Wirtschaft

EZB-Hammer: Leitzins schon wieder rauf – jetzt 2,5 Prozent!

Die Inflation in der Eurozone liegt über drei Prozent – die Notenbank reagiert zum zweiten Mal in diesem Jahr.

Von Sarah Müller 5 Min. Lesezeit
EZB-Hammer: Leitzins schon wieder rauf – jetzt 2,5 Prozent!
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins erneut angehoben, diesmal um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent
  • Grund ist die Teuerungsrate in der Eurozone, die zuletzt über die Drei-Prozent-Marke gestiegen ist
  • Verbraucher und Unternehmen müssen sich auf höhere Kreditkosten einstellen

2,5 Prozent – so hoch war der Leitzins der Europäischen Zentralbank zuletzt vor mehreren Jahren nicht mehr. Mit der Zinserhöhung um 25 Basispunkte reagiert die EZB auf eine Inflationsrate in der Eurozone, die im August erneut über der Drei-Prozent-Marke lag und damit deutlich über dem selbstgesteckten Ziel von zwei Prozent liegt.

Es ist bereits die zweite Anhebung in diesem Jahr. Erst im Frühjahr hatte die Notenbank den Leitzins noch gesenkt – wie im Artikel Eurozins-Wende: EZB senkt Leitzins auf 1,75 Prozent beschrieben. Die erneute Kehrtwende zeigt, wie volatil die Lage an den Finanzmärkten derzeit ist und wie schwer sich die Notenbanker mit einer verlässlichen Prognose tun.

Die Entscheidung im Detail

Der EZB-Rat hat den Leitzins am gestrigen Mittwoch von 2,25 auf 2,5 Prozent angehoben. Damit setzt sich der Kurs fort, den die Notenbank bereits im Frühsommer eingeschlagen hatte, als erste Anzeichen einer anziehenden Kerninflation sichtbar wurden. Der Einlagenzins, zu dem Banken überschüssige Liquidität bei der EZB parken können, steigt parallel auf 2,25 Prozent.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde begründete den Schritt mit hartnäckigem Preisdruck bei Dienstleistungen und Energie. Die Sitzung des EZB-Rats fiel diesmal deutlich kontroverser aus als in den vergangenen Monaten – mehrere Ratsmitglieder aus südeuropäischen Ländern hatten sich im Vorfeld für eine Zinspause ausgesprochen, konnten sich aber nicht durchsetzen.

Warum jetzt und nicht früher

Bereits im Juli hatten mehrere EZB-Mitglieder vor einer erneuten Zinserhöhung gewarnt, da die konjunkturelle Erholung in Teilen der Eurozone noch fragil sei. Die Bundesbank verweist jedoch darauf, dass sich die Inflationserwartungen der Verbraucher zuletzt wieder nach oben verschoben hätten – ein Warnsignal, das die Notenbank nicht ignorieren konnte. Ein zu spätes Eingreifen hätte laut Bundesbank das Risiko erhöht, dass sich hohe Preissteigerungen in Löhnen und Verträgen dauerhaft verfestigen.

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Die Inflationslage in der Eurozone

Wirtschaft Rezession Konjunktur Fallende Kurve Grafik Deutschland Wirtschaft
Wirtschaft Rezession Konjunktur Fallende Kurve Grafik Deutschland Wirtschaft

Die Gesamtinflation in der Eurozone lag im August bei 3,2 Prozent, nach 2,9 Prozent im Vormonat. Besonders die Kernrate, die Energie und Lebensmittel ausklammert, bereitet den Notenbankern Sorgen: Sie verharrt bei über 3 Prozent und zeigt kaum Anzeichen einer Abschwächung. Dienstleistungen, insbesondere im Bereich Wohnen, Gastronomie und Freizeit, verteuerten sich im Jahresvergleich um mehr als vier Prozent.

Das ifo Institut weist darauf hin, dass die Preisdynamik vor allem durch steigende Lohnkosten getragen wird. In mehreren Tarifrunden wurden zuletzt Abschlüsse von über vier Prozent vereinbart, die sich nun in den Verkaufspreisen niederschlagen. Das DIW ergänzt, dass auch geopolitische Unsicherheiten – etwa bei Energieimporten – weiterhin ein Risiko für die Preisstabilität darstellen.

Deutschland als Sonderfall

In Deutschland selbst fiel die Inflation im August mit 2,8 Prozent etwas moderater aus als im Euroraum-Durchschnitt. Dennoch bleibt die Teuerung auch hierzulande über dem EZB-Ziel. Das Statistische Bundesamt führt dies unter anderem auf gestiegene Mieten und weiterhin hohe Preise für Dienstleistungen zurück. Gleichzeitig zeigt die deutsche Wirtschaft erste Anzeichen einer Stabilisierung, wie zuletzt im Beitrag Deutschlands Wirtschaft wächst wieder dargestellt wurde.

Wer profitiert, wer verliert

Eine Zinserhöhung wirkt nie neutral – sie verteilt Vor- und Nachteile ungleich zwischen verschiedenen Gruppen in der Wirtschaft. Sparerinnen und Sparer dürfen sich über bessere Konditionen bei Tagesgeld und Festgeld freuen, da Banken die höheren Leitzinsen tendenziell an Einlagen weitergeben. Auch klassische Versicherungsprodukte mit Garantiezins profitieren mittelfristig.

