Delivery Hero: Aspex erhöht Anteil auf 15 Prozent
Der kritische Großaktionär verstärkt seinen Druck auf Vorstandschef Östberg.
Der britische Investmentfonds Aspex Capital verstärkt seinen Einfluss beim Lieferdienst Delivery Hero. Wie Medienberichten zufolge hat der kritische Großaktionär seine Beteiligung auf etwa 15 Prozent erhöht. Dies ist ein strategischer Schachzug, der den Druck auf Vorstandschef Bastian Östberg und das Management des Berliner Unternehmens deutlich verstärkt.
Aspex hatte sich bereits in der Vergangenheit als kritischer Aktionär positioniert und Forderungen nach strategischen Veränderungen bei Delivery Hero artikuliert. Die Erhöhung der Anteile signalisiert eine intensivierte Auseinandersetzung mit der Unternehmensentwicklung und den bisherigen Managemententscheidungen.
Hintergrund
Delivery Hero ist einer der weltweit führenden Online-Lieferdienste mit Präsenz in mehr als 70 Ländern. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren jedoch mit Profitabilitätsproblemen und Marktherausforderungen zu kämpfen gehabt. Investoren kritisieren seit längerer Zeit die finanzielle Performance und das Management unter Führung von Bastian Östberg, der 2019 die Leitung übernahm.
Die geplante Übernahme des Konkurrenten Grubhub durch Delivery Hero scheiterte 2021 unter regulatorischem Druck in den USA. Seither steht das Unternehmen unter verstärktem Druck, seine Profitabilität zu verbessern und eine klare Strategie für zukünftiges Wachstum zu demonstrieren.
Die wichtigsten Fakten
- Anteilerhöhung: Aspex Capital erhöht seine Beteiligung an Delivery Hero auf rund 15 Prozent und wird damit zu einem der größten Aktionäre des Unternehmens.
- Kritischer Aktionär: Der Fonds positioniert sich als aktiver und kritischer Investor, der Veränderungen im Management und der Strategie fordert.
- Druck auf Östberg: Die Anteilerhöhung intensiviert den Druck auf Vorstandschef Bastian Östberg und seine Managemententscheidungen erheblich.
- Profitabilitätsziele: Aspex zielt darauf ab, Delivery Hero zu Verbesserungen in der Profitabilität und Effizienz zu bewegen, die bisher ausgeblieben sind.
- Activist Investing: Der Schritt ist typisch für eine Activist-Investor-Strategie, bei der Großaktionäre aktiv in die Unternehmenspolitik eingreifen.
Strategischer Druck und Managementdiskussionen
Durch die Erhöhung seiner Anteile auf 15 Prozent erhält Aspex Capital mehr Gewicht in Hauptversammlungen und Diskussionen mit dem Vorstand. Mit diesem Anteil hat der Fonds eine deutlich stärkere Position, um seine Forderungen durchzusetzen oder zumindest signifikanten Einfluss auf Unternehmensentscheidungen auszuüben.
In der Praxis bedeutet dies, dass Aspex verstärkt in der Lage ist, Vorstandswahlen zu beeinflussen, Strategievorhaben zu hinterfragen oder sogar Managementwechsel zu fordern. Die bisherigen Kritikpunkte des Fonds dürften sich auf die mangelnde Profitabilität, die hohen Kosten in bestimmten Märkten und möglicherweise auch auf Fragen der Corporate Governance konzentrieren.
Delivery Hero hatte sich in den vergangenen Jahren bemüht, profitabler zu werden. Das Unternehmen hatte verschiedene Märkte verlassen oder Beteiligungen verkauft – etwa in Osteuropa – um die Profitabilität zu verbessern. Doch offenbar beurteilt Aspex diese Bemühungen als unzureichend und sieht Bedarf für tiefgreifendere Veränderungen.
Marktkontext und Wettbewerb
Der Lieferdienste-Sektor ist hochkonkurrenzintensiv und unter erheblichem Druck. Während der Pandemie profitierten viele Lieferdienste von der massiven Nachfrage, doch seit der Normalisierung des Alltags schrumpfen die Wachstumsraten. Delivery Hero konkurriert global mit Playern wie Uber Eats, DoorDash und regionalen Anbietern.
In diesem schwierigen Umfeld sind Investoren ungeduldig geworden. Sie erwarten, dass die Unternehmen endlich zu Profitabilität gelangen, statt nur auf Wachstum zu setzen. Dies ist der Kontext, vor dem Aspex seine aggressivere Strategie verfolgt.
Ausblick
Die Erhöhung des Anteils durch Aspex auf 15 Prozent dürfte die kommenden Monate und Jahre bei Delivery Hero prägen. Es ist wahrscheinlich, dass es zu verstärkten Diskussionen zwischen dem Fonds und dem Management kommt, möglicherweise auch mit Forderungen nach Managementwechseln oder strategischen Neuausrichtungen.
Für Bastian Östberg und sein Vorstandsteam wird der Druck damit erheblich. Ein Großaktionär mit 15 Prozent der Anteile ist in der Lage, konstruktiv oder auch konfrontativ auf das Unternehmen einzuwirken. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob und wie Delivery Hero und sein Management auf die verstärkte Präsenz von Aspex reagieren werden.
Insgesamt ist die Anteilerhöhung ein Zeichen dafür, dass institutionelle Investoren ihre Geduld mit unprofitablen Lieferdiensten aufgebraucht haben. Sie wollen sehen, dass die Unternehmen endlich zu nachhaltigen Profitabilitätsmodellen gelangen – und sind bereit, dafür Druck auszuüben.














