Human Rights Watch warnt vor Menschenrechtsrisiken bei WM 2026 in den USA
Organisationen kritisieren unklare Sicherheitsmaßnahmen und potenzielle Verstöße während des Turniers.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat massive Bedenken gegen die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA angemeldet. In einer Stellungnahme gegenüber dem Spiegel warnt die renommierte Organisation vor einer »potenziellen Menschenrechtskatastrophe« und kritisiert die Fifa scharf für ihre bisherige Haltung zu Sicherheitsmaßnahmen während des Turniers.
Zentrum der Kritik ist die bislang ungeklärte Frage, ob Beamte der Immigration and Customs Enforcement (ICE) – der US-amerikanischen Einwanderungsbehörde – bei der Sicherung des Turniers eingesetzt werden. Human Rights Watch wertet das Zögern der Fifa, diese Frage eindeutig zu beantworten, als »peinliche« Anbiederung an den designierten US-Präsidenten Donald Trump.
Hintergrund
Die Fifa hatte die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2026 an die USA, Mexiko und Kanada vergeben. Es ist das erste Mal, dass das Turnier in drei Ländern stattfinden wird. Die Vereinigten Staaten werden als Hauptausrichter fungieren und die meisten Spiele ausrichten.
Die Entscheidung fiel 2018, lange vor Donald Trumps Rückkehr in die amerikanische Politik. Allerdings hat Trump bereits mehrfach Forderungen nach verstärkten Grenzkontrollen und aggressiveren Einwanderungsmaßnahmen geäußert. Dies nährt Befürchtungen bei Menschenrechtsorganisationen, dass die ICE während des Turniers verstärkt tätig sein könnte.
Human Rights Watch bezieht sich in ihrer Kritik insbesondere auf die historische Rolle der ICE, die regelmäßig in Zusammenhang mit Vorwürfen von Menschenrechtsverletzungen genannt wird – darunter unzureichende Haftbedingungen, überzogene Einsatztaktiken und mangelnde Rechtsschutzgarantien bei der Durchsetzung von Einwanderungsbestimmungen.
Die wichtigsten Fakten
- Turnierformat: Die WM 2026 findet erstmals in drei Ländern statt – in den USA, Mexiko und Kanada. Mit 48 Teams ist sie die größte Weltmeisterschaft in der Geschichte des Fußballs.
- Sicherheitsbedenken: Human Rights Watch warnt vor potenziellen Verstößen gegen Menschenrechtsstandards bei der Sicherung des Turniers und fordert strikte internationale Überwachungsmechanismen.
- ICE-Einsätze ungeklärt: Die Fifa hat bisher keine klare Zusage gemacht, dass ICE-Beamte nicht beim Turnier eingesetzt werden – ein Punkt, den Aktivisten als fahrlässig kritisieren.
- Kritik an der Fifa: Menschenrechtsorganisationen werfen der Fifa vor, sich gegenüber der US-Regierung zu unterwürfig zu verhalten statt klare Bedingungen für Menschenrechtsschutz zu setzen.
- Größtes Turnier der Geschichte: Mit 80 Spielen und 48 Mannschaften wird die WM 2026 logistische und sicherheitstechnische Herausforderungen mit sich bringen, die bisher beispiellos sind.
Sicherheitskonzept noch nicht transparent
Ein zentrales Problem liegt in der mangelnden Transparenz der bisherigen Planung. Weder die Fifa noch die US-amerikanischen Behörden haben ein umfassendes, öffentlich zugängliches Sicherheitskonzept vorgestellt, das internationale Menschenrechtsstandards erfüllt.
Human Rights Watch fordert, dass die Fifa konkrete vertragliche Vereinbarungen mit den Gastländern trifft, die garantieren, dass bei allen sicherheitsrelevanten Maßnahmen während des Turniers Menschenrechtsstandards eingehalten werden. Dies sollte auch explizit den Ausschluss von Einwanderungsbehörden mit bekannter Missbrauchshistorie beinhalten.
Die Besorgnis wird verschärft durch die geplante Größe des Turniers. Mit 48 Teams statt der bisherigen 32 und 80 Spielen statt 64 wird es mehr Zuschauer, mehr Sicherheitspersonal und komplexere logistische Herausforderungen geben. Entsprechend größer ist das Potenzial für Missverständnisse, Konflikte und mögliche Übergriffe.
Internationale Precedenzfälle
Die Befürchtungen von Human Rights Watch speisen sich auch aus historischen Erfahrungen. Bei der WM 2014 in Brasilien wurden Kritiker der Veranstaltung von Sicherheitskräften angegriffen. Bei der WM 2022 in Katar gab es massive Debatten über Arbeiterrechte und die Behandlung von Migranten beim Stadionbau.
Jede Weltmeisterschaft zieht unvermeidlich auch Demonstranten, Aktivisten und kritische Stimmen an. Die Frage ist, wie diese Personen von Sicherheitsbehörden behandelt werden und welche Schutzmechanismen existieren, um Übergriffe zu verhindern.
Ausblick
Es ist unklar, ob die Fifa die Kritik von Human Rights Watch aufgreifen wird und konkrete Maßnahmen einleitet. Die Organisation fordert ein unabhängiges internationales Monitoring-System, das während und nach der WM 2026 die Einhaltung von Menschenrechtsstandards überprüft.
In den kommenden Monaten werden weitere Details zum Sicherheitskonzept bekannt. Dabei wird sich zeigen, ob die Fifa bereit ist, ihre Glaubwürdigkeit als globale Sportorganisation zu bewahren, indem sie klare Grenzen gegenüber nationalen Sicherheitsapparaten setzt – oder ob sie tatsächlich die »peinliche Anbiederung« praktiziert, die Human Rights Watch vorwirft.
Die Debatte ist nicht nur für die Fußball-Gemeinde relevant, sondern auch als Testfall dafür, wie internationale Großveranstaltungen mit Menschenrechtsrisiken umgehen und welche Verantwortung Sportorganisationen übernehmen wollen.
















