ZenNews24› Politik› Ukraine ruft einseitige Waffenruhe aus – Russland… Politik Ukraine ruft einseitige Waffenruhe aus – Russland folgt nicht Kiew verhängt Feuerpaause ab Mitternacht, während Moskau erst ab Freitag auf Angriffe verzichten will. Von Thomas Weber 11.02.2025, 09:45 Uhr 8 Min. Lesezeit Aktualisiert: 08.05.2026 Das Wichtigste in Kürze Die Ukraine hat eine historisch ungewöhnliche Situation geschaffen: eine einseitig ausgerufene Waffenruhe, auf die Russland bislang nicht reagiert hat. Zum ersten Mal seit Beginn des russischen Angriffskrieges hat die Ukraine eine einseitige, unbefristete Waffenruhe ausgerufen – doch Moskau verweigert die Synchronisation: Russland will erst ab Freitag auf Angriffe verzichten, und auch das nur für begrenzte Zeit.InhaltsverzeichnisKiew setzt auf moralischen Druck – Moskau pokert auf ZeitHistorische Einordnung: Drei Jahre Krieg, kein stabiler WaffenstillstandReaktionen aus Berlin: Vorsichtige Unterstützung, strategische SkepsisInternationale Reaktionen: Washington lobt, Peking schweigt, Brüssel mahntWas steht auf dem Spiel? Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gab in den späten Abendstunden bekannt, dass die ukrainischen Streitkräfte ab Mitternacht keine offensiven Handlungen mehr einleiten würden. Die Ankündigung kam überraschend und ohne vorherige diplomatische Abstimmung mit Moskau – ein Schachzug, der die internationale Gemeinschaft in Aufruhr versetzt und die westlichen Verbündeten, darunter Deutschland, zu einer hastigen Neubewertung ihrer Positionen zwingt. Während Kiew mit dem Schritt internationalen Druck auf Russland aufbauen will, mehren sich die Warnungen vor einer gefährlichen Asymmetrie auf dem Schlachtfeld. Kiew setzt auf moralischen Druck – Moskau pokert auf Zeit Die ukrainische Führung begründet ihren Schritt mit dem Willen zur Deeskalation und dem Signal an westliche Partner, dass Kiew ernsthaft an einem Waffenstillstand interessiert sei. Selenskyj betonte in seiner Videoansprache, die Ukraine habe alles unternommen, was von ihr verlangt worden sei – nun liege der Ball im Kreml. Aus dem ukrainischen Präsidialamt verlautete, man erwarte von den USA und der EU, Russland zu entsprechenden Schritten zu drängen. Moskau reagierte reserviert. Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, Russland werde eine begrenzte Feuerpause einleiten – jedoch erst am Freitag und nur für 72 Stunden. Als Begründung nannte Peskow angebliche Vorbereitungen der ukrainischen Seite für neue Offensivoperationen, die es zunächst zu verifizieren gelte. Russische Militärblogger und staatsnahe Medien sprachen von einem „propagandistischen Manöver" Kiews. Zeitgleich mit der ukrainischen Ankündigung wurden aus mehreren ukrainischen Regionen neue russische Luftangriffe gemeldet. Zu den russischen Luftangriffen auf die Ukraine vor der geplanten Waffenruhe erklärten ukrainische Behörden, dass allein in der Nacht zum Dienstag mehr als vierzig Drohnen abgefangen worden seien. Die zeitliche Nähe zur Waffenruhe-Ankündigung werteten ukrainische Vertreter als bewusste Provokation.📩Immer informiert bleibenDie wichtigsten Nachrichten, wenn sie erscheinen.Newsletter holen Historische Einordnung: Drei Jahre Krieg, kein stabiler Waffenstillstand Gesundheit Schlaf Erholung Bett Schlafqualitaet Schlafmangel Ruhe Entspannung Regeneration Um die aktuelle Entwicklung einordnen zu können, lohnt ein Blick auf die bisherigen Phasen des Konflikts. Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine haben beide Seiten mehrfach lokale Feuerpausen angekündigt oder akzeptiert – keine davon hielt länger als wenige Stunden. Humanitäre Korridore wurden regelmäßig gebrochen, Waffenstillstandsverhandlungen im Frühjahr der ersten Kriegswochen scheiterten. Die nun ausgerufene einseitige Waffenruhe ist insofern ein Novum, als sie nicht im Rahmen von Verhandlungen vereinbart wurde, sondern als unilateraler politischer Akt. Februar 2022 Russland beginnt den umfassenden Angriffskrieg gegen die Ukraine. Internationale Verurteilung, erste Sanktionspakete der EU und der G7. Deutschland liefert zunächst nur Helme, bevor die Bundesregierung ihre Haltung grundlegend revidiert. Frühjahr 2022 Verhandlungen in Istanbul: Beide Seiten kommen sich kurzzeitig näher, doch nach dem Bekanntwerden der Kriegsverbrechen in Butscha bricht Kiew die Gespräche ab. Eine erste informelle Feuerpause scheitert innerhalb von