Wirtschaft

Brexit: Zehn Jahre haben dem Handel massiv geschadet

Zehn Jahre nach dem Brexit-Votum belegen neue IW-Berechnungen massive Handelsverluste – und entfachen die Debatte über einen Wiedereintritt neu.

Von ZenNews24 Redaktion 3 Min. Lesezeit
Brexit: Zehn Jahre haben dem Handel massiv geschadet
Das Wichtigste in Kürze
  • Zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum zeigen sich die wirtschaftlichen Folgen des EU-Austritts Großbritanniens in vollem Umfang
  • Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat in einer aktuellen Analyse ermittelt, dass der Handel zwischen Deutschland und Großbritannien unter den neuen Handelshemmnissen…

Zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum zeigen sich die wirtschaftlichen Folgen des EU-Austritts Großbritanniens in vollem Umfang. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hat in einer aktuellen Analyse ermittelt, dass der Handel zwischen Deutschland und Großbritannien unter den neuen Handelshemmnissen erheblich gelitten hat. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass eine Rückgängigmachung des Brexit aus ökonomischer Perspektive nach wie vor sinnvoll wäre – eine Position, die unter Ökonomen zunehmend Rückhalt findet.

Die Analyse belegt, wie stark die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder durch Zollbestimmungen, regulatorische Hürden und administrative Anforderungen belastet worden sind. Was 2016 als politische Entscheidung getroffen wurde, erweist sich heute als messbare ökonomische Bürde für Unternehmen auf beiden Seiten des Ärmelkanals. Dabei sind es nicht nur die großen Konzerne, die leiden – besonders mittelständische Exporteure spüren die Konsequenzen existenziell.

Die Bilanz: Zahlen, die für sich sprechen

Deutsche Exporte nach Großbritannien sind im Vergleich zu den Prognosen aus der Vor-Brexit-Ära deutlich hinter den erwarteten Werten zurückgeblieben. Gleichzeitig verzeichnet das Vereinigte Königreich Handelsverluste, die das britische Bruttoinlandsprodukt spürbar belasten. Das IW Köln hat diese Entwicklung in detaillierten Szenarien nachgerechnet und kommt zu dem Schluss, dass die tatsächlichen Kosten die ursprünglichen Prognosen der Brexit-Befürworter deutlich übersteigen.

Indikator Vor Brexit (Prognose) Aktuell (Realität) Abweichung
Deutsche Exporte nach GB (Mrd. EUR/Jahr) 89,5 71,2 -20,4 %
Britische Importe aus DE (Mrd. EUR/Jahr) 92,1 68,9 -25,2 %
Bilateraler Wachstumsbeitrag (in Prozentpunkten) +1,8 -0,7 -2,5 Punkte
Zusätzliche Compliance-Stellen Logistik (Tsd.) +45 Reiner Kostenfaktor
Zollkosten britische Exporte (Mio. EUR/Jahr) 0 2.840 Neu hinzugekommen

Hinweis zur Einordnung: Die Exportzahlen basieren auf IW-Modellberechnungen, die ein kontrafaktisches Szenario ohne Brexit als Vergleichsbasis verwenden. Absolute Abweichungen von tatsächlichen Statistikwerten sind methodisch bedingt möglich. Die Richtung der Effekte gilt in der Wirtschaftsforschung als weitgehend unstrittig.

Für deutsche Unternehmen – insbesondere im Automobilsektor, im Maschinenbau und in der Chemiebranche – bedeuten diese Zahlen konkret: höhere Kosten, längere Lieferketten und aufwendigere Geschäftsprozesse. Das ist keine abstrakte Statistik, sondern gelebter Alltag für Tausende Betriebe. Wer heute Waren nach Großbritannien exportiert, muss Ursprungszeugnisse, Konformitätsnachweise und zusätzliche Zolldokumente einreichen – ein bürokratischer Aufwand, der vor 2020 nicht existierte.

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Brexit-Bilanz: Konjunkturindikator auf einen Blick

BIP-Effekt Großbritannien: Kumulativ rund -4 % gegenüber einem Szenario ohne Brexit (IW Köln, Modellrechnung)

Deutsche Wirtschaft: Direkter Effekt -0,3 bis -0,5 % des BIP-Wachstums

Handelsumlenkung: Britische Importeure weichen vermehrt auf US-amerikanische und asiatische Anbieter aus

Ausländische Direktinvestitionen in GB: Deutlich rückläufig gegenüber dem Vor-Brexit-Niveau

Arbeitslosigkeit GB: Leichter Anstieg, der teilweise auf veränderte Migrationsmuster zurückgeführt wird

Inflationseffekt: Zusätzliche Teuerung durch Zölle und Logistikkosten, Größenordnung umstritten

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln; Angaben basieren auf Modellszenarien, nicht auf amtlichen Statistiken.

Automobilindustrie und Maschinenbau besonders vom Brexit betroffen

Der deutsche Automobilsektor war traditionell einer der größten Nutznießer des britischen Marktes. Fahrzeuge von BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen und Audi zählten zu den meistverkauften Modellen auf der Insel. Seit dem Brexit müssen Hersteller nicht nur Zölle kalkulieren, sondern auch sicherstellen, dass ihre Fahrzeuge britischen Typgenehmigungsvorschriften entsprechen – die seit dem Austritt schrittweise vom EU-Recht abweichen. Das erhöht den Entwicklungs- und Zertifizierungsaufwand erheblich.

Zulieferer, die auf Just-in-time-Produktion setzten, mussten Lagerbestände aufbauen, um Grenzstaus und Zollverzögerungen abzufedern. Das bindet Kapital und verteuert die Produktion – Kosten, die letztlich entweder der Endkunde trägt oder die Marge drücken. Mehrere Zulieferbetriebe aus Baden-Württemberg und Bayern haben ihre Vertriebsstrukturen für den britischen Markt grundlegend umgebaut oder sich ganz zurückgezogen.

Ähnlich sieht es im Maschinenbau aus. Britische Industriekunden, die deutsche Präzisionsmaschinen kaufen, müssen heute mit längeren Lieferzeiten und höheren Gesamtkosten rechnen. Für viele mittelständische Maschinenbauer war Großbritannien der zweit- oder drittwichtigste Exportmarkt. Dieser Stellenwert hat sich messbar verringert. Die strukturelle Entfremdung zweier eng verzahnter Volkswirtschaften schreitet damit Jahr für Jahr weiter voran – und die Kosten einer möglichen Annäherung wachsen mit ihr.

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Quelle: AutoEditor/wirtschaft
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