Auf der Verliererseite stehen vor allem Unternehmen mit hohem Fremdkapitalbedarf sowie private Bauherren. Für sie verteuern sich Kredite spürbar, was Investitionen bremst. Besonders betroffen ist erneut die Bauwirtschaft, die sich gerade erst von den Zinssteigerungen der vergangenen Jahre erholt hatte. Der Immobilienmarkt, der zuletzt leichte Erholungstendenzen zeigte, wie im Artikel Immobilienmarkt dreht: Kaufpreise steigen erstmals wieder nach beschrieben, könnte durch die erneute Zinsanhebung erneut unter Druck geraten.

Auswirkungen auf den Mittelstand

Für kleine und mittlere Unternehmen bedeutet die Zinserhöhung höhere Finanzierungskosten bei Investitionskrediten. Laut einer aktuellen Statista-Erhebung planen rund 38 Prozent der befragten Mittelständler, geplante Investitionen wegen der gestiegenen Kapitalkosten zu verschieben oder zu reduzieren. Besonders exportorientierte Betriebe klagen zusätzlich über einen stärkeren Euro, der ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächt.

Chancen für institutionelle Anleger

Pensionsfonds und Versicherungen hingegen begrüßen die Zinswende. Höhere Zinsen erleichtern es ihnen, langfristige Verpflichtungen mit sicheren Anleihen zu bedienen, ohne auf riskantere Anlageformen ausweichen zu müssen. Auch Banken profitieren tendenziell von einer steileren Zinsstrukturkurve, da sich die Marge zwischen kurzfristiger Refinanzierung und langfristiger Kreditvergabe verbessert.

KennzahlVor ErhöhungNach Erhöhung
EZB-Leitzins2,25 %2,50 %
Einlagenzins2,00 %2,25 %
Inflation Eurozone (Aug.)2,9 %3,2 %
Inflation Deutschland (Aug.)2,5 %2,8 %
Kerninflation Eurozone3,0 %3,1 %

Konjunkturindikator: Der ifo Geschäftsklimaindex für Deutschland gab im August leicht nach, während die Erwartungskomponente wegen der bevorstehenden Zinsentscheidung bereits vorab eingetrübt war. Das DIW rechnet für das laufende Quartal mit einer moderaten Wachstumsverlangsamung.

Reaktionen aus Politik und Wirtschaft

Die Reaktionen auf die Zinserhöhung fallen gemischt aus. Vertreter der deutschen Industrie kritisierten den Schritt als verfrüht und warnten vor einer Belastung der ohnehin schwachen Investitionsdynamik. Gewerkschaften hingegen begrüßten die Entscheidung als notwendigen Schritt gegen den Kaufkraftverlust vieler Haushalte, die unter der anhaltend hohen Inflation leiden.

Auch politisch wird das Thema diskutiert. Während die Bundesregierung mit fiskalischen Maßnahmen wie der im Beitrag Steuer-Hammer: Kabinett beschließt Entlastung für Millionen beschriebenen Steuerentlastung versucht, die Kaufkraft zu stützen, wirkt die geldpolitische Straffung der EZB dieser Entlastung teilweise entgegen. Ökonomen sprechen von einem "Tauziehen zwischen Fiskal- und Geldpolitik", das die Wirkung beider Maßnahmen abschwächen könnte.

Stimmen aus den Bundesländern

Auch auf Länderebene wird die Zinsentscheidung mit Sorge beobachtet, insbesondere in strukturschwachen Regionen. In Sachsen-Anhalt etwa, wo die politische Lage ohnehin angespannt ist, wie im Beitrag Sachsen-Anhalt: Schulze kämpft um Wiederwahl gegen erstarkte AfD beschrieben, könnten steigende Finanzierungskosten regionale Wirtschaftsförderprogramme zusätzlich erschweren.

Ausblick: Wie geht es weiter?

Ökonomen sind sich uneinig, ob dies die letzte Zinserhöhung in diesem Zyklus war. Während einige Analysten mit einer Pause bei der nächsten Sitzung im Oktober rechnen, halten andere eine weitere Anhebung für möglich, sollte sich die Kerninflation nicht abschwächen. Die Bundesbank betont, dass weitere Schritte "datenabhängig" bleiben und keine automatische Fortsetzung des Zinserhöhungspfads garantiert sei.

Das DIW verweist zudem auf die Gefahr einer zu restriktiven Geldpolitik, die eine gerade erst begonnene konjunkturelle Erholung – wie sie im Artikel Deutsche Wirtschaft wächst erstmals wieder: Plus 0,4 Prozent dokumentiert wurde – erneut abwürgen könnte. Die EZB steht damit vor einer schwierigen Gratwanderung zwischen Preisstabilität und Wachstumsförderung.

Marktreaktionen an den Börsen

Die europäischen Aktienmärkte reagierten am Tag der Entscheidung verhalten. Der DAX gab zunächst leicht nach, erholte sich im Tagesverlauf jedoch wieder, da die Zinserhöhung von vielen Marktteilnehmern bereits im Vorfeld eingepreist worden war. Der Euro legte gegenüber dem US-Dollar zu, was Exporteuren zusätzliche Herausforderungen bereiten dürfte.

Die kommenden Wochen werden zeigen, wie nachhaltig die Wirkung der Zinserhöhung auf die Inflation ausfällt. Klar ist bereits jetzt: Verbraucher, Unternehmen und Anleger müssen sich auf ein Umfeld einstellen, in dem günstiges Geld vorerst nicht zurückkehrt. Die EZB hat mit ihrer Entscheidung ein klares Signal gesendet – ob es ausreicht, die Inflation dauerhaft zu zähmen, bleibt abzuwarten.

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Sarah Müller
Sport & Regional

Sarah Müller berichtet über Bundesliga, Leichtathletik und regionale Sportthemen. Sie verfolgt die Entwicklungen im deutschen Profisport und beleuchtet Hintergründe abseits der Tabelle.

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