Umfrage: Zufriedenheit mit Merz und Bundesregierung auf Tiefstand
Nur 13 Prozent bewerten Bundeskanzler positiv, die Gesamtregierung kommt auf elf Prozent.
Nur 13 Prozent der Deutschen sind mit der Arbeit von Bundeskanzler Friedrich Merz zufrieden — ein Wert, der selbst erfahrene Politikbeobachter aufhorchen lässt. Die gesamte Bundesregierung kommt laut einer aktuellen Erhebung auf gerade einmal elf Prozent Zustimmung und damit auf einen historischen Tiefstand, der die neue Koalition bereits in ihrer Anfangsphase in ernsthafte Erklärungsnöte bringt.
Dramatischer Vertrauensschwund in Rekordzeit
Die Zahlen sind eindeutig und lassen wenig Interpretationsspielraum: Wer in Deutschland derzeit die Arbeit der Bundesregierung unter Friedrich Merz bewertet, tut dies in der überwältigenden Mehrheit negativ. Laut der jüngsten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag von RTL und ntv bezeichnen lediglich 13 Prozent der Befragten die Arbeit des Bundeskanzlers als gut oder sehr gut. Für die gesamte Koalition fällt das Bild noch düsterer aus: Nur elf Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger bewerten die Regierungsarbeit insgesamt positiv. (Quelle: Forsa)
Was diese Zahlen besonders brisant macht, ist der Zeitpunkt ihrer Entstehung. Die Koalition aus CDU/CSU und SPD befindet sich noch in ihrer politischen Frühphase, jener Phase also, in der neue Regierungen traditionsgemäß einen sogenannten Honeymoon-Effekt genießen — einen kurzzeitigen Zustimmungsbonus, den Wählerinnen und Wähler frisch gewählten Regierungen häufig gewähren, bevor die Realität des politischen Alltags einsetzt. Davon ist in den aktuellen Umfragewerten nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Vertrauenskurve verläuft seit der Regierungsbildung deutlich nach unten.
Zum Vergleich: Selbst die zuletzt tief in der Wählergunst gesunkene Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP wies in ihrer Anfangsphase Zustimmungswerte, die weit über den aktuellen Zahlen für Merz und sein Kabinett lagen. Der dramatische Kontrast zwischen den Erwartungen, die viele Unionswählerinnen und -wähler in den neuen Kanzler gesetzt hatten, und der jetzt gemessenen Realität könnte kaum schärfer sein.
Woran scheitert die Regierung Merz so früh?

Politikwissenschaftler und Meinungsforscherinnen verweisen auf ein Bündel von Ursachen, das sich in den ersten Wochen und Monaten der Regierung Merz aufgestaut hat. An erster Stelle steht die Frage der wirtschaftlichen Kompetenz — traditionell ein Kernversprechen der Union. Die Konjunkturdaten bleiben schwach, die Energiepreise belasten Haushalte und Industrie gleichermaßen, und konkrete Entlastungsmaßnahmen sind bislang nicht spürbar in der Lebenswirklichkeit der Bevölkerung angekommen.
Hinzu kommt das Thema Migration, das die innenpolitische Debatte dominiert. Merz hatte im Wahlkampf mit harten Tönen und klaren Ankündigungen gepunktet — doch die tatsächliche Umsetzungsfähigkeit stößt an rechtliche und praktische Grenzen, die auch durch eine veränderte Koalitionsarithmetik nicht ohne Weiteres aus dem Weg zu räumen sind. Das Bundesverfassungsgericht hat in der Vergangenheit mehrfach deutlich gemacht, dass migrationspolitische Maßnahmen verfassungsrechtlich eng begrenzt sind und an höchstrichterlichen Maßstäben gemessen werden — Maßstäben, die sich nicht durch Koalitionsverträge außer Kraft setzen lassen.
Auch die Haushaltspolitik sorgt für Unruhe. Die umstrittene Reform der Schuldenbremse und die Lockerung der Fiskalregel hat zwar kurzfristig finanzpolitischen Spielraum geschaffen, doch der öffentliche Diskurs darüber ist längst nicht abgeschlossen. Kritiker aus den eigenen Reihen ebenso wie aus der Opposition zweifeln daran, ob die aufgenommenen Mittel tatsächlich wachstumswirksam eingesetzt werden — oder ob lediglich strukturelle Probleme durch Schulden überdeckt werden.
