"Nürnberg": Russell Crowe als Göring im psychologischen Drama
Neuer Film untersucht die Psyche eines NS-Verbrechers im Gespräch mit einem Psychiater.
Russell Crowe kehrt auf die Kinoleinwand zurück – und zwar mit einer der dunkelsten und psychologisch komplexesten Rollen seiner Karriere. Der Oscarpreisträger verkörpert in dem kommenden psychologischen Drama Nürnberg niemand Geringeren als Hermann Göring, einen der Hauptverantwortlichen des NS-Regimes. Der Film konzentriert sich dabei nicht auf die klassische historische Abhandlung der Verbrechen, sondern auf ein intensives Zwiegespräch zwischen dem gefangenen Nazi-Funktionär und dem amerikanischen Militärpsychiater Leon Goldensohn – eine faszinierende und verstörende Reise in die Abgründe des menschlichen Verstands.
Das Konzept: Psychologisches Schachspiel statt Action-Spektakel

Was macht diesen Film so besonders? Nürnberg weigert sich, in die üblichen Trampelpfade des Historiendramas zu treten. Statt großer Schlachtsequenzen oder dokumentarischer Aufzählungen von Gräueltaten konzentriert sich die Produktion auf das Intimste, das man sich vorstellen kann: ein Gespräch zwischen zwei Männern in einer Gefängniszelle. Auf der einen Seite der ehemalige Luftwaffenchef und Reichsmarschall, der im Verhör immer tiefere psychologische Abgründe offenbart. Auf der anderen Seite der Psychiater, der versucht, die Psyche eines Mannes zu verstehen, der Millionen Menschenleben auf dem Gewissen hat.
Das ist kammerspielartiges Kino in seiner reinsten Form – und genau deshalb so riskant wie vielversprechend. Denn ohne Schauwerte und Kulissenprunk trägt ausschließlich das schauspielerische Können. Wer hier nicht liefert, hat keine Explosionen, hinter denen er sich verstecken kann.
Das Drehbuch basiert auf historischen Aufzeichnungen – unter anderem den veröffentlichten Gesprächsprotokollen des Psychiaters Leon Goldensohn, der Göring während des Nürnberger Prozesses 1945/46 tatsächlich interviewt hat. Dennoch lässt die Produktion Raum für dramatische Interpretation. Die beteiligten Historiker haben recherchiert, welche Manipulationstaktiken, Rechtfertigungsstrategien und psychologischen Mechanismen ein Mann wie Göring einsetzte, um sich selbst zu erklären – und andere zu täuschen. Das Ergebnis soll kein Film sein, der Sympathie für die Nazi-Elite erzeugt. Ganz im Gegenteil: Es ist eine Sektion, ein Autopsiebericht der Psyche eines Massenmörders in ziviler Kleidung.
Russell Crowe: Der richtige Schauspieler zur rechten Zeit

Eine Karriere geprägt von psychologischer Tiefe
Wer Russell Crowe ist, weiß spätestens seit Gladiator – aber wer ihn wirklich kennt, weiß, dass dieser Schauspieler weit mehr ist als Muskeln und Kinnlade. Crowe brilliert seit Jahrzehnten darin, Charaktere zu spielen, die innerlich zerrissen sind. In Cinderella Man (2005) verkörperte er einen verzweifelten Boxer in der Weltwirtschaftskrise. In A Beautiful Mind (2001), für den er seinen zweiten Golden Globe holte, lieferte er ein Meisterwerk der Darstellung mentaler Instabilität als Mathematiker John Nash. Der Oscar für Gladiator (2000) kam nicht von ungefähr.
Für Nürnberg betritt Crowe allerdings neues psychologisches Terrain. Es geht diesmal nicht um persönliche Tragödie oder individuelle Zerrüttung – sondern um institutionalisiertes Böses, um Größenwahn, um die erschreckende Fähigkeit eines Menschen, sich selbst zu täuschen und Millionen zu manipulieren. Das ist ein anderes Kaliber von Komplexität. Und genau deshalb ist die Besetzung so interessant: Crowe ist kein Schönling, der Böse spielt. Er ist ein Charakterdarsteller, der versteht, wie man eine Figur von innen heraus aufbaut.
Die Vorbereitung: Handwerk auf höchstem Niveau
Berichten zufolge hat Crowe eine intensive Vorbereitungsphase durchlaufen. Der Schauspieler soll sich mit historischen Dokumenten auseinandergesetzt, Görings Reden analysiert und sich eingehend mit der NS-Rhetorik sowie den psychologischen Mechanismen der Radikalisierung beschäftigt haben. Das ist die Art von schauspielerischem Handwerk, die große Leistungen ausmacht – nicht einfach eine Rolle spielen, sondern sie begreifen. Crowe hat in Interviews betont, wie wichtig es ihm war, Göring nicht als Karikatur, sondern als Menschen darzustellen – was gleichzeitig das Verstörendste an der gesamten Produktion sein dürfte.
Ergänzt wird Crowe durch ein noch nicht vollständig bekanntes Ensemble. Der Regisseur des Projekts sowie der Darsteller des Psychiaters wurden zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung noch nicht offiziell bestätigt – Details, die die Produktion mit Spannung erwartet werden dürfen.
