Politik

Aigner: Union kürt erste Frau für Bellevue

Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner soll als CDU/CSU-Kandidatin Bundespräsidentin werden.

Von Markus Bauer 7 Min. Lesezeit Aktualisiert: 07.11.2026
Aigner: Union kürt erste Frau für Bellevue
In Kürze
  • CDU und CSU nominieren Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner als gemeinsame Kandidatin für das Bundespräsidentenamt.
  • Aigner wäre die erste Frau im höchsten Staatsamt nach 78 Jahren und zwölf männlichen Vorgängern.
  • Die Bundesversammlung zur Wahl des nächsten Bundespräsidenten tagt voraussichtlich im Frühjahr 2027.

Die CDU/CSU-Spitze hat sich auf Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner als gemeinsame Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten geeinigt. Damit tritt erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine Frau aus dem Unionslager für das höchste Staatsamt an. Die Entscheidung fiel nach wochenlangen internen Abstimmungen zwischen CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder.

  • Ilse Aigner (CSU) ist seit 2018 Präsidentin des Bayerischen Landtags
  • Die Bundesversammlung zur Wahl des nächsten Bundespräsidenten tagt voraussichtlich im Frühjahr 2027
  • CDU/CSU verfügen in der Bundesversammlung über keine eigene Mehrheit und sind auf Stimmen anderer Fraktionen angewiesen
  • SPD und Grüne haben sich zur Kandidatur bislang nur zurückhaltend geäußert

Die Nominierung Aigners markiert einen Einschnitt in der Geschichte der Union, die das Bundespräsidentenamt bislang ausschließlich mit Männern besetzt hat. Politisch ist der Schritt auch als Signal in Richtung der eigenen Basis zu verstehen, nachdem CDU und CSU zuletzt wiederholt wegen mangelnder Repräsentanz von Frauen in Spitzenämtern kritisiert worden waren.

▶ Auf einen Blick
  • Ilse Aigner ist die erste Frau der Union, die für das Bundespräsidentenamt nominiert wurde.
  • Die Entscheidung folgt auf interne Diskussionen zwischen Merz und Söder.
  • Die Wahl auf Aigner deutet auf einen Versuch hin, Kritik an fehlender Repräsentanz von Frauen zu adressieren.

Wer ist Ilse Aigner und warum fiel die Wahl auf sie?

Ilse Aigner gilt innerhalb der CSU als erfahrene und integrative Figur. Die gelernte Elektrotechnikerin saß über zwei Jahrzehnte im Bundestag, war Bundesverbraucherschutzministerin unter Angela Merkel und anschließend bayerische Wirtschaftsministerin, bevor sie 2018 an die Spitze des Landtags in München wechselte.

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Innerhalb der Partei genießt Aigner den Ruf einer Konsensfigur, die auch über Fraktionsgrenzen hinweg als anschlussfähig gilt. Genau diese Eigenschaft dürfte den Ausschlag gegeben haben, denn ohne Stimmen aus anderen Lagern ist eine Wahl in der Bundesversammlung nicht zu erreichen.

Die Rolle von Merz und Söder bei der Entscheidung

Nach Angaben aus Parteikreisen hatten Merz und Söder bereits im Sommer mehrere Gespräche über mögliche Kandidaturen geführt. Söder soll sich früh für Aigner starkgemacht haben, auch um der CSU in der Debatte um das Staatsoberhaupt sichtbares Gewicht zu verschaffen (Quelle: Deutschlandfunk).

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Mehr Hintergrund zur Vorgeschichte der Personalie liefert der frühere Bericht Ilse Aigner: Wird sie erste Bundespräsidentin?, in dem bereits im Spätsommer über eine mögliche Kandidatur spekuliert wurde.

Wie läuft die Wahl des Bundespräsidenten eigentlich ab?

Wie läuft die Wahl des Bundespräsidenten eigentlich ab? – Aigner: Union kürt erste Frau für Bellevue
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Der Bundespräsident wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern von der Bundesversammlung, einem eigens für diesen Zweck einberufenen Gremium. Es setzt sich aus den Mitgliedern des Bundestages sowie einer gleich großen Zahl von Delegierten der Länder zusammen.

Für eine Wahl im ersten oder zweiten Wahlgang ist die absolute Mehrheit der Stimmen notwendig, im dritten Wahlgang genügt die einfache Mehrheit. Da CDU/CSU allein keine Mehrheit stellen, ist die Union auf Koalitionspartner oder zumindest wohlwollende Enthaltungen anderer Fraktionen angewiesen.