Stunden. Sommer bis Herbst 2023 Die ukrainische Gegenoffensive im Süden und Osten zeigt begrenzte Fortschritte. Internationale Vermittlungsinitiativen – unter anderem aus China und der Afrikanischen Union – finden kein Echo in Moskau. Aktuell Ukraine ruft einseitige, unbefristete Waffenruhe aus, die Mitternacht in Kraft tritt. Russland kündigt eine auf 72 Stunden begrenzte Feuerpause ab Freitag an. Die Diskrepanz beider Ankündigungen birgt erhebliches Eskalationspotenzial. Kommende Tage Entscheidende Phase: Hält die ukrainische Seite die Waffenruhe durch, ohne selbst beschossen zu werden? Internationale Beobachter und Vermittler – darunter die OSZE – sind aufgefordert, die Lage zu verifizieren. Reaktionen aus Berlin: Vorsichtige Unterstützung, strategische Skepsis Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, Deutschland begrüße jeden ernsthaften Schritt in Richtung Deeskalation, mahne jedoch zur Vorsicht: Eine einseitige Waffenruhe ohne Sicherheitsgarantien könne die ukrainischen Streitkräfte in eine verwundbare Position bringen. Bundesaußenminister Johann Wadephul betonte, Deutschland werde die Ukraine weiter unterstützen – militärisch, finanziell und diplomatisch. Eine Verringerung der Waffenlieferungen stehe nicht zur Debatte, solange Russland keine glaubwürdigen Schritte zur Deeskalation unternehme. Im Bundestag wurde die Ankündigung aus Kiew kontrovers diskutiert. Eine Sondersitzung des Auswärtigen Ausschusses wurde für den Nachmittag einberufen. Die Fraktionen zeigten sich gespalten – sowohl hinsichtlich der Bewertung des ukrainischen Schritts als auch im Blick auf die deutschen Konsequenzen. Fraktionspositionen: CDU/CSU – Unterstützung für Selenskyjs Signal, aber klare Warnung: Eine einseitige Waffenruhe ohne Sicherheitsgarantien dürfe nicht zur Schwächung der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit führen. Die Unionsfraktion fordert eine sofortige NATO-Konsultation. SPD – Grundsätzlich positiv, aber zurückhaltend: Die SPD begrüßt jede Initiative zur Beendigung der Kämpfe, plädiert jedoch für multilaterale Verhandlungen unter UN-Mandat. Waffenlieferungen sollen nach Ansicht der SPD an diplomatische Fortschritte geknüpft werden. Grüne – Klare Unterstützung für die Ukraine: Die Grünen sehen die einseitige Waffenruhe als politisch klugen Schachzug, der Russland international unter Druck setzt. Gleichzeitig fordern sie, die Verteidigungsbereitschaft der Ukraine nicht zu verringern. AfD – Distanzierte Haltung: Die AfD nutzte die Bundestagsdebatte erneut, um ein sofortiges Ende der deutschen Waffenlieferungen und direkte Verhandlungen mit Moskau zu fordern – unabhängig von Kiews Bedingungen. Verfassungsrechtliche Dimension: Wann müsste der Bundestag entscheiden? Im Zuge der Debatte stellten mehrere Abgeordnete die Frage, ob ein mögliches deutsches Engagement bei der Überwachung einer Waffenruhe – etwa durch Bundeswehrkontingente im Rahmen einer OSZE-Mission – eines Parlamentsbeschlusses bedürfe. Verfassungsrechtler verwiesen auf die ständige Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, wonach jeder Einsatz bewaffneter Streitkräfte im Ausland der konstitutiven Zustimmung des Bundestages bedarf. Das Gericht hatte diese Grundsätze in mehreren Leitentscheidungen zu Auslandseinsätzen präzisiert und dabei klargestellt, dass auch Beobachtermissionen mit potenzieller Gefährdungslage unter den Parlamentsvorbehalt fallen können. Solche Überlegungen sind derzeit spekulativ, jedoch politisch bereits im Umlauf. Der Bundesrat hat sich bislang nicht zu der aktuellen Waffenruhe-Ankündigung geäußert. In der Vergangenheit hatten die Länder über den Bundesrat Entschließungen zur Ukrainepolitik verabschiedet – unter anderem zur beschleunigten Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge und zur Koordination humanitärer Hilfe. Eine Sondersitzung der Länderkammer ist derzeit nicht geplant. Expertenmeinungen: Zwischen Hoffnung und Skepsis Politologen und Sicherheitsexperten sind sich uneinig über die strategische Tragweite des ukrainischen Schritts. Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München, warnte in ersten Statements davor, die Waffenruhe als Vorstufe zu einem dauerhaften Frieden zu interpretieren. Russland habe kein Interesse an einem eingefrorenen Konflikt zu aktuellen Frontbedingungen, solange seine territorialen Ziele nicht erfüllt seien. (Quelle: Universität der Bundeswehr München) Dass die ukrainische Seite mit dem Schritt vor allem innenpolitisch und gegenüber den westlichen Partnern agiert, ist eine Einschätzung, die auch das Deutsche Institut für Internationale Politik und Sicherheit (SWP) teilt. In einer kurzfristig publizierten Analyse heißt es, die Initiative Kiews sei primär darauf ausgerichtet, die moralische Bürde einer Fortführung der Kämpfe Russland zuzuweisen. (Quelle: Stiftung Wissenschaft und Politik, SWP Berlin) Für eine breitere Einordnung der ukrainischen Initiative empfehlen Experten, auch die langfristigen strategischen Ziele Moskaus im Blick zu behalten – dazu liefert die Analyse zu Putins Kriegszielen und was Russland in der Ukraine wirklich erreichen will wichtige Hintergründe. Internationale Reaktionen: Washington lobt, Peking schweigt, Brüssel mahnt Das Weiße Haus erklärte, man begrüße die ukrainische Initiative als mutigen Schritt und erwarte von Russland eine unverzügliche und bedingungslose Reaktion. Aus Brüssel hieß es, die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas habe Selenskyj telefonisch ihre Unterstützung zugesichert und gleichzeitig darauf bestanden, dass eine Waffenruhe durch internationale Beobachter verifiziert werden müsse. China hingegen äußerte sich zunächst nicht und hielt an seiner bisherigen Position fest, wonach alle Parteien zu Verhandlungen aufgerufen seien – ohne konkrete Seite zu ergreifen. Die Türkei, die in der Vergangenheit als Vermittler fungiert hatte und maßgeblich an dem Getreide-Abkommen beteiligt gewesen war, bot erneut ihre Dienste an. Außenminister Hakan Fidan signalisierte Bereitschaft, Gespräche in Istanbul auszurichten, falls beide Seiten Interesse bekundeten. Land / Akteur Position zur Waffenruhe Konkrete Maßnahme / Forderung Ukraine (Kiew) Einseitige, unbefristete Waffenruhe ab Mitternacht Internationale Verifikation, Druck auf Russland Russland (Moskau) Begrenzte Feuerpause ab Freitag, 72 Stunden Vorbedingungen, Skepsis gegenüber ukrainischen Absichten Deutschland Vorsichtige Unterstützung Weiterführung der Waffenlieferungen, Sondersitzung im Bundestag USA Begrüßung der ukrainischen Initiative Forderung nach sofortiger russischer Reaktion EU / Brüssel Unterstützung mit Bedingungen Verifikation durch internationale Beobachter Türkei Neutral, vermittlungsbereit Angebot für Gespräche in Istanbul China Keine klare Positionierung Allgemeiner Aufruf zu Verhandlungen Was steht auf dem Spiel? Die kommenden Stunden und Tage werden zeigen, ob die ukrainische Waffenruhe eine echte Zäsur darstellt oder zu einem weiteren gescheiterten Deeskalationsversuch in einer langen Reihe wird. Selenskyj hat mit dem Schritt ein erhebliches politisches Risiko auf sich genommen: Sollte Russland die Waffenruhe nutzen, um eigene Kräfte neu zu gruppieren und dann erneut anzugreifen, stünde Kiew innenpolitisch unter massivem Druck. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie westliche Verbündete reagieren, wenn die ukrainische Seite beschossen wird, während sie formal die Waffen schweigen lässt. Die Lieferung von Verteidigungssystemen und Munition könnte dann noch dringlicher werden – gleichzeitig aber auch innenpolitisch in einzelnen europäischen Ländern schwieriger durchzusetzen sein. Über die Frage, wie sich eine mögliche Waffenruhe auf die Kampfmoral und die Frontlinien auswirkt, berichtet ein Fachbeitrag zum Thema Ukraine ruft einseitig Waffenruhe aus – Experte mahnt zur Vorsicht. Und wer verfolgen möchte, wie eine mögliche Bestätigung der Waffenruhe durch Selenskyj selbst ausgesehen hat, findet dies in der Berichterstattung über den Moment, als die Waffenruhe in der Ukraine in Kraft trat und Selenskyj sie würdigte. Für den Bundestag bedeutet die Entwicklung in jedem Fall erhöhten Handlungsdruck. Die Koalition aus CDU/CSU und SPD ist aufgefordert, eine gemeinsame Position zu formulieren – und das in einem außenpolitischen Umfeld, das sich innerhalb weniger Stunden grundlegend verändert hat. Wie Deutschland in vergleichbaren Krisensituationen reagiert hat, lässt sich an den Ereignissen ablesen, die in der Analyse zu Russlands Angriff auf die Ukraine und wie Deutschland am 24. Februar 2022 reagierte dokumentiert sind. Die Uhr tickt. Und mit ihr die Frage, ob diese Nacht in den Geschichtsbüchern als Beginn des Endes oder als weitere vergebene Chance stehen wird. 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