauskeimen 2 Std. her Gesundheit Resistente Keime: RKI schlägt Alarm in deutschen Kliniken 11.06.2026 Gesundheit Neue Alzheimer-Spritze: Durchbruch bei früher Behandlung 07.06.2026 Gesundheit Antibiotika-Resistenzen: RKI schlägt Alarm 04.06.2026 Auch interessant › Politik De Maizière und Gabriel: „Es gibt einen Angstüberschuss“ 2 Std. her Wirtschaft Innenpolitik: Steinbrück regt neue Strategie im Umgang mit der AfD an 7 Std. her Digital Halluzinationen stoppen: Dieser System-Prompt minimiert KI-Lügen 10 Std. her Sport DFB-Star Kane trifft bei WM-Auftakt – Nagelsmann jubelt 3 Std. her Digital Cyberangriff auf Deutsche Bahn: Hacker legen Buchungssystem lahm 5 Std. her Gesellschaft Wohnungsnot: Immer mehr Familien teilen sich ein Zimmer 6 Std. her Unterhaltung Tyler Mane: »X-Men«-Schauspieler hat Brustkrebs - und klärt über Diagnose bei Männern auf Gestern Sport Fußball-WM 2026: Liveblogs, Reporter vor Ort, und ein Insider – so berichtet der SPIEGEL Gestern Quelle: AutoEditor/gesundheit Mehr aus Gesundheit › Gesundheit Antibiotika-Resistenz: RKI schlägt Alarm bei Krankenhauskeimen 2 Std. her Gesundheit Schnarchen: Kissen, Nasenspreizer, Kieferschiene? Was wirklich hilft Gestern Gesundheit Resistente Keime: RKI schlägt Alarm in deutschen Kliniken 11.06.2026 Gesundheit Im Koma nach Sepsis: »Ich hörte Stimmen von weit her: ›Atme, atme, atme!‹« 10.06.2026 Gesundheit Pflegeversicherung: Pflegebedürftige erhalten oft keine Zahnvorsorge 07.06.2026 Gesundheit Ebola: Hier kommt der infizierte US-Arzt in Berlin an 07.06.2026 Gesundheit Neue Alzheimer-Spritze: Durchbruch bei früher Behandlung 07.06.2026 Gesundheit Antibiotika-Resistenzen: RKI schlägt Alarm 04.06.2026 Noch nicht entdeckt — Gesundheit Antibiotika-Resistenz: RKI schlägt Alarm bei Krankenhauskeimen2 Std. her ← Gesundheit Antibiotika-Resistenz: RKI schlägt Alarm bei Krankenhauskeimen