Warum die Mehrheitsverhältnisse entscheidend sind

Die aktuelle Sitzverteilung im Bundestag macht deutlich, wie knapp die Kalkulation für die Union ausfällt. Ohne verlässliche Zusagen aus der SPD-Fraktion, mit der die Union in der laufenden Legislaturperiode koaliert, wäre eine Wahl Aigners im ersten Durchgang kaum realistisch.

FraktionSitze im Bundestag (ca.)Haltung zur Kandidatur Aigner
CDU/CSU208Geschlossene Unterstützung
SPD120Koalitionspartner, Zusage noch offen
Grüne85Abwartend, eigene Beratungen laufen
AfD152Ablehnend, eigene Kandidatur angekündigt
Linke64Ablehnend

Die Zahlen zeigen: Selbst mit geschlossenen Stimmen von Union und SPD wäre die Mehrheit in der Bundesversammlung nicht automatisch gesichert, da auch die Delegierten der Länder je nach dortigen Koalitionen unterschiedlich abstimmen können.

Wie reagieren SPD, Grüne und AfD auf die Nominierung?

Aus der SPD-Fraktion kamen zunächst zurückhaltend-positive Signale. Fraktionschefin Bärbel Bas ließ über ihr Büro mitteilen, man werde die Personalie in den zuständigen Gremien beraten, bevor eine offizielle Haltung feststehe.

Die Grünen zeigten sich gespalten: Während Teile der Fraktion eine überparteiliche Persönlichkeit bevorzugen würden, verweisen andere auf die Bedeutung, erstmals eine Frau im Amt zu sehen, unabhängig von der Parteizugehörigkeit.

Die AfD kündigt Gegenkandidatur an

Die AfD-Fraktion reagierte erwartungsgemäß ablehnend und kündigte an, eine eigene Kandidatur ins Rennen zu schicken. Angesichts der Sitzverteilung gilt eine eigene Mehrheit der AfD in der Bundesversammlung jedoch als ausgeschlossen (Quelle: infratest dimap).

Fraktionspositionen: CDU/CSU unterstützt Aigner geschlossen, SPD berät noch über ihre Haltung als Koalitionspartner, Grüne sind in der Fraktion gespalten zwischen Parteilogik und Symbolik der ersten Bundespräsidentin, AfD lehnt ab und stellt eigene Kandidatur in Aussicht.

Welche politischen Spannungen begleiten die Personalie?

Die Nominierung fällt in eine Phase, in der das Verhältnis zwischen Union und SPD ohnehin angespannt ist. Zuletzt hatten Streitigkeiten über Steuer- und Rentenfragen die Koalition belastet.

Beobachter sehen in der Kandidatur Aigners auch einen Versuch, nach den Auseinandersetzungen der vergangenen Monate ein gemeinsames, integrierendes Projekt zu präsentieren. Ob dies gelingt, hängt maßgeblich davon ab, wie verlässlich die SPD-Spitze ihre Fraktion auf eine Zustimmung einschwören kann.

Rückblick auf koalitionsinterne Konflikte

Die Spannungen reichen bis in den Sommer zurück, als Klingbeils Steuerpläne spalten sogar die Union für erhebliche Unruhe sorgten. Auch beim Thema Altersvorsorge kam es zuletzt zum Schlagabtausch, dokumentiert im Artikel Rentenstreit eskaliert: Bas fordert Union zur Klarheit auf.

Vor diesem Hintergrund wird die Bundespräsidentenwahl auch als Testfall für die Stabilität der Koalition gewertet. Ein Scheitern der Kandidatin im ersten Wahlgang könnte als Signal für tiefere Risse interpretiert werden.

Welche Rolle spielen Bundesverfassungsgericht und Bundesrat?

Das Bundesverfassungsgericht hat in früheren Entscheidungen wiederholt betont, dass die Neutralität des Bundespräsidentenamtes auch während des Wahlverfahrens zu wahren sei. Kandidierende amtierende Amtsträger müssen demnach ihre jeweiligen Funktionen strikt von der Kandidatur trennen (Quelle: Bundesverfassungsgericht).

Der Bundesrat selbst wählt den Bundespräsidenten nicht direkt, seine Mitglieder entsenden jedoch über die Landesregierungen Delegierte in die Bundesversammlung. Die Zusammensetzung der Länderkammer gibt daher erste Hinweise auf mögliche Mehrheiten.

