Rave-Kultur und Festivalkultur sind in Deutschland nicht dasselbe — aber sie überschneiden sich stärker als je zuvor. Was in den frühen 1990er Jahren in stillgelegten Industriehallen und auf freien Feldern begann, hat heute organisierte Ausläufer in Form von mehrtägigen Open-Air-Events, die sich trotzdem an Underground-Werten orientieren. Das Fusion Festival in Lärz ist das bekannteste Beispiel: kein kommerzieller Sponsor, keine Presseakkreditierungen für Mainstreammedien, kein VIP-Bereich. Die Lautsprecheranlagen werden von Festivalaktivisten aufgebaut, das Gelände nach dem Event wieder hergestellt.
Abseits der großen Namen gibt es ein dichtes Netz kleinerer Rave-Festivals zwischen Mai und September: 48-Stunden-Events auf privaten Geländen in Brandenburg, lizenzierte Open-Air-Veranstaltungen an Badeseen in Bayern, anarchische Wochenend-Happenings im Ruhrgebiet. Viele dieser Events tauchen im offiziellen Festivalkalender nicht auf — sie werden über Telegram-Kanäle und lokale Netzwerke kommuniziert.
Wer Rave in einem kommerzielleren Rahmen erleben will, findet ihn in Parookaville: Das Festival in Weeze ist mit Bühnen-Designs und Attraktionen inszeniert wie ein Freizeitpark für Erwachsene — trotzdem mit echten Line-ups und ordentlichem Soundsystem. Nature One in der Pfalz liegt dazwischen: zu groß für echten Underground, zu konsequent für reinen Mainstream.
Wer zum ersten Mal auf einem Rave-Festival ist: Ohropax gehört zur Pflichtausrüstung, auch auf Open-Air-Events mit vertretbaren Schallpegeln. Kameras in Innenräumen werden auf manchen Underground-Events ausdrücklich abgelehnt — nicht aus Paranoia, sondern aus einem kollektiven Schutzreflex, der seit Berghain-Ästhetik auch bei Festivals angekommen ist. Respekt gegenüber Mitfeiernden, kein Herumstoßen im dichten Dancefloor-Gedränge, und der Hinweis-Gedanke: Wer sich unwohl fühlt oder jemanden in Not sieht, spricht das Awareness-Team an, das auf allen größeren Festivals präsent ist.
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