Sport

Human Rights Watch warnt vor Menschenrechtsrisiken bei WM 2026 in den USA

Organisationen kritisieren unklare Sicherheitsmaßnahmen und potenzielle Verstöße während des Turniers.

Von Sarah Müller 5 Min. Lesezeit Aktualisiert: 24.06.2026
Human Rights Watch warnt vor Menschenrechtsrisiken bei WM 2026 in den USA
Das Wichtigste in Kürze
  • Human Rights Watch warnt vor einer »potenziellen Menschenrechtskatastrophe« bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA
  • Die Organisation kritisiert insbesondere die ungeklärte Rolle von ICE-Beamten und sieht darin eine problematische Nähe der Fifa zu Donald Trump
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Human Rights Watch hat mit deutlichen Worten vor massiven Menschenrechtsrisiken bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA gewarnt. Die renommierte internationale Menschenrechtsorganisation kritisiert nicht nur die fehlende Transparenz der FIFA bezüglich Sicherheitsmaßnahmen, sondern prangert auch strukturelle Risiken an, die sich aus der Beteiligung von US-amerikanischen Einwanderungsbehörden ergeben könnten. Die WM 2026 wird das erste Turnier, das über mehrere Länder verteilt ausgetragen wird – ein logistisches und sicherheitspolitisches Novum, das zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt.

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Die kritische Rolle der ICE-Behörde bei der Turnierplanung

Im Zentrum der Kritik von Human Rights Watch steht die Frage der Beteiligung von Immigration and Customs Enforcement (ICE) – jener US-Behörde, die für Einwanderungskontrolle und Abschiebungen zuständig ist. Die Organisation warnt davor, dass ein Einsatz dieser Agentur zur Sicherung des Turniers zu Massenrazzien, willkürlichen Festnahmen und diskriminierenden Kontrollen führen könnte. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass die FIFA bislang keine klare Stellungnahme zu diesem Thema abgegeben hat.

▶ Auf einen Blick
  • Human Rights Watch warnt vor potenziellen Menschenrechtsverletzungen bei der WM 2026 in den USA.
  • Die Kritik konzentriert sich auf die mögliche Beteiligung der US-Einwanderungsbehörde ICE.
  • Die FIFA wird aufgefordert, transparente Sicherheitsrichtlinien zu entwickeln.

Human Rights Watch verweist in seiner Analyse auf die dokumentierte Geschichte der ICE: Die Behörde ist bekannt für Operationen, die ohne ausreichende rechtliche Grundlagen durchgeführt werden und überproportional Personen mit lateinamerikanischen Wurzeln betreffen. Ein Turnier, das Millionen von Besuchern aus aller Welt anzieht – viele davon aus dem globalen Süden – könnte somit zum Schauplatz systematischer Diskriminierung werden. Die Menschenrechtsorganisation fordert daher die FIFA auf, transparente Sicherheitsrichtlinien zu verabschieden, die internationale Menschenrechtsstandards garantieren.

Historischer Kontext: Menschenrechtsbedenken bei vorherigen Turnieren

Human Rights Watch warns US heading to 'authoritarianism' • FRANCE 24 English

Die Sorgen von Human Rights Watch sind nicht neu. Bei den Weltmeisterschaften der letzten zwei Jahrzehnte gab es wiederholt Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen. Bei der WM 2022 in Katar wurden Tausende von Wanderarbeitern unter prekären Bedingungen eingesetzt – ein Skandal, der international zu massiver Kritik führte. Bei der WM 2014 in Brasilien wurden Favela-Bewohner vertrieben, um Stadionbauten zu ermöglichen. Diese historischen Präzedenzfälle zeigen, dass Großveranstaltungen oft auf dem Rücken von Minderheiten und gefährdeten Bevölkerungsgruppen organisiert werden.

Die geplante WM 2026 unterscheidet sich allerdings grundlegend: Sie wird nicht nur in den USA stattfinden, sondern erstmals in der Turniergeschichte drei Gastgeberländer umfassen – die USA, Kanada und Mexiko. Diese tri-nationale Struktur erschwert die Koordination von Sicherheitsmaßnahmen erheblich und eröffnet neue Schlupflöcher für Menschenrechtsverletzungen. Besonders kritisch ist die Situation an der US-mexikanischen Grenze, wo Migration ein hochpolitisiertes Thema ist und wo die ICE routinemäßig Operationen durchführt.

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Spezifische Menschenrechtsrisiken im Mehrländer-Format

Das tri-nationale Format der WM 2026 bringt spezifische Risiken mit sich, die in diesem Umfang bei bisherigen Turnieren nicht existierten. Zunächst die grundsätzliche Frage der Bewegungsfreiheit: Fans, die mehrere Stadien in verschiedenen Ländern besuchen möchten, benötigen Visa und Grenzüberquerungen. Die USA haben bekannt restriktive Visa-Praktiken, insbesondere für Besucher aus Ländern mit muslimischer Mehrheit oder aus wirtschaftlich schwächeren Regionen.

Human Rights Watch dokumentiert, dass bei massiven Sicherheitsvorkehrungen – wie sie bei einer Weltmeisterschaft üblich sind – häufig auch marginalisierte Gruppen überproportional kontrolliert werden. Obdachlose Menschen, Angehörige von Minderheiten und Migranten berichten von verstärkten Polizeieinsätzen in Stadionnähe. Eine Anforderung, dass ICE-Agenten als Sicherheitskräfte fungieren, würde diese Problematik erheblich zuspitzen. Die Behörde ist nicht ausgebildet für Großveranstaltungssicherheit – ihre Kernaufgabe ist die Einwanderungsdurchsetzung, was zu struktureller Diskriminierung führt.