Bedeutung für das föderale Gleichgewicht

Da Aigner aus Bayern stammt und dort ein hohes Landesamt bekleidet, wird in Länderkreisen diskutiert, ob die Kandidatur auch das föderale Gleichgewicht zwischen den Bundesländern berührt. Vertreter kleinerer Länder mahnen, dass künftige Nominierungen stärker die regionale Vielfalt widerspiegeln sollten.

Gleichzeitig verweisen CSU-Vertreter darauf, dass Bayern mit Aigner erstmals seit Langem wieder eine ernsthafte Chance auf das höchste Staatsamt habe, was innerhalb der Partei als wichtiges Signal gewertet wird.

Wie geht es jetzt im Verfahren weiter?

Nach der internen Einigung muss die Kandidatur formal durch die zuständigen Parteigremien von CDU und CSU bestätigt werden. Parallel dazu laufen Gespräche mit der SPD-Fraktionsführung, um eine gemeinsame Unterstützung sicherzustellen.

Beobachter rechnen damit, dass sich die Debatte über die kommenden Wochen weiter zuspitzt, insbesondere wenn sich Grüne oder SPD für eine eigene Kandidatin oder einen eigenen Kandidaten entscheiden sollten.

Zeitlicher Fahrplan bis zur Bundesversammlung

Der genaue Termin der Bundesversammlung steht noch nicht endgültig fest, gilt aber als für das Frühjahr 2027 wahrscheinlich. Bis dahin müssen sich die Fraktionen auf ein gemeinsames oder konkurrierendes Vorgehen einigen.

Spätsommer 2026
Erste Berichte über mögliche Kandidatur Ilse Aigners innerhalb der Union tauchen auf.
Oktober 2026
Merz und Söder führen mehrere interne Gespräche über eine gemeinsame Kandidatenfrage.
07. November 2026
CDU und CSU verkünden offiziell Ilse Aigner als gemeinsame Kandidatin für das Bundespräsidentenamt.
Kommende Wochen
Gespräche mit SPD-Fraktion über Unterstützung der Kandidatur, Reaktionen von Grünen und AfD werden erwartet.
Frühjahr 2027
Voraussichtlicher Termin der Bundesversammlung zur Wahl des nächsten Bundespräsidenten.

Was bedeutet die Kandidatur für die Union insgesamt?

Für CDU und CSU ist die Nominierung auch ein innenpolitisches Signal nach den zuletzt turbulenten Monaten. Die Fraktion hatte im Frühjahr mit der Wahl von Jens Spahn zum Fraktionschef, dokumentiert im Artikel Frei mit 91,9 Prozent zum Unionsfraktionschef gewählt, bereits personelle Weichen gestellt. Allerdings mehrten sich zuletzt auch kritische Stimmen aus dem konservativen Flügel, wie der Bericht Merz unter Druck: Unions-Hardliner fordern Kurswechsel zeigte.

Symbolkraft und Erwartungen an das Amt

Für viele Beobachter liegt die eigentliche Bedeutung der Kandidatur weniger in der Tagespolitik als in ihrer symbolischen Wirkung. Erstmals könnte eine Frau aus dem Unionslager das höchste Staatsamt der Bundesrepublik bekleiden, was von Verbänden und Frauenorganisationen überwiegend positiv aufgenommen wurde (Quelle: Spiegel).

Gleichzeitig mahnen Kritiker, dass Symbolik allein keine politischen Konflikte löse, etwa jene um Klimapolitik, die zuletzt im Streit um das Grundgesetz sichtbar wurden, nachzulesen im Artikel Streit um Grundgesetz: Union blockt Klima-Vorstoß der SPD.

Ob Ilse Aigner tatsächlich zur ersten Bundespräsidentin der deutschen Geschichte gewählt wird, entscheidet sich erst in der Bundesversammlung. Bis dahin dürfte die Suche nach einer tragfähigen Mehrheit die politische Debatte in Berlin maßgeblich bestimmen.

Mehr zum Thema
EinordnungDie Nominierung von Ilse Aigner stellt einen historischen Moment für die CDU/CSU dar und signalisiert eine verstärkte Berücksichtigung von Geschlechtergleichstellung innerhalb der Partei. Eine Wahl im Frühjahr 2027 wird von der Zustimmung anderer Fraktionen in der Bundesversammlung abhängen.
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Originalquellen: ARD

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