Die Frage des Führungsstils
Jenseits inhaltlicher Streitpunkte spielt auch die Frage des Führungsstils eine zunehmend wichtige Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung. Friedrich Merz galt im Wahlkampf als entschlossener Macher, der nach Jahren des politischen Stillstands endlich Klarheit und Richtung versprach. In der Regierungsrealität zeigt sich jedoch, dass Entschlossenheit und Regierbarkeit nicht zwingend deckungsgleich sind. Koalitionskompromisse erfordern Flexibilität, manchmal auch das Zurückstecken eigener Positionen — und genau das wird von Teilen der Wählerschaft als Schwäche interpretiert.
Besonders aufmerksame Beobachter erinnern in diesem Zusammenhang an frühere Regierungen, die an ähnlichen Wahrnehmungsproblemen gescheitert sind. Das Muster ist bekannt: Wer im Wahlkampf zu viel verspricht, riskiert, daran gemessen zu werden. Die Erwartungslücke zwischen Versprechen und politischer Wirklichkeit kann sich schnell zu einem politischen Problem erster Ordnung auswachsen — und die aktuellen Umfragewerte deuten darauf hin, dass dieser Punkt bereits erreicht ist.
Ostdeutschland als besonderes Sorgenkind
Differenziert man die Umfragedaten regional, fällt eine besonders deutliche Diskrepanz zwischen West- und Ostdeutschland auf. In den östlichen Bundesländern ist die Skepsis gegenüber der Bundesregierung besonders ausgeprägt. Das ist insofern politisch brisant, als die AfD in Umfragen erstmals bei 30 Prozent liegt und damit in Ostdeutschland vielerorts zur stärksten Kraft avanciert ist. Wer die Bundesregierung nicht überzeugen kann, liefert der Protestpartei unfreiwillig Argumente.
Bereits zuvor hatte sich gezeigt, wie stark die AfD von Regierungsversagen profitieren kann. Als die AfD in Umfragen auf 20 Prozent und damit auf einen historischen Höchststand gestiegen war, war dies nicht zuletzt eine direkte Reaktion auf Politikverdrossenheit und das Gefühl eines erheblichen Teils der Bevölkerung, von der etablierten Politik nicht gehört zu werden. Diese Dynamik setzt sich fort — und verschärft sich.
Fraktionspositionen: CDU/CSU — Die Unionsfraktion verteidigt den Regierungskurs und verweist auf die komplexe Ausgangslage nach Jahren des Stillstands. Interne Kritiker mahnen jedoch zu entschlosseneren Schritten in der Wirtschafts- und Migrationspolitik. SPD — Die Sozialdemokraten betonen ihren Beitrag zur sozialen Absicherung im Koalitionsvertrag, stehen aber unter Druck ihrer Basis, die weitere Zugeständnisse an die Union kritisch sieht. Die schlechten Umfragewerte der Regierung treffen die SPD als kleineren Koalitionspartner besonders hart. Grüne — In der Opposition sehen die Grünen ihre Kritik an der neuen Regierung bestätigt. Sie werfen Merz vor, bei Klima- und Sozialpolitik Rückschritte zu machen und dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren. AfD — Die AfD wertet die Umfragedaten als Beleg für das Scheitern der etablierten Politik und positioniert sich lautstark als einzige Alternative. Sie profitiert direkt von der Unzufriedenheit mit der Bundesregierung und setzt auf weiteren Zulauf aus dem bürgerlichen Lager.