Hinzu kommt die digitale Sicherheit: Werden Daten von Besuchern erfasst, besteht das Risiko, dass diese an Einwanderungsbehörden weitergegeben werden. Dies würde auch internationale Datenschutzstandards gefährden und vertrauensbasierte Beziehungen zu Behörden untergraben.

FIFA-Verantwortung und internationale Standards

Die FIFA hat bislang versucht, sich aus dieser Debatte herauszuhalten. Dies ist jedoch nicht akzeptabel. Die Organisation hat internationale Verpflichtungen: Sie ist Signatar der Deutschen Olympischen Sportbund und anderer internationaler Sportorganisationen verpflichtet, Menschenrechtsstandards einzuhalten. Dies ist nicht nur eine ethische Frage, sondern auch eine rechtliche.

Der Deutsche Fußball-Bund hat sich bereits in mehreren Stellungnahmen zu Menschenrechtsthemen geäußert. Es besteht Druck auf die FIFA, ähnliche Positionen einzunehmen – besonders von europäischen Verbänden, deren Fans und Spieler von strengeren Grenzkontrollen bei der Einreise in die USA betroffen sein könnten.

Human Rights Watch fordert konkret folgende Maßnahmen: Erstens eine schriftliche Verpflichtung der FIFA, dass ICE-Agenten nicht direkt an der Sicherung des Turniers beteiligt sein dürfen. Zweitens transparente Sicherheitsprotokolle, die internationalen Menschenrechtsabkommen entsprechen. Drittens unabhängige Überwachungsmechanismen durch internationale Organisationen. Viertens ein spezialisiertes Trainingsprogramm für alle Sicherheitskräfte zu Nicht-Diskriminierung und Menschenrechten.

Breitere Auswirkungen auf die Sportindustrie

Die Kritik an der WM 2026 könnte langfristige Auswirkungen auf die Vergabepraktiken von Mega-Events haben. Bereits bei der Olympiaplanung für Los Angeles 2028 zeigen sich ähnliche Menschenrechtsbedenken. Die Frage, ob demokratische Länder mit restriktiven Migrationspolitiken überhaupt Gastgeberländer für solche Events sein sollten, wird zunehmend gestellt. Einige Experten argumentieren, dass ein Veranstaltungsverbot für Länder mit dokumentierten Menschenrechtsproblemen erwogen werden sollte – ein radikaler Schritt, der aber im sportlichen Diskurs zunehmend Anhänger findet.

Parallel dazu gibt es auch positive Entwicklungen. Mehrere Aktivistennetzwerke bereiten sich auf Monitoring während der WM 2026 vor, ähnlich wie internationale Organisationen bei anderen Krisen Dokumentationsarbeit leisten. Dies könnte zumindest teilweise abschreckend wirken und für Transparenz sorgen.

Was Fans und Verbände tun können

Für Fans, die zur WM 2026 reisen möchten, gibt es bereits praktische Implikationen: Die Nachfrage nach Reiseversicherungen mit spezifischen Klauseln für Einwanderungsprobleme ist gestiegen. Viele Reiseunternehmen warnen ihre Kunden vor verstärkten Grenzkontrollen. Fußballverbände wie der DFB könnten – ähnlich wie bei früheren Turnieren in fraglichen Ländern – offizielle Reisewarnungen ausgeben oder spezielle Reiseprotokolle für ihre Fans entwickeln.

Auch die Spielergewerkschaften werden aktiv: Mehrere Spielerverbände haben signalisiert, dass ihre Mitglieder sich nicht an Turnieren beteiligen möchten, wenn Menschenrechtsverletzungen dokumentiert sind. Dies wäre für die FIFA ein erheblicher Druck, da ein Boykott die Legitimität des gesamten Events gefährden würde.

Ausblick und offene Fragen

Die nächsten Monate werden entscheidend sein. Die FIFA sollte bis spätestens 2025 konkrete, überprüfbare Sicherheitsprotokolle vorlegen. Ansonsten besteht das Risiko, dass die WM 2026 als Menschenrechts-Skandal in die Geschichte eingeht. Die Aussicht auf ein Turnier, bei dem internationale Fans Angst vor Massenverhaftungen haben müssen, widersricht dem Geist des Fußballs als globalem Integrationssymbol.

Die Rolle von Medien, Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen wird sein, diese Fragen öffentlich zu machen und die FIFA zur Rechenschaft zu ziehen. Nur mit sustanziellem internationalen Druck lassen sich Menschenrechtsverletzungen bei Großveranstaltungen verhindern.

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EinordnungDie Meldung wirft Fragen zur Sicherheit und Menschenrechte im Zusammenhang mit der WM 2026 auf. Sie beleuchtet die logistischen Herausforderungen des verteilten Turniers und die potenziellen Risiken durch die Einbeziehung von Einwanderungsbehörden, was für deutsche Sportfans und die Öffentlichkeit von Bedeutung ist.
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ZenNews24 RedaktionUnabhängige Nachrichtenredaktion · Schwerpunkt: Sport
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Sarah Müller
Sport & Regional

Sarah Müller berichtet über Bundesliga, Leichtathletik und regionale Sportthemen. Sie verfolgt die Entwicklungen im deutschen Profisport und beleuchtet Hintergründe abseits der Tabelle.

Quelle: Spiegel Sport
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