Historischer Hintergrund: Wer war Hermann Göring wirklich?
Für alle, die den Namen kennen, aber die historischen Details nicht parat haben: Hermann Göring (1893–1946) war einer der mächtigsten Männer im Dritten Reich. Gründer der Gestapo, Oberbefehlshaber der Luftwaffe, designierter Nachfolger Hitlers – Göring war kein Mitläufer, sondern ein aktiver Architekt des NS-Terrors. Nach dem Krieg wurde er in Nürnberg als Hauptkriegsverbrecher angeklagt und zum Tode verurteilt. Er entzog sich der Hinrichtung, indem er in der Nacht zuvor eine Zyankalikapsel schluckte.
Dass ausgerechnet dieser Mann nun im Mittelpunkt eines psychologischen Dramas steht, ist mutig – und notwendig. Denn die Frage, wie normale Menschen zu Tätern werden, ist keine historische Randnotiz. Sie ist eine der drängendsten kulturellen Fragen unserer Zeit.
Trailer: Erster Blick auf Russell Crowe als Göring
Ein offizieller Trailer ist bislang noch nicht veröffentlicht worden. Sobald dieser verfügbar ist, werden wir ihn hier einbetten. In der Zwischenzeit lohnt sich ein Blick auf Crowes schauspielerische Bandbreite – etwa in diesem Rückblick auf seine bemerkenswertesten Rollen:
Wo und wann kann man „Nürnberg" sehen?
Ein offizieller Kinostarttermin für Deutschland, Österreich und die Schweiz steht noch aus. Basierend auf dem Produktionsstand und den bisherigen Ankündigungen ist ein Kinostart frühestens 2025 realistisch. Ob und wann der Film danach auf Streamingdienste kommt, ist offen. Zur Orientierung: So sehen die aktuellen Abo-Preise der relevanten Plattformen aus, auf denen vergleichbare Historiendramen verfügbar sind:
| Streamingdienst | Abo-Modell | Preis/Monat | Beispiel-Titel im Genre |
|---|---|---|---|
| Netflix | Standard mit Werbung | 4,99 € | The Zookeeper's Wife |
| Netflix | Standard | 13,99 € | War Machine, Munich |
| Amazon Prime Video | Prime-Inklusive | 8,99 € | Hunters (Serie) |
| Apple TV+ | Standard | 9,99 € | Masters of the Air |
| MagentaTV / Sky | Sky Cinema | ab 10,00 € | Aktuelle Kinofilme im Abo |
Hinweis: Alle Preise entsprechen dem Stand Juni 2025 und können sich ändern. Die Verfügbarkeit einzelner Titel variiert je nach Region.
5 Filme, die du vor „Nürnberg" gesehen haben solltest
Wer sich auf das psychologische und historische Terrain des Films vorbereiten möchte, dem empfehlen wir diese fünf Werke – vom klassischen Gerichtsdrama bis zum modernen Psycho-Thriller:
- Judgment at Nuremberg (1961) – Stanley Kramers oscargekröntes Meisterwerk über die Nürnberger Nachfolgeprozesse. Mit Maximilian Schell, Burt Lancaster und Marlene Dietrich. Pflichtlektüre für jeden, der den historischen Kontext verstehen will.
- Der Untergang (2004) – Bruno Ganz als Hitler in Hitlers letzten Tagen. Kontrovers, eindringlich, unausweichlich. Ein Meilenstein des deutschen Historienfilms und ein direkter Vorläufer des Ansatzes, den Nürnberg verfolgt.
- A Beautiful Mind (2001) – Russell Crowe at his best. Wer verstehen will, wozu dieser Schauspieler fähig ist, wenn er psychologische Tiefe auslotet, schaut diesen Film.
- Conspiracy (2001) – Ein HBO-Film über die Wannsee-Konferenz, in dem Kenneth Branagh und Stanley Tucci zeigen, wie man den Massenmord bürokratisch plant. Kalt, präzise und unerträglich nüchtern.
- Operation Finale (2018) – Ben Kingsley als Adolf Eichmann, Oscar Isaac als Mossad-Agent. Spannung und historische Ernsthaftigkeit in einem – und eine interessante Parallele zum Verhör-Setting von Nürnberg.
Fazit: Ein Film, der unbequeme Fragen stellt
Nürnberg ist noch nicht in den Kinos – aber schon jetzt eines der spannendsten Filmprojekte des Jahres. Nicht wegen seiner Starbesetzung allein, sondern wegen seiner Grundfrage: Wie erklärt ein Mensch sich selbst, wenn er Millionen Morde zu verantworten hat? Und was sagt es über uns, wenn wir zuhören?
Russell Crowe hat bewiesen, dass er solche Fragen auf der Leinwand stellen kann. Ob Nürnberg die Antworten liefert, die es verspricht, wird sich zeigen. Wir behalten das Projekt für euch im Blick – alle weiteren Kinohighlights des Jahres findet ihr in unserer laufenden Vorschau.