Vergleichsdaten: Wo steht die Koalition im Überblick?
| Kennzahl | Aktueller Wert | Vergleichswert Ampel (Startphase) | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Kanzlerzufriedenheit (Merz/Scholz) | 13 % | ca. 40 % | Deutlich unterdurchschnittlich |
| Regierungszufriedenheit gesamt | 11 % | ca. 35 % | Historischer Tiefstwert |
| AfD Sonntagsfrage | ca. 25–30 % | ca. 10–12 % | Stark gestiegen |
| CDU/CSU Sonntagsfrage | ca. 28–30 % | Wahlgewinner mit 28,5 % | Stagnation trotz Regierungsführung |
| SPD Sonntagsfrage | ca. 15–17 % | 25,7 % (Bundestagswahl) | Signifikante Verluste |
(Quelle: Forsa, Infratest dimap, eigene Zusammenstellung auf Basis veröffentlichter Umfragen)
Was die Geschichte über solche Tiefstände lehrt
Ein Blick in die jüngere politische Geschichte der Bundesrepublik zeigt: Regierungen, die derart früh in eine Vertrauenskrise geraten, haben zwar noch die Möglichkeit zur Erholung — doch sie ist an klare Bedingungen geknüpft. Entscheidend ist, ob es gelingt, in einem oder zwei zentralen Politikfeldern sichtbare Erfolge zu erzielen, die in der Bevölkerung tatsächlich ankommen.
Als Negativbeispiel dient häufig der Streit um das Heizungsgesetz und die gesenkten Anforderungen der Bundesregierung: Was als ambitioniertes Klimaschutzprojekt begann, wurde durch monatelangen Streit, Kommunikationschaos und schließlich eine Abmilderung nach starker Kritik zum Symbol für politisches Missmanagement. Die Ampelkoalition hat mit dem Rückzug beim Heizungsgesetz nach massivem öffentlichem Druck Schaden genommen, von dem sie sich nie vollständig erholt hat. Es war ein Lehrstück darüber, wie schnell politisches Kapital verspielt werden kann.
Merz und seine Koalition täten gut daran, diese Lektionen zu beherzigen. Die aktuellen Umfragewerte sind eine unmissverständliche Warnung: Die Geduld der Wählerinnen und Wähler ist begrenzt, das politische Gedächtnis der Öffentlichkeit länger als manchmal angenommen.
Bundesrat und institutionelle Hürden als Faktor
Erschwerend kommt hinzu, dass die Bundesregierung im Bundesrat auf erhebliche Widerstände stoßen kann. Die Länderkammer, in der die Stimmenverhältnisse nicht mit denen im Bundestag übereinstimmen, hat in der Vergangenheit wiederholt als Bremsklotz für Bundesregierungen gewirkt — unabhängig von deren politischer Couleur. Gerade bei Gesetzesvorhaben mit Zustimmungspflicht der Länder, also etwa in der Finanzpolitik oder bei Grundgesetzänderungen, ist die Koalition auf Kooperation angewiesen, die sie sich politisch erst erarbeiten muss.
Dass auch das 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr seinerzeit nur durch eine verfassungsändernde Mehrheit im Bundestag und die Zustimmung des Bundesrats möglich wurde, illustriert diese Abhängigkeit plastisch. Für die Regierung Merz bedeutet das: Gesetzgebung ist kein Selbstläufer, selbst dann nicht, wenn die Koalitionsarithmetik im Bundestag eigentlich stimmt.
Politische Konsequenzen und Ausblick
Was folgt aus alledem? Kurzfristig dürften die Umfragewerte den Druck auf die Koalitionsfraktionen erhöhen, rasch lieferbare Ergebnisse zu produzieren. Wirtschaftspolitik, Bürokratieabbau und bezahlbares Wohnen sind die Felder, auf denen die Regierung nach eigenem Bekunden punkten will. Ob ihr das gelingt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.
Mittelfristig ist die Frage entscheidend, ob Merz als Person überhaupt noch in der Lage ist, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Umfragen messen nicht nur politische Programme, sondern auch persönliche Glaubwürdigkeit. Und hier zeigt sich ein weiteres Problem: Wer einmal als unzuverlässig oder überfordernd wahrgenommen wird, hat es schwer, dieses Bild zu korrigieren — auch dann, wenn die Sachpolitik stimmt.
Die Zahlen von elf und 13 Prozent sind mehr als ein statistischer Fingerzeig. Sie sind ein politischer Alarm, der in den Parteizentralen an der Klingelschnur zieht. Ignoriert die Koalition dieses Signal, riskiert sie nicht nur schlechte Umfragewerte — sie riskiert, in den kommenden Wahlen auf Länderebene und schließlich auf Bundesebene




















